{"id":9347,"date":"2015-03-24T03:18:47","date_gmt":"2015-03-24T02:18:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9347"},"modified":"2015-03-29T06:34:50","modified_gmt":"2015-03-29T04:34:50","slug":"logbuch-thailand-that-was-the-river-this-is-the-sea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9347","title":{"rendered":"Logbuch Thailand &#8211; That was the river, this is the sea"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Bus rollt durch Bangkok, vorbei an Industrie- und Gewerbegebieten mit meterhohen Reklametafeln. Den Reisenden wird ein Wasser und ein Milchbr\u00f6tchen in die Hand gedr\u00fcckt, aus meinem Kopfh\u00f6rer blubbert eine der zigtausenden Caf\u00e9 del mar Varianten und wir fahrn, ja wir fahrn, ja wir fahrn &#8211; wie Rainald Grebe einst sang.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fahren \u00fcber die Autobahn, sammeln sp\u00e4ter noch einige Mitreisende ein und rollen dann auf die Landstra\u00dfe. Nach einiger Zeit bemerke ich, dass junge Frauen, fast M\u00e4dchen, auf der Stra\u00dfe in kurzen Abst\u00e4nden in kleinen Buden sitzen und an etwas werkeln, ich vermag nicht zu erkennen, woran. Etwas sp\u00e4ter h\u00e4lt der Bus an genau solch einem Stand an. Es sind eine Art bl\u00fctengeflochtene Gebinde, etwas davon wandert in den Bus, die Reise geht weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie es so ist, trotz halbwegs komfortablen Sitz ist an Schlaf nicht zu denken, irgend etwas lenkt immer ab &#8211; obgleich es im Bus sehr leise ist. Kilometer um Kilometer spulen wir ab Richtung S\u00fcden und halten mitten in der Nacht an einem Rasthof an. Eine junge Thai gibt eine Durchsage \u00fcber ein Megaphon, ich habe keine Ahnung, was los ist. W\u00e4hrend ich rauche, sehe ich die Mitreisenden in den hinteren Teil des Rasthofes gehen, es scheint Essen zu geben. Und w\u00e4hrend ich so vor mich hin denke und beobachte, verinnt die Zeit; ich z\u00f6gere und wer zu lange z\u00f6gert, kommt zu sp\u00e4t. Da ich nur ungern die Weiterfahrt verpasse, verzichte ich auf sp\u00e4te Nahrungsaufnahme, wasche mir die H\u00e4nde und hole mir ein Bier. Ein Chang. Das hei\u00dft: Elefant. Hoffentlich werde ich m\u00fcde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr wenige Minuten kann ich schlafen, am fr\u00fchen Morgen erreichen wir den Busbahnhof in Ranong, fahren aber zu meinem Erstaunen gleich weiter, um nach einigen Minuten wohl an der Heimatadresse des Busunternehmens die Fahrt zu beenden. Keine Ahnung, wo ich bin. Keine Ahnung, wohin. Sammeltaxis und Roller versuchen, die Fahrg\u00e4ste an das Pier zu lotsen, an dem die Boote Richtung Ko Chang und Ko Phayam ablegen. Die kleine Insel Ko Phayam k\u00f6nnte eine Idee sein, mit der ich auch kokettiere, aber mir ist gerade alles zuviel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald bin ich alleine an der Station, ich m\u00f6chte mir lieber in aller Ruhe ein Bild machen, doch entgegen meinen laienhaften Recherchen, liegt die Stadt Ranong nicht ein paar Meter, sondern ein paar Kilometer von meinem Aufenthaltsort entfernt, soweit ist auf mein Navi verlass. Verlass ist aber auch auf die guten Geister. Der erste in Form eines Taxirollers gabelt mich auf und bringt mich f\u00fcr f\u00fcnfzig Baht in die Stadt, der zweite, private, Rollerfahrer f\u00e4ngt mich ab, als ich in die v\u00f6llig falsche Richtung laufe und f\u00e4hrt mich kostenlos an den zentralen Marktplatz. Von hier w\u00fcrden auch die