{"id":5814,"date":"2012-08-16T11:54:22","date_gmt":"2012-08-16T09:54:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5814"},"modified":"2012-08-16T14:06:24","modified_gmt":"2012-08-16T12:06:24","slug":"landerspiel-in-frankfurt-oder-der-beve-und-dr-hammer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5814","title":{"rendered":"L\u00e4nderspiel in Frankfurt &#8211; Oder der Beve und Dr. Hammer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal hat so ein Job ja unbezahlbare Vorteile. Da im Museum der Eintracht vor Beginn des L\u00e4nderspieles zwischen Deutschland und Argentinien eine Veranstaltung \u00fcber die B\u00fchne ging, baumelte um meinen Hals ein Ausweis, der mir Zutritt zu allem m\u00f6glichen verschaffte. So h\u00e4tte ich durchaus in die Mixed-Zone spazieren k\u00f6nnen, um ein neugieriges \u00c4uglein auf das Treiben zu werfen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230;machte ich aber nicht, da ich dort eigentlich nichts verloren hatte; wie auf eine Theaterb\u00fchne nur die Schauspieler und jene Techniker geh\u00f6ren, die dort zu arbeiten haben. Da mit dieser Karte aber kein fester Platz verbunden war, f\u00fchrte mein Weg\u00a0mich auf die Terrasse im Businessbereich, der einzige Ort im Stadion mit unnummerierten Stehpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Tagen waren in der Arena emsige Helfer am Wuseln, kein Vergleich zur Fifa zwar, aber das Stadion wurde fesch herausgeputzt f\u00fcr ein Event, dessen sportlicher Wert wenige Tage vor Saisonbeginn zwar zweifelhaft ist, welches aber als gesellschaftliches Ereignis von au\u00dferordentlichem Wert scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuvor unterhielten sich im Rahmen der Veranstaltung der Herausgeber des Kicker, Rainer Holzschuh, mit J\u00fcrgen Grabowski, Eintracht-Legende und Weltmeister von 1974 &#8211; und ich muss sagen, es war durchaus lebendig. Da sa\u00dfen zwei Gr\u00f6\u00dfen des Fu\u00dfballs, der eine als Spieler, besser als DER Spieler der Eintracht, der andere als Journalist und es ist eine Wohltat, wenn Menschen wissen, wovon sie sprechen; selten genug, vor allem im Bereich des Sportjournalismus. Bedenkenswert waren neben anderen vor allem die Ausf\u00fchrungen Grabis \u00fcber die Nivellierung au\u00dfergew\u00f6hnlicher Spieler, die ihr K\u00f6nnen in den sogenannten Dienst der Mannschaft stellen, das schnelle Abspiel zum freien Mann unabh\u00e4ngig davon, ob es das Spiel im Moment weiter bringt oder nicht. Pr\u00e4gend f\u00fcr die \u00c4ra der Spielmacher, neben Grabi wohl Overath oder Netzer, war die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass diese sobald im Ballbesitz versuchten, mit der Kugel etwas anzufangen, auf kreative Art und Weise nach vorne zu spielen &#8211; auch unter der Gefahr des Ballverlustes, den die Mitspieler dann auszub\u00fcgeln hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Stadiontore \u00f6ffneten, str\u00f6mten die Massen, wie man das Publikum von L\u00e4nderspielen kennt. Buntbemalte Wangen, Deutschland-\u00d6hrchen, Schwarz-Rot-Goldene Cowboyh\u00fcte mit Sponsorenaufdruck. Vor unserem Museum aber versammelten sich die, die sonst mit der Eintracht in D\u00fcsseldorf, Paderborn oder Aue dabei sind. Hilde und RedZone waren vor einigen Jahren sogar in Argentinien bei Boca-Juniors zu Gast &#8211; und sammelten m\u00e4chtige Erfahrungen und Erlebnisse &#8211; das Publikum war also bei n\u00e4herem Hinsehen durchaus gemischt, wobei im End die Klatschpappenfraktion dominierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vor Anpfiff wanderten wir auf die Terrasse und stellten uns hinter die Business-Sitze, die gro\u00dfe Choreoraphie war schon Vergangenheit, jetzt t\u00f6nte die Nationalhymne und als wir unsere Blicke durch die Reihen wandern lie\u00dfen, erwachte vor allem in Pia die Gala-Reporterin. Klar, wenige Meter