Nachdem wir im Januar 2011 nach Griechenland reisten und im vorigen Jahr Portugal besuchten, stand für die kleine Reisegruppe der Fan geht vor dies Jahr Istanbul auf dem Plan. Los gings vergangenen Mittwoch, pünktlich um 7:30 treffen wir uns am Frankfurter Flughafen.

Wir, das sind die Redakteure und freien Mitarbeiter der Zeitung, die seit über 20 Jahren das (Fan)Geschehen rund um die Eintracht beleuchtet. Gegen 13:00 türkischer Zeit landen wir am Flughafen Atatürk und sausen wenig später im Shuttlebus Richtung Hotel. Wie es sich für richtige Touristen gehört, befindet sich unser Zuhause direkt in Sultanahmed – nur wenige Schritte von der Blauen Moschee und der Hagia Sophia entfernt. Aslan heißt unser Hotel, türkisch für Löwe.

Wir checken ein und tapsen nur wenig später bei null Grad durch den Istanbuler Schnee, werfen einen Blick auf die weltberühmten Gebäude, riechen geröstete Maronen, werden überall angesprochen, ob wir nicht essen, trinken oder irgendetwas kaufen wollen und nehmen unsere erste Mahlzeit nah der Straßenbahnhaltestelle Sultanahmed ein. Dann marschieren wir weiter in Richtung Großer Basar. Gewimmel und Gewusel, Lampen, Gold und Leder wird in tausenden Gängen feil gehalten, auch hier alle naslang eine Ansprache – die wir jedoch stets bestimmt aber freundlich ablehnen.

Weiter unten nah am Wasser befindet sich der Gewürzbasar. Wasser aber spielt in Istanbul eine große Rolle. Maramar, Bosporus, Goldenes Horn – die Dardanellen und der Bosporus verbinden die Ägais mit dem Schwarzen Meer, eine der wichtigsten Schifffahrtstraßen der Welt. Im Gewürzbasar aber stapeln sich Jasminblüten, Safran, Curry oder Süßigkeiten in unvorstellbaren Mengen. Und wer kauft, sollte handeln. Auf dem Rückweg ins Hotel sehen wir Unmengen von Katzen, schwer bepackte menschliche Lastenschlepper und tausende kleine Läden. Irgendeiner hupt immer.

Abends dann der Taksim-Platz, nah einer hochmodernen Einkaufsstraße, die Taxifahrt ging zügig, der Preis war fair und wir schlendern an Schaufenstern vorbei. In den Restaurants wird im Schaufenster von Türkinnen Brot gebacken, allein der Blick macht hungrig, später sitzen wir in einem anatolischen Wirtshaus, essen Köfte, trinken Tee oder Bier (welches im Vergleich zu anderen Dingen recht teuer ist) und landen auf einen Absacker in einer Kneipe in der die Doors laufen. Da nah am Hotel noch ein Kiosk offen hat, holen wir uns ein paar Dosen Bier und setzen uns in den hoteleigenen Frühstücksraum, blicken über das Maramar-Binnenmeer, erkennen die Schiffe, die darauf warten, den Bosporus zu durchqueren und sehen die Lichter des asiatischen Teils von Istanbul blinken.

Der nächste Morgen birgt ein reichhaltiges Frühstück mit Blick aufs Wasser, Joghurt, Tee, Honig mit Mandeln, gerollter Blätterteig mit Schafskäse, Marmelade, Tee oder Kaffee – wer nicht satt wird, hat ein Problem. Wir haben kein Problem. Und schon sind wir wieder auf der Straße, hören den Muezzin und wandern hoch zur Blauen Moschee, ziehen unsere Schuhe aus und besichtigen mit vielen anderen den prächtigen Raum – nur wenig später wird hier gebetet.

Mit der Straßenbahn gehts bei strahlend blauem Himmel runter zur Galatabrücke über das Goldene Horn nach Galata. Wir nehmen die kleine Seilbahn, fahren hoch zum Galataturm und nehmen dem Tipp unseres Portiers folgend nicht die Stufen, sondern fahren mit dem Aufzug eines naheliegenden Hotels auf dessen Dachterasse und lassen bei einem Tee (oder Bier) den Blick schweifen. Unten am Platz dampft ein Holzkohlegrill, eine Art Rollbraten wird dort kleingeschnippelt, gewürzt und mit Salat in ein geröstetes Brot gewickelt – ein Genuss. Auf dem Rückweg marschieren wir parallel zur Bahn nach unten, vorbei an Elektroläden, an Gebrauchsgütern aller Art und landen nach einem Weg vorbei am Fischmarkt wieder an der Galatabrücke auf der zig Angler die Sardellen aus dem Wasser fischen, die hier Hamsi heißen. Wir überqueren die Brücke und spazieren durch den anbrechenden Abend zurück ins Hotel.

