{"id":9239,"date":"2015-03-04T11:41:12","date_gmt":"2015-03-04T10:41:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9239"},"modified":"2015-03-04T13:50:40","modified_gmt":"2015-03-04T12:50:40","slug":"unterwegs-immer-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9239","title":{"rendered":"Unterwegs. Immer wieder!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Sinngem\u00e4\u00df geht eine alte Geschichte in etwa so. Ein Jude aus Amerika zieht es nach Israel, er macht sich auf den Weg. Dort angekommen bleibt er eine ganze Zeit lang, doch es fehlt ihm die alte Heimat. Also macht er sich wieder auf den Weg zur\u00fcck. Doch die Dinge haben sich mittlerweile ge\u00e4ndert. So packt er nach einiger Zeit erneut seine sieben Sachen und kehrt zur\u00fcck nach Israel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So geht dies eine ganze Weile. Amerika. Israel. Amerika. Israel. Nachdem eine lange Zeit vergangen ist, fragt ihn ein neugieriger Zeitgenosse, wo er eigentlich am liebsten sei. Der Jude sieht den Fragesteller an und antwortet: Unterwegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist das. In den letzten Jahren war ich viel unterwegs. In Deutschland, in Europa. Habe in <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6115\" target=\"_blank\">Istanbul <\/a>den Bosporus beschippert, lag in <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6461\" target=\"_blank\">Tel Aviv<\/a> am Strand und besuchte <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6475\" target=\"_blank\">Yad Vashem <\/a>in Jerusalem. Trank in <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6760\" target=\"_blank\">Porto <\/a>Portwein, sah den FC <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=8699\" target=\"_blank\">Barcelona <\/a>gegen Atletico Madrid im Camp Nou und <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=8215\" target=\"_blank\">Carter USM in London<\/a>. Wir a\u00dfen Austern in Arcachon und sahen die Eintracht in <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6515\" target=\"_blank\">Bordeaux<\/a>. In <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6612\" target=\"_blank\">Rom <\/a>stellte ich fest, dass das Kolosseum der Frankfurter Arena \u00e4hnelt, in <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4890\" target=\"_blank\">Lissabon <\/a>fuhren wir Stra\u00dfenbahn, kraxelten sp\u00e4ter in den Alpen <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=7505\" target=\"_blank\">\u00d6sterreichs<\/a>. Sa\u00df ich nicht eben noch in einem Caf\u00e9 unterhalb der Akropolis und blickte auf <a href=\"http:\/\/beverungen.blogspot.de\/2011\/01\/heimspiel-in-athen.html\" target=\"_blank\">Athen<\/a>? Stand ich nicht eben vor der Costa Concordia in <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=7420\" target=\"_blank\">Genua<\/a>? Oder lief durch die Schlucht Via Mala?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterwegs sein. Treiben lassen. Neue Eindr\u00fccke, kleine Herausforderungen und der Blick auf das Meer als das gro\u00dfe Gl\u00fcck der Welt. Circa alle zehn Jahre, so scheint es, muss ich l\u00e4nger weg, muss mir den Kopf waschen. Innen. 1992 war ich alleine zwei Monate mit einem alten Mercedes 200 Diesel in Spanien und Portugal, stets an der Atlantikk\u00fcste. Noch in Frankreich, bei Bergerac, blieb der Benz liegen. Ich spannte meine H\u00e4ngematte zwischen zwei Mirabellenb\u00e4ume auf, und organisierte am n\u00e4chsten Morgen mit meinem Rad ein Ersatzteil, baute es ein und: Er sprang wieder an. Etwas sp\u00e4ter bei Seignosse das gleiche Problem. Ich stellte den Wagen ab, ging einen Caf\u00e9 trinken &#8211; und als ich zur\u00fcckkehrte, waren zwei Scheiben eingeschlagen, das Rad und das Autoradio geklaut. Ein freundlicher Franzose schleppte mich und den Benz ab, ich konnte dort \u00fcbernachten w\u00e4hrend der Schaden repariert und die Scheiben verklebt wurden. Irgendwie ging es immer weiter. Der n\u00e4chste Tag. Spanien, Lequeitio. Dort fuhr mir eine Familienkutsche