{"id":9417,"date":"2015-03-31T04:17:53","date_gmt":"2015-03-31T02:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9417"},"modified":"2015-03-31T04:17:53","modified_gmt":"2015-03-31T02:17:53","slug":"logbuch-thailand-rauchende-moenche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9417","title":{"rendered":"Logbuch Thailand &#8211; Rauchende M\u00f6nche"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Zeit sch\u00e4lt sich ein\u00a0Rhythmus heraus, der durchaus den Bedingungen der Natur unterworfen ist. Meist ist das Erste, was ich h\u00f6re, der Ruf des Geckos. Einer dieser Gesellen lebt als Untermieter hinter meinem Badezimmerspiegel und k\u00fcmmert sich nicht um Etwas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem beginnenden Tag setze ich mich ins Restaurant, meist ist die Familie schon wach und geht unaufgeregt ihren Dingen nach. Ich schreibe mit Blick auf die See, manchmal rinnt mir der Schwei\u00df, manchmal weht ein windiges L\u00fcftchen. Nach getaner Arbeit ruft das Meer, man kann hier sogar ein bisschen schnorcheln, die Felsen sind scharfkantig, von eingewachsenen Muscheln \u00fcbers\u00e4ht und bei Flut von einer Sandschicht \u00fcberzogen. Bei Ebbe ragen sie aus dem Wasser. Auf dem Meeresgrund finden sich vereinzelt Reste der menschlichen Zivilisation, meist Plastik. Fische gibt es einige, die Mehrzahl ist schwarz-gelb gestreift, ich nenne sie: Borussenfische. Erstaunlicher Weise verirrt sich auch mal ein blauer darunter mit einem leuchtenden L\u00e4ngsstreifen, der Schalker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Sonne \u00fcber meine H\u00fctte wandert, scheint sie auf die H\u00e4ngematte, die w\u00e4rmste Zeit des Tages bricht an, Zeit f\u00fcr eine Rollertour. Ich glaube ja, nachdem ich nun zwei Mal getankt habe, dass bei meiner Ankunft aus zwei bezahlten Litern Sprit nur einer in den Tank gewandert ist. Damals zeigte die Tanknadel halb voll an, bei den n\u00e4chsten Versuchen war der Tank mit zwei Litern jeweils voll. Holzauge, sei wachsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute stand eine Premiere auf dem Spiel, der Besuch bei einem Friseur, zwecks Rasur. Der Friseur ist eine kleine H\u00fctte, in der drei alte St\u00fchle stehen, neben mir wird einem Thai der Kopf gewaschen, er schnattert mit der Friseuse, bis er zufrieden auf seinen Roller steigt. Meine Rasur ist weniger pittoresk\u00a0als in Indien oder der T\u00fcrkei. Der Sitz wird umgeklappt, mein Gesicht aus der Spraytube eingesch\u00e4umt und anschlie\u00dfend werden die Barthaare mit einem Rasiermesser abgeschabt, das geht behutsam und konzentriert vor sich. Auf ein W\u00e4sserchen oder Ohrausflammen warte ich vergeblich, aber der Bart ist ab und so soll es sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fahrtwind k\u00fchlt, ich besuche die M\u00f6nche und steige einen H\u00fcgel zu einem der zahlreichen Buddhas empor, die \u00fcber allem thronen, auch hier liegen Gaben und R\u00e4ucherst\u00e4bchen. An der Stra\u00dfe betreiben die M\u00f6nche einen kleinen Stand mit Devotionalien, der Verkaufsm\u00f6nch sitzt in seinem orangenen Umhang dabei und raucht. Klarer Pluspunkt f\u00fcr die Buddhisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich tucker gem\u00e4chlich auf die S\u00fcdseite meiner Bucht, von einigen Felssteinen vom Norden getrennt. Dort f\u00fchren gleichfalls einige Anlagen zum Strand, ich schaue mir eine an. Sie ist gr\u00f6\u00dfer als meine, die Bungalows stehen nicht direkt am Wasser, es ist eine Art Garten, zum Wasser l\u00e4uft man ein paar Schritte. Hier macht sich die Ebbe deutlich bemerkbar, dass Meer hat sich einige Hundert Meter zur\u00fcckgezogen, an Schwimmen ist nicht zu denken. Ich roller zur\u00fcck, esse unterwegs an einem kleinen, einfachen Thairestaurant gegrilltes H\u00e4hnchen. Viele H\u00fchner oder Anzeichen f\u00fcr Nutztierhaltung habe ich noch nicht gesehen, ob dies ein gutes Zeichen ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen f\u00fcnf Uhr schickt sich die Sonne langsam an, unter zu gehen. Dieser Anblick geh\u00f6rt zum t\u00e4glichen Pflichtprogramm. Die Reisenden suchen sich einen sch\u00f6nen Platz und bestaunen w\u00e4hrend der n\u00e4chsten beiden Stunden das Lichtfarbenspiel, welches sich an einem jeden Tag anders darbietet. Same same but different. Diesen Satz habe ich einst in Indien gelernt, er geh\u00f6rt auch hier zum Repertoire. Wie auch: No have.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald die Sonne verschwunden ist, vermengen sich die Himmelsfarben zu einem n\u00e4chsten Farbenspiel und sobald Wolken zu sehen sind, spielen sie mit. Dann erwachen die Zikaden zum Schnattern, es kommen die drei kleinen Hunde, alsbald ist alles recht ruhig, die Geckos lassen sich an und an h\u00f6ren, das Besteck der G\u00e4ste hier oder neben an klappert, man isst zu Abend. Mal alleine, mal mit Mitbewohnern. Heute kam Tom wieder vorbei, gemeinsam mit der gestern angekommenen Dagmar genie\u00dfen wir unsere Mahlzeit, erz\u00e4hlen Geschichten, bis es mir zuviel wird und ich in meiner H\u00e4ngematte verschwinde. Es weht eine Brise, eigentlich wollte ich noch ein Nachtbad nehmen, aber da es frischer ist als gestern, verzichte ich darauf. Zudem verliert die Magie bei zu h\u00e4ufiger Wiederholung ihre Farben. Die klaren Nachtfarben des Sternenhimmels.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Zeit sch\u00e4lt sich ein\u00a0Rhythmus heraus, der durchaus den Bedingungen der Natur unterworfen ist. Meist ist das Erste, was ich h\u00f6re, der Ruf des Geckos. 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