In den letzten Monaten waren sie in aller Munde, die Fußballfans, die Gewalt, die Sicherheit. Brennende Kinderpuppen, Taliban, was musste nicht alles herhalten, um die Verrohung der Fußballfans zu dokumentieren. Nicht nur die Eintracht musste mehrfach in halbleeren Stadien spielen. Eigentlich hätte man meinen können, dass mit der Verabschiedung des geänderten Sicherheitspapieres der DFL sich nun die Sachlage beruhigt, die Vernunft über die Hysterie siegt und der Fußball wieder im Vordergrund steht.

Nun aber erweist sich, dass die Spirale der Repression sich weiter dreht. Standen zunächst Bengalo, Feuerwerk und Prügeleien im Vordergrund (welches noch vor wenigen Jahren als maximal unschön aber zugehörig klassifiziert und erst seit 2006 mehr oder minder skandalisiert oder kriminalisiert wurde) so haben wir nun eine neue Ebene definiert, in der ein Bengalo nahezu von allen akzeptiert ein terroristischer Akt ist. Somit braucht es eine neue Stufe der “humanen Gewalt” auf dass sich spontane, von Fans organisierte emotionale Äußerungen weiter sanktionieren lassen, und zwischen denen, die sich alles gefallen lassen und denen, die ein Recht auf Selbstbestimmung einfordern ein weiterer Keil hinein getrieben wird. Lass das Volk sich gegenseitig zerfleischen, so nutzen wir die Zeit, um unsere Herrschaft auszubauen.

Das Sportgericht des DFB hat nun Strafen für Hoffenheim und Schalke ausgesprochen – doch wofür? Platzsturm, Böllerwurf oder Rassistische Äußerungen? Nein, keineswegs. Hoffenheim zahlt für von Fans geworfene Papierschlangen und Schalke neben Fackeln und Rauch für ein Banner mit der knallharten Aufschrift Tod dem BVB. Welch ein Auswuchs von Gewalt.

Somit dürfte auch dem letzten klar werden, dass es niemals um die Gefahr und die Sicherheit ging, sondern schlicht darum, Fußballfans zu disziplinieren, um jeglicher individueller Regung den Garaus zu machen und ein von Oben aufgesetztes Erscheinungsbild des Fußballfans und des Fußballspiels zu installieren, kurz, es geht um Herrschaft und Gefügigmachen des Volkes, ein Prozess, in dem alle Mittel der Meinungsmanipulation gezogen wurden – bis hin zu gefakten Fernsehbildern während der WEM. Somit wird eine Wirklichkeit kreiert, die mit der wirklichen Welt nichts zu tun hat, an Bedürfnissen und Regungen der Individuen vorbeigeht und mit (Staats)Gewalt aufrecht erhalten wird. Für solche Gesellschaftsformen gibt es schöne Namen. Man hätte meinen können, sie seien zumindest hierzulande überwunden.