{"id":9393,"date":"2015-03-29T06:01:55","date_gmt":"2015-03-29T04:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9393"},"modified":"2015-04-01T06:20:42","modified_gmt":"2015-04-01T04:20:42","slug":"logbuch-thailand-finden-und-verlieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9393","title":{"rendered":"Logbuch Thailand &#8211; Finden und verlieren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Tage vergehen im Wellenschlag, Erkundungen, Erholungen, Erfahrungen. Es gibt keine Eile. Morgens beim Erwachen sa\u00df eine Gecko hinter meinem Badspiegel. Er hat sich erschrocken, als ich kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Insel durchlebt derzeit dies, was wir wohl unter Gentrifizierung verstehen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie im Reisef\u00fchrer von Stefan Loose vermerkt ist. Es gibt nunmehr einige gr\u00f6\u00dfere Resorts, wohl komfortabler, obgleich es diesen Komfort eigentlich nicht braucht. Die Wege werden vermeintlich verbessert, aus sandigen Dschungelwegen werden betonierte Stra\u00dfen, auch an den Stra\u00dfen werden Resorts gebaut. Von dort muss man dann an einen Strand fahren. Wobei das ja gerade das Tolle ist, der kleine Bungalow am Wasser, der Blick auf Sonne und Meer, die Schlichtheit des gro\u00dfen Gl\u00fccks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Fr\u00fchst\u00fccksschreiben traue ich mich wieder ins Wasser, blaugr\u00fcn, warm und vermeintlich so harmlos. Ich m\u00f6chte mir die Hippy Bar am n\u00f6rdlichen Ende des Strandes einmal anschauen, sie liegt einige Hundert Meter entfernt. Ich schwimme, ich laufe abwechselnd, bleibe relativ dicht am Ufer, kaum jemand ist unterwegs. Vom Strand aus kann man die einzelnen Resorts entdecken, manche sehen einladend aus, andere sagen mir: Nichts f\u00fcr dich. Unterwegs finde ich eine der wenigen Muscheln, sie ist zehn Zentimeter lang, gezwirbelt und wundersch\u00f6n. Ich halte sie beim Laufen in der Hand und stecke sie beim Schwimmen in die Badehose. Um sie sicher zu behalten, m\u00fcsste ich laufen, aber ich mag das Schwimmen und so spiele ich ein Spiel. Wenn ich die Muschel noch habe, so ich an meinem Resort ankomme, dann geh\u00f6rt sie zu mir, wenn nicht geh\u00f6rt sie dem Meer. Ich machs kurz, sie geh\u00f6rt dem Meer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterwegs finde ich zwei Glasscherben, die ich entsorge. Es ist bei aller Sorglosigkeit stets ratsam, \u00fcberall genau zu schauen, willst du weiterhin halbwegs unbeschadet durch die Zeit kommen. Kleine Gefahren lauern \u00fcberall, die gr\u00f6\u00dferen halten sich bislang versteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lichter der Hippy Bar kann ich des Nachts von meiner Veranda aus sehen, jetzt stehe ich davor. Es ist ein gr\u00f6\u00dferes Gel\u00e4nde, die einzelnen Elemente bestehen aus Treibgut, vielleicht schaue ich mir das Ganze am Abend einmal genauer an. Den Weg zur\u00fcck verbringe ich schwimmend, es ist ein hei\u00dfer Tag, mal liege ich auf dem R\u00fccken und paddel, mal schwimme ich Brust, erneut ziehen die Resorts an mir vorbei. Sollte ich eines Tages woanders sein und eine Unterkunft brauchen, scheint es eine gute Idee zu sein, einen Strand entlang zu wandern und von dort aus zu suchen. Zu finden. Es sind die schwach beleuchteten, die kleinen, wenig marktschreierischen Pl\u00e4tze, die leise wispern: Beve, schau mich an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obgleich ich nun schon eine ganze Weile hier bin, merke ich, dass ich mich