Der Abschluss einer denkwürdigen Woche führte uns ins Bett am Rande des Gallus. Für die Nicht-Frankfurter: Das Bett ist eine Musiclocation, die einst in Sachsenhausen beheimatet war und nun schon länger in der Schmidtstraße sein Domizil gefunden hat.

Neulich verbrachten wir hier einen sehr lustigen Abend mit den Fleshtones, nun sollten The Wedding Present auftreten, deren Debüt George Best nun auch schon 30 Jahre auf dem Buckel hat und seinerzeit vieles zusammen führte, was zusammen gehört. Einerseits schrammelige Gitarrenmusik, andererseits den begnadeten Fußballer Best, dessen Karriere ihn zum nordirischen Volkshelden werden ließ, ihn aber auch zu früh ins Grab brachte. Der Suff brach ihm final das Genick.

The Wedding Present sind eigentlich David Gedge, der im Laufe der Jahrzehnte mit verschiedensten Musikern Wedding Present am Leben hielt, zwischenzeitlich hieß sein Projekt Cinerama. Aber wenn wir ehrlich sind, so flashten uns die ersten drei Platten, die erste, George Best, die Sammlung Tommy sowie die 89er Scheibe Bizarro. Alles, was danach kam, war zwar nett anzuhören und sicherlich gehobenes Niveau – aber nie schrammelten sie so hinreißend, wie während der ersten Jahre. Und stets, wenn sie auf die Bühne kamen, hieß es: Wir sind Wedding Present, das Hochzeitsgeschenk – und wir spielen keine Zugabe. Daran hielten sie sich konsequent. Nach einer Stunde war in der Regel Feierabend. Auf den Plakaten zur jetzigen Tour ist das Cover der George Best abgebildet, ein Versprechen auf die Zelebrierung der alten Zeiten, vielleicht das klassischste alles klassischen Indiegeschrammels. Es erinnert an Beat, ist es aber nicht, es erinnert an Punk, ist es aber nicht. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug. Schnell – aber unaufgeregt.

Vor dem Konzert marschiert Gedge mit einem Hund durch das Bett, lässt sich fotografieren und verkauft höchstselbst am Merchstand ein paar Platten, selbstverständlich signiert er sie auch. Die Musik vor dem Konzert ist fürchterlich, zuweilen atonal und vor allem zu laut. Aber das Bett füllt sich, am Ende ist es wohl nicht ganz ausverkauft und es sind vor allem ältere Herrschaften, die meisten dürften The Wedding Present schon in der Kapp gesehen haben, als die Träume noch vor uns lagen und wir der Welt den Mittelfinger gezeigt haben.

Precious Few (Link zu FB) aus Bonn eröffnen den Abend, die Band besteht aus zwei Personen, Barbara Hoefgen (Gesang und Melodica) und Chris Wiegelmann (Gitarre). Sie spielen akustische Songs, flinkes Gitarrenspiel und sonorer Gesang – doch für den Abend vielleicht etwas zu betulich, das Publikum klatscht brav – aber mitreißend sind die Songs nicht wirklich und so ist niemand böse, als The Wedding Present nach einer kurzen Umbaupause gegen halb zehn auf die Bühne kommen. Zuvor hatte ich mich gewundert, dass die Bassistin Danielle Wadey beim Soundcheck ihr Mikro niedriger eingestellt hatte, als ihre Größe erahnen lässt. Die Auflösung erfolgt stande pede: Soundcheck in Turnschuhen, Auftritt in Glitzerstiefel. Der Rest der Band in Schwarz. Wie wir früher. Schwarze Jeans, schwarzes Shirt, schwarze Turnschuhe. Das war keine Mode, das war ein Lebensgefühl. Es verkörperte gleichermaßen Schlichtheit in positivem Sinne, sowie den Hang zur Traurigkeit. Kurzzeitig waren wir alle Existenzialisten. Uniformen können simpel sein.

Und es geht wortlos los. Once More, der Opener. Noch ist die Stimme Gedges kaum zu vernehmen, doch der Sound bessert sich, das Konzert rollt langsam an und es dauert ein paar Songs, bis das technische Zusammenspiel klappt. Pünktlich zu Everyone thinks, he looks daft, dem ersten Song von George Best, passt es. Und nun wird gewippt, geschwooft und getanzt, was das Zeug oder der Körper hält, da ist er wieder, der alte Geist, der alte Sound, den wir so geliebt haben. Gedge meint später lachend, dass auf den ersten Platten alles gleich klingt – aber genau das war unser Ding. Die Ramones haben ja auch nicht großartig variiert. An der zweiten Gitarre spielt Marcus Kain, am Schlagzeug Charles Layton, hinten ganz im Dunkel. Das Augenmerk liegt klar auf der Musik, hie und da eine kleine Ansage, ansonsten folgte nun Stück auf Stück, dingdingdingdingdingdingdingding …, der Sound ist klar – sie spielen das Album komplett durch, noch ein weiterer Song am Ende – leider nicht Kennedy oder Brassneck – und dann ist nach ca 75 Minuten Feierabend. Noch bevor das Konzert zu Ende ist, zieht ein Besucher die Setlist von der Bühne. Respekt geht anders, da nutzt auch ein hochgereckter Daumen nichts. Dafür bekommt er auch nicht das Plektrum von Danielle Wadey. Ein kurzer Dank, Abgang, Ende. Niemand ist überrascht. Keine fünf Minuten später steht Gedge am Merchstand und unterschreibt, was zu unterschreiben ist. Das Ganze ist so normal, dass es schon massiv auffällt. Positiv auffällt. Und das ist ja eine Menge in den hiesigen Tagen.