{"id":9344,"date":"2015-03-22T16:34:46","date_gmt":"2015-03-22T15:34:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9344"},"modified":"2015-03-29T06:35:25","modified_gmt":"2015-03-29T04:35:25","slug":"logbuch-thailand-good-night-bangkok","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9344","title":{"rendered":"Logbuch Thailand &#8211; Good night Bangkok"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Lange bevor der Wecker klingelt, bin ich wach. 6:39 zeigt das Handy, meine Bude ist einigerma\u00dfen ertr\u00e4glich um diese Zeit, obgleich der Ventilator aus ist. Zum einen will ich mir keine Erk\u00e4ltung einfangen, zum anderen laden an der einzigen Steckdose die Akkus der Kamera, des Handys und des Tablets.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich dusche und mache mich fr\u00fch auf, Richtung Fr\u00fchst\u00fcck. Wie schon die Tage zuvor, besuche ich den gleichen einfachen Platz wie im Viertel gegen\u00fcber. Ein \u00e4lteres Paar betreibt den Stand, die beiden sind freundlich, die Preise moderat, das Essen prima. Und wenn ER etwas lustig findet, dann keckert er lachend und freut sich wie ein kleines Kind. Sekunden sp\u00e4ter ist er wieder der w\u00fcrdevolle, buddhaeske Gastgeber. Au\u00dferdem hat man einen sch\u00f6nen Blick auf die kleine Stra\u00dfe. Taxis qu\u00e4len sich um die Ecke, sp\u00e4ter schlendern Traveller vorbei und alle naslang bl\u00e4st ein Roller die Gasse entlang. Wenn einheimische junge Damen mitfahren, sitzen sie galant im Sitz wie einst die Frauen im Damensattel hoch zu Ross, die Beine zur Seite h\u00e4ngend. Ich schreibe ein bisschen, anschlie\u00dfend gehts zur\u00fcck ins Guesthouse. Dort packe ich meinen Krempel zusammen und setze mich erneut ans Wasser. Ein letzter Blick Richtung Br\u00fccke, eine letzte Dusche, ein &#8222;auf Wiedersehen&#8220; und schon bin ich wieder auf der Stra\u00dfe. Aber meine letzten beiden N\u00e4chte werde ich wieder hier verbringen, in dieser kleinen, verwinkelten und leicht angeschlagenen Anlage, mit diesem phantastischen Blick. Als der junge Mann, den ich ab und zu beim Arbeiten gesehen habe um Trinkgeld fragt, gucke ich fragend. Wof\u00fcr jetzt genau? In den drei Tagen hat niemand au\u00dfer mir mein Zimmer betreten, selbst das Handtuch habe ich gewaschen. Aber gut, ich komme ja wieder. Es ist der Blick aufs Wasser und die Lage, die mir gefallen hat, Service war dann eher weniger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meinen Rucksack bringe ich ins Reiseb\u00fcro, am Leib trage ich nur den Sarong, aber das ist auch gut so, Schmerzen habe ich keine mehr, aber ich plane, heute nicht mehr als n\u00f6tig zu laufen. Im Gegenteil, ich setze mich wieder an den Platz, an dem ich auch gefr\u00fchst\u00fcckt habe, trinke ein Pineapple Smoothie und esse dazu Reis mit Schweinefleisch und Thai Basilikum. In ein paar Stunden geht mein Bus, die Sonne scheint, ein Ventilator l\u00e4uft und gegen\u00fcber steht ein kleines W\u00e4gelchen mit frischen Fr\u00fcchten: Mangos, Melonen, was du m\u00f6chtest. Jetzt habe ich Zeit, vielleicht lasse ich mir sp\u00e4ter noch die F\u00fc\u00dfe massieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie das so ist, mit dem vielleicht, es kam wieder anders, als gedacht. Aus der Idee, mal kurz \u00fcber die Br\u00fccke in den gegen\u00fcberliegenden Park zu spazieren, wurde eine ausgedehnte Wanderung, verschluckt von einem Viertel, das so allt\u00e4glich f\u00fcr hiesige Verh\u00e4ltnisse ist, dass ein jeder wie \u00fcberall etwas zu tun hat. Nur um Touristen k\u00fcmmert sich hier niemand, keine Wechselstuben, keine englischen Hinweise, nur eine zahnlose Frau, die mich davon abh\u00e4lt, in die falsche Richtung zu laufen. Die Welt ist voller Engel in Verkleidung, sie sind \u00fcberall und weisen dir deinen Weg. Wenn du auf sie h\u00f6rst. Ich spaziere an einem Klong entlang, Dreck t\u00fcrmt sich an der Seite, ein 40 Zentimeter langer Gecko wackelt vor mir ins Geb\u00fcsch, ein paar H\u00e4hne glotzen aufgeregt aus ihrem Federkleid.