leicht verbrannt habe, das Wasser hat die Sonnenstrahlen verst\u00e4rkt. Es wird nicht schlimm werden, aber Schatten ist f\u00fcr den Rest des Tages ein guter Ratgeber. Ich dusche unter der kleinen Dusche im Garten und schaue mich um. Am Ende des Grundst\u00fcckes zum Nachbarn hin, stehen zwei winzige Tempelchen, jeden Morgen bringen Lae oder Kin oder Al kleine Opfergaben, entz\u00fcnden R\u00e4ucherst\u00e4bchen und versorgen den Tempel mit Nahrung. Das ganze geht still und leise vor sich, keine Kirchenglocken schlagen, kein Muezzin ruft, jeder lebt seinen Tag nach seiner Facon\u00a0und bislang habe ich den Eindruck, dass man dies auch einem anderen zugesteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter nehme ich meinen Roller und surre \u00fcber die Insel. Gestern hatte ich einige Postkarten gekauft, am Pier ist ein Briefkasten. Ich nehme den Weg, der ans n\u00f6rdliche Ende der Ost\u00fcste f\u00fchrt, roller sp\u00e4ter wieder an den M\u00f6nchen vorbei, und treffe im Ort auf Al und Cha, die gerade aus Ranong zur\u00fcck gekommen sind und Richtung ihrer Heimat rollern. Auch finde ich einen Briefkasten, die ersten K\u00e4rtlein verschwinden darin, gute Reise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann fahre ich in den s\u00fcdlichen Teil der Insel, und passiere ein hochmodernes Resort, am Zugang zu den Bungalows ein Schild: Only for guests. Das ist meist nicht n\u00f6tig, aber hier weht ein anderer Wind. Dahinter verbirgt sich eine weitere Anlage, die sehr gem\u00fctlich daher kommt. Hier darf man auch hinein. Am Strand Richtung Osten stehen ein paar Schattenschirme mit Kokosd\u00e4chern, auf der Anlage sind sch\u00f6ne Pl\u00e4tze zum Relaxen verteilt, H\u00e4ngematten, Podeste, Schattenb\u00e4ume. Niemand ist um diese Zeit hier anzutreffen, ich surre weiter in den Dschungel, die Wege sind sandig, der Roller schnurrt, es riecht nach Cashewn\u00fcssen. Unterwegs begegne ich niemandem, ich fahre eine ganze Weile und erreiche einen h\u00f6lzernen Rohbau einer kleinen H\u00fctte auf einem H\u00fcgel, ein Weg, den meine Yamaha nicht schafft. Ich roller noch einige Hundert Meter weiter, beschlie\u00dfe, umzukehren, und stelle den Roller ab, um zu Fu\u00df zum H\u00fcttchen zu laufen. Von hier sieht man durch die Palmen und Cashewb\u00e4ume das Meer, ein Ma\u00dfband liegt auf dem Boden, die Bauarbeiter haben es wohl vergessen, ich lege es auf den H\u00fcttenboden und kehre um, f\u00fcr heute habe ich genug gesehen. Unterwegs hole ich mir noch eine Ananas in einem kleinen Markt, die ich in meiner H\u00fctte zerteile. Der Saft l\u00e4uft mir die Finger entlang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas sp\u00e4ter legt ein gr\u00f6\u00dferes Boot am Ufer an, es geh\u00f6rt zum Resort nebenan. Als ich baden gehe, tuckert der Motor, Wasser wird abgepumpt, es riecht nach Diesel. Das Boot erscheint mir zu gro\u00df f\u00fcr die Bucht, es wird ein Schiff sein, das Touristen zum Tauchen oder Seacruisen f\u00e4hrt. Ich verlasse das Meer, dusche und schwinge mich auf meinen Roller, um mir den Sonnenuntergang in der Hippy Bar anzusehen. F\u00fcnf Minuten fahre ich gen Norden, dann biege ich auf einen Sandweg ab, um nach weiteren f\u00fcnf Minuten auf dem Parkplatz zu landen. Es geht einige Meter nach unten und schon habe ich die Bar erreicht. Ein Thaihippy begr\u00fc\u00dft mich, fragt nach meinem Wunsch, den ich mit einem Bier und einem Sunset pr\u00e4zise formuliere. Ein paar Hippytouristinnen klimpern auf einer Gitarre und singen dazu. Ob dies der