Nach dem gestrigen Fußballspiel zwischen AS Rom und Sampdoria Genua stand für die kleine Reisetruppe der Fan geht vor das touristische Pflichtprogramm bevor, in der Tasche den Reiseführer, den Rom-Pass und das nötige Kleingeld. Die erste Station hieß: Colosseo und das in zweifacher Hinsicht. Zum einen entstiegen wird der gleichnamigen U-Bahn Station und zum anderen führte uns der Weg natürlich zu der weltberühmten Arena der Gladiatorenkämpfe.

Der erste Blick zeigte das Colosseo teils eingerüstet. Römer in historischen Kostümen boten sich für Fotos an, manch einer in wärmenden Winterstiefeln, die so gar nicht historisch daherkamen. Überall fliegende Händler, fotografierende Touristen mit Reiseführer und staunende Blicke auf den Koloss, der einst 50.000 Platz bot, die bei Brot und Spielen den grausamen Schlachten zusahen. Im End dürfte es einst hier nicht viel anders als heutzutage beim Fußball zugegangen sein. Auf den Rängen wurden Snacks verkauft, man hatte Favoriten und wahrscheinlich hat hier die Wettmafia ihren geschichtlichen Ursprung. Einzig die Berge von Blut der Unterlegenen oder der getöteten Tiere zeugen von einem gravierenden Unterschied zu heute.

Durch den Pass hatten wir nicht nur freien Eintritt, wir sparten uns auch das Anstehen an der Kasse. Die Schlange war schon recht lang, aber wahrscheinlich kein Vergleich zu den Massen, die im Frühling hier anstehen werden. Der Blick ins Innere ist schon recht mächtig, im Kopfkino kämpften Gladiatoren gegen wilde Tiere, das Volk futterte belegte Brote und veranstaltete ein mords Getöse, derweil der römische Kaiser von Zeit zu Zeit einen Unterlegenen begnadigte. Erbaut wurde das ganze übrigens zwischen 72 und 80 nach Christus, Caesar selbst aber auch Nero hatten das Gebäude nie gesehen. Auch das Colosseo erinnert ein wenig an das Frankfurter Stadion, sogar ein Dach hatte es früher gegeben. Dass hier aber auch der erste Videowürfel hing, ist in die Abteilung „Legende“ zu verweisen.

Nach einem Rundgang fuhren wir mit der Bahn zur Station Piramide, an welcher auch tatsächlich eine kleine Pyramide steht, ein römischer Kaiser hatte sie sich als Grabmal ausgesucht, in Anlehnung natürlich an die ägyptischen Vorbilder. Dort kehrten wir ein, um derart gestärkt das Forum Romanum in Angriff zu nehmen. Natürlich war hier alles kaputt, das antike Rom ist ja schon lange Vergangenheit, aber dennoch zeugten die erhaltenen Ruinen der Tempel und Häuser von der mächtigen Zeit der römischen Kaiser. Vom Palatin hatte man einen schönen Ausblick über die Stadt der sieben Hügel, hier fand man Überreste der ganz alten Roms, aber auch den Palast von Augustus. Hochinteressant das Ganze – und auf Grund der Jahreszeit auch nicht wirklich überlaufen.

Nicht weit entfernt vom Ausgang Richtung heutiger Altstadt protzt das Monumento a Vittorio Emanuele II, kurz Vittoriano, ein weiteres Staatssymbol, der Verkehr braust unaufhörlich, wer die Straße überquert, darf nicht zögern. Fliegend Mönche ziehen die Blicke der Umherziehenden auf sich, derweil wir den Vespas und Bussen standhalten. Oldtimer sind in Rom aber nahezu ausgestorben. Von Zeit zu Zeit entdeckte ich einen Fiat 500, andere Modelle sind mir in den vier Tagen nicht über den Weg gefahren, auch die kleinen schwarzen Kennzeichen sind schon lange Vergangenheit. Die Römerinnen telefonieren, derweil wir von mächtigen Gebäuden und Plätzen umgeben sind – und natürlich von Wirtshäusern jeglicher Couleur. Alle naslang wird man angesprochen, ob man nicht einkehren möchte, Tourist Menüs und fliegende Händler, in den Auslagen der Buden wimmelt es von belegten Broten, Süßigkeiten und natürlich lachten uns die Eiscafés an. Die Preise bewegen sich von zivil bis exorbitant und zur Gepflogenheit gehört es, einen Espresso oder Cappuccino im Stehen einzunehmen. Empfehlenswert ist sicher ein Porchetta, ein stundenlang mit Kräutern gebackener Schweinebraten, der im Brötchen oder einer weißen Pizza auf die Hand verkauft wird

