So, die Sommerpause nähert sich dem Ende, das letzte Schlandfähnchen liegt im Straßengraben und die Themen rund um Eintracht Frankfurt rücken wieder in den Fokus. Und wie. Nach zähen Verhandlungen ist es Eintracht Frankfurt trotz der Fans gelungen, einen neuen Hauptsponsor zu präsentieren. Krombacher.

Beide Seiten schlossen einen Vertrag über sechs Jahre, der auch in der 2. Liga Gültigkeit besitzt. Nach dem ersten Jahr ist das Unternehmen zwar noch als Hauptsponsor aktiv, wird aber nicht mehr als Trikotsponsor in Erscheinung treten. Was auch immer dies heißt. Rund 5 Millionen Euro spült dieser Vertrag der Eintracht in die Kasse. Zum Wohl also, auch wenn „Bleifrei“ nicht auf den Trikots der Jugend stehen wird, sondern Fassbrause. Ich glaube, so ein Trikot möchte ich haben.

Große Wellen produzierte die Schlagzeile: Eintracht Frankfurt ist kein Gemeingut im Zusammenhang mit der anwaltlich geforderten Unterlassungserklärung der Eintracht gegenüber dem Betreiber des Adlerblogs. Dieser hatte in seinem privaten Shop Shirts angeboten und verkauft und in diesem Zusammenhang auf einigen (Spreadshirts) Bezeichnungen verwendet, zu denen die Fußball AG des Vereins dem der Blog gewidmet ist, die Markenrechte besitzt. Geforderte anwaltliche Kosten für den Betreiber: 1880 Euro. In der Konsequenz gab der Blogbetreiber bekannt, seinen Blog daraufhin nicht weiter betreiben zu wollen. Der Sachverhalt erhielt ein großes mediales Echo: Unter Anderem die Frankfurter Rundschau, HR-online, stadtkindFFM, Trainer Baade, und STADTWALDGEBABBEL nahmen sich des Themas an, auch allesaußersport (Danke Trainer) – und der Tenor ähnelte sich, die Eintracht stand in einem schlechten Lichte da: Hier der arme Fan und dort der große Konzern, der mit Kanonen auf Spatzen schießt, wobei die rechtliche Ausgangslage sicherlich auf Seiten der Eintracht liegt – fragwürdig vielleicht die Höhe des Streitwertes, nach dem sich die anwaltliche Gebühr bemisst.

Sicherlich war die Eintracht schlecht beraten, nach Bekanntwerden des Sachverhaltes nicht umgehend zu reagieren – das Ausmaß der medialen Berichterstattung ließ sich erahnen und hätte verhindert werden können. Auf der anderen Seite aber handelt es sich im vorliegenden Falle um eine Markenrechtsverletzung zum eigenen Vorteil. Und wer Arbeiten anderer sich aneignet, um Geld zu verdienen, sollte wissen, was er macht. Die Vorgehensweise des Anwaltes scheint wenig sensibel – aber Sensibilität im Geschäft ist bei der Option auf einen Ertrag in der heutigen Zeit eher selten. Auch scheint die Vorgehensweise automatisiert. Vergehen erkannt, beanstandet, Rechnung – unabhängig vom jeweiligen Sachverhalt. Ein Vorgehen, welches üblich ist. Dies hat dann in einem anderen Bereich unter Anderem zur Folge, dass in einem Online-Bericht über Hunger in Afrika automatisch eine Anzeige für einen Schokoriegel platziert wird: Snickers – und der Hunger ist gegessen. Gleichfalls wenig sensibel. Allerdings ziert bis heute ein Icon den Adlerblog, der Eintrachtadler im aktuellen Eintracht-Design – wäre die Eintracht böse, könnte sie auch dieses verbieten. Obacht also. Wer denn möchte kann über Eintracht-Podcast ein paar Talerchen zu den recht happigen Anwaltskosten zusteuern, vielleicht erbarmt sich aber auch unser Verein der Herzen und findet eine andere Lösung.

Dann gab es ja noch den Sicherheitsgipfel, bei welchem der Innenminister mit Vertretern der Profivereine gipfelte. Nahezu alle Vereine nahmen daran teil, einzig Union Berlin verweigerte sich dem Unternehmen, bei dem wie immer über aber nicht mit den Fans gesprochen wurde. Ein Kodex, der sich auf das Verhalten der Union-Fans auswirken soll, kann nur mit ihnen gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden“, erklärt Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin. Recht hat er und deshalb geht ein beherztes Eisern Union in die Hauptstadt.

Natürlich kam wenig Gescheites beim Gipfel herum. Im veröffentlichten Verhaltenskodex lesen wir: Wir sagen Nein zu Pyrotechnik im Stadion und im Umfeld von Fußballspielen. Meisterfeier, Turnierabschluss und ähnliche Sperenzchen werden fürderhin also weniger pompös daher kommen. Auch heißt es: Wir verurteilen jede Form von Gewalt. Dies schränkt natürlich den polizeilichen Handlungsspielraum stark ein. Vielleicht deshalb reagiert der von den Frankfurtern eher wenig geliebte Innenminister Hessens, Boris Rhein, derzeit stets ein wenig gereizt, wenn er an die Eintracht denkt. Nun überlegt er lautstark, Polizeikosten im Rahmen von Fußballspielen auf die Vereine umzulegen. Angeblich kosten Polizeieinsätze rund um die Stadien das Land Hessen jährlich 6,7 Millionen Euro, 1,8 Millionen davon gehen auf das Konto der Eintracht. Interessant wäre natürlich, welche Steuereinnahmen das Land Hessen aus der Inszenierung von Fußball erzielt. Und ebenfalls interessant wäre, wer denn künftig die Polizeieinsätze bei Sicherheitsgipfeln oder dem Empfang des US-Präsidenten bezahlt. Oder die Bewachung jüdischer oder türkischer Einrichtungen. Man muss ja weiter denken, keine Stärke des Innenministeriums.

Fußball:

Bei bestem Sommerwetter erlebten rund 3000 Zuschauer auf der feinen Sportanlage der TSG Wehrheim das Freundschaftsspiel zwischen der SG Anspach und Eintracht Frankfurt. Mit dabei der Beve, die Pia, der Golf und zwei Nachwuchshools, einer davon aus familieneigener Zucht. Und wir sahen: Vogelhäuschen an den Bäumen des Sportplatzes, eine LaOla beim Stand von sagen wir 10:0 – was auch den Endstand bedeutete, einen Wagen, der beim Parken in den Graben gerutscht ist und einen kopfschüttelnden ADAC-Mitarbeiter, dessen Aufgabe die Bergung war. Im Hintergrund umsäumte die Szenerie der schönwaldige Taunus, der gegen Ende des Spiels freundlich von der untergehenden Sonne beschienen wurde. Und wir hörten einen Stadionsprecher, der die Erwachsenen ermahnte, den Kids doch den Vorrang bei der Autogrammjagd zu lassen – ein feiner Zug, wie ich meine. Letzlich präsentierten zwei stolze Junioren ihre ergatterten Unterschriften und sie bekamen sogar die Torwarthandschuhe von Kevin Trapp geschenkt – ein unvergesslicher Tag also, an dem es sogar nicht geregnet hat. Und auch die Versicherung des Veranstalters musste nicht bezahlen. Die schicke Laufbahn um den Fußballplatz wurde nicht durch Feuerwerkskörper geschändet. Geht doch.