{"id":9386,"date":"2015-03-28T05:21:06","date_gmt":"2015-03-28T04:21:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9386"},"modified":"2015-03-29T06:33:27","modified_gmt":"2015-03-29T04:33:27","slug":"logbuch-thailand-geckos-und-tukane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9386","title":{"rendered":"Logbuch Thailand &#8211; Geckos und Tukane"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Heute morgen ist Alfred abgereist, er hat mir zum Abschied ein Geschenk gemacht, dem ich eine sch\u00f6ne Idee widmen m\u00f6chte, da ich beschlossen habe, es, wenn die Zeit gekommen ist, ebenfalls weiter zu geben. Es ist eine kleine Dose, deren Bestimmung es sein soll, weiter gegeben zu werden. Ihr Besitz ist ein \u00dcbergang, sie geh\u00f6rt auf die Reise und soll von Reisenden zu Reisenden weiter gegeben werden. Sie kann \u00fcberall mit hingenommen werden, nur nicht nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\">Wenn euch also eines Tages eine kleine h\u00f6lzerne Dose mit leichtem silbrigen Beschlag begegnet, dann denkt an mich und gebt sie weiter. Beim Fr\u00fchst\u00fcck, Tee und frische Cashewn\u00fcsse, kommt ein Tukan angeflattert und setzt sich auf einen Cashewnussbaum. Auch hier nicht allt\u00e4glich, die Arbeit wird unterbrochen, der Gelbschnabel fotografiert. Etwas sp\u00e4ter hat sich ein kleiner Gecko auf meiner Veranda niedergelassen und spitzt keck in die Gegend.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\">Mein Fuss hat sich gut entwickelt, die Wunde scheint zu verheilen, aber es ist wohl besser, sie vor Sand und Dreck zu sch\u00fctzen, auch heute lege ich mir ein Badeverbot auf. Das ist zwar ein bisschen schade, zumal an weitere fu\u00dfl\u00e4ufige Strecken auch nicht wirklich zu denken ist, aber ich habe ja meine H\u00e4ngematte und meinen Roller. Und in der H\u00e4ngematte zu liegen, leise ein bisschen die Oysterband zu h\u00f6ren, aufs Meer und die wenige Bootchen zu schauen, die hier vor Anker liegen, ist zum Weinen sch\u00f6n. Pia sitzt in Gedanken neben mir. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\">Und es macht eine gro\u00dfe Freude, mit Standgas durch die Gegend zu schnurren und zu gucken, was es alles gibt. Heute fahre ich Richtung Long beach, vorbei an kleinen Bars und Restaurants, die auf Kundschaft warten, meist vergeblich um diese Zeit, die \u00fcberschaubare Anzahl der Traveller und Reisenden verteilt sich wohl eher ans Meer. Das Fahren geht leicht von der Hand, wenn mir jemand entgegen kommt, halte ich an, ansonsten muss man nur aufpassen, vor lauter Schauen nicht vom Weg ab zukommen\u00a0oder unbedacht \u00fcber ein Schlagloch zu rasseln. Manchmal sehe ich Rollerfahrer die barfu\u00df rollern, ich sehe Erfahrungen, die sie machen werden. Welche Erfahrungen ich machen werde, sehe ich nicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\">Auf dem Weg zum Strand liegt ein kleines Dorf, wen man es so nennen mag, hier geht es etwas gem\u00fctlicher zu als am Pier, wo jeden Tag die Neuank\u00f6mmlinge ausgespuckt werden, so wie ich neulich ausgespuckt wurde. Ich kehre um, auf halber Strecke entdecke ich eine kleine Bar, daneben ein ebenso kleiner Markt. Dort gibt es Souvenirs aber auch n\u00fctzliche Dinge wie Schnur oder Kerzen. Ich werfe einen Blick hinein und kaufe die ersten Postkarten. Die Inhaberinnen sind freundlich entspannt, hier werde ich sicher noch einmal vorbei schneien, es ist ein guter Ort. Das ist auch eine Kunst, jene guten Orte zu finden, wo ein besonderer Geist zuhause ist und jener Geist sich auch im Sortiment und Arrangement niederschl\u00e4gt. Was machst du, wurde ich gefragt. Ich sammle Orte habe ich geantwortet. In Gedanken. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\">Nebenan trinke ich einen Tee, hier werden auch Yoga-Kurse angeboten. Das ist zwar nett, aber nichts f\u00fcr mich. Zumindest derzeit. Auf dem R\u00fcckweg schneie ich noch kurz bei meinem Bungalow vorbei und trinke einen Schluck Wasser. Al und Cha machen sich gleich auf den Weg nach Ranong und kommen erst morgen wieder, die K\u00fcche bleibt heute kalt. Verhungern werde ich auf der Insel sicher nicht, aber das Essen hier ist kaum zu \u00fcberbieten. Hier in little paradise. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\">Schon bin ich wieder auf der Stra\u00dfe und roller Richtung Norden. Kurz \u00fcberlege ich, meinen Roller vor dem Weg in den Affendschungel stehen zu lassen, m\u00f6chte heute aber noch nicht laufen, so fahre ich den sandigen Weg hoch und erreiche die H\u00fctten im Wald. Dort parke ich und laufe nach unten, hole mir eine kleine Flasche Wasser und setze mich auf eine h\u00f6lzerne Plattform. \u00dcber mir Kokospalmen, vor mir die Bucht, die Sonne schickt sich an, ihr Tagwerk zu beenden und Kinder spielen am Wasser. Einen Blick auf den Sonnenball werde ich von hier nicht haben, aber ich kann sehen, wie sich das Licht auf die Bucht auswirkt, vor mir steht ein Baum am Wasser. Und ich entdecke meine H\u00e4ngematte auf der anderen Seite der Bucht. Kaum jemand kommt vorbei, bis auf eine kleine Familie mit Kind, die am Ufer den Einbruch der Dunkelheit erwarten, das Kleinkind planscht am Ufer. Ein Tukan l\u00e4sst sich raschelnd \u00fcber mir in der Kokospalme nieder, hoffentlich hat er keine Magenprobleme, eine Kr\u00e4he pickt am Strand nach Nahrung und flattert davon. Als es fast dunkel ist, marschiere ich die paar Meter ins Restaurant, einige kleine Tische stehen auf den Planken, Matten liegen davor mit den markanten dreieckigen Kopfst\u00fctzen. Die K\u00f6chin, wohl die Inhaberin spricht kaum englisch, aber zwei Frauen, die hier wohl schon l\u00e4nger zuhause sind, helfen mir. Ich f\u00fclle meine Wasserflasche nach, bestelle etwas zu essen und bin vorsichtig: Nicht scharf. Und mein Reis war in der Tat nicht scharf, das n\u00e4chste Mal wird es spicy. Aber es ist lecker, ich sitze im Schneidersitz am Tisch, esse, rauche und bezahle. Hier werde ich auch wieder vorbei kommen. Mittlerweile ist es dunkel geworden, der halbe Mond wirft ein bescheidenes Licht, aber es ist ratsam, stets eine Taschenlampe bei sich zu haben, um auf den Wegen nicht zu stolpern oder sich gar zu verirren. Auch die Lampe meines Rollers leuchtet und ich tucker vorsichtig den sandigen Weg hinab. Man k\u00f6nnte schneller fahren, doch wozu?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\"> Auf dem R\u00fcckweg verpasse ich die Abfahrt zur Hippie Bar, wo ich eigentlich noch eine Dose Chang trinken wollte, Das ist nicht weiter tragisch. Ich komme an der Jungle Bar vorbei, bunte Lichter leuchten zu Musik in die Nacht, doch ich fahre heim. Dort ist alles recht dunkel, das Restaurant ist geschlossen. Lae und Kin sind nicht zu sehen, so lege ich mich ohne Bierchen in die H\u00e4ngematte, lausche den Wellen und sehe die bunten Lichtlein der Bars am Strand. Es sind wenige, die nach und nach verl\u00f6schen, die Lichter des Ortes, an dem ich eben noch gesessen habe, sind die schw\u00e4chsten. Nach und nach verl\u00f6schen sie, bis nur noch wenige L\u00e4mpchen leuchten. Pl\u00f6tzlich leuchtet eine Taschenlampe ins Dunkel, das ist eigentlich seltsam. Claudia d\u00fcrfte unterwegs sein und au\u00dfer den beiden M\u00e4dchen und mir ist niemand hier. Ich verharre in meiner Matte, lausche in die Nacht, der Gecko ruft und da es bald ruhiger wird, schlafe ich ein. Durch mein offenes Fenster sehe ich die See.Und den Mond.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen ist Alfred abgereist, er hat mir zum Abschied ein Geschenk gemacht, dem ich eine sch\u00f6ne Idee widmen m\u00f6chte, da ich beschlossen habe, es, wenn die Zeit gekommen ist, ebenfalls weiter zu geben. Es ist eine kleine Dose, deren Bestimmung es sein soll, weiter gegeben zu werden. 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