{"id":6301,"date":"2013-08-03T13:13:41","date_gmt":"2013-08-03T11:13:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6301"},"modified":"2013-08-03T14:32:54","modified_gmt":"2013-08-03T12:32:54","slug":"back-from-the-grave-oder-hindus-wir-horen-nichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6301","title":{"rendered":"Back from the grave oder: Hindus, wir h\u00f6ren nichts."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">So, nachdem hier wochenlang Totenstille herrschte, wollen wir p\u00fcnktlich zur neuen Saison mal wieder von uns h\u00f6ren lassen. Wir, das ist das Team von Beves Welt, also ich, Beve &#8211; der schlicht keine Zeit und Lust zum Bloggen hatte, ich hoffe, ihr verzeiht &#8211; zumal ich auch in den letzten Wochen so gut wie keine Fotos gemacht habe &#8211; ich war woanders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zumeist im Garten, der noch Zuwachs bekommen hat &#8211; und da gab es viel zu tun, hie\u00dfen die nat\u00fcrlichen Feinde eben noch Hoffenheim, Offenbach oder Kaiserslautern, so wurden daraus Brennnessel, Giersch und Holzf\u00e4ule. Aber nat\u00fcrlich hatte ich stets einen Blick auf die Eintracht, war bei der chilligen Saisoner\u00f6ffnungsfeier des Nordwestkurve e.V. in der Louisa oder f\u00fchrte euch w\u00e4hrend der offiziellen Er\u00f6ffnung durchs Museum der Eintracht. Morgen also Illertissen in Augsburg. Und da fing irgendwie auch alles an. In Augsburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht erinnert ihr euch, der silberne Golf. Der hatte seinerzeit auf der A3 bei Aschaffenburg Ost den Geist aufgegeben, das Ende einer langen Beziehung. Nun ist der silberne Golf ein roter Dacia Kombi, das langsamste Auto auf Deutschlands Stra\u00dfen &#8211; aber mit Platz f\u00fcr Balken, Dachpappe oder Rindermulch. \u00c4h, Rindenmulch. Und mit dem gehts morgen nach &#8211; Augsburg, genau. Auf dass der Kreis sich schlie\u00dfen m\u00f6ge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischendrin gab es mindestens noch zwei bemerkenswerte Erlebnisse. Nat\u00fcrlich der historische Ausgleich der Eintracht gegen Wolfsburg, just als Kie\u00dflings 1:0 gegen den HSV auf der Anzeigentafel verk\u00fcndet wurde und dann die Fahrt nach Bremen. Erstmals fuhr ich privat mit der Bahn zu einem Spiel. Zu verdanken hatte ich dies Christian, der mich kostenneutral mitnehmen konnte und da Tom gleichfalls mit dabei war, entwickelte sich eine muntere Tour, die mit einem Unentschieden und Krabbenbr\u00f6tchen in Ostfriesland endete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tom war zuvor in Hamburg auf dem Kirchentag &#8211; so wie Hundertausende Gleichgesinnte, er schw\u00e4rmte von einer besonderen Stimmung &#8211; na klar, die Anzahl der G\u00e4stefans hielt sich im Rahmen, man blieb unter sich, die dritte Halbzeit fiel aus. Wie anders w\u00e4re es jedoch, wenn sich Anh\u00e4nger verschiedener Religionen zu gleicher Zeit in die gleiche Richtung aufmachen w\u00fcrden; Busse, Sonderz\u00fcge, PKWs, Flieger &#8211; das ganze Programm mit Pyro, B\u00f6ller und skandierten Spr\u00fcchen nach m\u00e4\u00dfigem Alkohol- oder Drogengenuss. Ein fantastisches Bild, malen wir uns es doch einfach einmal aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Christen, trotz jeglicher Glaubensdivergenzen irgendwie seltsam vereint, waren die ersten. Auf den abgeschnitten Jeansjacken Sticker mit Texten wie: <em>Alles au\u00dfer Jesus ist schei\u00dfe<\/em> oder <em>Luther forever. <\/em>Sie besetzten am Bahnhof die Pilsstuben, von Zeit zu Zeit explodierte eine La Bomba, schallten Ges\u00e4nge durch den Bahnhof wie <em>Hurra, Hurra, die