{"id":5804,"date":"2012-08-08T12:32:22","date_gmt":"2012-08-08T10:32:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5804"},"modified":"2012-08-08T13:06:18","modified_gmt":"2012-08-08T11:06:18","slug":"i-am-going-i-am-going","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5804","title":{"rendered":"I am going, I am going &#8230; Die Pogues in K\u00f6ln"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Last night as I slept <\/em><br \/>\n<em>I dreamt I met with behan <\/em><br \/>\n<em>I shook him by the hand and we passed the time of day <\/em><br \/>\n<em>When questioned on his views <\/em><br \/>\n<em>On the crux of life&#8217;s philosophies <\/em><br \/>\n<em>He had but these few clear and simple words to say<\/em><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal schlie\u00dft sich der Kreis auf seltsame Art und Weise. Neulich waren wir auf einem Festival auf der Loreley. Und diese liegt bekanntlich am Rhein. Und \u00fcber jene Loreley gibt es einen Song von den Pogues. Und jene Pogues gaben am 7. August ein Konzert in K\u00f6ln. Und jenes K\u00f6ln liegt bekanntlich am Rhein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gPPscelHVhA\" target=\"_blank\">Dienstag morgen<\/a>, der Tag beginnt gut. Der Golf springt n\u00e4mlich an. Dies macht er seit geraumer Zeit nicht immer und wenn er l\u00e4uft &#8211; lass ihn laufen. Ich hole Pia im Bahnhofsviertel ab, an der Messe vorbei geht es Richtung A66, die Tanknadel n\u00e4hert sich den unteren Bereichen, somit hei\u00dft es Tanken mit laufendem Motor, der Liter f\u00fcr 1,62 &#8211; Unterwegssein will bezahlt werden. An der Tankstelle sitzen zwei junge Menschen, in der Hand ein Schild mit <em>D\u00fcsseldorf or next Gas Station<\/em>, die beiden machen einen netten Eindruck, wir nehmen sie mit, verstauen die Rucks\u00e4cke im Kofferraum. Bis nach Amsterdam geht unsere Reise zwar nicht &#8211; aber bis kurz vor K\u00f6ln ist ja auch ein gutes St\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Any which way the wind may be blowing <\/em><br \/>\n<em>I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Where streams of whiskey are flowing<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rauf auf die A3, unsere Mitreisenden kommen aus Portugal, der Versuch, von dort zu trampen war fehl geschlagen, der Flieger brachte sie nach Frankfurt &#8211; und nun Daumen im Wind. Seit zwei Stunden hingen sie an der Tanke fest, nun endlich die richtige Richtung. Der Golf schnurrt, die Pogues musizieren, die Autobahn ist frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>I have cursed, bled and sworn <\/em><br \/>\n<em>Jumped bail and landed up in jail <\/em><br \/>\n<em>Life has often tried to stretch me <\/em><br \/>\n<em>But the rope always was slack <\/em><br \/>\n<em>And now that I&#8217;ve a pile <\/em><br \/>\n<em>I&#8217;ll go down to the chelsea <\/em><br \/>\n<em>I&#8217;ll walk in on my feet <\/em><br \/>\n<em>But I&#8217;ll leave there on my back<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir bringen die beiden nicht ganz nach K\u00f6ln, an der Rastst\u00e4tte Siegburg halten wir an, dort ist die M\u00f6glichkeit, einen Anschlusslift in die Niederlande zu bekommen wahrscheinlicher, urlaubende Landsleute m\u00f6gen noch ein Pl\u00e4tzlein frei haben. Wir verabschieden uns und wenige Kilometer sp\u00e4ter rollen wir in K\u00f6ln ein. Da das Konzert im Tanzbrunnen ist, also auf der rechtsrheinischen Seite halten wir die Augen nach einem Parkplatz offen &#8211; in K\u00f6ln ein schwieriges Unterfangen, auch in Deutz. Es gibt so gut wie keine \u00f6ffentlichen Stellfl\u00e4chen, entweder Anwohner oder Parkschein. Wir gondeln ein paar Meter durch Deutz, landen am j\u00fcdischen Friedhof und entdecken dort tats\u00e4chlich eine freie Fl\u00e4che. Der Golf wird hier bleiben, wir stellen den Motor ab &#8211; nun bleibt die Hoffnung auf den Abend und den guten Willen des silbernen Wagens.<\/p>\n<p><em>Because I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Any which way the wind may be blowing <\/em><br \/>\n<em>I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Where streams of whiskey are flowing<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist noch keine 14 Uhr, Zeit zum Marschieren. Das Wetter meint es gut mit uns, es <a href=\"http:\/\/www.lyricsfreak.com\/p\/pogues\/rain+street_20109721.html\" target=\"_blank\">regnet <\/a>nicht. \u00dcber die Deutzer Br\u00fccke geht es vorbei am eingest\u00fcrzten Stadtarchiv Richtung Chlodwigplatz &#8211; und immer wenn ich dort bin, f\u00e4llt mir das Lied <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=neSMdXxhILk\" target=\"_blank\">Bahnhofskino <\/a>von Bap ein, wie ich damals in meinem Jugendzimmer lag und auf ein Leben tr\u00e4umte, das angst- und verhei\u00dfungsvoll noch vor mir lag. Gro\u00dfe Welt: Die Stra\u00dfenbahn am Chlodwigplatz.