Ein Sammelsurium aus dem angebrochenen Leben

Der große Frankfurter Currywurst-Test – Heute: Bernemer Wurstmax

Es ist noch völlig unerforscht
das Innere der Curryworscht

(alte Frankfurter Weisheit)

Currywurst mit Pommes gehört zu den Grundnahrungsmitteln. Der Deutschen, der Hessen und der Frankfurter und somit auch von mir. Es gibt Rindscurrywurst, es gibt Bratcurrywurst und es gibt Undefinierbares. Traditionell wird zur gebratenen Wurst entweder ein Brötchen gereicht oder aber Pommes, im Idealfall oder bei großem Hunger auch beides. Das Essen ist ungesund, keine Frage – aber es schmeckt. Und von daher beginnen wir heute mit dem großen Frankfurter Currywurst-Test. Die Kriterien sind gnadenlos subjektiv – wir prüfen den Geschmack, die Konsistenz und die Wärme der Speisen und wir werfen einen kritischen Blick auf die Soße. Anschließend schauen wir nach dem Preis, dem Ökofaktor und der Ästhetik. Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf den Service. Maximal sind fünf Punkte, sogenannte Currypoints kurz Cupos zu vergeben. Geordert wird prinzipiell Rindscurry. Gerne werden Hinweise zu Anbietern angenommen – doch obacht, der Tester hat keine Hemmungen, die Dinge beim Namen zu nennen; in guten wie in schlechten Zeiten.

Beginnen werden wir in Bornheim. Dort wo die Spessartstraße in die Arnsburger übergeht und die Mainkurstraße ohne zu zögern links abknickt, dort steht er frei, der Imbiss Bernemer Wurstmax. Bierbänke mit Rückenlehne, Stehtische und ein großes Sonnendach laden zum gepflegten Verweilen ein; so manches Mal tummeln sich Schüler einer nahe gelegenen Schule zur Mittagszeit vor dem Tresen und teilen sich eine Portion Pommes mit viel Ketchup. Ein paar Meter dahinter zieht die Berger Straße vorbei, Frankfurts Boulevard der urbanen Provinz. Ohne diese Straße wirkt Frankfurt in etwa so wie Berlin ohne Kreuzberg.

Die Voraussetzungen sind ordentlich. Der Blick in den Imbiss zeigt einige Brat- und Rindswürste auf der Bratfläche, die darauf warten, geschreddert zu werden. Es sind nicht zuviele, so dass man normalerweise nicht Gefahr läuft, mit Würsten konfrontiert zu werden, welche die Hälfte ihres Lebens auf einem Gasgrill zugebracht haben und sich auf der Liegeseite verhärtet zeigen. Die fertigen Würstchen verharren auf einer Alu-Folie und bekommen bei Order den finalen Hitzeschub. Ein Blick auf die Pommes zeigt, dass sie schon fertig sind, während die Wurst geschreddert wird. Die Soße kommt aus einer Edelstahlschüssel und nicht aus einer Plastikflasche, auch hier ein Grund zum frohlocken. Zudem können die Gäste zwischen einer scharfen und einer nicht-scharfen Variante wählen. Sorgfältig und ruhig wird das Gericht zusammen gestellt, während auf dem Gasgrill ein Burger samt Zwiebeln bruzzelt – auch hier werden die Beilagen sorgfältig und liebevoll gegart. Auch wenn die Lebensmittel sicherlich nicht extrem  hochwertig biologisch erscheinen, so überzeugt die Zuneigung der Betreiber zu ihrem Material. Serviert wird das ganze auf einem spitz zulaufendem Teller mit Metallgabel, es fällt also kein Müll an. Löblich.

