{"id":9321,"date":"2015-03-19T18:14:55","date_gmt":"2015-03-19T17:14:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9321"},"modified":"2015-03-29T06:35:56","modified_gmt":"2015-03-29T04:35:56","slug":"logbuch-thailand-von-buddhas-und-booten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9321","title":{"rendered":"Logbuch Thailand &#8211; Von Buddhas und Booten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Glaubt ja nicht, dass es so einfach ist, mit dem Tablet zu bloggen. L\u00e4ngere Texte sind eine Herausforderung, mal ist die H\u00e4lfte gel\u00f6scht, mal komme ich nicht ans Ende. Aber Herausforderungen sind dazu da, gemeistert zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich war mein Schlaf in der Nacht so tief, wie der VfB unten im Tabellenkeller steckt &#8211; und da mir auch die Moskitos meinen Frieden lie\u00dfen, stand einem neuen Abenteuer, n\u00e4mlich einem Tag in Bangkok nichts im Wege. Nach einem Fr\u00fchst\u00fcck unweit meiner Unterkunft, Kaffee, M\u00fcsli mit Fr\u00fcchten und Yoghurt (!) blieb ich gleich nach ein paar Metern am n\u00e4chsten Stand h\u00e4ngen. Was ich gegessen habe, wei\u00df ich nicht, aber es war klein und klasse. Verhungern werde ich hier definitiv nicht. Fr\u00f6hlich spazierte ich die Samsen Road entlang, die Busse sind lauter als unsere Heimkurve gegen Lautern, ein paar Meter weiter liegen Hunde im Schatten und pennen. Der Moloch Bangkok ist bislang extrem widerspr\u00fcchlich, es kommt darauf an, wo man ist: Eben noch in einer befahrenen Hauptstra\u00dfe, die zu Fu\u00df zu \u00fcberqueren ein Himmelfahrtskommando ist und ein paar Schritte weiter sitzt du in einem fast lauschigem Park. Gebrutzelt wird schon in aller Herrgottsfr\u00fche, man kommt vor lauter Gucken aus dem Staunen nicht heraus. Fische schwimmen in hei\u00dfem Fett, anderes \u00e4hnelt Innereien, die ich zuhause noch nicht einmal anschauen w\u00fcrde. Dazwischen gibt es L\u00e4den f\u00fcr fast alles, Krims und Krams, Klamotten, Schuhe, Handwerk. Und dabei bin ich noch gar nicht an der weltber\u00fchmten Traveller Hochburg Kao San Road. Stand heute, zieht mich auch nichts wirklich dorthin. When in Thailand, do as the Thais.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freunde finden f\u00e4llt leicht. Die meisten fahren beruflich Tuk Tuk und wissen ganz genau, was heute angesagt ist. Sie w\u00fcrden mich sogar f\u00fcr ganz kleines Geld durch die Gegend kutschieren. Vielleicht lasse ich mich aus Spa\u00df mal sogar darauf ein, erst einmal gehe ich meines Wegs und der f\u00fchrt mich am K\u00f6nigspalast vorbei. Hier schreibt die Kleiderordnung lange Hosen vor, die man vor Ort gleich leihen kann. Ich bevorzuge derzeit kurze Hosen und da mir der Trubel eh zu viel ist, marschiere ich an den Fluss. Eine einst\u00fcndige Bootsfahrt f\u00fcr 30 Euro lehne ich lachend ab und schippere mit der F\u00e4hre f\u00fcr 3 Baht auf die andere Seite. Die unterschiedlichsten Boote sind unterwegs, Touribootchen mit riesigen Motoren, deren Ende im Wasser h\u00e4ngt und Transportschiffe, deren Routen an unterschiedlichen F\u00e4hnchen zu erkennen sind und die quasi Haltestellen anfahren. Der Chao Phraya ist in etwa so breit, wie der Rhein, ein ordentlicher Kamerad also.