So langsam entwickelt sich Hamburg zu meiner Lieblingsstadt in Deutschland– und das liegt nicht zuletzt an der Elbe. Und stets, wenn ich an den Landungsbrücken bin, höre ich Kettcar: An den Landungsbrücken raus. So auch diesmal. Doch zuvor waren wir in Korfu. Aber der Reihe nach. Weiterlesen
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Und es war dringend. Mittags hatte ich meinen Vater noch besucht, und schon dort hatte mich ein Pfleger vorgewarnt, dass er schlecht drauf sei, nichts gegessen hätte und schlafe. Als ich sein Zimmer betrat, war sein Schlaf nicht entspannt, irgendetwas stimmte nicht. Als meine Mutter später kam, schlief er immer noch. Später kam er mit einer Lungenentzündung und einer undefinierten Problematik ins Krankenhaus. Das war der Moment, als mich meine Schwester anrief – wir mussten Entscheidungen treffen.
Kurz vor unserer Abreise nach Korfu gab ich den finalen Text zu meinem Büchlein über den Frauenfußball ab. Die aktuelle Mannschaft hingegen wechselte völlig ihr Gesicht. Von den Spielerinnen, die noch für den 1. FFC gekickt hatten, verblieben zur neuen Saison nur noch Laura Freigang und Géraldine Reuteler. Viele Gesichter, die das Team über Jahre geprägt hatten, verließen den Verein – darunter Doorsoun, Dunst, Johannes, Kleinherne, Pawollek und Prašnikar.
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Die nächsten Monate standen im Zeichen des Unterwegsseins und der Musik. Wenige Tage, nachdem sich Pia den kleinen Zeh gebrochen hatte, verbrachten wir ein Wochenende in Karlsruhe, spazierten durch den Zoo, besuchten meinen alten Buddy Mustafa mal wieder und lauschten abends den Klängen von Sophie Zelmani und Band. Die Eintracht qualifizierte sich am letzten Spieltag für die Champions League, während die Eintracht-Frauen ihren Vorsprung verspielten und Dritte wurden. Immerhin. Meinem Vater ging es derweil immer schlechter – aber er hielt tapfer die Stellung.
Dieses Jahr, am 1. Dezember kurz nach 11:30 Uhr, hörte das Herz meines Vaters für immer auf zu schlagen. Für ihn war es nach dem fürchterlichen letzten Jahr eine Erlösung, für uns bleibt ein Verlust und die Erinnerung und die Traurigkeit. So ist das Leben, von dem meine Mutter zuweilen sagte: „Denkst du, es geht ewig so weiter?“. Und insgeheim hoffte ich: Ja. Immerhin hatte er unsere Hochzeit im September auf Korfu noch mitbekommen.
Es gibt einige Orte in meinem Leben, die ich aus den verschiedensten Gründen immer mal besuchen wollte – und Schweden stand ganz weit oben auf der Liste. Schon als Kind wollte ich unbedingt einmal in den Norden. Klar: Pippi Langstrumpf, Bullerbü, Michel, ABBA und die ikea-eske Freundlichkeit sowie Silvia Sommerlath 1972 prägten meine Generation. Später kamen Maj Sjöwall und Per Wahlöö, Henning Mankells Wallander, Lisa Miskovsky, Anna Ternheim, Sophie Zelmani und Saga Norén noch dazu. Einmal mit dem Camper oder mit einem Volvo Kombi durch Schweden zu reisen, davon träumte ich viele Tage – doch ein Blick in meinen Geldbeutel ließ mich bislang andere Orte anvisieren.
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Wieder einmal hat es uns der Wind nach Portugal geweht, wieder einmal sind wir an der östlichen Algarve gelandet. An allen Ecken und Enden wird gebaut, verändert sich das Bild – auch hier bleibt die Zeit nicht stehen, werden die Dinge teurer – und für viele Einheimische unbezahlbar. „Luxus“-Wohnanlagen entstehen wie Sand am Meer, welches sich hinter der vorgelagerten Ria Formosa versteckt.
Es war der reine Zufall: Eigentlich wollte ich nur die neuen Beläge für die Scheibenbremsen meines Rades einbremsen und rollte bremsend den Enkheimer Steg hinunter, vorbei am Kleintierzuchtverein. Auf halben Weg Richtung Bornheimer Hang fiel mir ein: Oh, es ist ja Dippemess. Die ich seit Jahren weiträumig umfahre. Aber aus irgendeinem Grund schloss ich wenig später mein Rad an den fast leeren Ständern vor dem neuen Schwimmbad neben der Eissporthalle ab. Nebenan parkte ein Polizeiwagen.
Eben noch hockten wir staunend auf dem Opernhaus in Oslo, jetzt klackern wir mit unseren Koffern schon wieder zum Bahnhof, nachdem wir in einem kleinen Café in Tøyen gefrühstückt hatten. Pia hat wirklich ein Händchen dafür, solche Orte zu finden. Unser Zug ist pünktlich und recht leer, so setzen wir uns langsam in Bewegung und gleiten nach Norwegens Süden. In Tønsberg müssen wir aussteigen; die letzten Kilometer bis zur Insel wird uns hoffentlich ein Bus bringen. Weiterlesen
Was lange Jahre undenkbar schien, schleicht sich langsam aber sicher merklich in den Vordergrund: Ich habe keine Lust mehr auf Männerfußball auf hoher Ebene, eher noch widert mich vieles an. Und dies nicht nur, weil eine der nächsten Weltmeisterschaften in Saudi-Arabien über die Bühne gehen wird und die Verbände auf höherem Level ohnehin korrupt sind. Vielmehr sind auch im eigenen Haus die Dinge massiv in Schieflage geraten.
Eben noch am Neujahrsmorgen in der Nähe von Rostock aufgewacht, blicken wir jetzt schon auf den letzten Tag des Jahres 2024. Die Zeit vergeht – oder vergehen wir, und die Zeit kümmert sich nicht darum? However, werfen wir einen kurzen Blick auf die vergangenen 365 Tage – und zwar einen persönlichen. Politisch sei gesagt: Vieles ist ein rechtes Elend, und patriarchalischer Populismus, zudem gepaart mit Gewalt, bringt uns nicht weiter. Der Kapitalismus hat zwar einige nette Errungenschaften hervorgebracht, doch der Preis, den wir in Form der mutwilligen Zerstörung von Mensch und Natur zahlen, ist zu hoch. Es gibt keine alternativen Fakten, und Religion – bitte nehmt sie nicht so wichtig. Erzieht eure Söhne, fallt nicht auf Propaganda herein und haut der Springerpresse genauso auf die Finger wie den Lügenbolden jeglicher Couleur.
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Die Musik der norwegischen Sängerin Kari Bremnes entdeckte ich zufällig – oder war es Neugier, da es Zufälle kaum gibt? Ich schaute seinerzeit auf Spotify, ob die von mir geschätzte Kari Rueslåtten eine neue Platte in petto hatte, und als ich „Kari“ in die Suchmaske eingab, schlug mir der Algorithmus Kari Bremnes vor. Neugierig, wie ich zuweilen bin, hörte ich in den Song „Glem Ikkje“ rein – und war sofort hin und weg. Song, Interpretin, Sound, Text – alles begeisterte mich. Ich hörte mich durch den Back-Katalog und blieb fasziniert. Das alles ereignete sich vor etwas über einem Jahr.


