{"id":5486,"date":"2012-05-16T11:22:27","date_gmt":"2012-05-16T09:22:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5486"},"modified":"2012-05-16T11:51:07","modified_gmt":"2012-05-16T09:51:07","slug":"randale-gewalt-emporung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5486","title":{"rendered":"Randale. Gewalt. Emp\u00f6rung."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint, als spitze sich eine Situation zu, die medial gemein als Randale definiert wird und vermeintlich kaum einen anderen Begriff zul\u00e4sst. Der vermeintlich objektive Zuseher ist zunehmend emp\u00f6rt, fordert virtuell Sanktionen und distanziert sich von Allem und Jedem.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klar, es geht um Pyrotechnik beim Fu\u00dfball, es geht um Platzst\u00fcrme &#8211; sprich, es geht um all die Bilder, die uns in letzter Zeit erreichten &#8211; medial ganz schnell als Form von Randale und Gewalt, gar Kriminalit\u00e4t definiert. Und jeder Auftritt dieser Art wird uns als neue Form der Gewalt verkauft, als etwas Einzigartiges, das es gilt massiv zu sanktionieren. Erstaunlicherweise geht kein Aufschrei durch die Welt, wenn wirklich etwas Schreckliches passiert, bei all den Toten im sogenannten Drogenkrieg in Mexiko, bei den politischen Ereignissen in Syrien, selbst bei national befreiten Zonen im eigenen Land bleibt es merkw\u00fcrdig ruhig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt im Widerstreit gewaltiger Interessen, deren Darstellung gepr\u00e4gt sind von der jeweiligen Lobby. So akzeptieren wir einen &#8222;Normalzustand&#8220; da wir es nicht anders gewohnt sind und emp\u00f6ren uns, wenn der vermeintliche Normalzustand anders daherkommt, wenn etwas geschieht, das nicht dem Gewohnten entspricht, unabh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t. So ist f\u00fcr uns die massenhafte qu\u00e4lerische Tierhaltung, die maschinelle Verwertungsindustrie von Rindern, Schweinen und H\u00fchnern v\u00f6llig egal, wir gehen in die Superm\u00e4rkte und kaufen ohne schlechtes Gewissen abgepacktes Fleisch und belegen die Brote unserer Kinder damit. Soll aber ein einziges Tierindividuum auf einer B\u00fchne geopfert werden, so schreien wir auf und definieren die Verrohung der Welt, die aber tagt\u00e4glich nichts anderes als Verrohung pr\u00e4sentiert, rechtfertigt durch die Notwendigkeit des eigenen Lebensunterhaltes durch Arbeit, welches den eigenen Zusammenhang im Weltenlauf nicht hinterfragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Geiste aber denken wir uns eine heile Welt, die ruhig und im Fluss daherkommt, das samstagnachmitt\u00e4gliche Dahind\u00fcmpeln bei Sonnenschein und mildem Wind, spielende Kinder im Garten, leises Rauschen der Bl\u00e4tter und genug zu Essen und Trinken und eine Fernbedienung ganz nah am Grill. Nat\u00fcrlich ist dies eine sch\u00f6ne Vorstellung, allein, es ist blo\u00df ein Ausschnitt, der alles notwendig dem Werden innewohnende Zerst\u00f6rende ausblendet. Eine Illusion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich beim Fu\u00dfball, der als Teilaspekt Gesellschaftliches nicht nur widerspiegelt, sondern gleicherma\u00dfen auch vorantreibt. Selbst in einer idealen Weltvorstellung beim Fu\u00dfball akzeptieren wir den Einfluss des Geldes als Notwendiges; die Werbebanner und Brustreklamen, die Business-Sitze und Logen &#8211; die allesamt im Rahmen eines Fu\u00dfballspieles nicht n\u00f6tig sind; bekanntlich brauchts eigentlich nur Spieler, Rasen, B\u00e4lle und Tore. Wie gro\u00df sind die Opfer, die direkt dem Einfluss von <a href=\"http:\/\/westendverlag.de\/westend\/buch.php?p=64\" target=\"_blank\">Gazprom<\/a>, dem Sponsor von Schalke 04 zuzurechenen sind. Wieviele Menschen durften im Zusammenhang mit der WM in S\u00fcdafrika nicht ihr gewohntes Leben leben, weil die Welt\u00f6ffentlichkeit antiseptische Bilder gezeigt bekommen sollte. Wieviel Geld wurden dort in neue Stadien gesteckt, die heute