<\/p>\n<p><em>Oh the words that he spoke <\/em><br \/>\n<em>Seemed the wisest of philosophies <\/em><br \/>\n<em>There&#8217;s nothing ever gained <\/em><br \/>\n<em>By a wet thing called a tear <\/em><br \/>\n<em>When the world is too dark <\/em><br \/>\n<em>And I need the light inside of me <\/em><br \/>\n<em>I&#8217;ll walk into a bar <\/em><br \/>\n<em>And drink fifteen pints of beer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter bei <a title=\"Habibi\" href=\"http:\/\/www.habibi-koeln.de\/\" target=\"_blank\">Habibi <\/a>die Falaffel, runter durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone zum m\u00e4chtigen Dom, unfassbar die <a href=\"http:\/\/www.dieterwunderlich.de\/Schaetzing_tod_teufel.htm\" target=\"_blank\">Bauleistung<\/a> in einer Zeit in der der Mensch so klein und Gott gr\u00f6\u00dfer als Geld schien. Weiter unten der Rhein, vom Bahnhof kommend die eiserne Br\u00fccke. ICEs schleichen dar\u00fcber hinweg und unz\u00e4hlige Schl\u00f6sser s\u00e4umen den Zaun, Schl\u00f6sser, welche die Liebenden einst dort anbrachten, Schl\u00f6sser, die nun dem Wind und dem Wetter ausgesetzt sind, wie die Liebe und die langsam verrosten und verrotten &#8211; wie so manche Liebe, wenn man nicht aufpasst. Ich versuche aufzupassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Any which way the wind may be blowing <\/em><br \/>\n<em>I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Where streams of whiskey are flowing<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Rheinseite wandern Konzertbesucher Richtung Tanzbrunnen, man erkennt sie an den ergrauten Haaren, den verwaschenen Tourshirts der vergangenen Jahrzehnte und an einer Flasche Bier in der Hand. Ich glaube, letztmals habe ich die Pogues Ende der Achtziger gesehen, damals bin ich extra aus M\u00fcnchen, wo ich f\u00fcr ein paar Wochen arbeitete, nach Frankfurt gefahren, besser nach Offenbach um noch in der gleichen Nacht nach Rosenheim zur\u00fcck zu kehren. Als ich mitten in der Nacht\u00a0 in der Pension ankam war alles verschlossen und es gab ein Mordstheater als ich klingelte. Damals war Shane McGowan ein junger d\u00fcrrer Mann mit gro\u00dfen Ohren und merkw\u00fcrdigen Z\u00e4hnen. Ich war ein merkw\u00fcrdiger junger Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem Tanzbrunnen liegen die Rheinterassen, Strandk\u00f6rbe mit Blick auf den Rhein und den Dom. Niemand jedoch tummelte sich dort in diesem Sommer, der eigentlich keiner ist. Wir spazierten zum Messegel\u00e4nde und dann zum Eingang zur\u00fcck. Ohne gro\u00dfes Gedr\u00e4ngel gings auf das Gel\u00e4nde, Open Air. M\u00e4chtige Sonnenschutzschirme entwuchsen dem Boden vor der B\u00fchne &#8211; selbst wenn es regnen sollte, blieben wir einigerma\u00dfen gesch\u00fctzt, das Bier zu vier Euro, der Becher mit Pfandmarke. Die meisten der Besucher hatten die Pogues wohl gleichfalls vor \u00fcber zwanzig Jahren schon gesehen, ein Panoptikum der Zeit und ein Blick in die Gesichter verr\u00e4t, dass jene Zeit uns alle in Beschlag genommen hat, uns gezeichnet hat und dennoch das Hier und Jetzt mit uns statt findet. Nicht jeder hat es bis hierhin geschafft. Eine Frau beschwert sich, als ich mich vor sie stelle, damit muss sie leben. Alte Oper geht anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen halb acht geht es los; <em>Straight to hell <\/em>von Clash verk\u00fcndet den bevorstehenden Auftritt. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1srvTTI1Wy8\" target=\"_blank\">Go straight to hell boys, go straight to hell<\/a> &#8230; <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joe_Strummer\" target=\"_blank\">Joe Strummer <\/a>hat selbst mit den Pogues gespielt, seit bald zehn Jahren schon hat er seinen finalen Zug genommen, wo auch immer er jetzt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann kommen sie, die Pogues, die seit 1995 keine neue Platte mehr ver\u00f6ffentlicht haben und es geht los mit <a title=\"Streams\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Yt6osXyGJwI\" target=\"_blank\">Streams of Whiskey<\/a>; der vordere Bereich f\u00e4ngt an zu pogen, Bierbecher fliegen (ohne Pfandmarken) und Shane Mc Gowan kommt wacklig auf die B\u00fchne, leichenblass, begr\u00fc\u00dft M\u00fcnchen, trinkt Gin und h\u00e4lt sich am Mikro fest. Ich bin nah dran, doch zu weit f\u00fcr meine kleine Kamera.