Christen die sind da. <\/em>Urpl\u00f6tzlich Gerenne, es hie\u00df, der Sonderzug der Buddhisten sei angekommen und musste geb\u00fchrend empfangen werden &#8211; doch aus dem Zug stolperten nur ein paar verstrahlte Sanyassins in orangenen Leibchen, sie klatschten in die H\u00e4nde bam bam bambambam,\u00a0bambambam und riefen Moksha. Ein Christ zockte ein Leibchen und verbrannte es unter dem Beifall einiger anderer, die Sanyassins aber zuckten nur mit den Schultern, hockten sich au\u00dferhalb auf eine Wiese und rollten ein T\u00fctchen. Das war kein Gegner, so eine Art Freiburg unter den Gl\u00e4ubigen. Dann aber gings los. Drei Busse waren auf dem Vorfeld eingerollt, am hinteren Fenster hingen gro\u00dfe Banner: <em>Allah &#8211; Es kann nur einen geben<\/em>, oder: <em>Mekka &#8211; wir danken dir<\/em> oder <em>Gegen den modernen Islam<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klar, die Moslems waren da, Hardcorejungs, die alles f\u00fcr ihren Glauben taten, kein Weg zu weit, keine Drittortauseinandersetzung zu belanglos. Rauchschwaden durchzogen die Luft, die Christen formierten sich, die Polizei war \u00fcberfordert. Das sch\u00f6ne aber ist der Ehrenkodex. Als die beiden Gruppen wie auf ein geheimes Kommando aufeinander los st\u00fcrmten, flogen die F\u00e4uste, Waffen waren ge\u00e4chtet und wer auf dem Boden lag, wurde in Ruhe gelassen. Seit dem das Mittel des langj\u00e4hrigen Kirchenverbots griff, fanden ja die meisten Auseinandersetzungen au\u00dferhalb der heiligen Hallen statt. So schnell wie der Spuk gekommen war, war er auch schon wieder vorbei. Mal h\u00f6rte man die Moslems: <em>Kirchenmafia EKD, <\/em>mal die Christen: <em>Eure Eltern gehn zu Jesu Christ<\/em>, das wars dann schon. Nat\u00fcrlich traf man sich anschlie\u00dfend auf einen schwarzen Tee und wer sich eben noch gekloppt hatte, tauschte nun Geschichten von fr\u00fcher aus, damals in den Siebzigern, als man sich noch mit Weihwasser bewarf und Burkas rippte. Die Zeiten sind lange vorbei. Aufruhr gabs nur noch, als die Moslem Ultras einige Christinnen mit <em>Eieieieieieiei, Huuuuurens\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6hne<\/em> verunglimpften, bisschen Backenfutter und schon war Ruhe. Einige Christen und Moslems liefen gemeinsam Richtung Veranstaltungsort, passierten die Wiese, wo die Sanyassins hockten und skandierten: <em>Warum seid ihr Hindus so leise, <\/em>die aber zuckten gleichm\u00fctig mit den Achseln, boten einen Yogi-Tee an und erz\u00e4hlten sich Geschichten von Siddharta &#8211; woraufhin einer der Christen aus der Rolle fiel und pl\u00e4rrte: <em>Und wir ficken die Sadhus in den Arsch.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittlerweile waren die Juden eingetroffen, alle in Schwarz, zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberschaubar, sie kamen im gleichen Zug wie die Zeugen Jehovas &#8211; die sich nat\u00fcrlich anh\u00f6ren durften: <em>In Europa, kennt euch keine Sau. <\/em>Einer der Zeugen, ein langj\u00e4hriger Religionsbekannter Rowdy, der eigentlich Stadtverbot, es aber dennoch bis zum Bahnhof geschafft hatte konnte nicht an sich halten: <em>Und wir haben die Juden im Endsieg gesehn, mit dem Adolf, mt dem Adolf &#8211; <\/em>das aber ging sogar den eigenen Anh\u00e4ngern zuweit: <em>Nazis raus<\/em> hallte es durch den Bahnhof und der Rowdy wurde von allen isoliert. Er betonte zwar, es handelte sich um Satire &#8211; aber hier war eine Grenze \u00fcberschritten. Das sah auch das Fanprojekt der Buddhisten so, die ruhig und zur\u00fcckhaltend Flyer am eigenen Stand f\u00fcr ein Miteinander verteilten, aus den Boxen