Währen der Rest der Truppe einkehrte, wanderte ich zum weltberühmten Fontana die Trevi, natürlich warf ich rücklings eine Münze ins Wasser – nachdem ich mir dort einen Platz erkämpft hatte. Welch Gewimmel und Gewusel, aber auch hier kein Vergleich zum Frühling. Überall wurden Fotoapparate und Handys gezückt, jeder möchte ein Bild von sich mit seiner Liebsten mit Brunnen im Hintergrund und wenn ich einen Blick auf die kleinen Monitore erhaschte, dann wunderte ich mich, mit welchen Bildern sich manch einer zufrieden zeigt. Natürlich kann ich auch hier bunte Helikopter, Laserlampen oder kleine Kolosseums kaufen, wenn ich will auch den schiefen Turm von Pisa. Will ich aber nicht.

Gemeinsam liefen wir dann alle zum Pantheon, dem Ort, wo unter anderem Raffael begraben liegt. Bemerkenswert ist hier die oben offene Kuppel, die von außen nicht zu ersehen ist. Der Legende nach wurde die Kuppel erbaut, indem man einen Hügel aufschüttete, dort Münzen versteckte, die Kuppel drumherum baute und durch das Loch das Volk die Münzen suchen ließ – und somit die Erde wieder abgetragen wurde, pfiffig waren sie ja schon, die Römer.

Durch Fußgängerzonen und befahrene Straßen führte der Weg dann zurück zum Hotel. An vielen Ständen wurden gemalte Bilder feilgeboten, meist das Colosseo aber auch Drucke, meist Filmplakate mit Gregory Peck und Audrey Hepburn, im Hintergrund das – wie soll es anders sein – das Colosseo, gerne auch eine Vespa solo oder ein Fiat 500 vor dem – na ihr wisst schon.

Unser Hotel ist von zwei Ministerien umgeben und fußläufig zehn Minuten vom Termini, dem Bahnhof entfernt. In unmittelbarer Umgebung befinden sich einige Ristorante, eines davon ist unser abendliches Ziel, der Hauswein für 12 Euro der Liter – und so lernten wir, dass es in Rom sinnig ist, Rotwein zu trinken, fast immer günstig, fast immer ausgezeichnet, während Bier in 0,66-Liter-Flaschen auf den Tisch gestellt wird – zu schlappen sechs Euro. Hier brachte der Kellner Saltimbocca, dort Spaghetti rabiat, nur der Versuch Sebastians, das Nationalgericht Trippa alla Romana zu probieren ging daneben. Kutteln in Tomatensoße waren nicht sein Ding.

Der nächste Tag brachte uns den Petersplatz. Nahe des Vatikans hält sogar eine U-Bahn, nicht selbstverständlich in Rom, denn es verkehren in der ganzen Stadt nur zwei Linien. Für fünf Euro kann man den Petersdom besteigen, wer zwei Euro mehr investiert fährt mit dem Aufzug nach oben, der Weg aber vom Beginn der Kuppel bis zur Spitze führt ausschließlich zu Fuß. Durch die Rundung muss man zur Seite geneigt weitermarschieren, ein lustiges Bild. Die Schlange zur Kasse ist auch hier überschaubar, nach wenigen Minuten begannen wir mit dem Aufstieg. Von der Zwischenstation hat man ein phantastisches Bild ins Innere der Peterskirche, wie Spielzeugfiguren wandern die Touristen in der mächtigen Kirche umher, vom Ausguck weiter oben blickt man über Rom und den Petersplatz, Understatement ist die Sache der Römer nie gewesen. Rechter Hand fließt grün der Tiber, an dessen Ufer die Engelsburg thront. Wir genossen eine Weile den überragenden AusBlick, schlenderten dann über den Petersplatz und suchten einen Rastplatz. Natürlich trafen wir auf Massenverkäufer, wollten aber weder einen Knatschball, der wie Schleim beim Aufprall zerfließt noch ein Bild des aktuellen Papstes.

Da zu unserem Leidwesen die Sixtinische Kapelle schon geschlossen hatte, als wir an den Vatikanischen Museen eintrafen, entschieden wir uns, die Engelsburg aufzusuchen, auch von hier bietet sich ein grandioser Ausblick, diesmal sogar auf den Petersdom. Putzig ein Platz am Rundgang hoch oben, in dem man bewirtet wird und durch steinerne Luken auf Rom blickt. Touristen fütterten Möwen mit Rotwein, die fliegenden Trinker wussten dies und ließen sich gleichfalls bewirten.