Mit dem Taxi fahren wir später zu einer Basketballhalle, ein Europapokalspiel soll hier stattfinden, doch als wir ankommen ist die Halle dunkel und kein Mensch zu sehen – wir sind einen Tag zu spät. Also gehts schnurstracks zurück in die Stadt.

Der folgende Tag wird ein kultureller. Zunächst besichtigen wir die Zisternen, vor Jahrhunderten die Wasserlager von Istanbul, heute historische Attraktion. Weiter gehts zur Hagia  Sophia, einst die größte christliche Kirche, nach 1453, dem Fall Konstantinopels, zur Moschee umfunktioniert und seit 1930 ein Museum. Prächtige Räume, ein riesiger Kuppelbau, Galerien und phantastische Farben lassen uns die Zeit vertreiben bis wir weiter rüber zum alten Sultanspalast, Topkapi, schlendern.

Dort erwarten uns prächtige Anlagen, sowie diverse Ausstellungsräume. Sultansgewänder der Jahrhunderte, Geschmeide von unschätzbarem Wert, Waffen, Uhren, der Stock des Moses und sogar der Bart des Propheten sind zu sehen. Fotografieren natürlich streng verboten. Langsam schmerzen die Füße, es geht zurück ins Hotel und dann teilen wir uns auf. Die einen wollen sich jetzt wirklich Basketball anschauen (Alba Berlin spielte gegen Anadolu Efes), die anderen gelüstet es nach einem Rotwein und ich marschiere runter zum Wasser und wander in der Dunkelheit am Maramar entlang, bis ich den Bosporus erreiche. Der Bahnhof an der Ecke ist der Bahnhof Istanbul Sirkeci, der letzte Halt des Orient-Express. Über eine Einkaufsstraße gehts zurück nach Sultanahmed, dort treffe ich die Rotweintrinker und wir futtern an einem Holzkohlestand noch einen Dürum.

Früh am nächsten Morgen klingelt der Wecker, eigentlich steht der Flug nach Antalya auf dem Programm – abends wird dort Antalyaspor gegen Trabszonsor spielen – das einzige erreichbare Spiel, nachdem alle Istanbuler Clubs aus dem Pokal geflogen sind. Da einige von uns es vorziehen, in Istanbul zu bleiben, war die Stimmung am vergangenen Abend irritiert – und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Einerseits erwartet uns in Antalya strömender Regen und endlose Flughafenaufenthalte – andererseits war es ausgemacht. Eine Minute nach Eintreffen des Shuttlebusses entscheide ich mich: Ich komme mit.

Wir rollen Richtung Flughafen Atatürk, checken ein, fliegen etwas mehr als eine Stunde und landen in Antalya. Es schüttet. Wir quetschen uns zu fünft in ein Taxi und fahren in die Innenstadt. Es schüttet. Einem ersten kurzen Aufenthalt zwecks Orientierung folgt ein erster Rundgang. Es schüttet. Die ersten beiden stellen sich unter, zu dritt laufen wir weiter, bis wir noch zu zweit sind. Wellen klatschen an die Felsen, die Boote im Hafen werden durchgeschaukelt und wir laufen zurück zu den anderen. Es schüttet. Die Schuhe, die Socken – alles ist triefnass; es ist sinnlos, noch weiter umher zu laufen. Unser Blick fällt auf eine Wirtschaft, wir kehren ein, sitzen trocken und können uns an Heizstrahlern wärmen. Erst uns, dann die dampfenden Socken, dann die Schuhe – peu a peu trocknet alles. Wir trinken Limo und Bier, bekommen Salzstangen und Informationen. Im TV mühen sich die Queens Park Rangers gegen Tottenham zu einem 0:0, es schüttet. Eine Katze besucht uns, wir können auch frische Socken kaufen – die Kommunikationswege sind kurz. Letztlich verbringen wir den ganzen Nachmittag in der Bar und freuen uns über unsere Trockenheit.