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuvor hatte ich genau gegen\u00fcber der Stelle gesessen, wo ich die meiste Zeit im Guesthouse verbracht hatte. Es ist schon seltsam, eben gerade bin ich angekommen, jetzt sitzt wahrscheinlich jemand anderes in meinem ehemaligen Zimmer, vielleicht wie ich zum ersten Mal in Thailand, vielleicht geflasht, vielleicht irritiert, vielleicht weder noch. Schwach kann ich mich gegen\u00fcber erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es dauert eine ganze Weile, bis ich die in sich versunkene Welt des Viertels verlasse und eine Br\u00fccke erreichte, die ich zwar schon einige Male mit dem Schiff oder zu Fu\u00df unterquert hatte, aber noch nie \u00fcber. Mit wahnwitzigem Tempo sausen die Autos, die Busse, die Roller dar\u00fcber hinweg, ich selbst war auf dem Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberweg sicher. Am gegen\u00fcberliegenden Ende angekommen, legte ein paar Meter weiter ein Linienboot mit orangener Flagge an, Menschen steigen ein und aus, fragende Blicke von manch einem, dem das nicht geheuer ist. Ich laufe weiter, Katzen kreuzen meinen Weg, wie so oft, diese schmalen Tiere, die einem nie zu nahe kommen, was sie sympathisch macht. Und fremd dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam neigt sich meine Zeit in Bangkok dem Ende entgegen, ein Leben darauf gewartet und schon bald bleiben nur noch Erinnerungen, immerhin. Ich spaziere an einem Eck vorbei, wo Traveller jeglicher Couleur sich treffen, Kartenspielen, wahrscheinlich Reaggae h\u00f6ren und bunte Malereien an den W\u00e4nden hinterlassen die Illusion eines Hippiedaseins, welches vor zwanzig Jahren mein Traum gewesen w\u00e4re. Heute nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich noch Zeit habe, besuche ich noch eine Tempelanlage in der N\u00e4he von Wat Saket, ein Name, den ich mir merken kann. Geradeaus das Democracy Monument \u00fcberquere ich zur Rushhour eine viel befahrene Stra\u00dfe. Vor dem Tempel spricht mich ein TukTuk-Fahrer an, der Tempel sei geschlossen. Auf meine Bemerkung hin, dass ich morgen eh weg bin und jetzt hinein gehe, murmelt er etwas von: &#8222;Only one hour&#8220;. Alte Masche, erkl\u00e4ren, das xy geschlossen hat, um dann f\u00fcr s\u00fcndhaft teures Geld ans Ende der Welt zu fahren. Ich kenne doch meine Pappenheimer. Ich wei\u00df nicht, was das geringste Wesen im buddhistischen Wiedergeburtskreislauf ist, aber sie waren fr\u00fcher alle TukTuk-Fahrer. Da lob ich mir doch die Gesellen, die friedlich schlafend auf der R\u00fcckbank ihres Gef\u00e4hrtes auf Kundschaft warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schade, dass der erhabenste Teil des Tempels einger\u00fcstet ist, aber es ist schon erstaunlich, welche Ruhe solch ein Ort ausstrahlt, selbst unmittelbar an einer gigantischen Kreiselkreuzung. Einige wenige M\u00f6nche sind zu sehen, einer tippt hochmodern auf seinem Handy, ein anderer schneidet stoisch einen Baumbusch. Meine Uhr tickt, der Bus nach Ranong wartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Rucksack ist schon im Businneren verschwunden, als ich ankomme. Ein paar r\u00fcckent\u00e4ttowierte junge Thais