{"id":6002,"date":"2012-10-26T11:43:30","date_gmt":"2012-10-26T09:43:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6002"},"modified":"2012-10-27T08:27:12","modified_gmt":"2012-10-27T06:27:12","slug":"tza-on-tour-die-meister-in-homberg-ohm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=6002","title":{"rendered":"TzA on Tour: Die Meister in Homberg (Ohm)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Neblig ists geworden, k\u00fchl doch trocken. Immerhin. Das Museum der Eintracht hatte gemeinsam mit der Fan- und F\u00f6rderabteilung den Plan gefasst, neben den heimischen Veranstaltungen im Museum auch ausw\u00e4rts anzutreten und am 25.10.2012 war es dann soweit: Die Meister von 1959 sollten in Homberg (Ohm) pr\u00e4sentiert werden. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor Ort sorgte der Regionalleiter der Fufa, Stefan Schabl, f\u00fcr eine reibungslose Organisation, die Frankfurter aber trafen sich um 13:00 am Riederwald &#8211; wo sonst sollte die Reise beginnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gro\u00dfe Eintracht-Bus des Vereins stand schon bereit &#8211; samt Fahrer Werner Ochs, der uns im folgenden sicher und souver\u00e4n durch die Lande fahren sollte.Und peu a peu trudelten sie ein, die Helden von einst und diejenigen, die dahinter standen, allen voran die Gattinnen der einstigen Spieler. Letztlich waren dabei Dieter Lindner, Egon Loy, Friedel Lutz, Erwin Stein, Dieter Stinka und Hans Weilb\u00e4cher, allesamt im hochschicken Ausgehanzug samt Eintrachtkrawatte sowie die Frauen B\u00e4umler, Bechtold, H\u00f6fer, Kress, Loy, Lutz, Stinka und Weilb\u00e4cher. Nat\u00fcrlich durften auch Anton H\u00fcbler und seine Christel nicht fehlen. Komplettiert wurde die Reisegruppe durch Thomas Nixdorf und Stefan Ungaenz nebst Praktikantin von der FuFA, sowie Pia, Matze und Beve vom Museum und auch Eintrachtfan Thommy Kummetat lie\u00df sich die Gelegenheit nicht nehmen, die Helden von einst zu begleiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P\u00fcnktlich um 13 Uhr schipperten wir los, rollten auf dem Highway durch nebelverhangene T\u00e4ler und W\u00e4lder, die rotgelbbraunen Bl\u00e4tter der Herbstb\u00e4ume leucheteten dennoch in den Tag und p\u00fcnkltlich wie die Maurer erreichten wir unser Ziel Homberg (Ohm). Vor der Sparkasse gab es sogar einen eigens eingerichteten Sonderparkplatz f\u00fcr den Eintrachtbus und sogleich wurden wir vom hiesigen Empfangskommitee freundlich begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Weg f\u00fchrt schnurstracks ins Rathaus, dort trugen sich die Meisterspieler unter der Anwesenheit von B\u00fcrgermeister und Stadtrat ins Goldene Buch ein &#8211; Matze und ich wollten uns noch dazwischen mogeln, sahen letzlich aber von solchen Faxen ab. Ehre, wem Ehre geb\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun folgte eine hochkundige Stadtf\u00fchrung und wir marschierten von der Stadtmitte Richtung Schloss und erfuhren dabei, welche Rollen in all den Jahren Th\u00fcringen, Heinrich IV und dessen Mutter, Philipp der Gro\u00dfm\u00fctige oder die heilige Elisabeth gespielt hatten &#8211; und weshalb der Kalte Markt heuer zum 459sten Mal stattgefunden hat. Und weshalb das nahe Marburg dies einst gar nicht so gerne gesehen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Schloss selbst befindet sich seit dem 1. April in der Hand der Homberger, die sich hochdemokratisch daf\u00fcr ausgesprochen hatten und die Schlosspatrioten k\u00fcmmern sich nun darum und bewirteten uns mit Donauwellen (schwarz-wei\u00df-rot) oder Amerikanern (schwarz-wei\u00df), dazu gabs Kaffee und Tee und ein Kaminfeuer obendrein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alsbald standen wir vor einer riesigen uralten Linde, die