{"id":5549,"date":"2012-05-30T17:50:43","date_gmt":"2012-05-30T15:50:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5549"},"modified":"2012-05-31T11:44:39","modified_gmt":"2012-05-31T09:44:39","slug":"die-katze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5549","title":{"rendered":"Die Katze"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Dunkelheit legte sich \u00fcber das Tal, leise m\u00e4anderte der Flu\u00df an der alten M\u00fchle vorbei, die Felsen in der H\u00f6he aber wachten ebenso wie der steinerne Turm \u00fcber die Menschenseelen, die in den H\u00e4usern schliefen und tr\u00e4umten und nicht genau wussten, ob sie an die Gerechtigkeit Gottes glauben sollten, denn zuviel Leid hatte er \u00fcber sie gebracht in all der Zeit, die vergangen scheint. <!--more-->Obgleich sie <em>Beten und Arbeiten<\/em> auf ihre Fahnen geschrieben hatten, so waren ihre Gebete folgenlos geblieben und die Arbeit hatte sie zerm\u00fcrbt, zumindest diejenigen, die in diesem Leben niemals Herr sein werden, das Knechtsein aber dennoch satt hatten und keinen Ausweg mehr fanden aus einer Welt, in welche sie sich vom Schicksal geworfen glaubten, das sie Gott nanten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von S\u00fcden her hatten sich zwei Wanderer dem Dorf gen\u00e4hert und fast alles hatten sie gesehen. Sie hatten am Fluss gesessen, vom Turm her das Dorf in der Nacht beobachtet und droben auf den Felsen auf dem gegen\u00fcberliegenden Berg in der alten Holzh\u00fctte den Blick \u00fcber die D\u00e4cher des Ortes und den Verlauf des Flusses schweifen lassen. Sorglos waren die Tage h\u00e4tte man meinen k\u00f6nnen, wenn allein auch nur die Kinder sorglos zu nennen sind, denn sie haben noch kein Wort daf\u00fcr und doch eine Ahnung dessen was dunkel kommen wird, die Angst vor der Nacht und der Wunsch nach einem Etwas, das nicht existiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wanderer aber hatten mit den Augen einen in die Felsen geschlagenen und mit Holz verbauten Ausguck entdeckt, doch so sehr sie auch suchten, so fanden sie keinen Weg, der dort hinauff\u00fchrte. Seit sie den Fluss \u00fcberquert hatten, begleitete sie eine Katze, die sich von Zeit zu Zeit ins Geb\u00fcsch schlug und doch stets den Weg zur\u00fcck zu den beiden freundlichen Gesellen fand. In sicherer Entfernung zottelte sie hintendrein und es schien, als h\u00e4tte ein sanftm\u00fctiges Wort den Ausschlag gegeben. &#8222;Komm Katze, wenn du schon umherschleichst, so zeige uns wenigstens den Weg zum Ausguck&#8220;, meinte einer der beiden im Scherz, denn sie hatten die Hoffnung nicht aufgegeben, obgleich bei allem Suchen sich kein Weg offenbarte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich hallten Schl\u00e4ge durch die Nacht; im Nachbardorf ging die Kirchweih zu End und aus diesem Anlass z\u00fcndeten die Einheimischen ein Feuerwerk, auf dass die b\u00f6sen Geister vertrieben und im n\u00e4chsten Dorf ihr Unwesen treiben m\u00f6gen. Just als die Wanderer auf der Stra\u00dfe unter dem Ausguck standen, trat &#8211; angelockt von den donnernden Schl\u00e4gen &#8211; ein Mann auf den Vorbau am Haus und blickte hin\u00fcber zum ungewohnten L\u00e4rm. Einer der beiden Wanderer, es war die Frau, die so freundlich zur Katze gesprochen hatte, fasst sich ein Herz und befragte den Mann, ob es einen \u00f6ffentlichen Weg hinauf zum Ausguck geben w\u00fcrde, was dieser verneinte. Doch ein guter Geist wohnte in ihm und so sprach er, ob die Wanderer dennoch einen Blick hinein werfen m\u00f6gen, was diese freundlich bejahten. &#8222;So steigt die Stufen hinauf&#8220;, meinte er und verwies auf eine h\u00f6lzerne Treppe, die schnurstracks zum hinteren Bereich des Hauses f\u00fchrte, ein Hinweis, dem die beiden gerne nachkamen. Kaum standen sie hinter dem Haus, entdeckten sie in den Fels geschlagene Stufen und schon war der Mann zur Stelle und trug in der Hand eine kleine Laterne, mit der er nun den Weg die Steinstufen hinauf wies. Die Katze schlich still