Die Portion für 4 Euro 20 ist ordentlich bemessen, die Konsistenz der Rindswurst bissfest, die einzelnen Stücke klar getrennt und einfach zu verzehren. Die Soße ist scharf und nicht von der Stange, zudem reichlich. Die Pommes sind ein Tuck zu kalt, in der optimalen Dicke und klassisch gewürzt. Der Imbissbetreiber versteht sein Handwerk und gibt sich freundlich ohne aufdringlich zu sein. Die Auswahl des Imbisses kommt knapp aber klassich daher, es gibt als Special neben Wurst und Burger sogar ein Suçuksandwich, dafür dreht sich allerdings kein gelangweilter Dönerspieß im Hintergrund. Das ist gut so, denn zuviele Speisen verderben den Koch.

Im Fazit lässt sich sagen, dass die Rindscurry mit Pommes beim Bernemer Wurstmax ohne Firlefanz die erste Referenzmarke setzt. Die wesentlichen Fragen sind Brat oder Rind, scharf oder normal, Ketchup oder Majo – mehr muss nicht sein, ja ich würde sogar sagen mehr ist überflüssige Eitelkeit. Auf Grund der etwas zu kühlen Pommes und damit noch Raum zum Träumen bleibt lautet das unbestechliche Urteil im Test:

4,5 von 5 Cupos.

Damit übernimmt der Bernemer Wurstmax selbstverständlich die Führung in Beves Currywurst-Ranking. Herzlichen Glückwunsch.

17 Kommentare

  1. Fritsch

    Das ist was mir noch fehlte auf meinen Streifzügen. Beves Stadtkarte der unerforschten Curryworscht. Lecker & und für diese grandiose Idee gibt es schon einmal vorab 5 von 5 Cupos!

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen,
    Fritsch.

  2. Bembelmonster

    Cool. Danke Beve!
    Der große Curryworschd-Test.

    Freue mich auf viele weitere Testberichte, obwohl ich mir lieber den „großen Handkäs und Äppler Test“ (in und um Frääänkford!) gewünscht hätte. Aber das ist sicher schon in Planung ;)!

    Lass Dich nicht treiben, nehm Dir das Recht heraus, jede Situation, jeden Tag immer wieder neu zu bedenken. Mit Ruhe und mit Augenmaß. So wie es der große Vorsitzende tut. Wir sind auch nicht in der Lage, alles in fünf Minuten wissen zu können.

    Sonnige Grüße,
    Frääänk

  3. Beve

    so oft, wie ich currywürstchen spachtel, da musste früher oder später was kommen. handkäs könnte man als special einführen. dabei erhalten alle null punkte, die den handkäs eventisieren wollen. handcase oder so.

    ich lass mich nicht treiben. und ich tanze nicht.

    viele grüße

    beve

  4. hesssenadler attila

    Benemer Wurstmax hat eine nicht zu verachtende Konkurenz auf der Berger: Best_Woscht_in-Town, welches auch von sich behauptet, in Sachen Rinds-Curry Zeichen zu setzen.

  5. Bembelmonster

    Da bin ich aber mal gespannt als großer „Best-Worscht-in-Town“ Ultra.
    Gerade in Sachen Vielfalt „Stlyes“ der Saucen und Ästetik usw. ist man mE. Klassenpriumus bzw. geht der Titel nur über die „Snack Points“!

  6. pia

    aber: beim bernemer wurstmax bekommst du deine sachen ohne viel gedöns. ich mag das nicht so, wenn da so ne show gemacht wird wenn du dein essen bestellst. bestellen und gut ist. und da gibt es auch leute, die haben probleme mit dem brot bei der currywurst – das gibt bestimmt abzug ;-)

    aber: der test kommt bestimmt demnächst und ich werde mich als weitere testperson freiwillig zur verfügung stellen :-)

  7. Ergänzungsspieler

    kann mit Best Woscht mal grad gar nix anfangen. Das Brot ist tatsächlich sehr gut. Die Industriewurst ist jedoch nur Trägermasse für eine im Grunde nur scharfe Currysoße.

    Ansonsten bin ich mit Currywurst nicht so firm – Dönerzielgruppe halt. Werde daher diesen längst fälligen Test mit großer Begeisterung verfolgen.