der einstige G\u00e4rtner Toni H\u00fcbler nat\u00fcrlich vor allen anderen entdeckt hatte. Durch allerlei Geschichten informiert, spazierten wir letztlich zur evangelischen Kirche und lernten, dass jeder Steinmetz ein eigenes Zeichen hatte,\u00a0welches die Geb\u00e4ude zierte und sogar in eine Art Mandala hinein passte. Gro\u00dfe Freude hatten dabei die Damen H\u00f6fer, Bechtold und Weilb\u00e4cher sowie Dieter Lindner, auf deren hellen Jacken jene mitgebrachten Zeichen gut zu sehen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon dr\u00e4ngte die Zeit und wir rollten aufs offene Feld zum <a href=\"http:\/\/www.hainmuehle.de\/\" target=\"_blank\">Gasthof Hainm\u00fchle<\/a>, der noch eigenen Apfelwein keltert. Wir wurden bewirtet wie die Weltmeister; sogar die Speisekarte war dem meisterlichen Anlass entsprechend gestaltet &#8211; ein rot-schwarz-wei\u00dfer Streifen zierte jene und kaum war der letzte Schluck Espresso getrunken ging es zur\u00fcck in den Ort, diesmal ins Brauhaus, wo es jedoch kein Bier mehr gibt &#8211; sondern das Heimatmuseum zu bestaunen. Und heute Abend diente es auch als Veranstaltungsort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor ausverkauftem Haus reisten wir zur\u00fcck in eine Zeit, in der Adenauer noch Bundeskanzler war. Wir reisten in das Jahr, in dem Buddy Holly t\u00f6dlich verungl\u00fcckte und Gerhard Delling oder John McEnroe geboren wurden: <strong>1959<\/strong> &#8211; das Jahr der bislang einzigen Deutschen Meisterschaft der Frankfurter Eintracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich verflog die Zeit viel zu schnell, Dieter Stinka erz\u00e4hlte, wie er beinahe in Offenbach gelandet w\u00e4re &#8211; doch der Wechsel des Trainers Osswald bewog ihn, gleichfalls zur Eintracht zu kommen. Und dort verdr\u00e4ngte er im Laufe der Zeit einen anderen ehemaligen Gelnh\u00e4user, Eberhard Schymik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Egon Loy, der in der ersten Partien der Saison 58\/59 verletzungsbedingt zuschauen musste und durch Helmut Henig vertreten wurde, erinnerte an den jugoslawischen Stopper Ivica Horvat, der eigentlich schon beim FSV gelandet war und letztlich doch zur Eintracht wechselte. Den FSV trainierte \u00fcbrigens ein Landsmann von Horvat, Bogdan Cuvaj, der ab 1958 Nachfolger von Paul Osswald in Offenbach wurde. Man stelle sich vor, Cuvaj als auch Horvat w\u00e4ren beim FSV geblieben, die Bornheimer h\u00e4tten sich wohl ganz anders entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erwin Stein, der strenggenommen erst 1959 zur Eintracht wechselte und in der folgenden Europapokalsasion fur Furore sorgte, war schon als Griesheimer Kicker Nationalspieler und schoss Tor um Tor. Der Wechsel jedoch zur Eintracht kostete ihn seinen Amateurstatus und da Bundestrainer Herberger zu sp\u00e4t davon erfuhr, auch die Karriere in der Nationalmannschaft. Auf ein Vers\u00f6hnungsangebot, vermittelt durch den damaligen Pr\u00e4sidenten Rudi Gramlich erwiderte Herberger lapidar: <em>Geh mir fort mit dem Kerl.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedel Lutz schaffte es gleichfalls unter Herberger zum Nationalspieler und wurde unter Helmut Sch\u00f6n gemeinsam mit J\u00fcrgen Grabowski 1966 in England Vizeweltmeister. Anschlie\u00dfend avancierte er zum teuersten Bundesligawechsel der damaligen Zeit. 175.000 D-Mark lie\u00df sich 1860 M\u00fcnchen den Wechsel kosten. Kurz darauf aber kehrte Lutz in seine Frankfurter Heimat zur\u00fcck &#8211; und blieb der Eintracht bis 1973 als Spieler treu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter Lindner stand schon mit 17 Jahren in der ersten Mannschaft der Eintracht, wurde mit 19 Deutscher Meister und verhinderte 1970\/71 als er seine Karriere zugunsten eines