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es dauert nicht lange, bis wir das gegen\u00fcberliegende Ufer erreicht haben. Dort liegt neben ganz vielen anderen Sachen die Tempelanlage Wat Arun. Leider ist das Hauptgeb\u00e4ude einger\u00fcstet, aber an allen Ecken stehen Buddhas jeglicher Couleur. In kleinen, feierlich hergerichteten, R\u00e4umen sitzen in orange gekleidete M\u00f6nche. Gl\u00e4ubige treten herein, spenden und erbitten ein Gespr\u00e4ch. Sie zu fotografieren, ist keine gute Idee, sie blicken nicht erfreut und ich kann es verstehen. Sorry. An vielen Stellen ist es ruhig, die meisten Besucher halten sich ans Hauptgeb\u00e4ude, ich schlendere durch die Anlage und genie\u00dfe die Stille. Wunderbare Mediationsmusik, es mag ein vertontes Gebet sein, erklingt durch Lautsprecher, ein paar Meter weiter h\u00f6rt man sie nicht mehr. Ich habe sie mal aufgenommen, vielleicht kann mir jemand anhand der Aufnahme sp\u00e4ter sagen, was es war. Schilder weisen darauf hin, dass Buddhas nicht zu Dekozwecken gekauft werden sollen, auch nicht als Druck f\u00fcr ein Hundekissen. Wenn man hinter der Tempelanlage hinaus wandert, scheinen die Thais unter sich, kaum ein Fremder verirrt sich heute hierher. Ich drehe ein R\u00fcndchen und marschiere durch die Anlage nach drau\u00dfen. Wenn ich wollte, k\u00f6nnte ich einen Deko-Buddha kaufen. Dort fangen mich drei Thai-Teeanger in Uniform mit der Bitte um ein Interview ab. Klar, k\u00f6nnen wir machen, wobei es ausnahmsweise nicht um die Eintracht geht. Eine der drei filmt mit einem Handy, die anderen beiden fragen mich aufgeregt, wo ich herkomme, was mir an Thailand gef\u00e4llt und \u00e4hnliches. Es macht Spa\u00df, vor allem, da ich merke, dass die drei eine ganze Menge Mut zusammen genommen haben, um ihre Aufgabe zu erf\u00fcllen. Am Ende machen sie noch ein Foto von uns und da sind sie weniger aufgeregt. Wie Fu\u00dfballprofis machen sie die ber\u00fchmten Handygesten, das umgekehrte Peace-Zeichen, ein Danke, ein Goodbye und schon tucker ich mit der F\u00e4hre wieder zur\u00fcck. Wer wei\u00df, in welcher Schule ich jetzt zu Gel\u00e4chter tauge, wom\u00f6glich im Facebook Gymnasium.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Bootfahren habe ich jedoch Blut geleckt, das Wasser und ich waren schon immer gute Freunde. F\u00fcr 15 Baht hole ich mir ein Linienticket, laufe auf das Boot\u00a0und stelle mich an die Reling, bis ein Sitzplatz frei wird. An Haltestelle acht bin ich eingestiegen, das Boot ist voll. Eine mit einer Kasse klingelnden Frau kassiert w\u00e4hrend der Fahrt die Neuank\u00f6mmlinge ab, wir cruisen von Ufer zu Ufer, Einsteigen, Aussteigen und bei jedem Anlegen pfeift ein Bootsmann mit der Trillerpfeife. Wir passieren Hotels mit Flussblick und schippern sogar an der Stelle vorbei, an der ich, getrennt nur durch eine Mauer, am liebsten sitze. Aber ich kann mich nicht erkennen. Auf der einen Seite stehen kleine H\u00e4user auf Stelzen, wir sehen Angler und einen Mann in Badehose, der auf im Wasser liegenden Baumst\u00e4mmen hantiert, es ist warm, ab und an spritzt Flusswasser ins Boot, der Himmel ist leicht bedeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">45 Minuten sp\u00e4ter ist die Reise zu Ende, wir haben Haltestelle 30 und damit die Endstation erreicht. Ich steige aus und stelle fest, dass durch die ganze Lauferei in der Eintrachthose meine Oberschenkel leicht wund sind. Ich h\u00e4tte es mir denken k\u00f6nnen. Jetzt Bepanthen, das w\u00e4rs. Da meine Reiseapotheke mehr oder weniger aus Tabak besteht, muss eine Alternative her. Von der Endhaltestelle zweigt eine gro\u00dfe