Grund ist, dass sich die Sonne langsam verzieht, vermag ich nicht zu sagen, ich setze mich auf ein Podest und schaue aufs Meer. Auch hier gibt es einige sch\u00f6ne Pl\u00e4tze zum Chillen, sogar ein aus Treibholz gebautes Schiff. Und es gibt Hippydrinks, Hippyshakes und einiges andere mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch am nur wenige Schritte entfernten Strand ist wenig los. Der ein oder andere Strandl\u00e4ufer kommt vorbei, fotografiert und spaziert weiter. W\u00e4re ich 25 Jahre j\u00fcnger, so w\u00fcrde ich diesen Ort lieben, jetzt betrachte ich ihn mit der illusion\u00e4ren Weisheit des Alters. Wer hier einen Drink oder anderes zu sich nimmt, bezahlt den Hippy spirit etwas teurer als an anderen Orten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sonnenuntergang ist ein Spektakel, wenn man genau schaut, k\u00f6nnte man das Farbenspiel seitenlang beschreiben, das Blau, das Orange, das Wasserrauschen und der sp\u00e4trote Sonnenball, der irgendwann im Westen verschwindet und Himmel wie Wolken ihren Farben \u00fcberl\u00e4sst. In den letzten Minuten verstummte auch das Gitarrenspiel, ein Flugzeug hinterl\u00e4sst einen silbernen Streif im Himmelsrot. Ein Hund hat sich zu mir gelegt, er guckt mich an, dann aufs Meer und m\u00fcffelt vor sich hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ist die Nacht nicht angebrochen, da erklingt Musik aus den Boxen, die Lichter sind angegangen, die Bar r\u00fcstet sich zur Nacht. Ich bezahle meine Dose Chang, der Afrothai w\u00fchlt in einer Kiste mit Geld, um zu wechseln, ein &#8222;see you again&#8220; und schon holper ich mit meinem Roller durch die angehende Nacht. Der Fahrtwind k\u00fchlt, vielleicht mache ich eines Tages noch eine gr\u00f6\u00dfere Nachttour mit dem Rollerchen, es macht unglaubliche Freude, langsam an den beleuchteten Bars vorbei zu tuckern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Eow wieder zur\u00fcck gekehrt ist, kann ich auch wieder &#8222;zuhause&#8220; zu Abend essen, ich l\u00f6ffel mein fabelhaftes rotes Curry und schaue aufs Meer, das gr\u00f6\u00dfere Boot ist verschwunden. Ich erfahre, dass Lae uns morgen verl\u00e4sst und in ihre Heimat, Myanmar, zur\u00fcck kehren wird, ihre Arbeit ist beendet, die Saison neigt sich dem Ende entgegen. Ihre freundliche und stille Art wird mir fehlen. Immer wieder habe ich sie bei ihrer Arbeit beobachtet, und es gab genug zu tun. Ich verabschiede mich, dr\u00fccke ihr einige Baht in die Hand und denke, dass Pia sie vielleicht auch im kommenden Jahr kennen lernen wird. Sp\u00e4ter liege ich in meiner H\u00e4ngematte, verdecke mit einem Sarong den Blick auf ein grelleres Licht im Resort nebenan, das aber bald gel\u00f6scht wird. Im Norden funkeln die Lichter der Hippy Bar und einige weitere, das Meer rauscht, der Gecko macht sich bemerkbar, der halbe Mond wirft seinen Glitzerstreif auf das Wasser und ehe ichs verstehe, saust eine Sternschnuppe hernieder. Ich lege mich ins Bett, \u00f6ffne mein Fenster, schaue ein paar Minuten auf den Mond und schlafe ein. Ob meine Muschel f\u00fcr immer im Meer verschwunden ist? Vielleicht treibt sie ja wieder an den Strand und irgend jemand findet sie und wei\u00df nichts von unserer Geschichte. Ich w\u00fcnsche ihr eine gute Reise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tage vergehen im Wellenschlag, Erkundungen, Erholungen, Erfahrungen. Es gibt keine Eile. Morgens beim Erwachen sa\u00df eine Gecko hinter meinem Badspiegel. 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