b\u00fcrgerlichen Berufes eigentlich schon beendet hatte, den Abstieg der Eintracht &#8211; damals, als der Besechungskandal den Fu\u00dfball in seinen Grundfesten ersch\u00fctterte. Da zum Zeitpunkt der Deutschen Meisterschaft noch nicht ausgewechselt werden durfte, war mannschaftsintern klar, dass Lindner sogar bei einer eventuellen Verletzung des Torh\u00fcters Egon Loy stellvertretend das Tor h\u00fcten sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans Weilb\u00e4cher, der Hattersheimer Bub hatte einen weiten Weg vom Westen Frankfurts hinein in den Osten zum Riederwald, der von allen als die eigentliche Heimat der Eintracht angesehen wurde. Als torhungriger St\u00fcrmer von der Eintracht verpflichtet verungl\u00fcckte er eines Tages mit dem Roller und kollidierte mit einer Trambahn. Eine Fu\u00dfverletzung setzte ihn daraufhin eine zeitlang au\u00dfer Gefecht und als er wieder fit war, spielte er als L\u00e4ufer. Tore hat er dennoch noch etliche geschossen. Ein Wurf mit einer Blumevase nach Rudi Gramlich und die berufliche Zielsetzung bei der H\u00f6chst AG lie\u00dfen ihn im Jahr des Bundesligastarts seine Karriere beenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gefeiert wurde nat\u00fcrlich auch nach dem Titel, Hunderttausende wollten in Frankfurt ihre Eintracht hoch leben lassen. Frau Bechtold merkte jedoch kritisch an, dass die Frauen der Spieler damals eher stiefm\u00fctterlich behandelt wurden und nur ganz am Rand zusehen durften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gearbeitet haben sie alle neben dem Fu\u00dfball, auch noch am Tag des Halbfinales gegen die Glasgow Rangers, die dann mit 6:1 besiegt wurden und somit stand die Eintracht als erste deutsche Mannschaft sogar im Finale des Europapokals der Landesmeister. 127.000 Zuschauer in Glasgow sahen ein 3:7 der Eintracht gegen Real Madrid &#8211; trotz der Niederlage f\u00fcr alle Beteiligten sicher das gr\u00f6\u00dfte Erlebnis. Spektakul\u00e4r sicher auch die Weltreise 61\/62, welche die Eintracht \u00fcber Athen und Thailand, \u00fcber Hongkong und Japan, Hawaii, Kanada und San Francisco bis nach New York f\u00fchrte &#8211; und die Mannen um Paul Osswald weltbekannt machte. Alleine Dieter Lindner und Friedel Lutz erkrankten an einer Blinddarmentz\u00fcndung und mussten im Lande bleiben, auch wenn es Lindner immerhin noch bis Athen geschafft hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt sind z\u00e4he Verhandlungen um Pr\u00e4mien, die Eintracht war sparsam und die Spieler mussten erst mit Streik drohen, um zumindest einen nennenswerten Betrag nach dem Europapokalfinale ztu erhalten. Was bleibt ist die Erinnerung an die Spieler, ohne die die Eintracht nicht h\u00e4tte Meister werden k\u00f6nnen &#8211; und die nicht mehr unter uns weilen: Der Gelnh\u00e4user Eberhard Schymik, Erich B\u00e4umler, Flutlicht-Meier, Kapit\u00e4n Alfred Pfaff, Rekordspieler Adolf Bechtold, Stopper Ivica Horvat, der Blitz von Horas, Richard Kress, &#8222;Stift&#8220; Hermann H\u00f6fer, Torwart Helmut Henig, Hans Eigenbrodt oder Trainer Paul Osswald. Und was bleibt ist die Erinnerung an einen Tag resp. Abend, der G\u00e4sten und Aktiven sicherlich unvergesslich bleiben wird, zumald die Helden noch unz\u00e4hlige Autogrammw\u00fcnsche erf\u00fcllten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alsbald rollten wir durch die Nacht und erreichten wohlbehalten den Riederwald, damals wie heute das Zuhause der Frankfurter Eintracht. Wer wei\u00df schon, ob es irgendwann einmal Nachfolger geben wird, die die Eintracht meisterlich vertreten werden. Toll w\u00e4re es nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neblig ists geworden, k\u00fchl doch trocken. Immerhin. 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