{"id":9316,"date":"2015-03-19T02:49:54","date_gmt":"2015-03-19T01:49:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9316"},"modified":"2015-03-29T06:36:12","modified_gmt":"2015-03-29T04:36:12","slug":"logbuch-thailand-ankunft-in-bangkok-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9316","title":{"rendered":"Logbuch Thailand &#8211; Ankunft in Bangkok"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich floss ein Tr\u00e4nchen beim Abschied, knapp f\u00fcnf Wochen ohne Pia sind eine lange Zeit, die wollen erst einmal verkraftet werden. Und schon kam sie, die U-Bahn, die mich von Bornheim Mitte zur Konstablerwache brachte und wenig sp\u00e4ter auch die S8 Richtung Flughafen, vorbei am Yeboah-Haus, vorbei am Stadion. Unterwegs &#8230;<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Skytrain brachte mich zum Terminal 2 und ohne Warterei sa\u00df ich wie so oft viel zu fr\u00fch am Gate. Mein kleiner Rucksack flog separat, Nagelschere, Leatherman und Sonnenmilch sind im Handgep\u00e4ck gemeinhin keine gern gesehenen G\u00e4ste. Der Flieger war p\u00fcnktlich, aber nat\u00fcrlich verharrten wir noch eine knappe Stunde im Flugzeug, ehe die Kiste abhob. China Southern, der Plan sah einen kurzen Zwischenstopp in Changsha vor, ehe ich in Guangzhou die Maschine wechseln musste. Zwei Stunden hatte ich daf\u00fcr Zeit, es sollte eigentlich klappen &#8211; aber man wei\u00df ja nie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Regel sind die Fl\u00fcge ja das nervigste an solchen Trips, endlose Warterei gefolgt von endloser Sitzerei in viel zu engen Sitzreihen w\u00e4hrend routiniert gelangweilte Stewardessen durch die G\u00e4nge klappern und gekonnt Orangensaft oder Tee einschenken und Berge voll Plastik auft\u00fcrmen, in denen lebensmittel\u00e4hnliche Dinge gereicht werden. Kaum hoben wir ab, erblickte ich das Frankfurter Stadion, ein letzter Gru\u00df und schon waren wir hoch oben in der Luft. Bis China sollten wir keine Wolken sehen. Wir \u00fcberflogen Polen, Wei\u00dfrussland, Moskau, Meile um Meile schob sich das Flugzeug voran, Stunde um Stunde verging und ich dr\u00fcckte mich im Sitz herum und hoffte, dass diese Zeit vergeht. Immerhin befand sich in den Kopfst\u00fctzen ein Bildschirm, ich schaute Dracula untold auf englisch mit chinesischen Untertiteln, und stopfte irgendwas mit &#8222;Chicken&#8220; in mich hinein. Gl\u00fcck hatte ich mit meinem Sitznachbar, einem jungen Filmemacher aus Taiwan, der in den vergangenen Wochen Deutschland bereist hatte und ein munteres Kerlchen war, wir verstanden uns prima, bis wir nach 5500 Flugmeilen chinesischen Boden ber\u00fchrten. Damit steht ein neuer L\u00e4nderpunkt in meiner Vita.\u00a0Und nat\u00fcrlich war der erste, der seine R\u00fcckenlehne zur\u00fcck schob, mein Vordermann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"line-height: 1.5;\">Hatten wir eigentlich gedacht, nur kurz zu stoppen und im Flieger zu warten, so hie\u00df es pl\u00f6tzlich: Alle raus. Und das hie\u00df auch: Einreiseformalit\u00e4ten, Stempel im Pass, Gep\u00e4ckkontrolle. Mein einziges Feuerzeug wurde konfisziert &#8211; und damit ist jetzt auch die Eintracht in China pr\u00e4sent. Immerhin gab es einen Raucherraum, der mit einer Art Zigarettenanz\u00fcnder best\u00fcckt war, es dampfte also doch. Da keiner der Mitreisenden wusste, was jetzt genau passiert, lag eine leichte Angespanntheit in der Luft, aber ich machs kurz: Zehn Minuten sp\u00e4ter ging es zur\u00fcck in den Flieger auf die gleichen Pl\u00e4tze &#8211; und eine gute Stunde sp\u00e4ter setzten wir erneut zur Landung an.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Guangzhou. Die aus Frankfurt kommenden Passagiere erhielten einen blauen Bapper und etwas sp\u00e4ter einen weiteren Stempel in den Reisepass. Ich verabschiedete mich von meinem taiwanesischen Freund und hoffe, dass er gut zuhause angekommen ist. Als dessen Weiterflug anstand, waren wir gerade gelandet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich war alles \u00fcberschaubar, ich hatte sogar noch Zeit, eine zu rauchen. Auch hier im Raucherraum festinstallierte Anz\u00fcnder. Die gro\u00dfen Flugh\u00e4fen gleichen sich ja, wie eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone der anderen. Wifi funktionierte nur via Whats App, Seiten aufrufen war nicht wirklich drin und so hielt ich mich mit schauen wach, um mit etwas Versp\u00e4tung zum dritten Mal in einen Flieger zu steigen, wirklich b\u00f6se war ich nicht, China zu verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chsten drei Stunden brachte ich unter Anh\u00e4ufung von Unmengen Plastik dann auch irgendwie rum, und schon erblickte ich den Flughafen in Bangkok. Wahnsinn, ich hatte es geschafft. Die Einreise ging problemlos und schon eierte mein kleiner Rucksack \u00fcber das Laufband, wir waren wiedervereint. Am