Seit dem 15.06.2017 ist sie nun in Frankfurt zu sehen, die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ in Erinnerung an jüdische Spitzensportler, welche bis April 1933 hocherfolgreich in ihren Sportarten waren, Deutsche Meister, Europameister, Weltrekordler, Olympiasieger. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren ihre Karrieren schlagartig beendet – und zum Teil auch das Leben. Ihr Leben.

Erstmals zu sehen war die vom Zentrum deutsche Sportgeschichte gemeinsam mit den Universitäten Potsdam und Hannover konzipierte Ausstellung anlässlich der European Maccabi Games 2015 in Berlin. Anschließend war sie in Fürth, Köln, Husum und Hildesheim zu sehen, jeweils öffentlich – in Berlin vor dem Hauptbahnhof. Bis auf einen kleineren Sachschaden in Husum blieben die Tafeln der Sportler unbeschädigt, in Frankfurt wurden nur wenige Tage nach Eröffnung gleich zwei Tafeln zerstört, ob aus antisemitischen Gründen oder unpolitischem Vandalismus ist bis jetzt ungeklärt. Bislang konnten die Figuren von Lilli Henoch und Walther Bensemann nicht ersetzt werden – und die Geschichte der Zerstörung ist nun auch Teil der Ausstellung, die in Frankfurt auch von der Frankfurter Eintracht, konkret dem Eintracht Museum, gefördert wird. Diese Ausstellung ist weiterhin bis zum 7. Juli auf dem Frankfurter Rathenauplatz zu sehen.

Walther Rathenau, Namensgeber des Platzes an zentraler Stelle in der Innenstadt, war gleichfalls Jude und deutscher Reichsaußenminister bis er 1922 in Berlin ermordet wurde. Weit vor Anbruch der NS-Zeit ist ein Zitat von ihm überliefert, welches auf die Situation der Juden auch in der Weimarer Republik verweist:

„In den Jugendjahren eines jeden deutschen Juden gibt es einen schmerzlichen Augenblick, an den er sich zeitlebens erinnert: wenn ihm zum ersten Male voll bewußt wird, daß er als Bürger zweiter Klasse in die Welt getreten ist und keine Tüchtigkeit und kein Verdienst ihn aus dieser Lage befreien kann.“

Die Ausstellung ist aus mehreren Gründen bemerkenswert – und sie reicht bis weit in die Gegenwart. Dies liegt nicht nur an der Schwimmerin Sarah Poewe, welche, 1983 geboren, die erste jüdische Medaillengewinnerin seit Helene Mayer 1936 bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen war und die aus diesen Gründen ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.

Wenn wir uns seit der Nachkriegszeit oberflächlich mit Erscheinungsformen jüdischen Lebens konfrontiert gesehen haben, so prägten im Prinzip zwei Stereotypen das Bild. Einerseits die ausgemergelten Leidensgestalten aus den Konzentrationslagern, die gequälten Kreaturen, die im besten Falle lebenden Toten, bis auf das Skelett abgemagert in der zerschlissenen Häftlingskleidung. Andererseits hat das propagandistische Zerrbild der Nationalsozialisten bis weit nach Kriegsende überlebt, die hämischen Zeichnungen, die Judennase, der Geldsack – angelegt jedoch schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein drittes Bild möge vielleicht noch angeführt werden, betreffend den „Geist“ sprich der Religionsgelehrte, der Wissenschaftler, der Musiker, der Schriftsteller. Einstein, Freud, Gershwin, Kafka und viele weitere. Jüdische Sportler aber sind im kollektiven Gedächtnis nicht verankert, Kraft oder Wehrhaftigkeit sind nicht die Attribute, die Juden zugestanden wurden – was nicht zuletzt an der auch vor 1933 antisemitischen Stimmung in großen Teilen der Bevölkerung lag und die erste große Sportbewegung, die Turner, gleichwohl dem völkischen Geist nahe stand. Dennoch werden die Turner Alfred und Gustav Felix Flatow bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit gleich mehrfache Olympiasieger. Doch auch dieser Erfolg verhindert nicht, dass beide im hohen Alter ins Ghetto nach Theresienstadt geschickt werden. Dort kommen beide ums Leben, Albert bereits 1942, Gustav Felix verhungert 1945, nur wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers.