Zurück in der Altstadt warf ich noch einen Blick auf die Piazza Navona und den Campo di Fiori, freute mich über mein Porchetta und schlenderte zurück zum ausgemachten Treffpunkt. An Schuhgeschäften und Souvenirshops vorbei, passierte ich eine Unfallstelle, ein Moped lag am Boden, der Notarzt half wo zu helfen war, ich aber ging weiter und erreichte zum verabredeten Zeitpunkt den Piazza del Repubblica. Von dort aus suchten wir eine Lokal, entdeckten La Vacca M’Briaca und wurden trefflich bewirtet, um den Abend im Irish Pub zum Druiden bei Livemusik ausklingen zu lassen.

Es folgte der letzte Tag und da mein Bedarf an fliegenden Händlern und alten Steinen gedeckt war, entschied ich mich raus ans Meer zu fahren, nach Ostia Lido, dort wo Pasolini 1975 ermordet wurde. Der Joker war auch hier mein Rom-Pass, denn für die knapp 30 km lange Strecke brauchte ich kein Extraticket und so sauste ich durch Rom bis ich 30 Minuten später Ostia erreichte. Keine fünf Minuten später war ich am Ufer, das im zentralen Bereich vor allem im Sommer nur durch Badeanstalten erreichbar ist. Diese waren nun zum Teil als Durchgang geöffnet, die meisten Ausflügler allerdings drängten sich auf dem Steg der zum Wasser führte, am Strand selbst war wenig los. Ich marschierte durch eine geöffnete Badeanstalt ans Meer, die Sonne glänzte, dass es mir bald im Mantel zu warm wurde.

Einzelne Hunde wurden ausgeführt, von Zeit zu Zeit spielten Kinder im Sand und mal lagen Liebende nebeneinander auf einer Decke. Ich sammelte ein paar Muscheln auf, setzte mich auf einen ausgewaschenen Baumstamm und blickte aufs Meer und dachte an Pia, die jetzt gerade im Museum der Eintracht arbeiten musste. Durch den Kopfhörer lauschte ich Bill Waynes Blood to dust, bis ich mich ganz dem Wellenrauschen hingab. Meeresstille.

Weiter hinten am Strand wurde geangelt, ich erreichte nach einer Weile die Stelle, an der die Öffentlichkeit bei schönem Wetter den Strand betritt, Segelboote glänzten im Hintergrund, ein normaler Platz an einem normalen Tag.

Später trank ich einen Kaffee an einer Bude und marschierte am Wasser zurück Richtung Fußgängerzone, Richtung Bahnhof und landete alsbald wieder in Rom. Ich fuhr weiter zum Circo Massimo, staunte über die große Fläche und das dahinter erwachsende Forum Romanum, überquerte den Tiber und landete in Trastevere, einem Viertel jenseits des Flusses. Wohl sind hier auch Touristen unterwegs, aber es erinnert eher an das heutige gentrifizierte Kreuzberg als an das Brandenburger Tor. Die Straßen sind schmaler, die Plätze kleiner als auf der anderen Seite des Flusses und die fliegenden Händler sind weniger. Bunte Häuschen reihen sich dicht an dicht, Wäscheleinen sind von Fenster zu Fenster gespannt, man wird hier Momente des römischen Alltags finden, die nicht touristisch geprägt sind. Allerdings auch hier keine Oldtimer.

Der Abend endete zunächst auf dem Campo di Fiori bei einem Café um später gemeinsam durch Trastevere zu laufen, einzukehren, Pizza zu essen und Wein zu trinken. Anschließend ein letzter Zug durch die Altstadt, ein weiterer Blick auf den Fontana die Trevi und ein Absacker in ein kleinen Bar, Grappa aus Proseccogläsern. Im Fernseher lief ein Spiel des AC Milan, die nach 2:0 Führung noch 3:4 gegen US Sassuolo Calcio verloren, alle vier Gegentore erzielte Berardi.

Final landeten ein paar von uns noch in einem weiteren Irish-Pub und ließen die Reise bei Guinness und Wein Revue passieren und kaum lagen wir im Bett, kam schon unser Taxi und brachte uns zum Flughafen. Mille Grazie und arrividerci Roma, wir sehen uns sicher wieder.