Vier Heimniederlagen in Folge – davon zwei gegen die beiden Letzten der Tabelle, 14 Halbzeiten ohne eigenes Tor, einen von 21 möglichen Punkten auf der Habenseite – das ist die Frankfurter Eintracht im Jahr 2011. Und doch war das Spiel gegen den VfB Stuttgart bemerkenswert – und dies gleich in verschiedener Hinsicht.

Da wäre die Soundkulisse beim Einschießen der Eintracht vor dem Spiel: Ah und Ohs wechselten mit leicht aufbrausendem Beifall ab, kaum zu glauben:  Teile der Kurve – also des Publikums – kommentierte jeden Schuss, man könnte auch sagen: verhöhnte die Akteure. Eintracht Fans gefielen sich darin, die eigene Mannschaft zu demoralisieren – vor dem Spiel gegen Stuttgart, gegen den Tabellenvorletzten, in dem die Eintracht einen Sieg bitter nötig gehabt hätte, um den durchaus noch vorhandenen Vorsprung auf die Abstiegsränge zu vergrößern. Was folgte, war eine der großartigsten Reaktionen der Männer am Megaphon, die unmittelbar darauf die Kurve animierten, über laute Eintracht Rufe dem unwürdigen Treiben ein Ende zu setzen – immerhin: Es gelang.

Zuvor gefielen sich andere darin, in giftgrünen Trainingsanzügen durch das Stadion zu marschieren, wahrscheinlich ein Junggesellenabschied – der später in der Ostkurve ein rosa Banner mit der Aufschrift: Nackt sehen wir noch besser aus präsentierte. Hat nichts mit der Eintracht zu tun, nichts mit Fußball und spiegelt die Wandlung des Publikums wunderbar wider. Aus Begeisterung für das Spiel, das Team, den Sport wird die Selbstinszenierung – losgelöst vom eigentlich Dargebotenen. Rituale der Fußballfans wie Banner werden zur Selbstdarstellung völlig ohne Bezug zum Geschehen genutzt – eine Randnotiz, aber keine schöne.  Und auch nichts Neues; so ist Reklame in dieser Form seit Jahr und Tag in München zu beobachten, Menschen in weißen Klamotten setzen sich dergestalt auf die Plätze, dass sie das T eines bekannten Dienstleisters im Kommunikationsbereich formen.

Immerhin hatte die Mannschaft begriffen, dass das Vermeiden des Abstiegs über Kampf geht. Die Eintracht ackerte um jeden Ball, fightete um jeden Meter und erspielte sich jede Menge Torchancen. Dies immerhin wurde von der Kurve honoriert, unermüdlicher Support – traurigerweise ohne Happy End für alle Beteiligten. Trotz drückender Überlegenheit verhaspelte sich die Eintracht gleich zwei mal in der Defensive. Ein schnell ausgeführter Freistoß, den die Eintracht Abwehr verschlief und ein unglücklicher Abschlag zum Gegner führten zu den beiden Gegentoren, während die Eintracht Chance um Chance vergab. Pfosten, Stuttgarts Torhüter Ulreich und eine vielbeinige Abwehr verhinderten einen Treffer, es war zum verzweifeln. Einmal hatte ich gar den Eindruck, Fenin blockte einen Ball vor dem gegnerischen Tor selbst mit dem Kopf ab. Natürlich verstarben nach der Führung einige Stuttgarter auf dem Feld, um Sekunden danach wieder quicklebendig umher zu springen. Natürlich war die traditionelle Konzeptlosigkeit zu erkennen, die es nicht erlaubt, zehn Stuttgarter auszuspielen und natürlich stellt sich die Frage, weshalb ein Spieler, der sich noch im Winter geweigert hatte (mangels Perspektive) seinen Vertrag zu verlängern, die Mannschaft aufs Feld führen durfte – Pirmin Schwegler; eine weitere Randnotiz.

Immerhin, das Team hat gezeigt, dass noch Leben in ihm steckt, auch wenn diese Niederlage schmerzt – weil sie so ungerecht ist. Und immerhin hat die Kurve eindrucksvoll gezeigt – auch nach Spielende durch das Verhalten von Martin, dem Vorsänger, dass sie nicht gewillt ist, den drohenden Abstieg sang- und klanglos hinzunehmen und dennoch nicht gepfiffen hat, sondern den Schulterschluss mit der Mannschaft gesucht hat. Eine kämpferische Einstellung wird belohnt, auch wenn das Ergebnis nicht stimmt. Aber es wird verdammt noch mal Zeit, ein Tor zu erzielen. Es wäre das erste im Jahr 2011 im achten Spiel – nach vier Heimniederlagen am Stück. Und vielleicht kommt auch die Stadionregie auf den Trichter, dass es keine gute Idee ist, derzeit in der Arena Highway to hell zu spielen.

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