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Any which way the wind may be blowing <\/em><br \/>\n<em>I am going, I am going <\/em><br \/>\n<em>Where streams of whiskey are flowing. <strong>(<em>Streams of whiskey<\/em>)<\/strong><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>If I should fall from grace with god<\/em> folgt und die Herren auf der B\u00fchne versetzen die Besucher in Exstase, \u00e4ltere Herren schubsen sich wie einst im Mai, Bierduschen und der \u00e4ltere Herr in mir wippt grinsend mit. Pia lacht. Nach ein paar Songs verschwindet Shane von der B\u00fchne &#8211; aber alles im gr\u00fcnen Bereich, <em>Tuesday morning<\/em> wird sowieso von Spider Stacy gesungen, dem Mann mit der Tin Whistle. Jedes Pogues-Konzert ist immer ein Best of &#8230; auch wenn nat\u00fcrlich nicht alles gespielt werden kann.<em> Greenland Whale Fisheries, Sick Bed of Cuchulainn, Sally Mc Lenanne, Dirty Old Town, Sunny Side of the street<\/em> &#8211; ein Song jagt den n\u00e4chsten, Jim Finer am Banjo beh\u00e4lt stoisch die \u00dcbersicht, James Fearnley bearbeitet sein Akkordeon, Andrew Ranken hinter den Drums, Philip Chevron an der Gitarre ebenso wie Terry Woods und am Bass Daryl Hunt &#8211; die Besetzung, die seit \u00fcber zehn Jahren wieder tourt. Der Sound ist nicht all zu laut, manchmal klingt das ganze etwas wacklig &#8211; aber es passt zu Shane McGowan, dem tragischen Trinker mit der gro\u00dfen Poesie der Stra\u00dfe, der es aber bislang geschafft hat, den Weg straight to hell zu vermeiden. Gut sieht er nicht aus, aber er ist da, das z\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach nicht ganz einer Stunde ist der Auftritt zu Ende, aber die Jungs kommen wieder &#8211; und beenden ihren Auftritt in K\u00f6ln mit dem grandiosen <a title=\"Fiesta\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ifO7AwBtNjE\" target=\"_blank\">Fiesta<\/a>. Die Musik geht an, B\u00fchnenarbeiter beginnen mit dem Abbau, der Ausflug in die gegenw\u00e4rtige Vergangenheit ist vorbei. Immerhin erstehe ich ein Tourshirt von einem fliegenden H\u00e4ndler, f\u00fcr 15 Euro ein St\u00fcck sichtbare rebellische Wildheit.\u00a0 Zur\u00fcck am Rhein wandern wir Richtung Parkplatz, die untergehende Sonne taucht Dom und Eisenbahnbr\u00fccke in ein Sp\u00e4tsommerlicht, der Golf steht noch &#8211; und er springt anstandslos an. Die n\u00e4chtliche Autobahn ist wenig befahren, wir rollen zur\u00fcck nach Frankfurt, auf den Lippen ein Lied und die Gewissheit im Hirn, dass es unser Leben ist, welches wir gerade leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><\/em><em>On the first day of march it was raining<br \/>\nIt was raining worse than anything that I have ever seen<br \/>\nI drank ten pints of beer and I cursed all the people there<br \/>\nAnd I wish that all this raining would stop falling down on me<\/em><\/p>\n<p>And it&#8217;s lend me ten pounds, I&#8217;ll buy you a drink<br \/>\nAnd mother wake me early in the morning <a title=\"Boys\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=syVVo3jP9nM\" target=\"_blank\"><strong>(Boys from the county hell)<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Last night as I slept I dreamt I met with behan I shook him by the hand and we passed the time of day When questioned on his views On the crux of life&#8217;s philosophies He had but these few clear and simple words to say<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5808,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[10,12],"tags":[1213,1214,1123,1211,1212],"class_list":["post-5804","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-photographie","category-wortwelt","tag-bap","tag-chlodwigplatz","tag-koln","tag-tanzbrunnen","tag-the-pogues","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5804"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5804\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5812,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5804\/revisions\/5812"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}