Stand heute liegt die Eintracht mit 20 Zählern in der Rückrundentabelle auf Platz fünf, punktgleich mit Mainz 05. Davor sind mit Bayern, Dortmund und Schalke die Teams platziert, die vor der Saison ohnehin als Kandidaten für jene Plätze gehandelt werden. Und dennoch ist der Klassenerhalt noch nicht in trockenen Tüchern – auch wenn ob der seit Wochen starken Leistungen es schon mit dem Teufel zugehen müsste, sollte die Eintracht noch ganz unten hineinrutschen. In der Gesamttabelle.

Es war ein seltsam drückender Nachmittag im Stadion, die Sonne weigerte sich beharrlich, die Wolken zu durchbrechen, während des Spiels brannten die Lampen des Flutlichts. Und schwerfällig wie die Atmosphäre bewegten sich erstaunlicherweise die Mannen von Mainz 05. Weniger schwerfällig ging es vor dem Spiel auf der Waldtribüne zu. Doc sprach von der Langeweile, die ob der Dominanz der Bayern aufgekommen ist, so man die Liga aus Sicht eines Titelaspiranten betrachtet, Oliver Heil vom Mainzer Fanzine „Die Tortour“ kann mit dem Mainzer Stadionsprecher genau so wenig anfangen wie die Frankfurter und der EFC Zeilsheim feierte sein vierzigjähriges Bestehen – begonnen hatte alles im Jahr 1974 und es gibt tatsächlich noch Mitglieder, die seit damals nahezu ununterbrochen dabei sind. Glückwunsch auch von hier.

Gerade noch pünktlich kam der Zeichner Michael Apitz auf die Waldtribüne, steckte er doch unerwartet im Stau. Aber er war da und berichtete von seiner Arbeit, die zwischen fröhlichen Comics und schwermütiger Landschaftsmalerei pendelt – genau wie die Eintracht also, die sich gleichermaßen beschwingt und melancholisch präsentieren kann. Obgleich nahe Mainz aufgewachsen, wurde Apitz schon früh Anhänger der Eintracht, in jenen Tagen eine bloße Selbstverständlichkeit, kickten die 05er doch damals noch in unteren Gefilden. Heute ist Mainz 05 die Nummer eins. In Mainz. Höhepunkt des Auftritts von Michael Apitz war eine Schnellzeichnung im Stile Oskars – die älteren werden Dalli Dalli noch erinnern. Binnen wenigen Minuten warf er mit leichter Hand Attila am Ball auf die Leinwand, die in Wirklichkeit ein Flip-Chart war.

Eintracht gegen Mainz also, die einen sprechen vom Derby, die anderen von Fußball, lassen wir es bei Letzterem. Die Eintracht trat zunächst ohne Meier an, der immerhin wieder auf der Bank dabei war, überhaupt wies die Aufstellung im Vergleich zum letzten Spiel in Wolfsburg nur eine Veränderung auf: Der gelbgesperrte Russ kehrte für Schröck ins Team zurück.

Letztlich ging es für beide Teams um viel, während Mainz Richtung Europa schielt, musste die Eintracht die letzten Punkte zum sicheren Klassenerhalt einfahren – und zeigte von Beginn an, dass sie gewillt war, dies auch im nicht ganz ausverkauften Waldstadion zu realisiseren. Während der Gast seltsam uninspiriert auftrat, Trainer Tuchel sprach später auf der PK zurecht von einem trägen Auftritt, setzte die Eintracht auch ohne Meier die Akzente. Madlung und Zambrano hielten die Abwehr dicht, Djakpa und Jung drückten über außen, Aigner erzielte zunächst beinahe einen Treffer, später dann einen, der nicht gegeben wurde und legte zu guter Letzt das 2:0 auf. Russ, Flum und Lanig ließen zum wiederholten Male die Kollegen Schwegler und Rode nicht vermissen. Joselus großer Moment kam in der 52. Minute, als er eine Flanke Jungs zum Führungstreffer ins Tor köpfte, nur wenig später strich ein zweiter Kopfball knapp über die Latte.

Und da haben wir sie auch schon, die Tore zum nur leicht gefährdeten Sieg der Eintracht, der aufgrund der Ergebnisse im Tabellenkeller immens wichtig war, hatten doch sowohl die Stuttgarter als auch der HSV die Heimspiele gewonnen. Hoch interessant eine Statistik nach Spielende, hat Alexander Madlung doch 100% aller Zweikämpfe gewonnen – ein Wert, der kaum zu steigern ist. Zudem kratzte der Winterneuzugang unmittelbar nach Anpfiff zur Halbzeit zwei einen Kopfball von Choupo- Moting von der Linie. Getrübt wurde der Sieg nur durch die Verletzung des nimmermüden Johannes Flum, für den Meier nach längerer Verletzungspause wieder auf den Rasen zurückkehrte. Und während der Fußballgott fürs Erste versuchte die Bindung zm Spiel zu finden, so zeigte sich in der 85. Minute die Klasse der Nummer 14. Aigner hatte sich auf dem Flügel durchgesetzt und den Ball in die Mitte des Strafraums gepasst, Meiers Fuß dachte nach und so flog die Kugel unhaltbar zum 2:0 ins Netz, die 86. Minute konnte kommen. Sie kam und sie ging und das Spiel hatte ein Ende und einen Sieger, einen verdienten Sieger, der nur Eintracht Frankfurt heißen konnte.

Dies sahen beide Trainer genauso, Tuchel gratulierte zum Sieg während Eintracht-Coach Veh kritische Worte an Bayern München richtete, die sang- und klanglos gegen Augsburg verloren hatten. Dies sei an der Aufstellung abzulesen gewesen. Dem Hinweis eines Journalisten, die Eintracht sei doch im Spiel gegen Bayern gleichfalls nicht in Bestbesetzung angetreten, entgegnete Veh, dass er nur zwei Spieler geschont hätte, denen ob der möglichen fünften gelben Karte eine Sperre im Abstiegskrimi gegen Braunschweig gedroht hätte. Dies sei überhaupt kein Vergleich. Wie auch immer, die Bayern habe ihre Pflicht hinter sich gebracht, ärgerlich nur, dass womöglich der Spielplan für den Abstieg entscheidend sein kann, tritt doch nicht zuletzt der VfB im letzten Spiel in München an. Wir können aber davon ausgehen, dass Eintracht Frankfurt nicht vom Ausgang dieses Spieles abhängig sein wird, denn wir sind doch durch. Oder?