Auf dem zweiten Zionistischen Kongress 1898 in Basel prägt Max Nordau den Begriff des „Muskeljuden„, welcher dem vergeistigten  „Talmudjuden“ körperliche Kraft und Energie entgegensetzen sollte – auch für den Aufbau Palästinas als neue Heimat. Im Anschluss daran wurde der erste jüdische Turnverein gegründet, Bar Kochba. Die Namensgebung erfolgte in Anlehnung an Simon bar Kochba, der zwischen 132 und 135 n. Chr, einen Aufstand der Juden gegen das Römische Reich anführte. Bis 1933 aber waren viele Juden in den nun boomenden bürgerlichen Sportvereinen integriert, insbesondere der Fußball in Frankfurt wurde durch Juden geprägt. So spielte Ludwig Isenburger schon seit 1892 mit seinem Lederball, den der Vater von der Londoner Messe mitgebracht hatte, auf der Hundswiese, gründete die Germania 1894 als ersten Frankfurter Fußballverein mit und war später auch für die nachfolgenden Clubs aktiv. Später wurde sein Verein die Frankfurter Eintracht, die er auch sportjournalistisch begleitete. Walther Bensemann, Weltreisender in Sachen Fußball, gründete nicht nur etliche Fußballvereine, wie die Frankfurter Kickers oder den Karlsruher FV, sondern war auch an der Gründung des DFB beteiligt. Auch der Name „Deutscher Fußball Bund“ geht auf ihn zurück. 1920 gründet er zudem noch die Zeitschrift „kicker“, die er bis zu seiner Zwangsemission 1933 leitet. Bensemann kann Deutschland zwar in Richtung Schweiz verlassen, stirbt aber 1934 geschwächt in Montreux. Sogar aus den Annalen des kicker wird er getilgt.

Für viele Juden stand allerdings nicht ihre religiöse Identität im Vordergrund, sie sahen sich gleichermaßen als Deutsche und waren in ihren Heimatorten in der Weimarer Republik verwurzelt – und etliche kämpften zuvor im Ersten Weltkrieg für Volk und Vaterland an der Front und krepierten in den Gräben wie tausend andere auch. Dennoch kristallisierten sich  in der Folge zwei divergierende jüdische Sportbewegungen heraus. Einerseits die zionistisch geprägten Makkabianer, andererseits der eher national geprägte Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, aus dem die Sportbewegung „Schild“ hervorging. Erst als ab April 1933 jüdische Sportler systematisch ausgegrenzt wurden, bildeten jüdische Vereine, die bis Ende 1938 –  wenn auch zum Teil unter erschwerten Bedingungen – aktiv sein durften, ein Auffangbecken für die nun sportlich obdachlosen Sportler.

In der Ausstellung selbst wird der Lebens- und Leidensweg von 16 jüdischen Sportlern geschildert, dazu kommt die schon erwähnte Sarah Poewe. Nahezu allen gemein ist, dass sie ihre herausragenden sportlichen Leistungen nicht vor Ausgrenzung und Verfolgung schützten. Dennoch verliefen ihre Lebenswege sehr unterschiedlich – vom frühen Suizid Nelly Neppachs 1933 bis zur erstaunlichen Tatsache, dass Gretel Bergmann bis heute in den USA lebt – im Alter von 103 Jahren.

Der älteste erwähnte Sportler ist Emanuel Lasker, der von 1894 bis 1921 Schachweltmeister war, ein bis heute gültiger Rekord. Lasker, der zu den führenden Intellektuellen Berlins zählte, verließ Deutschland schon 1933. Über die Niederlande und London emigrierte er nach Moskau und von dort nach New York, wo er am 11.1.1941 verarmt stirbt.

