Voll wurde es im Eintracht Museum und erstaunlicherweise saßen die wirklich prominenten Gäste nicht auf dem Podium sondern im Publikum. Edith und Alfred Pfaff jr waren aus dem Odenwald gekommen, dazu mit Istvan Sztani, Friedel Lutz und Dragoslav Stepanovic weitere ehemalige Aktive und auch die Eintracht war hochkarätig vertreten – Präsident Peter Fischer, Vize Stefan Minden sowie Axel Hellmann aus dem Vorstand der Fußball AG gaben sich die Ehre, dem Abend mit Wolfgang Steubing und Jürgen Neppe beizuwohnen.

Mit Wolfgang Avenarius und Horst Reber schauten auch zum wiederholten Mal zwei Journalisten vorbei, welche die Eintracht jahrzehntelang begleitet haben. Dazu gesellten sich natürlich etliche Fans und auch der Präsident von Rot Weiss Frankfurt, Ottmar Klauß, besuchte das Eintracht Museum, immerhin war Wolfgang Steubing dessen Vorgänger Ende der Achtziger Jahre gewesen. Damals, als Stepi die Rot Weissen trainierte und Armin Kraaz, Alexander Schur oder Jürgen Klopp am Brentanobad kickten.

Steubing, der genau wie Neppe in Frankfurt aufgewachsen war (beide besuchten sogar phasenweise die gleiche Schule) kam schon als junger Bub zur Eintracht, immerhin hatte die Familie Pfaff damals in Praunheim eine Gastwirtschaft und so waren Kontakte schnell geknüpft. Eintrachtfans waren beide also schon immer, auch wenn es Jürgen Neppe einst in den Kreis Offenbach verschlagen hatte und er in direkter Nachbarschaft mit dem langjährigen Kickers-Präsidenten Waldemar Klein aufwachsen musste. Aber die angebotenen Eintrittskarten für den Bieberer Berg wurden gekonnt ignoriert und sich Tickets für das Waldstadion besorgt.

Während Wolfgang Steubing schon in verhältnismäßig jungen Jahren den Vorsitz bei Rot Weiss übernahm (der Kontakt kam über den einstigen Eintracht Profi und Freund Gerd Trinklein zu Stande), das Vereinsgelände sanierte und später nur knapp am Aufstieg zur zweiten Liga scheiterte und schon damals der Eintracht unter die Arme griff, so stieß Jürgen Neppe vergleichsweise spät zur Eintracht. Der Kontakt kam durch den einstigen Amateurtrainer Bernhard Lippert zustande. Die Ausgliederung der AG aus dem Verein lag nur kurz zurück, die Lizenzerteilung 2002 war eine haarige Sache und so recht wollte die Suche nach einem Investor nicht voran gehen. Unversehens fand sich Neppe im Aufsichtsrat der AG wieder, übernahm sogar dessen Vorsitz – konnte aber dort letztlich nicht all zuviel ausrichten, zu stark das Ringen um Macht und Einfluss, nicht zuletzt durch Vertreter der Politik, da der Stadionneubau einherging mit der Suche nach einem Investor, der auch das Stadion betreiben sollte. Neppe fühlte sich in seinem Schaffensdrang ausgebremst, sämtlich Ideen wurden abgewiesen, so auch die der Verpflichtung Bruchhagens – der erst nach der Demission Neppes Vorstandvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG wurde.

Dazwischen lag das Intermezzo mit Dr. Peter Schuster, der gleichfalls nach Neppes Abschied installiert wurde. Für Staunen abseits des Fußballs sorgte die Information, dass Jürgen Neppe, der der Eintracht sogar ein zinsgünstiges Darlehen über 300.000 Euro zur Verfügung gestellt hatte, ein eigenes U-Boot besitzt, welches mittlerweile aber nicht mehr tauchfähig ist. Neppes Sohn Marco kickte etliche Jahre für Jugendmannschaften der Eintracht, ehe er für die damaligen Amateure am Riederwald auflief. Nach Stationen in Wuppertal, Osnabrück und Aachen hat Marcos Weg nunmehr eine andere Richtung genommen. Hatte er schon zuvor auf 400 Euro-Basis für Bayer Leverkusen gescoutet, so erreichte ihn im vergangenen Sommer ein Angebot, welches er nicht ablehnen konnte. Sein einstiger Mentor in Leverkusen, Michael Reschke war als Technischer Direktor nach München zu den Bayern gewechselt und angelte sich Marco Neppe als Assistent. Vielleicht sollte die Eintracht ein Auge auf den jungen Mann werfen.

