{"id":6106,"date":"2012-12-17T11:27:44","date_gmt":"2012-12-17T10:27:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6106"},"modified":"2012-12-17T11:34:15","modified_gmt":"2012-12-17T10:34:15","slug":"anonyme-trottel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6106","title":{"rendered":"Anonyme Trottel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Jahr neigt sich dem Ende zu, besinnliche R\u00fcckblicke allenthalben. Und wenn man so an dies und jenes denkt, da fallen sie einem wieder ein, die Trottel, die einem das Leben schwer machen. Hier mal eine beschauliche Auswahl. Auf die Idee brachte mich \u00fcbrigens ein Blogbeitrag aus der <a href=\"http:\/\/rueckseitereeperbahn.blogspot.de\/\" target=\"_blank\">R\u00fcckseite der Reeperbahn<\/a>, immer einen Blick wert. Man m\u00f6ge mir verzeihen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konzerte sind eine tolle Sache, vor allem in kleinen Clubs. Handys sind gleichfalls eine nette Sache. Beides zusammen geht gar nicht. Der anonyme Trottel Nummer eins besitzt ein Handy und steht stets vor mir bei einem Konzert. Schon vom ersten Song an z\u00fcckt er sein Handy und fotografiert. In der Regel mit Blitz, in der Regel vor allem die Hinterk\u00f6pfe seiner Vorderleute. Die Band steht meterweit dahinter in diffusem Licht. Sp\u00e4ter videografiert der anonyme Trottel das zwanzigmin\u00fctige Lieblingsst\u00fcck, gepaart mit abrupten, kunstvollen Schwenks ins Publikum. Ich wei\u00df: Die Ausleuchtung ist grauenvoll, gleichfalls der Ton und ich stehe dahinter und glotze abgelenkt vom Handygefuchtel auf den kleinen Monitor und statt elegisch die Atmosph\u00e4re zu genie\u00dfen, kocht es in mir. Gehe ich woanders hin, steht dort der n\u00e4chste anonyme Trottel und filmt. Falls nicht, wird sich binnen Sekunden der gr\u00f6\u00dfte Konzertbesucher vor mich stellen. Ohne Handy.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste anonyme Trottel f\u00e4hrt gern Fahrrad. Das ist gesund und h\u00e4lt fit. Zur Sicherheit tr\u00e4gt der anonyme Trottel einen Helm. Dabei ignoriert er den Radweg und f\u00e4hrt mit breitbeinigem Selbstbewusstsein mitten auf der Stra\u00dfe. Ach, wie gerne w\u00fcrde ich einen klitzekleinen Schlenker machen und &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; wir kommen zum n\u00e4chsten Trottel. Anonym. Meist weiblich, durchaus auch mal m\u00e4nnlich ist sie\/er stolze\/r Mutter\/Vater eines Babys. Im Laufe der letzten Wochen hat er die Brut zweihunderttausendmal fotografiert. Alle Bilder sehen nahezu gleich aus. Dann steht der anonyme Trottel vor dir an einem der Sofortdruckk\u00e4sten einer Drogeriekette, nat\u00fcrlich am einzig funktionierenden Automaten und druckt in aller Seelenruhe Bilder aus. Und zwar alle. F\u00fcr Eltern, Schwiegereltern, sich und die beste Freundin. Nach den ersten tausend dreht sie\/er sich zu dir um und grinst verlegen: <em>Eben war noch niemand da<\/em>. Plopp fallen die n\u00e4chsten Bilder ins Fach. 30 Sekunden sp\u00e4ter: Plopp. Und dann: Plopp. Plopp.\u00a0 So geht das eine viertel Stunde. S\u00fc\u00dfs\u00e4uerliches L\u00e4cheln meinerseits, denke: Na, das wird ja wohl bald vorbei sein. Plopp. Plopp. Plopp. Alle 30 Sekunden\u00a0 f\u00fcnf Bilder. Du hoffst jedesmal, das waren die letzten, doch dann druckt der Automat fr\u00f6hlich weiter. Urp\u00f6tzlich Stille. Du entspannst dich, Gelassenheit durchstr\u00f6mt dich, das Warten hat sich also doch gelohnt. Und dann erscheint auf dem Drucker die Meldung: <em>Papier ist alle, bitte wenden sie sich an einen Mitarbeiter.<\/em> Und der ist nat\u00fcrlich in der Mittagspause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste anonyme Trottel wohnt in der Wasserhofstra\u00dfe. Jahrelang erreichte man durch diese kleine Gasse die Hauptstra\u00dfe in Oberrad, um dort links abzubiegen. Das war praktisch. Dann besannen sich Anwohner und B\u00fcrgerinitiative darauf, dass diese kleine Stra\u00dfe etwas ganz besonderes ist. Die Stra\u00dfe wurde saniert, die Richtung der Einbahnstra\u00dfe ge\u00e4ndert und fortan qu\u00e4lte sich der Verkehr nebenan durch die Wehrstra\u00dfe. Eine Ampel verz\u00f6gert nun den Abbiegevorgang und manchmal stauen sich die Autos bis zur Eisenbahnbr\u00fccke. Bis zu zwei, drei Minuten l\u00e4nger ist nun der \u00fcbliche Weg. Zweimal am Tag gefahren macht das freundlich gerechnet 4 Minuten t\u00e4glich. An 250 Tagen im Jahr sind das 1000 Minuten, in 15 Jahren 150.000 Minuten. Also 2.500 Stunden. Oder anders formuliert: 104 Tage meines Lebens, die ich durchg\u00e4ngig nur an dieser einzigen Ampel verbringe. Zum Dank latscht stets, wenn ich nun nach unten fahre (dank einem k\u00fcnstlichem Hindernis mit maximal 15 km\/h) einer der Anwohner mitten auf der Stra\u00dfe, obgleich nat\u00fcrlich ein B\u00fcrgersteig vorhanden ist. Sobald er dich h\u00f6rt, dreht er sich vorwurfsvoll um, du bist noch einhunder Meter entfernt. Er bleibt weiter in der Mitte, wedelt mit der Hand nach unten und erst wenn du unmittelbar hinter ihm bist, geht er schimpfend und vor allem in Zeitlupe Richtung B\u00fcrgersteig. Manchmal tut er so, als schreibe er deine Nummer auf. Wasserhofstra\u00dfe. Oberrad.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste anonyme Trottel hat mir an der Konsti mein vorderes Fahrradl\u00e4mpchen geklaut. Hundsgemein. Aber dir w\u00fcnsche ich ein lebenslanges Runterfahren in der Wasserhofstra\u00dfe. Oberrad.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr neigt sich dem Ende zu, besinnliche R\u00fcckblicke allenthalben. 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