Während für die Bundesliga-Mannschaft der Eintracht die Saison gelaufen ist, muss die zweite Mannschaft, also die U23, noch die Regionalligasaison 2013/14 zu Ende spielen. Da vor wenigen Wochen seitens der Eintracht die Entscheidung getroffen wurde, die ehemaligen „Amateure“ fürderhin nicht mehr antreten zu lassen, geht also nicht nur eine Saison zu Ende, sondern eine Ära.

Und so stand am 17. Mai 2014 das letzte Heimspiel auf dem Programm, ein Heimspiel, das wie schon seit Jahren quasi auswärts absolviert wurde, nämlich am Bornheimer Hang, neudeutsch Volksbank Stadion. War der heimische Riederwald jahrzehntelang ausreichend, so musste die Mannschaft nach der Ligareform und dem damit verbundenen „Aufstieg“ in die Regionalliga 2008 nach Bornheim umziehen, spielte aber dennoch weiterhin in der vierthöchsten Spielklasse, da seinerzeit eine neue dritte Liga eingeführt wurde.

Bei bestem Wetter waren schon Stunden vor Anpfiff etliche Wegbegleiter dem Aufruf der UF97 gefolgt und hatten sich am Riederwald versammelt. Es gab Worscht und Weck und dazu eine kleine Fotoausstellung mit Bildern der vergangenen Jahre während einige noch an Choreoelementen für das bevorstehend Spiel bastelten. Da am Riederwald zudem das U19-Spiel der Eintracht gegen die Spvgg Fürth angepfiffen werden sollte, wunderten sich die im Mannschaftsbus anreisenden Fürther nicht schlecht über den Andrang, noch wussten sie nicht, dass ein großer Teil der Anwesenden sich später die paar Meter nach Bornheim aufmachen würde.

Während die U23 in den letzten Jahren von einigen Spitzenspielen abgesehen doch eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielte, so sollten beim letzten Spiel über Tausend Fans eine stimmgewaltige Kulisse bilden – nahezu ausschließlich Eintrachtler, Gästefans aus Pfullendorf waren so gut wie keine anwesend.

Während die Kurve gut gefüllt war, versammelten wir uns auf der Haupttribüne im Eckchen, Pia war dabei und Flo und Thor und dann kam sogar Kid anmarschiert, der sich genau wie Öri das letzte Spiel nicht entgehen lassen wollte. Michael Gabriel, von allen Eintrachtlern nur „Öri“ genannt, steht immerhin mit über 200 Einsätzen für die Amateure auf der Liste der Spieler mit den meisten Spielen recht weit oben. Und natürlich kam Roland Gerlach noch vorbei, der Mann, der über 900 Spiele der zweiten Mannschaft gesehen hat – wahrscheinlich auch ein Rekord für die Ewigkeit.

Sportlich war das Spiel unbedeutend, uns gibt es im kommenden Jahr nicht mehr, die Pfullendorfer waren schon abgestiegen und so entwickelte sich ein munteres Spielchen. Zuvor leuchtete die Kurve schön bunt, große Lettern „EINTRACHT“ wurden hochgehalten und mehr oder minder prominentes Liedgut angestimmt.

Die gelöste Stimmung während des Spiels, das am Ende mit 2:2 für jeden einen Punkt brachte, wandelte sich gegen Ende hin zu ein wenig Wehmut, natürlich auch bei mir, immerhin habe dich die Mannschaft neun Jahre lang als Stadionsprecher begleitet und etliche Protagonisten von damals waren ja auch heute noch in Amt und Würden wie der langjährige Betreuer Klaus Simon, der Zeugwart Klaus Nulle oder die Pressesprecherin Nina Bickel, die den viel zu jung verstorbenen Christoph Safran abgelöst hatte. Ein anderer fehlte leider auch, der unvergessene Kurt E. Schmidt, der nicht nur mein Vorgänger gewesen ist, sondern während all meiner Zeit neben mir am Riederwald stand und bei allen Eintrachtlern mehr als einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.

So hatte ich das Glück, nach Spielende noch einmal einige Worte über das Mikrofon durchsagen zu dürfen, anschließend wurde zum letzten Mal die Mannschaft und die Eintracht gefeiert, ehe es zum finalen Abschiedstrunk an den Riederwald ging.

Einmal noch werden die „Amateure“ für die Eintracht in einem Pflichtspiel auflaufen, kommenden Samstag in Koblenz. Natürlich werden sich noch einmal jede Menge Fans aufmachen, um dem Ende der zweiten Mannschaft einen gebührenden Abgang zu verschaffen. Der Nordwestkurvenrat hat einige Busse organisiert und dann war es das nach knapp 60 Jahren mit Herrenfußball im Verein Eintracht Frankfurt. Fortan wird die Konzentration auf der U19 und der U17 liegen, die Zukunft wird zeigen, ob die Entscheidung eine richtige war. Einer aber wird die U23 gewiss noch lange vermissen, Roland nämlich, 900 Spiele und jetzt die große Leere, das muss man erst einmal verkraften.