mit freiem Oberk\u00f6rper hocken rauchend davor, vielleicht waren sie es gewesen, ich mache mir keine Sorgen, wird schon schief gehen. Eine dreiviertel Stunde sp\u00e4ter sitze ich auf meinem Platz, von dem ich hoffe, das er es ist. Falls nicht, wird sich schon jemand beschweren. Langsam setzen wir uns in Bewegung, in der Ferne gl\u00e4nzt der nachtleuchtende K\u00f6nigspalast. Wir rollen \u00fcber den Chao Prayo, die Rama VIII Br\u00fccke strahlt mich ein vorerst letztes Mal an, in der anderen Richtung leuchten Hochh\u00e4user in die Dunkelheit, Thais nutzen den sch\u00f6nen Abend f\u00fcr Nachtfotografie. An einer langen Stra\u00dfe sitzen in endlosen Reihen Menschen und essen zu Abend, noch nie hat scheinbar ein Mensch in Bangkok zu Hause gekocht will mir scheinen. Nach einer halben Stunde erreichen wir das Southern Terminal, erstaunlicher Weise steigen alle aus. Eine deutsche Familie wei\u00df nicht so ganz, wie es weitergeht, da geht es mir \u00e4hnlich. Vorsichtshalber befrage ich eine der drei in Uniform gewandten Stewardessen, die mich und mein Ticket verst\u00e4ndnislos ansieht und weiter geht. Auch bei der n\u00e4chsten ernte ich \u00e4hnliche Blicke. Land des L\u00e4chelns stand geschrieben. Immerhin, auf dem Bus steht VIP, 32 Pl\u00e4tze, Bangkok &#8211; Ranong, so habe ich es gebucht. F\u00fcr einen Preis, f\u00fcr den du, wenn du Pech hast, auch mit einem Taxi von der City zum Airport f\u00e4hrst. Unsere Fahrt soll neun Stunden dauern, ich bin gespannt. Auf der kurzen Strecke bis zum Busbahnhof dudelte ein Fernseher, es riecht schwer nach Kopfh\u00f6rer auf der Reise. Ich bin ger\u00fcstet. Mein Rucksack hoffentlich auch. Ich mache mir keine Sorgen. Wie man liest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allem Anschein nach haben wir anderthalb Stunden Aufenthalt, drau\u00dfen dieseln die Motoren, man k\u00f6nnte die Zeit nutzen &#8211; wenn man sich keine Sorgen machen w\u00fcrde, dass irgendwas passiert, das nicht passieren soll. Also setze ich mich auf meinen Platz und warte, was passiert. Leider ist die Air Condition jetzt aus, sie war vorhin ganz ertr\u00e4glich. Bin froh, wenn es losgeht, der Aufenthalt an Busbahnh\u00f6fen, der Gestank und der L\u00e4rm sind nicht wirklich mein Hobby. Pl\u00f6tzlich setzt sich der Bus in Bewegung, ich bin der einzige Passagier. Aber er f\u00e4hrt nur ein paar Meter weiter, und stellt sich an eine andere Haltebucht, na da h\u00e4tte ich aber Augen gemacht, wenn ich kurz vor neun vom Zeitvertreiben gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immerhin, die ersten Passagiere steigen ein, der TV l\u00e4uft wieder und die AC geht an. Ich bin der einzige Touri, zumindest aus dem Ausland. Mein Ticket wird kontrolliert, l\u00e4chelnd mir ein Wasser in die Hand gedr\u00fcckt, es ist wieder alles im Lot. Hoffe ich. Der Motor blubbert im Leerlauf, der Sitz ist bequem und ich habe ewig Platz zwischen den Beinen und dem Vordersitz. Dabei ist das gar nicht die dollste Variante, aber so kann man reisen, auch wenn zwischenzeitlich die Zeit anstrengend sein kann. In Indien musste ich teilweise mit einem Bruchtteil des Platzes auskommen. Wer Indien einmal erlebt hat, f\u00fcr den ist Thailand ein Heimspiel. Soweit ich das jetzt mal sagen kann. Als Farrang. Gleich geht es los, ready for another day in lifes great adventure.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange bevor der Wecker klingelt, bin ich wach. 6:39 zeigt das Handy, meine Bude ist einigerma\u00dfen ertr\u00e4glich um diese Zeit, obgleich der Ventilator aus ist. 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