Als der Regen endlich nachlässt, schnappen wir uns ein Taxi und fahren hinaus zum Stadion. 50 Lira, umgerechnet ca 25 Euro Eintritt erscheinen mir jedoch zuviel. Die anderen kaufen sich brav ihre Tickets, wir sehen uns später. Ich aber habe Glück, für 30 Lira erwerbe ich eine Karte und sie ist tatsächlich gültig. Jetzt sitze ich in imitten der Heimkurve, die jedoch spärlich gefüllt ist, wie überhaupt das ganze Stadion eher leer erscheint, zumal es neben Gegen- und Haupt- nur eine einzige Hintertortribüne gibt. Das Häuflein Trabszonsporfans steht bei uns in einer Ecke und bejubelt die frühe Führung der Gäste, bei denen mit Halil Altintop auch ein alter Bekannter spielt.

In der zweiten Hälfte verschießt Trabszon einen Elfer, dann fällt der umjubelte Ausgleich bis ein weiterer Elfer die Gäste erneut in Führung bringt. Wir aber treffen uns am Taxistand und sausen zurück zum Flughafen. Die Maschine, die uns zurück nach Istanbul bringt, wird die letzte des heutigen Tages sein – wir sind pünktlich, der Flug aber verschiebt sich um eine halbe Stunde, so dass wir letztlich gegen zwei Uhr zurück im Hotel sind. Derweil hat Trabszonspor mit 3:2 gewonnen, Antalyaspor ist raus und ich schlafe im Stehen ein.

Nach dem letzten Frühstück stehen heute Wasserfahrten auf dem Programm. Mit der Bahn gehts runter zum Bosporus und dann rauf auf die Fähre nach Asien. Begleitet von unzähligen Möwen schippern wir zum asiatischen Teils Istanbuls, schlendern durch den Bahnhof durch die Gassen und da wir noch eine weitere Fährfahrt vor uns haben, geht es alsbald zurück. Und wir haben Glück. Da wir doch recht spät dran sind, dachten wir schon, die Bosporusfähre zu verpassen – aber noch liegt sie am Hafen und so lösen wir für 10 Lira ein Ticket und haben nun zwei Stunden auf dem Bosporus für uns. Der Wind weht uns um die Nase, wir trinken Tee und tuckern in Richtung Schwarzes Meer. An den Küsten erkennen wir prächtige Paläste und in die Hügel gebaute Häuschen. Fischer schaukeln in kleinen Bootchen auf dem Wasser, wir unterqueren die mächtige Bosporusbrücke, die Europa mit Asien verbindet, passieren eine mächtige Burg und landen wohlbehalten am Fährhafen.

Einen Kebab später sitzen wir in einem fabelhaften Café, welches Berge von Pudding anbietet und beschließen den Abend, der unser letzter ist, bei einer Shisha in einem der Läden, die keinen Türsteher haben und demzufolge fast ausschließlich von Türken bevölkert ist. Männlein wie Weiblein lassen die Wasserpfeife blubbern, wir trinken Tee (Schwarz oder mit Minze) und lassen den lieben Herrgott oder Allah einen guten Mann sein, bis wir zurück ins Hotel wandern und auf der Terrasse noch ein letztes Bier trinken.

Und schon bringt uns der Bus zurück zum Flughafen, es ist zwei Uhr nachts, die Lichter der Stadt blinken, wir erreichen Atatürk, der nahezu ausgestorben ist, unser Flieger wird einer der ersten des Tages sein. So drücken wir uns nach dem Einchecken am Flughafen rum, folgen dem Aufruf zum Boarding, quetschen uns in die engen Sitze. Hinter mir brüllt ein Baby, es ist eng, ich kann nicht schlafen – die drei Stunden ziehen sich. Kalt ist es dann in Frankfurt, der Bus bringt uns zum Terminal. Pass- und Zollkontrolle gehen fast glatt, Pia, die schon wach ist, hat den Flug im Netz verfolgt und begrüßt mich mit einer SMS. Eine Zigarette vor dem Terminal und schon rollt die S-Bahn ein. Umstieg Hauptbahnhof, Endstation Bornheim-Mitte. Stimmt, wir haben eine neue Wohnung und so marschiere ich hoch zum Park, Pia und Nick sind noch da und müde aber glücklich klingele ich im neuen Heim. Hey, da bin ich wieder. Schön wars in Istanbul, der viertgrößten Stadt der Welt.