Aus unerfindlichen Gründen erwache in um halb sechs in der Früh, kann aber noch zwei Stündchen schlafen. Erst als ich unter der Dusche stehe, klingelt der Wecker. Heute geht es auf die Insel.

Nach einem Tee am Markt, frage ich einen Fahrer eines Sammeltaxis, ob er ans Pier fährt, er bejaht, ich steige ein und los gehts durch den quirligen Verkehr, wobei das relativ ist. Bangkok ist weit. Manchmal habe ich den Eindruck, ich erkenne eine Ecke, dann ist wieder alles neu und fremd. Neben mir sitzt ein Vater mit zwei jungen Mädchen, als ich aus dem Fenster fotografieren möchte, lassen sie es nicht nehmen, aufs Bild zu kommen. Bald steigen sie aus, lächelnd. Wir fahren weiter, am Hafengelände muss der Fahrer ein paar Baht Eintritt zahlen, überall wird geschuftet, es riecht nach Arbeit und alle naslang stinkt es danach. Unterwegs sind einige Leute aus- und eingestiegen, jetzt bin ich noch alleine im Wagen. Als der Fahrer sich für eine neue Runde anstellen will, fällt ihm auf, dass ich ja auch noch da bin. Mit einem „sorry“ fährt er weiter, bleibt stehen, lässt jemanden einsteigen, langsam verrinnt meine Zeit. Aber: Es wird schon klappen. Plötzlich halten wir irgendwo. Ich bin irritiert. Der Fahrer meint, ich solle aussteigen, aber ich bin unsicher, immerhin kannte ich ja schon zwei Piers, aber dieses war keines davon. Wird schon schief gehen. Beim Bezahlen wird mir bedeutet, dass die Fahrt umsonst war, ehe ich antworten kann, rollt das Taxi in den Tag.

An der Stichstraße könnte ich schon ein Ticket kaufen, warte aber und marschiere ans Ende der Straße. Dort kann ich ein Ticket lösen, einige andere Mitreisende warten schon, was fehlt, ist ein Boot. Aber auch diese Frage ist schnell geklärt, das Gepäck wird auf die Ladefläche eines Pick Ups geworfen, wir klettern hinterher und fahren oben sitzend ein paar hundert Meter weiter an eine Stelle, die für das Boot tief genug ist. Das Schiff unterscheidet sich vom gestrigen, das Oberdeck ist bestuhlt, es gibt kostenlose Bananen und Getränke zu kaufen. Ich setze mich wieder nach vorne, noch wird das Boot mit Dingen beladen, die auf der Insel benötigt werden. Vor uns dieselt ein Lastkahn, auch er wird beladen. Dann heißt es: Leinen los, das Schiff beginnt zu wenden, doch wir haben ein paar Rollen Stacheldraht vergessen. Da ist wenig mit „mal kurz aufs Boot werfen“, wir fahren näher, die Rollen werden aufs Schiff gebracht und dann: Anker los. Mit an Bord ist ein Pärchen, das sich auf Weltreise befindet, drei Jahre arbeiten, dann geht es los. Sie waren drei Monate in Indien, in Kambodscha, Laos und geben mir den Hinweis, aufs Visum zu achten. Es ist genau 30 Tage gültig, der erste Tag danach sei kein Problem, dann könnte es kompliziert werden. Ich bin genau 31 Tage in Thailand. Ein guter Hinweis, im Zweifel hätte ich Thailand verlassen müssen, um erneut ein zu reisen. Myanmar wäre machbar von hier.