schon <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/fussball\/suedafrika-leere-fussballtempel-1611213.html\" target=\"_blank\">verrotten<\/a>, derweil gleich nebenan von <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1246542846877\/Armut-Aids-und-Krise\" target=\"_blank\">Armut, Aids und Krise<\/a> die Rede ist. Auch die tolle <a href=\"http:\/\/www.dw.de\/dw\/article\/0,,2606269,00.html\" target=\"_blank\">Olympiawelt <\/a>Chinas aus dem Jahr 2008, die so sch\u00f6ne Bilder in alle Welt projezierte, fusste auf Zwangsumsiedlungen und &#8211; Illusion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So akzeptieren wir eine illusion\u00e4re Weltdarstellung, weil es m\u00fchsam ist, den Hintergr\u00fcnden auf die Spur zu kommen. Und erst jetzt kommen Bilder ins Spiel, die unsere Illusion zerst\u00f6ren. Unsere Vorstellung einer illusion\u00e4ren\u00a0 heilen Fu\u00dfballwelt, die nicht heil ist. Dies beginnt bei den regelm\u00e4\u00dfig von <a href=\"http:\/\/www.jensweinreich.de\/tag\/fifa\/\" target=\"_blank\">Jens Weinreich<\/a> enth\u00fcllten Verhaltensweisen der Fifa und endet nicht zuletzt durch Fu\u00dfballfremdes in einem Stadionmagazin, in dem ein Flughafenbetreiber sich via Sponsoring das Recht zu politischer Propaganda erkauft hat. Skandalisiert aber wird etwas Anderes. Pyrotechnik und Platzsturm zum Beispiel z\u00e4hlen in der medialen \u00d6ffentlichkeit zum Allerschlimmsten, was dem gemeinem Familienvater und seinem Kinde angetan werden kann. Und jedes Mal wird uns eine neue historische Qualit\u00e4t verkauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon beim Endspiel um die S\u00fcddeutsche Meisterschaft 1931 wurde seitens der Anh\u00e4nger der unterlegenen Bayern aus M\u00fcnchen das Feld vor dem regul\u00e4ren Ende gest\u00fcrmt. Wer die Bilder vom Finale 1932 kennt, der wei\u00df, das Tausende auf dem N\u00fcrnberger Rasen die Meisterschaft der Bayern feierten. Nach dem Finale 1959 tragen Fans die Spieler auf dem Rasen umher. 1998, als die Fans der Eintracht durch ein 2:2 gegen Mainz 05 schon in der 89. Minute auf das Feld flitzten, wurde die Partie vor der Zeit abgepfiffen und ein Jahr sp\u00e4ter zeigten sich die Lauternbezwinger inmitten Tausender Fans auf dem Rasen des Waldstadions. Man muss dies alles nicht toll finden &#8211; aber neu ist hierbei gar nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erschreckend ist auch die mediale Bewertung immergleicher Bilder. Als die Eintracht in Aachen gewann, Fans auf den Platz flitzten und sp\u00e4ter auf dem Tor hockten, um sich ein Teil des Netzes abzuzwacken oder Rasenst\u00fcckchen mitzunehmen, dabei ein paar Werbebanden zu Bruch gingen, so sprach alle Welt von dem massiven Sachschaden und den ber\u00fchmten 75.000 Euro. Nach der Meisterschaft in Dortmund wurde unisono von freudiger Stimmung berichtet, die Bilder aber waren die gleichen. Als Frankfurter nach dem Spiel gegen 1860 auf den Platz rannten, geisterten vorrangig martialische Bilder durch die Gazetten, meist der junge Mann mit Sturmhaube und Fackel bzw. die Crew, die schnustracks auf die G\u00e4stekurve zurannte und nur durch die Polizei abgehalten werden konnte, irgendwas zu machen. Die anderen \u00fcber 50.000, die sich irgendwie anders verhielten, waren nicht der Rede wert, selbst die Tausende, die friedlich vor der Waldtrib\u00fcne feierten, fielen unter &#8222;&#8230; Ferner liefen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Szenenwechsel. D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem F\u00fchrungstreffer der Fortuna musste das Spiel f\u00fcr mehrere Minuten unterbrochen werden, da etliche Fackeln seitens der Herthafans auf das Spielfeld geworfen wurden. Das werde ich nie verstehen; in einer Situation, in der es ums sportliche \u00dcberleben geht, daf\u00fcr zu sorgen, dass die eigene Mannschaft in der Konzentration derartig irritiert wird, dass ein weiters Mosaiksteinchen zum Abstieg mutwillig in Kauf genommen