Auch auf die Frage, wie es mit der Eintracht weitergehen soll, hat Jürgen Neppe eine Antwort: Kauft das Stadion. Oder noch besser: „Ich kaufe das Stadion, ihr zahlt mir zehn Jahre die Miete, die ihr heute zahlt, dann gehört das Ding euch.“

Wolfgang Steubing, der es als Börsenmakler zu einer eigenen AG geschafft hat, begreift und begriff sich nie als Sponsor. Eher erfüllt er die Eigenschaften des klassischen Mäzens, den angenehmen Dingen des Lebens sicherlich zugetan, scheute er sich zwar nie vor der Verantwortung, drängte aber nie ins Rampenlicht. Mehrfach profitierte die Eintracht von seinen beträchtlichen Zuwendungen, die oft auf unkonventionelle Art und Weise zu Stande kamen. Und auch wenn die ein oder andere Abteilung in Nöten steckte, war Steubing zur Stelle, die Eishockey Lichter wären ohne ihn noch früher ausgegangen. In den Neunziger Jahren saß Steubing kurzzeitig im Verwaltungsrat und wurde auch immer wieder als Präsident ins Gespräch geracht. Das Gerücht aber, dass er nach der traumatisch vergeigten Meisterschaft die versprochene Meisterprämie durch die Luft wirbelte, erwies sich nur als halbe Wahrheit. Zwar hatten er und Freunde in Rostock Geld gesammelt, welches in einer „Latschatüte“ aufbewahrt wurde, da es im Hotel keinen Tresor gab. Beim Transport passierte ein Malheur, die Tüte riss und die Scheine purzelten auf den Boden. Einige Umstehenden, darunter auch Sportreporter, die einst in Flammen standen, begannen die Scheine einzusammeln, wurden aber zurecht gewiesen. Die Summe wurde jedoch nach der Niederlage an der Ostsee bedürftigen Organisationen zugeführt.

Steubing ist wohl der erste Frankfurter, nach dem zeitlebens zwei Hallen benannt wurden. Zum einen am Senckenbermuseum, das er mit einer großzügigen Spende bedachte (die jedoch nur vorübergehend existierte) und zum anderen am Riederwald. Die dortige Dreifelderhalle trägt seit dem Neubau des Leistungszentrums seinen Namen, hatte er doch maßgeblichen Anteil am Neubau. Darüber hinaus half er dem Verein durch die Übernahme von Aktienanteilen aus der Klemme. Und es dürfte wohl keinen Frankfurter geben, bei dem diese Anteile besser aufgehoben wären.

Wenn es um die Einschätzung der Zukunft des Fußballs im Allgemeinen und der Eintracht im Besonderen geht, so ließ er durchblicken, dass ihn im Bezug auf die Eintracht die Näherbringung der Jugend an die Profis am Herzen liegt und er davon ausgeht, dass die Summen, die im Fußball gehandelt werden, demnächst noch steigen werden, da auch die TV-Vermarktung fürderhin europäisch verhandelt wird. Doch auch da der Reflex auf diejenigen, die nichts besitzen, der Eintracht aber gerade im Europacup gefolgt und durch großartige Inszenierungen aufgefallen sind: Die Fans. Und man nimmt ihm ab, dass ihm diese am Herzen liegen, gerade auch weil er sich nicht anbiedert, sondern schlicht nie vergessen hat, wo er herkommt.

Sicher, der Abend stand unter dem Einfluss der kommenden Wahlen und Umstrukurierungen, so dass aus Rücksicht auf die handelnden Akteure nicht alles ans Tageslicht kam, was hätte beleuchtet werden können, dennoch war es hochinteressant, hinter die Kulissen derjenigen zu schauen, die die Eintracht auf ihre Art unterstützt und sogar am Leben gehalten haben. Auch as Eintracht Museum darf sich über weitere Unterstützung freuen. Horst Reber hat übrigens hier über die Veranstaltung berichtet.

Nachtrag:

Und auch die BILD hatte ihre Schlagzeile:

arad