entfernt von uns entfernt sa\u00dfen Grabi und Holz nebst Gattinnen, die beiden geh\u00f6ren nat\u00fcrlich zum Inventar. Da aber zu einem L\u00e4nderspiel stets der Club der Nationalspieler eingeladen wird, defilierte an unseren Augen eine bunte Auswahl jener Kicker vorbei, die den deutschen Fu\u00dfball aber auch unsere Erlebnisse mehr oder weniger gepr\u00e4gt haben. Abgesehen davon, dass nat\u00fcrlich auch etliche Spieler und Offizielle der Eintracht zu Gast waren (Meier, Nikolov, Jung, Rode, Aigner, Occean, Bruchhagen, Hellmann, Fischer etcpp) entdeckte ich aus den Augenwinkeln Olaf Marschall, der Mann, dessen Frisur sich in all den Jahren nicht ver\u00e4ndert hatte. Irgendwo plauderte Oliver Bierhoff, in Flip-Flops schlenderten Thomas Berthold und Michael Schulz durch den VIP-Bereich, Herr Mayer-Vorfelder diesmal ohne Gattin &#8211; Lothar Matth\u00e4us hingegen mit Begleitung in flachen Schuhen, auf dass sie nicht wirken wie Benny K\u00f6hler neben Alex Meier. Stimmt, Carsten Ramelow gab es ja auch mal und kiek ma, Marko Rehmer &#8211; der ja sogar auch f\u00fcr die Eintracht gekickt hat. Hey, das ist doch Olaf Thon und hier Siggi Held. Sp\u00e4ter standen dann Friedhelm Funkel, Heribert Bruchhagen, Axel Hellmann und Dieter M\u00fcller auf einem Fleck, dicht daneben Manni Kaltz, der unter Magath ja Co-Trainer gewesen ist. Ja ja, lang ists her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unten auf dem Rasen richteten sich nat\u00fcrlich alle Blicke auf Messi, den besten Fu\u00dfballer der ganzen Welt. Wer gedacht hatte, dass die Fans von Argentinien mit Fackeln, Rauch und Wurfchoreos ihre eigene Art des Fu\u00dfballsfandaseins zelebrierten, wurde arg entt\u00e4uscht &#8211; es ging \u00fcberall auf den R\u00e4ngen recht brav zu. Das Spiel war zu Beginn recht flott, wahrscheinlich verfluchte sich Jogi L\u00f6w innerlich, dass er Marco Reus beim EM-Spiel gegen Italien nicht zu Beginn gebracht hatte, denn dieser spielte so, als h\u00e4tte dies durchaus Sinn gemacht. Zwei Spieler d\u00fcrften diese Partie so schnell nicht vergessen. Auf der einen Seite der Hannoveraner Torh\u00fcter Ron Robert Zieler, der von Beginn an den verhinderten Manuel Neuer vertrat und nach einer halben Stunde im Strafraum zum \u00e4u\u00dfersten Griff, n\u00e4mlich nach den Beinen von Sosa, der hinfiel und entspannt dem f\u00e4lligen Elfmeterpfiff von Schiri Eriksson aus Schweden lauschte. Und wie es das Gesetz vorschreibt, hielt dieser dem deutschen Torh\u00fcter die Rote Karte unter die Nase. Bedr\u00f6ppelt schlich er von dannen. Dessen Platz im Geh\u00e4use wurde nun von Marc-Andr\u00e9 ter Stegen eingenommen, f\u00fcr den Thomas M\u00fcller weichen musste. Elfmeter also f\u00fcr Argentinien, Messi l\u00e4uft an, meint es gut und ter Stegen h\u00e4lt. Ein Raunen ging im weiten Rund umher, gefolgt von einer Welle. In der Nachspielzeit schubste Khedira nach einer Ecke den Ball ungl\u00fccklich ins eigene Netz &#8211; 0:1 der Halbzeitstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich mich auf den Weg ins Museum machte, schob sich eine ganze Menschentraube durch die Reihen, n\u00e4heres Hinsehen offenbarte niemand Geringeren als den kleinen gro\u00dfen Diego Maradona, Sonnenbrille auf den Augen, Brilli im Ohr und eine m\u00e4chtige Haartracht dazu. Ich mutierte unmittelbar darauf zum Paparazzi und hielt mit der Kamera drauf. Wahnsinn. Kurz nach Wiederbeginn trubelte es, Deutschland hatte ein Tor erzielt, welches aber ob einer Abseitsstellung nicht z\u00e4hlte. Ich wanderte zu meinem Platz &#8211; und wer stand nun dort neben Pia? Bernd Nickel &#8211; neben Grabi und Holz der Mann, der meine Fu\u00dfballjugend und -leidenschaft \u00fcber ein Jahrzehnt ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt waren nat\u00fcrlich im Eintracht-Museum schon ganz viele Gr\u00f6\u00dfen zu Gast gewesen, der Grabi, der