hintendrein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach wenigen Metern erreichten sie den in den Fels geschlagenen Ausguck, der einem h\u00f6lzernen Pavillon glich. Schwer hing er \u00fcber dem Hang, gest\u00fctzt durch einen massiven Balken und kaum hatte der Mann die T\u00fcre ge\u00f6ffnet, so bot sich ein atemberaubender Ausblick \u00fcber das Dorf. Es war der Vater des Mannes, der das Werk einst vollbracht hatte und dessen Vater wiederum hatte das Haus gebaut, dessen Grundlagen wiederum vom Vater des Vaters des Vaters gelegt wurden. So schilderte der Mann seinen G\u00e4sten freundlichen Wortes die Geschichte und die Vorgeschichte, die gepr\u00e4gt war von schwerer Arbeit. Jede Ebene wurde dem Fels mit blo\u00dfen H\u00e4nden abgerungen, die Katze aber schlich in den Pavillon und wurde mit einem harschen Wort verjagt. &#8222;Geh\u00f6rt die zu euch?&#8220;, fragte der Mann und die Wanderer antworteten wahrheitsgetreu, dass der leise Gesell ihnen vom Fluss her gefolgt und zuvor nicht bekannt gewesen sei. &#8222;Die habe ich hier noch nie gesehen&#8220;, wunderte sich der Mann und erz\u00e4hlte, wie er nun selbst den Pavillon erneuern w\u00fcrde und dies nach seinem Tagwerk, so dass es keinen freien Moment g\u00e4be, nicht am Sonn- und nicht am Feiertag. Nur wenn die Nacht hereinbricht, so verschl\u00e4gt es ihn von Zeit zu Zeit in die Brauerei am Ort auf einen Krug Bier, vielleicht auch zwei, keinesfalls mehr, denn bei Sonnenaufgang sei die Nacht zu Ende und es k\u00e4me ein neuer arbeitsreicher Tag, wie ihn schon der Vater und der Gro\u00dfvater und auch dessen Vater gelebt h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Zeit gekommen war, verabschiedeten sich die Wanderer und bedankten sich f\u00fcr das au\u00dfergew\u00f6hnliche Erlebnis und den Nachtblick \u00fcber das Dorf, derweil der Mann den Pavillon verschloss und mit der Laterne den Weg die Stufen hinab zum Haus beleuchtete. So ging ein jeder seines Wegs, der eine zur Ruhe in die Nacht und die Wanderer auf einen Krug Bier in die Wirtschaft am Fluss, die zu sp\u00e4ter Stunde noch ge\u00f6ffnet hatte. Und kaum hatten sie ein dunkles Bier bestellt, huschte die Katze wieder herbei, sprang auf das Gel\u00e4nder und warf den Wanderern einen letzten Blick zu, als wollte sie sagen: &#8222;Mein Werk ist getan, ihr seid freundlich zu mir gewesen und also zeigte ich euch den Weg hinauf zum Ausguck, jetzt aber gehts hinaus in die Welt.&#8220; Die Wanderer sahen sich an und sie wussten, was zu tun war. Sie bedankten sich bei der Katze und hoben den Krug auf sie, auf den Mann und auf den Glauben an ein Schicksal, dessen Herr wir niemals sein werden. Sp\u00e4t in der Dunkelheit f\u00fchrte ihr Schritt sie weiter auf die Wege, die sie gehen werden. Die Katze aber wurde im Dorf nie mehr gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dunkelheit legte sich \u00fcber das Tal, leise m\u00e4anderte der Flu\u00df an der alten M\u00fchle vorbei, die Felsen in der H\u00f6he aber wachten ebenso wie der steinerne Turm \u00fcber die Menschenseelen, die in den H\u00e4usern schliefen und tr\u00e4umten und nicht genau wussten, ob sie an die Gerechtigkeit Gottes glauben sollten, denn zuviel Leid hatte er [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5550,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[623,12],"tags":[1127,1130,277,367,1129,1854,1128],"class_list":["post-5549","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-schwarze-romantik","category-wortwelt","tag-fluss","tag-gott","tag-katze","tag-nacht","tag-schicksal","tag-schwarze-romantik","tag-wanderer","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5549","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5549"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5549\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5574,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5549\/revisions\/5574"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5550"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}