hinten in die Kiste. Die Anh\u00e4ngerkupplung war verbogen, das Auto fuhr. 7000 Kilometer sp\u00e4ter war ich wieder zuhause, zerzaust und gl\u00fccklich. Ich fuhr heim, als wir nachts an einem Strand lagen, die Sterne funkelten und es schien ein Moment f\u00fcr die Ewigkeit. Dann wehte ein Wind meinen Schlafsack ein paar Meter weiter &#8211; und ich wusste: Zeit zu gehen. Ich packte meinen Krempel mitten in der Nacht und fuhr Richtung Heimat. Einmal noch riss mir die Wasserablassschraube vom K\u00fchler ab, die n\u00e4chste Werkstatt hatte ein Schwei\u00dfger\u00e4t, f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter war ich wieder auf der Stra\u00dfe. Die zwei Monate zuvor verklebten Scheiben hielten bis Frankfurt. Zwei Jahre sp\u00e4ter das gleiche in anders. Mit meiner <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Honda_XL500\">XL 500.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2004 setzte ich mich alleine in den Flieger nach Trivandrum, Kerala, <a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4531\" target=\"_blank\">Indien<\/a>. Mehr wusste ich nicht, doch schon die ersten Kilometer in einem Tuk-Tuk bei Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit zeigten mir die Richtigkeit meiner Entscheidung. Von den Stra\u00dfenr\u00e4ndern blickten mich strahlende Augen an und nur wer in Indien war, wei\u00df, was strahlende Augen sind. Ich sah Eisv\u00f6gel und Kr\u00fcppel, Gurus und sterbende Hunde an einem Strand, pennte unter Palmen, ein Mango Lassi in der Hand, hockte bei Hampi am Tempel, die Affen neben mir und fuhr in einem Nachtbus durch die Zeit, in einem Schlafabteil, das kaum Platz f\u00fcr mich und mein Gep\u00e4ck bot &#8211; bis ich feststellte, dass die Kabine mit zwei Leuten belegt ist und sa\u00df an einem anderen Tag bei einer Flusstour durch die Backwaters neben dem Kapit\u00e4n, der Wind wehte um die Nase. A\u00df in Kochi Scampis am Strand. Es war bunt und grausam sch\u00f6n. Zwei Monate sp\u00e4ter war ich wieder zuhause &#8211; und gl\u00fccklich. Vor allem durch das Wissen um die Erfahrung, dass es immer weiter geht, dass ein unsichtbarer Begleiter dich an die Hand nimmt und dir zeigt, was du lernen musst &#8211; und du lernst. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Namaste\" target=\"_blank\">Namaste<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt geht es wieder los. Nicht zwei Monate, leider nur einen &#8211; aber immerhin. Hin und R\u00fcckflug nach Bangkok sind gebucht, die ersten drei Tage in Bangkok dazu, das war&#8217;s. Irgendwo hin wird der Weg mich f\u00fchren, irgend etwas wird passieren und ich werde klar kommen &#8211; so Gott will. Einzig das Meer ist ein Ziel, der Rest ergibt sich. Nur diesmal bin ich leider alleine unterwegs. Pia bleibt hier, es geht nicht anders. Ich vermisse sie sozusagen schon jetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In knapp zwei Wochen sitze ich dann mit einem winzigen Rucksack in einem Flieger, zun\u00e4chst nach China, dann Thailand. Wie immer werden sich das mulmige Gef\u00fchl der Ungewissheit mit der Vorfreude in mir balgen. Vier Wochen, nach denen ein anderer zur\u00fcck kommt. Nach einer Reise bist du immer ein anderer. Ich freue mich und w\u00fcnschte, Pia w\u00e4re mit dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr als einen einfachen und sauberen Bungalow und einfaches Essen, dazu Meer, brauche ich nicht. Keine \u00fcberlaufenen Full-Moon-Parties, keine Backpacker-Szene und keine Pauschalangebote. Falls ihr Tipps habt, her damit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterwegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sinngem\u00e4\u00df geht eine alte Geschichte in etwa so. Ein Jude aus Amerika zieht es nach Israel, er macht sich auf den Weg. Dort angekommen bleibt er eine ganze Zeit lang, doch es fehlt ihm die alte Heimat. Also macht er sich wieder auf den Weg zur\u00fcck. Doch die Dinge haben sich mittlerweile ge\u00e4ndert. 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