Nach guten zwei Stunden und ein paar fliegende Fische später landen wir auf Ko Payam. Ein Mangoshake später sitze ich auf einem Roller und rolle automatisch los. Bei Buchung des Bootstickets hatte ich einen Plan der Insel in die Hand gedrückt bekommen, der mir jetzt gute Dienste leistet. Mein Weg wird mich nördlich in die Büffelbucht führen, dort soll es gemächlich zugehen und ruhig sein. Das Fahren geht leicht von der Hand, ich muss nur daran denken, auf der linken Seite zu bleiben. Autos gibt es hier keine und nur wenige Roller sind jetzt hier unterwegs. Einige wenige Straßen sind betoniert, ab und an führt ein sandiger Weg in den Dschungel. Hinweisschilder weisen auf verschiedene Resorts hin, auch die Büffelbucht ist ausgeschildert. Die ersten Eingänge zu den Unterkünften sind nicht sehr einladend, überhaupt muss ich erst einmal das Meer finden, nach ein paar Minuten habe ich es auf dem Radar. Kleine Restaurants und Resorts warten am Weg auf Kundschaft, es wird gebaut, Zementsäcke liegen am Straßenrand des kleinen Dschungels. Fröhlich roller ich die Wege entlang, fahre langsam, lande an einem Strand, besser Strändchen, kehre um und entdecke nach eins, zwei Kilometern ein Schild zu einer kleinen Anlage, zu der ein schmaler Pfad führt. Ich roller durchs Grün hinein, treffe auf dem Weg ein Pärchen und frage nach Details. Die Sache scheint bezahlbar zu sein und zudem wirkt das Areal sehr anziehend. Ein paar Meter vom Meer entfernt stehen fünf Mattenbungalows mit kleiner Terrasse und einer Hängematte davor, dahinter einige wenige steinerne Häuslein. Dazu gehört ein kleines Restaurant, ein Garten und am Wasser stehen kleine Tische und Stühle, perfekt. um den Sonnenuntergang zu bewundern. Zwei jüngere Frauen scheinen die Ansprechpartnerinnen zu, die Inhaber weilen in Ranong und sollen später zurück kehren. Eine der beiden bearbeitet einen Berg Cashewnüsse, die andere wendet sich mir zu. Ein Bungalow in der zweiten Reihe ist frei, am Preis von 450 Baht ist nichts zu drehen. Ich nehme ihn dennoch. Die Sache ist erstklassig, sauber, mit Toilette und Dusche und breitem Bett samt Moskitonetz. Von der Veranda aus sehe ich das Meer, auch von der Hängematte. Erstmal ist das hier ein kleines Paradies. Einfach und sauber – aber zu Zeiten Adam und Evas war ja auch noch keine Air Condition erfunden. Ich packe meinen Krempel in den Bungalow, als die Besitzer ankommen, Cha und Al, entspannt und freundlich. Etwas später bade ich im Meer, treibe im warmen Wasser und denke, dass die ganze Angelegenheit bis jetzt ziemlich gut läuft. Um ehrlich zu sein, sehr gut. Anders gesagt: Besser kann es nicht laufen. Pia wird das nächstes Jahr auch sehen, da bin ich sicher. Und sie kann sich darauf freuen. Ich mich natürlich auch. Sogar Wifi gibt es hier, der Hauptgenerator wird erst abends angworfen, aber bis auf das Laden der Akkus werde ich keinen Strom brauchen. Und das Laden klappt dank der hauseigenen Batterie auch tagsüber.

Leicht kommt man mit anderen Urlaubern ins Gespräch, tauscht sich aus und weiß, dass wir an einem tollen Ort gelandet sind. Und erfährt Details der Insel, die es demnächst zu erkunden gilt. Manche Reisende sind nur kurz hier, andere ganze Wochen. Manchmal springen drei kleine Hunde umher, schleicht eine Katze um die Beine, das Meer rauscht, kleine Wellen rollen an Land. In Muscheln stecken Glühbirnen, die abends ein bezauberndes Licht abgeben werden, für Essen und Trinken ist auch gesorgt. Natürlich etwas teurer als an Land, das meiste muss per Schiff herangeschippert werden. Aber für deutsche Verhältnisse bleibt alles überschaubar. Ich esse ein fantastisches rotes Curry mit Meeresfrüchten und sortiere dabei den Blumenkohl aus. Was für einen Vegetarier oder den Muslim die Schweinshaxe ist, ist für mich Blumenkohl. Schon immer. Ich werde in Erfahrung bringen müssen, was Blumenkohl auf Thai heisst. Es wird dann das Wort sein, welches ich in den meisten Landessprachen kenne.

Die Hängematte ist ein guter Platz auf meiner kleinen Veranda, aber es gibt viele gute Plätze. Direkt hinter dem kleinen Restaurant an den Holzstühlen zum Beispiel, an das Ufer brausen leicht die Wellen des Andamanischen Meeres, glasgrün und beruhigend. Vor mir der Blick aufs offene Meer, im Süden und Norden wird die Bucht durch den Dschungel begrenzt. Langsam geht die Sonne unter, da es etwas diesig ist, ergibt sich nicht das Farbenspiel des gemalten Traumes, aber es ist mein erster Sonnenuntergang in Thailand, das Wasser glitzert, es ist still. Bis auf die Zikaden, die in den Bäumen zeckern, bis es fast dunkel ist.

Spät in der Nacht, als andere Urlauber in den Bars der Insel verschwunden sind und die Inhaber Feierabend machen, gehe ich noch einmal ins Meer. Da im Bungalow in der ersten Reihe ein Lämplein auch aufs Wasser leuchtet, strahlen die kleinen Wasserbläschen bei meinen Schwimmzügen wie leuchtende Schwimmkügelchen im Schwarm. Es ist ein magisches Bild, wie von Gotteshand gemalt und für immer in meinem Kopf. Über mir leuchten die Sterne, eine schmale Mondsichel liegt auf dem Kopf.

Sternennacht. Und ich war schon am Ziel, als ich aus Frankfurt losgefahren bin. Danke, wer auch immer dafür verantwortlich ist.