Stra\u00dfe ab, auch hier sind die Thais weitgehend unter sich. Bunte Ballons sind \u00fcber die Stra\u00dfe gespannt, der Verkehr braust, in winzigen G\u00e4sschen sitzen Schuhmacher auf dem Boden und werkeln vor sich hin. Durch einen mit Planen \u00fcberspannten B\u00fcrgersteig sp\u00e4he ich in die Auslagen. Ein 7\/11, wie hier die kleinen M\u00e4rkte hei\u00dfen, bietet Babypuder an, ich greife zu. Zur Sicherheit hole ich mir in einer Art Drogerie noch ein D\u00f6schen Nivea. Beim Bezahlen lege ich meinen Foto zur Seite, bedanke mich und wundere mich, wer mir nach ein paar Schritten auf die Schulter klopft. Es ist die Verk\u00e4uferin, die mir strahlend meinen Foto in die Hand dr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da war es wieder, dieses seltsame Etwas, dass dich nicht alleine l\u00e4sst, wenn du unterwegs bist, nenn es Schutzengel, nenn es Gott, nenn es Schicksal. Es ist der klare Hinweis, auf seinen Krempel aufzupassen; ein weiteres Mal werde ich meine Kamera nicht ungestraft liegen lassen. Mal schauen, was noch passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erleichtert schlender ich weiter. Eine Gark\u00fcche hat eine Suppe im Angebot, ich nehme es wahr, gehe weiter, gehe zur\u00fcck und versuche, meinen Wunsch zu erkl\u00e4ren. Gleich drei Thais, weiblich, k\u00fcmmern sich um mich, dazu der Koch. Einer kann immer englisch, ich ordere eine kleine Portion, um zu probieren und bestelle\u00a0noch eine weitere dazu. Es schmeckt g\u00f6ttlich. Derart gest\u00e4rkt wandere ich breitbeinig zum Boot zur\u00fcck. Es ist nicht der John Wayne in mir, es sind die rauhen Beine. Na super. Wenigstens kann ich die n\u00e4chste halbe Stunde sitzen. Alle sitzen linker Hand, jeder Platz ist dort belegt. Damit das Boot nicht umkippt, hocke ich mich rechts hin und schon schippern wir wieder \u00fcbers Wasser. Kurz hinter der Rama VIII Br\u00fccke steige ich aus und eier Richtung Heimat, jeder Schritt schmerzt, so ganz kann ich die ganzen sch\u00f6nen Eindr\u00fccke nicht genie\u00dfen. Kurz vor dem Ziel gibts ein flitschiges Ger\u00e4usch inklusive leichtem Ausrutschen. Hundekacke auf dem Weg, warm und feucht. Ich z\u00e4hle die Meter, schleppe mich auf mein Zimmer, packe Handtuch und Shampoo, reinige mich und sp\u00e4ter die Schuhe dazu. Diese haben sowohl in der Sohle als auch auf der Oberseite kleine L\u00f6cher, f\u00fcrs Segeln gedacht, f\u00fcr die Hitze praktisch. Sie sind eher trocken als meine Haare. Dann versorge ich meine Beine, wickel mir einen Sarong um den Leib und setze mich an den Fluss. Die Angestellten hier sind mehr oder minder freundlich, im restlichen Land waren die meisten zuvorkommender. Ein Junge sitzt den ganzen Tag mit Rechner am K\u00fchlschrank, ob er f\u00fcr Getr\u00e4nke zust\u00e4ndig ist, wei\u00df ich nicht, ich werde nicht mehr fragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anderthalb Stunden sp\u00e4ter bin ich wieder auf der Stra\u00dfe, aber es macht nicht wirklich ein Spa\u00df. Eigentlich wollte ich eine gro\u00dfe Runde\u00a0drehen, um einige Tempel und Buddhas bei Nachtlicht zu sehen, aber es hat keinen Wert, obgleich ich eine lange Hose trage. Die Stra\u00dfen sind riesig, Ampeln sind gutgemeinte Vorschl\u00e4ge und es ist sinnig, dass man im Zweifel rennen kann, worauf ich keine Lust habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immerhin beginnt mein Navi,\u00a0mich zu verstehen und lotst mich