n\u00e4chsten Geldautomat zog ich mir ein paar Baht, marschierte zur Bahnstation, kaufte einen Chip und wartete in einer kleinen Schlange auf die Bahn, die quasi hinter Glas h\u00e4lt, nur die Einstiege sind frei. Keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter stieg ich quasi milit\u00e4risch organisiert in die Bahn und hatte acht Stationen vor mir. Auf den vielspurigen Autostra\u00dfen, die uns umgaben, brauste der Verkehr. Linksverkehr. Obacht also. Hochh\u00e4user und kleine Bauten zogen an mir vorbei, rund um den Flughafen lockt es nicht zum Verweilen aus der Ferne gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist stets ein guter Einstieg, mit der \u00f6rtlichen Bahn in die Stadt zu fahren, ob Lissabon, Tel Aviv, London oder Bangkok &#8211; die jeweilige Stadt gibt sich in der Bahn unpr\u00e4tenti\u00f6s, die Fahrten sind g\u00fcnstig und sie steht nicht im Stau. Kaum drei\u00dfig Minuten sp\u00e4ter war ich am vorl\u00e4ufigen Ziel, und jetzt traf mich die Hitze, die Luftfeuchtigkeit, der Verkehr. Und die M\u00fcdigkeit. Hatte ich mit dem Gedanken kokettiert, Richtung Guesthouse zu laufen, so stellte ich nun fest, dass alleine das \u00dcberqueren der Stra\u00dfe ein Kunstst\u00fcck ist. Ich versuchte, mich via Navi zu orientieren, wobei der Kamerad allerdings nicht mitspielte. Und dann kam er, der gute Geist. Zun\u00e4chst sprach mich ein Tuk Tuk &#8211; Fahrer erfolglos an: Im Stau zu stehen kann ich auch alleine, aber der Rollerfahrer war der Joker. Er wusste zwar nicht ganz genau, wo ich hin wollte, aber er kannte eine Eckstra\u00dfe und bot sich f\u00fcr kleines Geld an, mich dorthin zu bringen. Und wenn du in Bangkok flott voran kommst, dann mit dem Roller. Schon hatte ich einen Helm auf und wir sausten waghalsig an allem vorbei, was sonst noch unterwegs war, knoteten uns um Autos, hupten andere Roller beiseite und rangelten um die Pole-Position an den wenigen Ampeln, die auch nur am Rande beachtet wurden. Und dann waren wir auch schon in etwa da, wo ich hin wollte. Mein Guesthouse, das v<span style=\"line-height: 1.5;\">ersteckt am Fluss liegt, ist eh nur f\u00fcr Einheimische zu finden, aber die unmittelbare N\u00e4he war bei der Hitze ein gro\u00dfes Gl\u00fcck. Eins, zwei Fragen sp\u00e4ter marschierte ich durch eine Gasse, ausgemusterte Oldtimer waren hochgebockt, und erkannte alsbald ein Hinweisschild. Diesem folgend, entdeckte ich stets neue, die Wege wurden schmaler, V\u00f6gel in K\u00e4figen hingen an Z\u00e4unen, Thais gingen ihrem Alltag nach, und dann war ich am Ziel. Und nunmehr 25 Stunden auf den Beinen. Mein erstes Guesthouse ist ein verwinkeltes Gel\u00e4nde mit einigen Zimmern und Pl\u00e4tzen. Flip Flops stehen \u00fcberall herum, Reisende plaudern, Gastgeber wuseln. Ich habe ein Einzelzimmer, klein und schmucklos mit Bett, Moskitonetz und einem Loch in der d\u00fcnnen Bretterwand, \u00fcber das ich einen Aufkleber babbe.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt hocke ich direkt am Fluss, habe ein Bierchen in der Hand und habe es mir nicht nehmen lassen, nach Zimmerbezug und Dusche (Backpacker-Style vom feinsten, freakig, anspruchslos und alles ein bisschen schebbelig) mir die Umgebung anzugucken. In den Gark\u00fcchen wird allerlei seltsames zubereitet, Touristen gibt es hier, aber auch viele Einheimische, die auf Plastikst\u00fchlen sitzend an den Gark\u00fcchen zu Abend essen, w\u00e4hrend der Verkehr durch die SamSen Road braust. Ich g\u00f6nnte mir kleine Fischlein mit Reis, schlenderte an bunten Abendlichtlein vorbei und \u00fcberquerte die Br\u00fccke Rama VIII, die majest\u00e4tisch \u00fcber dem Chao-Phraya-Fluss thront. Viele Thais brutzelten und grillten an kleinen St\u00e4nden und versorgten am Ufer sitzende Gr\u00fcppchen mit Speis und Trank, min\u00fctlich schipperten Ausflugsboote mond\u00e4n \u00fcbers Wasser, die Abendgesellschaft lauschte dargebotenen Jazz. Ab und an tackerte ein Kahn seines Weges. M\u00fcde und voller Eindr\u00fccke marschierte ich Richtung neuer Heimat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sitze schreibend am Ufer des Flusses, hinter mir hocken Traveller und unterhalten sich, R\u00e4ucherst\u00e4bchen dampfen und ich bin angekommen und mittendrin. Gegen Sieben ist es hier dunkel geworden, aber es ist warm und ich bin groggy. 10.000 Kilometer entfernt von zuhause. Dort sitzt Pia. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn sie jetzt bei mir w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich floss ein Tr\u00e4nchen beim Abschied, knapp f\u00fcnf Wochen ohne Pia sind eine lange Zeit, die wollen erst einmal verkraftet werden. Und schon kam sie, die U-Bahn, die mich von Bornheim Mitte zur Konstablerwache brachte und wenig sp\u00e4ter auch die S8 Richtung Flughafen, vorbei am Yeboah-Haus, vorbei am Stadion. 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