Der jüngste erwähnte Sportler hingegen ist neben Sarah Poewe der Basketballer Ralph Klein – dessen Karriere jedoch erst nach Ende des Weltkrieges begann. Der 1931 in Berlin geborene Klein überlebte den Holocaust, musste jedoch mit seiner Familie 1939 nach Ungarn fliehen. 1943 wurden sein Vater und seine Schwester nach Auschwitz deportiert, der Vater dort ermordet. Klein überlebte in Ungarn auch dank der Initiative von Raoul Wallenberg, verlässt die neue Heimat aber 1951 in Richtung Israel. Dort avancierte er zu einem erfolgreichem Basketballspieler und -trainer und holt mit Maccabi Tel Aviv 1977 den Europapokal der Landesmeister, ein Ereignis dessen Auswirkungen für Israel vergleichbar ist mit dem Erringen des WM-Titels 1954 der deutschen Fußballer in Bern für die deutsche Identität. Als Klein 1983 Trainer der deutschen Nationalmannschaft wird, schafft er es, das brachliegende Team auf olympisches Niveau zu hieven. Und während er in Deutschland noch immer antisemitischen Vorurteilen ausgesetzt ist, trifft die Entscheidung Kleins nach Deutschland zu gehen auch in Israel auf Unverständnis. 2008 stirbt Ralph Klein in Ramat Gan, nahe Tel Aviv.

Tragisch verliefen die Lebensläufe von Lilli Henoch und Nelly Neppach. Während die gebürtige Frankfurterin Nelly Neppach als Tennisspielerin Karriere macht und 1925 erstmals Deutsche Meisterin wird, holt sich die Leichtathletin Lilli Henoch in verschiedenen Disziplinen mehrere Deutsche Meisterschaften und die Weltrekorde im Diskuswurf, im Kugelstoßen und in der 4*100 Meter Staffel. Neppachs langjährige Konkurrentin ist die gleichfalls in Frankfurt geborenen Jüdin Ilse Friedleben, welche sich in den 20er Jahren gleich mehrfach den Titel in Deutschland sichern kann. Während Friedleben 1933 emigriert und 1963 in London stirbt, nimmt sich Neppach schon 1933 das Leben. Bereits 1926, als sie eine Einladung zu einem Turnier beim damaligen deutschen Erzfeind in Frankreich annimmt, reagiert der DTB unwirsch und mit antisemitischen Untertönen – und belegt Neppach mit einem Spielverbot, welches jedoch wieder aufgehoben wird. Neppach, die nunmehr in Berlin lebt, wird im April 1933 endgültig vom Spielbetrieb und ihrem Verein Tennis Borussia ausgeschlossen. Keinen Monat später endet ihr junges Leben durch eigene Hand.

Lilli Henoch, deren Tafel in Frankfurt als erste beschädigt wurde, arbeitet nach ihrer aktiven Karriere auch weiterhin bei ihrem Verein, dem Berliner Sport-Club in verantwortlicher Position. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Turnlehrerin und Orthopädin an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen in Berlin. Als sie 1933 vom BSC ausgeschlossen wird, schließt sie sich dem Jüdischen Turn- und Sportclub 1905 an und sorgt mit den Handballerinnen für Furore. Nach der Reichspogromnacht darf sie auch hier nicht weitermachen. Sie arbeitet noch in einer Berliner jüdischen Schule als Turnlehrerin, lehnt es aber ab, im Ausland als Trainerin zu wirken. Am 5. September wird sie nach Riga deportiert – und auf dem Weg dorthin mit anderen Schicksalsgenossen ermordet.

Mit Walther Bensemann, Gottfried Fuchs und Julius Hirsch repräsentieren gleich drei in Karlsruhe aktive Sportler den jüdischen Fußball. Der Karlsruher FV, 1891 von Walther Bensemann gegründet, wird 1910 Deutscher Meister. Mit im Team: Gottfried Fuchs und Julius Hirsch. Beide avancierten zum Nationalspieler und nehmen 1912 an den Olympischen Spielen teil. dabei erzielt Fuchs bei 16:0 gegen Russland zehn Tore in einem einzigen Spiel – bis heute ein deutscher Rekord. Im Kampf um die Südwestdeutsche Meisterschaft 1912 trifft der Karlsruher FV auch auf den Frankfurter Fußballverein. Beide Spiele enden 7:0 für Karlsruhe, Fuchs und Hirsch treffen nach Belieben. Beide nehmen beide aktiv am ersten Weltkrieg teil. Fuchs, der nach seiner Zeit in Karlsruhe in Berlin sesshaft wird, kann 1937 nach Frankreich, 1939 nach Kanada fliehen und verstirbt dort 1972 als Godfrey E. Fochs – zuvor hatte ihm der DFB noch die Ehrenteilnahme beim ersten Länderspiel im neuen Münchner Olympiastadion versagt. „Man wolle kein Präzedenzfall schaffen“ so der DFB seinerzeit. Allerdings war 1972 außer Fuchs kein einziger jüdischer Nationalspieler mehr am Leben.