  8. Poly-Clip

    Best Worscht ist das Hoffenheim der Pommesbudenkultur. Fakt. ;-)

  9. Beve

    ich seh schon, kaum ist der startschuss gefallen, schon ist best worscht im gespräch. hoffenheim – nun, ich es sehe es eher als eine art st. pauli. image meets event. doch was heißt dies für die substanz? wird es best worscht an die spitze schaffen? gibt es einen unerwarteten einbruch? und überhaupt: gibt es ein leben außerhalb der berger straße? was machen eigentlich die burger? wann wird außerhalb des bornends gepunktet? fortsetzung folgt …

  10. Bembelmonster

    … überallem thront das legendäre „Museumsmenü“
    Frankfurter mit Senf und Weißbrot dazu ein kaltes Licher, Kaliber 0.33 :)

  11. Haddekuche

    Hervorragender Test, Beve. Bei den Pommes hast Du Pech gehabt. Wenn ich dort bin, sind sie häufig gerade in der Friteuse oder werden für mich dort hinein befördert. Dann sind sie manchmal sogar einen Tick zu heiß. Das lässt sich aber genauso in den Griff kriegen wie die gelegentliche Unterwürzung der Pommes. Selbstverständlich gibt es Salz auf Nachfrage.

    Ansonsten wirklich eine grandiose Currywurst.

    • Beve

      och, so viel pech war das gar nicht, man muss ja was zum leichten mäkeln haben :-)

  12. Paul Ypsilon

    Ich hab sie gestern genossen, die Bernemer Wurstmax Currywurst – schön mit Brötchen und Pilsette. Unscharfe Soße allerdings.

    unabhängig davon hatte ich wohl nicht das Glück eine nacherhitzte Wurst zu bekommen. Kurz gesagt: mein Erlebnis deckt sich ungefäht mit Deinem von „Best Worscht in town“ auf der Berger. Außerdem mag ich nicht diese Aufwärmware die sich hier Brötchen nennen mag. Aber das ist ner persönliche Geschichte: Ich mag das Bäcker-Kaierbrötchen in nicht zu golfbrauner Färbung zum Wurstcurry.

    Alles in allem wertet der Ausblick und das kühle Radeberger zur Wurst das ganze zu 3 Cus … Pommes hatte ich ja nicht.

  13. Beve

    siehste, wenn ich pommes bekomme, brauche ich kein brötchen. von daher kann ich nach dem test dazu nichts sagen. letztlich sind die bewertungen immer tagesform abhängig. liegt die wurst zu lange, ist sie kalt oder verbrannt – das kann heute so und morgen so aussehen. das ziel muss sein, jeden tag zu jeder zeit ne optimale wurst zu bekommen.

    auf alle fälle überzeugt bis auf das brötchen wohl das ausgangsmaterial, die wurst und die pommes. was man draus macht ist das andere.

    danke für die info und viele grüße

    beve

  14. Philipp

    Hi, habe gestern den Wurstmax gestestet nachdem ich Deinen Review gelesen habe. Habe in den letzten 1.5 Jahren 35 Currywurstbuden in ganz Deutschland getestet. der Wurstmax hat mich jetzt nicht vom Hocker gehauen muss ich sagen und ob die Sauce wirklich nicht aus nem großen Kübel kommt wage ich zu bezweifeln. Finde die 4.5 Punkte doch arg hoch. Denke das ist durchschnitt mehr nicht.

    • Beve

      das ganze ist – wie so vieles, natürlich geschmackssache. ich bin immer noch gerne dort. wo war denn dein favorit?

  15. Volker

    Richtig. Wissenschaftlich nachgewiesen jetzt, daß der Bernemer Wurstmaxe der Beste ist (ist ja auch der Erste im Test), und die Pommes sind auch nicht zu kalt. Gut, daß es die Currymetrische Worschtologie gibt. Werde mich wohl zum nächsten Semester einschreiben.

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