Holz, die Neunundf\u00fcnfziger, die \u00dcbersteiger, Uli Stein oder Thommy Rohrbach &#8211; einer aber hatte \u00f6ffentliche Auftritte gemieden, wie der Frankfurter den Bieberer Berg, klar Dr. Hammer, obgleich er schon von vielen Seiten bekniet wurde, im Museum vorbei zu schauen. Wir hatten uns im Rahmen des Freundschaftsspieles der Eintracht gegen Valencia kurz kennen gelernt, so begr\u00fc\u00dfte ich ihn, derweil Messi das 2:0 machte. Alsbald verbrachte ich die komplette zweite H\u00e4lfte im fachkundigen Gespr\u00e4ch mit einem meiner Jugendidole, der es unverst\u00e4ndlicher Weise nur zu einem einzigem L\u00e4nderspiel gebracht hatte, damals 1974 auf Malta. Wer wei\u00df, wie die internationale Karriere von Bernd Nickel verlaufen w\u00e4re, h\u00e4tte Grabi seine Karriere im DFB-Dress nicht schon nach der WM 1974 beendet. So aber war die Bayern Dominanz jener Jahre zu stark, selbst Charly K\u00f6rbel brachte es nur auf sechs L\u00e4nderspiele &#8211; einzig Holz durfte bis Cordoba 1978 regelm\u00e4\u00dfig ran. In Malta aber standen mit Nickel, K\u00f6rbel und Holz gleich drei Frankfurter auf dem Platz. Auf dem Hartplatz in La Valetta.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also, beschweren konnte ich mich \u00fcber meine Erlebnisse w\u00e4hrend des L\u00e4nderspieles bislang nicht, obgleich ich es mit Nationalit\u00e4ten und so nicht so habe und ein L\u00e4nderspiel mir ob der Inszenierung eher Bauchschmerzen verursacht &#8211; aber so ist das nat\u00fcrlich was anderes. Das Spiel verflachte nun zusehends, 10 Deutsche fanden gegen die &#8211; man muss es sagen &#8211; Gauchos kein Durchkommen, ein Drei\u00dfigmeterschuss von diMaria wuppte schnurstracks zum dreinull ins Netz, ehe H\u00f6wedes per Kopf zum 1:3 Endstand traf. Da war die Fu\u00dfballstimmung im weiten Rund schon recht ged\u00e4mpft. Munter wurde es erst wieder als ein angezogener Flitzer \u00fcber den Platz sauste, Messi abklatschte und dann unter sanfter Mithilfe zweier Ordner den Platz verlie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlusspfiff, Ende, aus. Wir betrachteten das Treiben noch eine Weile, begr\u00fc\u00dften freudig Bernd Schneider, dessen tadellose Saison 98\/99 im Trikot der Eintracht ewig unvergessen bleiben wird und marschierten nach unten. Und urpl\u00f6tzlich fand sich Pia in den Armen von &#8230; Maradona wieder. Ich weckte den Paparazzi in mir, nestelte an der Kamera und dr\u00fcckte zwei Mal ab. Na, das war ja jetzt ein Ding. Pia und die Hand Gottes. Auf einem Bild. Ich schaute auf das Display und zuckte zusammen. Schwarz auf Schwarz &#8211; dazwischen &#8230; Schwarz. Irgendwie musste ich das Drehrad zu den Belichtungsoptionen verstellt haben &#8211; und wer mit einer Belichtungszeit von 1\/800 in geschlossen R\u00e4umen fotografiert, der darf sich nicht wundern. Toller Paparazzi in mir. Aber das Erlebnis nimmt Pia niemand mehr &#8211; und immerhin konnte ich mithilfe digitaler Manipulation doch noch was aus dem Bild rausholen. Sieht zwar jetzt \u00e4sthetisch aus wie ein Fahndungsfoto der RAF zu Beginn der Siebziger &#8211; aber was solls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachtrag<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie aus wohl informierten Kreisen berichtet wird, handelt es sich bei Maradona in Wirklichkeit wohl um <a href=\"http:\/\/maradona-double.de\/\" target=\"_blank\">Abi Atici<\/a>. Dies erkl\u00e4rt, weshalb sich meine Kamera verweigert hat. Aber lustig war es allemal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal hat so ein Job ja unbezahlbare Vorteile. Da im Museum der Eintracht vor Beginn des L\u00e4nderspieles zwischen Deutschland und Argentinien eine Veranstaltung \u00fcber die B\u00fchne ging, baumelte um meinen Hals ein Ausweis, der mir Zutritt zu allem m\u00f6glichen verschaffte. 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