Sammeltaxis und Roller ans Pier abfahren, ich soll was essen und trinken und dann mal schauen sagt der gute Geist und verabschiedet sich. Ich lache und winke, er f\u00e4hrt wieder in seine Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar Meter nebenan nehme ich mir ein Zimmer, ein fensterloses Etwas mit AC und funktionierendem Wlan und dazu mit einer warmen Dusche. Da st\u00f6ren die Barthaare meines Vormieters am Waschbecken auch nicht mehr. An jeder Toilette bislang befand sich eine Handdusche, auch\u00a0die eigentlich Dusche befindet sich mit der Toilette in einem Raum. Ich dusche, sp\u00fcle die Barthaare in den Orkus, mache mich fit und verlasse ohne Rucksack mein Hotel. Ohne Ballast lebt es sich leichter. Im Hotel laden die leeren Akkus. Leider nur kurz, als ich die Karte aus dem Schlitz ziehe, um die T\u00fcr abzuschlie\u00dfen, geht auch der Strom aus. Gut f\u00fcr die Stromkosten, schlecht f\u00fcrs Laden &#8211; aber ich habe ja noch die kommende Nacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Markt ist ein buntes Treiben, es gibt alles, Tee, asiatisches Fr\u00fchst\u00fcck (Reis mit Allerlei), vollst\u00e4ndige Schweinek\u00f6pfe und bunte Lichter. Mal riecht es nach Paradies, mal nach H\u00f6lle, ich trinke Tee. Dann frage ich ein Scootertaxi, ob es mich f\u00fcr 50 Baht ans Pier bringt, an dem die Schiffe nach Ko Phayam abfahren, er willigt ein und schon setzt sich dieses ungleiche Paar in Bewegung. Auf der Fahrt macht er noch ein paar Besorgungen und bringt mich sicher ans Ziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei unterschiedliche Bootsvarianten verkehren auf die Insel, das Schnellboot und das normale Boot und wie durch Zauberhand bin ich zehn Minuten vor der t\u00e4glichen Abfahrt des normalen Bootes am Pier gelandet. Ich l\u00f6se ein Ticket, springe auf das Schiff und schon geht die Reise los. Mein Plan ist, die Insel etwas zu erkunden, um mit mehr Wissen morgen wieder zu kommen &#8211; und bei Gefallen ein paar Tage zu bleiben. Durch eine Art Kanal tuckern wir los und es zeigt sich, dass die Passagiere oben auf dem Decksboden sitzen k\u00f6nnen, frische Luft und der Ausblick zur Seite, der sich nach Verlassen des Kanals anf\u00fchlt wie bei Apocalypse now. Hier in S\u00fcdostasien ist der Himmel derzeit nicht leuchtend blau und strahlend, wie am Mittelmeer, alles wirkt etwas diesig. Als wir den Kanal verlassen und aufs offenere Meer tucker, erwachsen links und rechts kleine, gr\u00fcne Inseln aus dem Wasser.\u00a0Ich sitze vorne an der Reling und blicke aufs Meer, das mit jedem Meter klarer wird. Die seltsamsten Boote sind unterwegs, kleine Frachter, Fischerboote und auf dem Wasser h\u00fcpfen fliegende Fische wie springende Steine \u00fcber die Oberfl\u00e4che. Ich bin nun drei\u00dfig Stunden wach, Bangkok. Bus. Boot. \u00a0Unterwegs, m\u00fcde und zufrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fahrt dauert zwei Stunden. Zwei Stunden der meditative Blick auf vorbei ziehende Inseln, auf fliegende Fische, auf das Meer, in dem ab und an ein Flip Flop vorbei segelt, es ist gro\u00dfartig. Nicht die Flip Flops und auch nicht die Plastikflaschen im Wasser. Leider geht die R\u00fcckfahrt in genau drei Stunden los, viel Zeit zum Umschauen bleibt nicht. Im End erweist sich genau dies als perfekt. Am Pier f\u00fchrt ein breiter Steg auf die Insel. Einige Gesch\u00e4fte warten auf Kundschaft, hoch im Kurs steht der Rollerverleih. Eine der Scooter Vermieterinnen, eine \u00e4ltere Frau mit schlechten Z\u00e4hnen quatscht mich an, und in dem Moment wei\u00df ich was ich machen werde. Ich werde einen Smoothie trinken und gar nichts machen. Wir kommen ins Gespr\u00e4ch und vereinbaren, dass ich morgen wiederkomme. Dann leihe ich mir f\u00fcr drei Tage einen Roller, fahre zuerst die kleine Insel ab, suche mir eine Unterkunft und werde bleiben, H\u00fctten und Str\u00e4nde seien kein Problem sagt sie und ich wei\u00df, dass sie recht hat, denn sie schwatzt mir nichts auf. Freunde, ist das geil. Der Beve, der Roller, das Meer und ich. Pia w\u00fcrde es hier gefallen, sie ist ja bei mir und ich sp\u00fcre es. Wenn Gott will, sind wir in einem Jahr wieder hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Pineapple-Smoothie komme ich mit einem sympathischen deutschen P\u00e4rchen ins Gespr\u00e4ch, sie wollen am Ende ihrer Reise nach Bangkok, vielleicht \u00fcbernachten sie ja dann auch am Fluss. Wir verabschieden uns, sie suchen sich eine Unterkunft, ich gehe eine Kleinigkeit essen, Pad Thai mit Shrimps und Meerblick, drehe eine kleine Runde und wei\u00df, dass ich gro\u00dfes Gl\u00fcck habe. Mittendrin im Unterwegs sein ohne Plan &#8211; und er geht immer wieder auf. Geschenkt ist das nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P\u00fcnktlich um zwei legen wir ab, ich werde m\u00fcde; setze mich wieder ganz nach vorne aufs Oberdeck und schlafe fast ein. Mittlerweile bin ich einiges \u00fcber drei\u00dfig Stunden auf den Beinen und der J\u00fcngste bin ich auch nicht. Der Motor tackert, die Fische fliegen, wir spulen Kilometer um Kilometer ab und landen nach zwei Stunden an einem anderen Pier im Hafen. Dort werden gro\u00dfe Eisbarren geschreddert und auf die Schiffe verbracht, die sie auf die umliegenden Inseln bringen werden. Ich springe \u00fcber Bord, und laufe an einer stinkenden Brache vorbei Richtung Stra\u00dfe. Wo bin ich? Und wie komme ich von hier weg? Und wie ich das so denke, hupt es. Ein Sameltaxi kommt wie nicht gerufen vorbei, der Fahrer bejaht meine Frage, ob er zum Markt f\u00e4hrt, ich steige auf die Ladefl\u00e4che, wo schon einige Thais sitzen und zudem noch zwei deutsche Bootspassagiere einsteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Fahrzeug ist ein Datsun, eine Art Pick Up mit h\u00f6lzernem \u00dcberbau als Dach, der Fahrer ein \u00e4lterer Thai, mit l\u00e4ssig zerrissener Jeans, Kippe im Mund und einem Henkelmann im Fu\u00dfraum, er f\u00e4hrt Barfu\u00df und hupt kurz aber leise, wenn auf seiner Route ein optionaler Fahrgast steht. In Deutschland w\u00fcrde der Gesetzgeber durchdrehen, ich finde, dass dies genau der Style ist, der zufrieden macht.. A<span style=\"line-height: 1.5;\">ls er am Markt h\u00e4lt, steige ich aus, gehe schnurstracks ins Hotel, dusche und kann endlich mit Pia skypen<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frisch geduscht wandere ich sp\u00e4ter die Hauptstra\u00dfe entlang. \u00dcber diee Stra\u00dfe sind bunte Lampions und F\u00e4hnchen gespannt.ielele L\u00e4den haben noch ge\u00f6ffnet, Bars, Restaurants, Karaoke. Esse gegrillte H\u00e4hnchen von der Holzkohle an einem ruhigen Platz, wo ich schreiben kann. Trinke ein Bier. Und freue mich auf morgen. Das ist doch was. Heute hat es ein bisschen geregnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bus rollt durch Bangkok, vorbei an Industrie- und Gewerbegebieten mit meterhohen Reklametafeln. 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