Der Tag begann eigentlich ganz lustig, Pia und ich ich wanderten guter Dinge zum Treffpunkt unten an der Günthersburgallee, wo Christian und Stefan uns einsammeln wollten. Wenige Schritte von unserer Wohnung entfernt lagen etliche Playboyhefte ordentlich eingeschweißt auf dem Bürgersteig, das ideale Mitbringsel für die Jungs. Ich packte deren zwei ein, während Pia die Angelegenheit etwas peinlich schien, immerhin, die anschließende Freude war kaum in Worte zufassen. Sinsheim also.

Nach einiger Überlegung fiel mir auf, dass ich bis dato alle Auswärtsspiele der Eintracht bei der lustigen TSG vor Ort miterlebt hatte, das erste allerdings damals noch in Mannheim. Ein Ausflug nach Sinsheim ist stets eine nette Sache, der Weg ist überschaubar, die Gegend schön – nur einen Bundesligaverein braucht es dort nicht unbedingt. Aber gut, Fußball ist kein Wunschkonzert. Mit einem Sieg wäre die Eintracht unabhängig von den anderen Ergebnissen endgültig gerettet, wobei niemand ernsthaft mit einem Abstieg rechnete, zu schwach traten in den letzten Wochen die Nürnberger aber auch der HSV auf – aber man weiß ja nie.

Stefan steuerte uns sicher durch die Landschaft, tröpfelte es bei Frankfurt noch leicht, so brach die Sonne umso stärker durch, je mehr wir uns dem Kraichgau näherten. Kurze Hosen allez! Traditionsgemäß parkten wir auf dem alkoholfreien Parkplatz gegenüber der Sparkasse, traditionsgemäß besuchten wir ein Schuhgeschäft in welchem Pia vor einigen Jahren orangene Chucks aus dem fahrenden Wagen entdeckt hatte und ebenso traditionsgemäß kehrten wir in einer Pizzeria ein, die wagenradgroße Pizzen serviert. Hoffenheim, Sinsheim – Tradition verpflichtet. Ich meine, nett sind sie schon im Ort. Egal wo man hinkommt, hier ein freundlicher Schwatz, dort eine kleine Info und natürlich gibt es auch einen Fußballclub, der hier schon ewig ansässig ist und recht sympathisch daher kommt. Der SV Sinsheim von 1910, dessen Sportgelände wir auf dem Weg zum Verein des heimatverbundenen Dietmar Hopp passierten. Traditionsgemäß fand auch die große Treckerausstellung just wieder am Wochenende des Eintrachtspiels statt, hier ist also die Welt noch in Ordnung, es gibt einen festen Rahmen innerhalb dessen die Tage rechtschaffen in die Zeit purzeln.

Nach einem kurzen Zwischenstopp an einer Jet-Tanke, das Paderborner Pilsener für 99 Cent, überquerten wir die Autobahn, durchschritten die Tunnel Richtung Stadion auf der grünen Wiese, sahen einen über und über mit deutschen Fähnchen geschmückten Kleinwagen und erreichten putzmunter den Gästeeingang – nachdem wir wie immer nur wenige Schritte entfernt einen großen Bogen laufen mussten. Dort tummelten sich schon etliche Frankfurter, gude wie und hallo, alsbald enterten wir das Stadion und trafen wie so oft in der letzten Reihe der Stehplätze auf Suse, Arne und Mülli. Später kam schusch und war völlig überzeugt, dass das Stadion in St. Gallen genau so aussieht – nur mit grünen Sitzen. Währenddessen hielten Flo und Roland in Neckarelz die Fahnen hoch, eines der letzten Auswärtsspiele unserer U23.

Makottchen ist hier in Sinsheim ein Plüschelch, man sollte ihm die Ohren am Zaun verknoten. Fahnenschwenker tummelten sich auf dem Rasen, das Badener Lied – mit Text auf der Anzeigetafel – ertönte und irgendwann gings dann los. Fünf Meter von uns entfernt wedelte eine große Fahne, so dass ich fortan vom Rasen so gut wie nichts mehr sah, Chancen der Eintracht erkannte ich am Raunen der geneigten Zuseher. Ich meine, Kurvenbild hin oder her, letztlich bin ich zum Fußballgucken hier und mich nervt so eine Fahne kolossal. Klar, hier und da ein paar mal geschwenkt, geschenkt. Aber nahezu 90 Minuten? Vor uns trommelte es gewaltig, aber man sieht wenigstens. Leider waren die Stehplätze recht voll, so dass ein Weg nach unten ausschied.

In Halbzeit zwei kickte die Eintracht auf unsere Kurve, jetzt sah ich etwas besser nichts. was zum einen an der Fahne lag und zum anderen an der Tatsache, dass die Eintracht schlicht keine Torchance herausspielte. Dies hinderte aber den Großteil der Frankfurter Anhänger nicht daran, zu supporten, als stünde der Einzug ins internationale Geschäft bevor. Irgendwann schien es so etwas wie Elfmeter zu geben, fragt mich nicht, weshalb. Leider auf der falschen Seite, wie so oft – aber Trapp konnte den von Firminho schwach geschossenen Elfer parieren. Die rote Karte für Modeste wenig später bekam ich dann auf der Anzeigetafel mit, und just als die Eintracht sich weigerte, die Mittellinie zu überqueren, hatte ich einen perfekten Blick und musste mir das Ballgeschiebe der letzten Minuten ansehen. Die Umstehenden feierten, ich maulte.

Naja, die Auswärtsfahrt nach Augsburg zum letzten Saisonspiel wurde umgehend gecancelt. Das so eben(zumteilnicht) gesehene entsprach so ganz und gar nicht meinen Vorstellungen von einem Fußballspiel und dem ganzen drumherum. Die einen kommen um gut zu essen, die anderen um zu singen oder Fähnchen zu schwingen und zwischen Elchen und Reklame versuchten elf Frankfurter gegen zehn Patienten erst gar nicht, aufs Tor zu schießen – um anschließend gefeiert zu werden wie die Großen. Wenigstens Kevin Trapp hatte es verdient, zugegeben. Später freuten sich zwei Jungs vor dem Stadion, immerhin hatten sie das Trikot unseres Torhüters ergattert.

Auf dem Weg Richtung City trafen wir die Motorradgang, die kostengünstig nah am Stadion geparkt hatte, machten an der Raiffeisentanke kurz Rast und schlenderten gemächlich zum Parkplatz. Alsbald rollten wir Richtung Heidelberg und wussten, dass wir einen schönen Tag erlebt hatten, wenn – ja wenn dieser komische Fußball nicht gewesen wäre. Vielleicht hatten Flo und Roland in Neckarelz alles richtig gemacht – auch wenn die U23 verloren hatte. Als wir auf die Autobahn auffuhren, sauste Heribert Bruchhagens Maserati an uns vorbei. So ein schönes Auto – und dann ist der Blinker kaputt. An der Allee in Frankurt verabschiedeten wir uns von Christian und Stefan und saßen abends noch bei einem Schoppen am Kiosk, immerhin ein netter Abschluss eines brauchbaren Tages.

Es grüßt mit einem herzlichen „Fahne runner“ …

… euer Beve.