Hirsch, der 1914 mit der Spvgg Fürth erneut Deutscher Meister wird und später nach Karlsruhe zurückkehrt, greift seinem Ausschluss aus dem Club vor und tritt 1933 enttäuscht aus. Sogar der Zutritt zum Stadion bleibt ihm verwehrt. Eine Zeitlang spielt „Juller“ wie er genannt wird, noch für den jüdischen Club Turnclub 03 Karlsruhe – doch die Schlinge zieht sich unbarmherzig zu. Hirsch verarmt zusehends, auch die Ehe mit einer Nichtjüdin schützt ihn nicht. Er lässt sich von seiner Frau Ella scheiden, um diese und seine Kinder zu retten, verfällt in Depressionen und wird schließlich im März 1943 nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt und offiziell auf den 8. Mai 1945. Es ist zu befürchten, dass Hirsch gleich nach seiner Ankunft in Auschwitz von der Rampe in den Tod selektiert wird.

Für Rudi Ball, Helene Mayer und Gretel Bergmann stand sogar die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 zur Debatte, eine Teilnahme, die sich für Ball und Mayer – wenn auch unter anderen Vorzeichen – tatsächlich erfüllen sollte, für Gretel Bergmann jedoch nicht. Rudi Ball war einer der erfolgreichsten Eishockeyspieler seiner Zeit, wurde mit dem BSC mehrfach Deutscher Meister, holte drei Mal den Spengler Cup und sogar Bronze bei der Olympiade 1932. Zwar verlässt Ball 1933 seine Berliner Heimat und heuert in St. Moritz, später in Mailand an, wird aber ob seiner herausragenden Spielweise für die Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch nominiert, an denen er auch teilnimmt. Der damalige Kapitän Gustav Jaenicke hatte sich für ihn eingesetzt. Erstaunlicher Weise kehrt Ball 1936 nach Berlin zurück und bleib beim BSC bis 1943 aktiv. Er überlebt den Krieg in Deutschland und verlässt das Land erst Ende der 40er Jahre in Richtung Südafrika.

Helene Mayer ist eine der ganz großen Fechterinnen der Zwanziger und Dreißiger Jahre. Die gebürtige Offenbacherin erringt 1928 bei der Olympiade in Stockholm die Goldmedaille für Deutschland und dadurch enorme Popularität. Blond und großgewachsen stürzen sich die Fotografen auf sie. Die Tochter eines jüdischen Arztes wird von allen Seiten vereinnahmt, wobei sie selbst nicht religiös ist und sich nicht als Jüdin sieht. In Frankfurt studiert sie Recht und wird kurzzeitig Mitglied bei der Frankfurter Eintracht. Später setzt sie ihr Studium in Paris und den USA fort – und wird auch in den Vereinigten Staaten mehrfache Fechtmeisterin. Zwar wurde ihr von den Nationalsozialisten das Stipendium entzogen, doch als die Olympischen Spiele in Berlin anstehen, soll sie als Vorzeigejüdin für Deutschland starten – auch um einen drohenden Boykott der Spiele durch die USA zu verhindern. Da sie die Spiele als sportliche Herausforderung sieht, willigt sie ein und erringt die Silbermedaille. Während der Siegerehrung zeigt sie sogar den Hitlergruß. 1937 siedelt sie endgültig in die Staaten über und nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an, kehrt aber 1952 nach Deutschland zurück. Nur ein Jahr später stirbt sie im Alter von 42 Jahren in Heidelberg an Krebs.