offline meines Weges Richtung Heimat, obwohl ich kurz \u00fcberlege, mich fahren zu lassen. Da ich aber Hunger und Durst habe und es mir nach allem ein bisschen an Energie fehlt, laufe ich weiter, esse einen ger\u00f6steten Schweinespie\u00df vom Grill und \u00fcberlege, wo ich richtig zu Abend essen soll. Wie das so ist, wenn die Auswahl gro\u00df ist, f\u00e4llt die Entscheidung schwer, ich stehe mal hier, mal dort planlos rum. Aber ich gebe mir einen Ruck, setze mich an eine Ecke, bestelle ein Wasser und einen spicy Rindfleischsalat mit Reis. Jetzt bin ich einer unter vielen &#8230; Reisenden. Deutsch, englisches Stimmengewirr umgibt mich, aber das Essen schmeckt und ich wei\u00df: Jetzt sind es nur wenige Meter bis die Hose in die Ecke fliegt und ich mir meinen luftigen Sarong umwickeln kann. An Ecke der Samsen Road\u00a05, an der ich abbiegen muss, bietet eine \u00e4ltere Frau Thai-Tee an, meine Bestellung ruft fragende Blicke hervor, sofort kommt eine j\u00fcngere Frau herbei und versteht. Dann folgen weitere Fragen und jetzt stehe ich auf dem Schlauch. Gut, dass eine weitere Thai herbei kommt, die mein englisch spricht. Tee hei\u00df oder kalt? Zum mitnehmen oder hiertrinken? Ich nehme mir einen Stuhl, bekomme meinen Tee, dazu hei\u00dfes Wasser zum nachgie\u00dfen und freue mich, dass er so schmeckt, wie ich gehofft habe. Auf der Stra\u00dfe braust der Verkehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich bezahle, weht ein Wind einen Teil meines Wechselgeldes durch die Gegend. Die \u00e4ltere Frau eilt herbei und gemeinsam schaffen wir es, den Lump zu b\u00e4ndigen. Morgen werde ich erneut ein Teechen hier trinken. Ohne Fehltritt schaffe ich es nach Hause, hole mir ein Bierchen und setze mich wieder an den Fluss. Nebenan schnattern Reisende, es gab Barbecue. Ich tippe, h\u00f6re Worte wie &#8222;Kambodscha&#8220; oder Malaysia&#8220; w\u00e4hrend auf der anderen Seite Barmusik erklingt, live. Dort geht es etwas mond\u00e4ner zu. Vor mir thront die Br\u00fccke, hochgespannte Seile ragen in die Luft, auf dem Fluss ist Ruhe. Nur ab un an knattert ein Kahn vorbei<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem ruhigen Moment werde ich versuchen, einige Bilder zu bloggen, obgleich mein Augenmerk eher auf Wahrnehmen und Erleben gerichtet ist, es sind eher geknipste Fotos. Aber um sie zu sichten und f\u00fcr den Blog zu bearbeiten, fehlt mir momentan die Zeit. Apropos Zeit: Es wird Zeit, mal mit Pia hierher zu kommen. Ich vermisse sie n\u00e4mlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit f\u00fcrs Erste, er ist lang geworden, der Text &#8211; aber es sind ja auch eine Menge Eindr\u00fccke. Und wer wei\u00df, vielleicht liege ich demn\u00e4chst am Meer und tr\u00e4ume vor mich hin, dann gibt es nat\u00fcrlich nicht so viel zu erz\u00e4hlen. Morgen bin ich auf jeden Fall noch hier. Wenn es geht, marschiere ich durch die Gegend, wenns nicht geht, gibts die Tuk-Tuk-Tour, die mich wahrscheinlich zu allen Juwelieren und Schneidern oder\u00a0sonstigen Halbsabschneidern f\u00fchren wird, so will es der Brauch hier. Kaufen werde ich nat\u00fcrlich nichts, aber vielleicht springt eine Geschichte bei rum. Oder ich mache etwas, von dem ich jetzt noch keine Ahnung habe. Wer wei\u00df das schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glaubt ja nicht, dass es so einfach ist, mit dem Tablet zu bloggen. 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