ert\u00f6nte Nirwanas Come as you are. Die meisten ignorierten die freundlichen Gesellen, mal riefen vorbeiziehende Juden: <em>Nie mehr ins Nirvana,<\/em> woraufhin einer der Buddisten aus der Ecke sprang und dem \u00fcberraschten Anf\u00fchrer das K\u00e4ppi zockte<em>: Hey Schlomo, jetzt m\u00fcsst ihr euch aufl\u00f6sen <\/em>rief er und schon gings f\u00fcr die Juden weiter, einige lachten sogar \u00fcber den Ungl\u00fccklichen ohne Kippa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich rappelte es zwischen Juden und Moslems, zwischen Christen und Juden und auch der ein oder andere Hindu mengte sich dazwischen und p\u00f6belte:<em> Wir haben Shiva und ihr nicht. <\/em>Im gro\u00dfen und ganzen aber war es einfriedliches Religionsfest, sicherlich gab es Kollateralsch\u00e4den, zwei betrunkene Moslems wurden von den eigenen Anh\u00e4ngern verm\u00f6belt, und als die Christen ein Banner entrollten Deutscher Meister 1939 tobten die Juden, rissen Pflastersteine aus der Verankerung &#8211; konnten aber sich letztlich wieder beruhigen, hier ging es ja schlie\u00dflich nur um Religion, die sch\u00f6nste Nebensache der Welt, einige revanchierten sich mit<em> Ihr seid Christen, asoziale Christen, ihr schlaft unter Br\u00fccken, oder in der Bahnhofsmission, <\/em>schlussendlich aber neigte sich ein buntes Wochenende dem Finale entgegen; die gemeinschaftliche Abschlusskundgebung richtete sich gegen die Ungl\u00e4ubigen, die modernen Religionen, die Versitzplatzierungen der Kirchen und Moscheen und die Willk\u00fcrlichen Gebetszeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Imam br\u00fcllte durchs Mikro: Auf gehts und jeder, wirklich jeder rief aus tiefstem Herzen <em>Wir haben G\u00f6tter und ihr nicht<\/em>.<em> <\/em>Nat\u00fcrlich provozierten ein paar Atheisten, die meisten einheimisch, riefen <em>Tod und Hass dem G\u00f6tterkult<\/em> oder <em>Nie mehr in die Kirche<\/em> &#8211; solche Splittergruppen wurden aber nicht sonderlich ernst genommen, ein paar Buddhisten verbrannten sich zwar aus Protest, einige Christen versuchten die Ungl\u00e4ubigen zu bekehren, derweil die Moslems mit 72 Jungfrauen lockten. Die Atheisten aber gaben sich desinteressiert: Jungfrauen? Dreizehnj\u00e4hrige Tussies mit Zahnspangen und Hello Kitty Schulranzen &#8211; darauf steht ihr? <em>Gott, ihr seid schei\u00dfe, wie das Christentum<\/em>. Als die Atheisten in sicherer Entfernung waren bl\u00f6kten sie noch:<em> Zieht den Moslems die Kopft\u00fccher aus, Kopft\u00fccher aus<\/em> w\u00e4hrend die Christen sich anh\u00f6ren durften: <em>Jesus Vater, der war ein Baptist.\u00a0<\/em>Die Juden aber, die sich in den Zwanzigern noch h\u00e4misch anh\u00f6ren durften <em>Ihr k\u00f6nnt nach Hause fahren<\/em> wurden in Ruhe gelassen. Letztlich l\u00f6ste sich alles auf, alle waren m\u00fcde, ein paar Christen schmissen noch ne Runde Messwein, sogar ein paar Moslems hatten sich dazu gesellt, die Hindus lachten mit den Juden bei einem schwarzen Afghanen um die Wette und ein paar Mormonen erz\u00e4hlten sich schmutzige Witze. Alles also halb so wild. Religion ist kein Ponyhof, das wussten alle und die meisten werden auch im n\u00e4chsten Jahr wieder dabei sein. Nach Hamburg wird dann Medina einladen &#8211; unter dem Motto: Getrennt in den Farben, vereint in der Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na\u00a0 gut, morgen also Illertissen. Dacia. Rot!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, nachdem hier wochenlang Totenstille herrschte, wollen wir p\u00fcnktlich zur neuen Saison mal wieder von uns h\u00f6ren lassen. 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