Gretel Bergmann lebt noch heute im Alter von 103 Jahren in Queens, New York. Sie war zu Beginn der Dreißiger Jahre eine der weltbesten Hochspringerinnen, wird aber wie so viele 1933 von ihrem Heimatverein, dem Ulmer Fußball-Verein 1894, ausgeschlossen und emigriert nach England. Auch sie soll wie Mayer an den Olympischen Spielen teilnehmen, um einen US-Boykott zu verhindern. Durch Druck auf ihre in Deutschland lebende Familie wird sie zur Rückkehr nach Deutschland gezwungen und nimmt an den Vorbereitungen zur Olympiade teil. Doch als sich eine Teilnahme der USA abzeichnet, wird sie kurzerhand ausgebootet. Ihre nichtjüdische Konkurrentin Dora Ratjen, mit der sie in der Vorbereitung ein Zimmer teilt und die nicht ganz ihre Leistung erreicht, nimmt an den Spielen teil – und entpuppt sich Jahre später als Mann. Der Platz Bergmanns aber blieb unbesetzt, ihr Heimtrainer für die Dauer der Spiele in Schutzhaft genommen. Nach den Spielen wird auch ihr Name aus den Bestenlisten getilgt. 1937 emigriert sie in die USA und wird auch dort mehrfach US-Meisterin.

Neben den erwähnten Sportlern beschäftigt sich die Ausstellung noch mit der Leichtathletin Martha Jacob, die 1937 nach Südafrika emigrieren kann, mit dem Meisterboxer Erich Seelig, der seine vielversprechende Karriere nicht in Deutschland beenden kann. Sogar einen Titelkampf muss er nach Morddrohungen gegen ihn absagen. Von seinem Verband ausgeschlossen, emigriert er über Paris, London, und Kuba in die USA und engagiert sich dort für den Boykott der Spiele. In den Vereinigten Staaten kann er sich mit einer Boxschule eine neue Existenz aufbauen – bis er 1984 im Alter von 74 Jahren verstirbt.

Tragisch auch das Schicksal der Brüder Hermann und Julius Baruch, die 1924 Europameister im Ringen werden und sich anschließend in Bad Kreuznach eine Existenz aufbauen. Julius, der in Frankfurt Buchhändler gelernt hat, betreibt ein Taxiunternehmen, Hermann eine Polsterei. Als die Nationalsozialisten mächtig werden, verlieren sie peu a peu ihre Existenz. Hermann flieht 1938 nach Belgien, wird nach der deutschen Besatzung verhaftet und nach Auschwitz deportiert wo er 1942 ermordet wird. Julius, der zunächst in Bad Kreuznach bleibt, wird im November 1938 zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach deren Verbüßung ist an eine Flucht nicht mehr zu denken, dennoch wird seine Deportation mehrfach aufgeschoben. Wenige Wochen vor Endes des Krieges wird er doch noch nach Buchenwald deportiert – und kurz vor der Befreiung des Lagers ermordet.

Es sind die Geschichten von Ausgrenzung, Vertreibung, Verfolgung, von Tod und Verderben, welche die Sportler aus einem einzigen Grunde ereilte: Weil sie Juden waren – oder die Nazis sie als Juden definierten. Und ihre Tragik besteht nicht nur darin, dass ihre Sportlerkarrieren zumeist abrupt endeten, dass sie alle ihre Existenz und viele ihr Leben verloren; sie besteht auch darin, dass sie nach Ende des Krieges vergessen wurden, dass ihre Namen aus der Erinnerung getilgt werden sollten – und dies beinahe auch gelungen wäre – hätten sich nicht immer wieder Einzelne dafür eingesetzt, dass genau dies nicht geschieht. Es hat lange gedauert. Nur wenige Sportstätten sind nach ihnen benannt, wenige Straßen und Plätze. Seit 1996 wird die Flatow-Medaille  an verdiente Turner vergeben, seit 2005 der Julius Hirsch Preis. Doch die Geschichte der Erinnerung ist noch nicht zu Ende, sie darf auch nie zu Ende gehen – auch weil Antisemitismus noch heute in vielen Gewändern präsent ist – wie nicht zuletzt die aktuell beschämende Diskussion um den Film Auserwählt und ausgegrenzt: Der Hass auf Juden in Europa zeigt.

Die Ausstellung wird noch bis zum 7. Juli auf dem Frankfurter Rathenauplatz zu sehen sein. Jeweils Sonntags um 17:00 Uhr und  Mittwochs um 18:00 Uhr gibt es öffentliche Führungen. Gruppen oder Schulklassen können sich zudem im Jüdischen Museum nach Sonderführungen erkundigen. Auch das Eintracht Frankfurt Museum unterstützt die Ausstellung.

Update 26/06/2017

Die Figuren von Lilli Henoch und Walther Bensemann wurden erneuert und sind wieder zu sehen.