wird. Mal ganz abgesehen davon, dass Fotografen und Ordner erheblichen Gefahren ausgesetzt werden und zudem der eigene Verein ganz sicher zur Kasse gebeten oder gar zur Aussperrung von Zuschauern verurteilt wird. Mit der Folge, demn\u00e4chst evtl. selbst drau\u00dfen bleiben zu m\u00fcssen. Wobei nat\u00fcrlich diese Art von Strafe h\u00f6chst fraglich ist; generell gilt v\u00f6llig zu Recht, dass ein \u00dcbelt\u00e4ter bestraft wird und so dieser nicht erwischt wird, man leidlich damit leben muss. Gleiches gilt f\u00fcr Serienm\u00f6rder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant dabei w\u00e4re nat\u00fcrlich eine Stellungnahme derer, die Fackeln und B\u00f6ller auf den Platz werfen. Weshalb macht ihr das? Sollte jemand diesen Text lesen und selbst geworfen haben, so m\u00f6ge er sich bitte bei mir melden. Das ganze bleibt selbstverst\u00e4ndlich hochanonym &#8211; mich w\u00fcrde die Motivation interessieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hochgradig skurrile Bilder spielten sich in D\u00fcsseldorf wenige Sekunden vor Ende ab, als die Fans schon vor dem Schlusspfiff auf den Platz geflitzt sind. Es waren keine Bilder der Randale, es waren D\u00fcsseldorfer, die in der Annahme, die Partie sei zu Ende und Fortuna aufgestiegen, feiern wollten. Ungl\u00fccklich f\u00fcr die Hertha, die ja zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges Tor gebraucht h\u00e4tte, um selbst <del>aufzusteigen <\/del>drinzubleiben. Wenige Tage zuvor hatte Manchester City die Meisterschaft in England durch zwei Tore in der Nachspielzeit errungen. Eine knifflige Situation, die einmalig und durch alle Beteiligten gerecht zu l\u00f6sen ist. Respekt geb\u00fchrt dabei Sascha R\u00f6sler, der sich mitten unter die Menschen mengte und diese aufforderte, auf die R\u00e4nge zur\u00fcckzukehren, w\u00e4hrend sich andere feige verpissten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie aber umgehen, mit Dingen, die vielschichtig sind und keine einfache Antworten zulassen. Gerne wird darauf hingewiesen, dass es eine L\u00f6sung sein k\u00f6nnte, die Stehpl\u00e4tze abzuschaffen, die Karten zu verteuern und den Einzelnen w\u00e4hrend eines Spiels st\u00e4rker zu kontrollieren. Dies mag f\u00fcr den Ablauf eines Fu\u00dfballspiels kurz gedacht daf\u00fcr sorgen, dass es beim Fu\u00dfball ruhiger wird, \u00fcbersieht aber v\u00f6llig, dass zum Einen die elementarste Gewalt in der Welt durch die Generierung von Geld ausge\u00fcbt wird (Stichwort Gazprom) und diese Form der Gewalt aber nur am Rande thematisiert wird. Geld, dass wiederum notwendig ist, um sich fortan Fu\u00dfballspiele leisten zu k\u00f6nnen. Und zum Anderen werden diejenigen, die sich den herrschenden Vorstellungen einer heilen Welt widersetzen, so sie nicht mehr zum Fu\u00dfball kommen dennoch nicht aus der Welt fallen. Das hei\u00dft nichts Anderes, als dass der Fu\u00dfball ein gesellschaftliches Problem an die Gesellschaft zur\u00fcck gibt &#8211; und die Folgen f\u00fcr alle Beteiligten weitaus gravierender sein werden, als es jetzt beim Fu\u00dfball der Fall ist. Radikale Gruppen, sei es relig\u00f6ser, sei es politischer Natur warten nur darauf, die Versprengten in ihre Obhut zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt zu tun? Orientierungssuchender Nachwuchs braucht Wesensgem\u00e4\u00dfe Angebote. Daf\u00fcr stehen nicht zuletzt die Fanprojekte, die finanziell stiefm\u00fctterlich behandelt werden, deren Mitarbeiter oft eine Ansprache finden und dem Nachwuchs gleichermma\u00dfen eine Heimat anbieten und Geborgenheit vermitteln k\u00f6nnen. In der Pflicht stehen aber auch die Medien, relative Banalit\u00e4ten nicht zu skandalisieren, um den Provokateuren keine B\u00fchne zu geben, denn nichts anderes ist ein B\u00f6ller. Eine Provokation. Und solange die Provokation z\u00fcndet und gestreut wird, um so st\u00e4rker hat sie funktioniert. Und um so st\u00e4rker besteht das Interesse, dies erneut zu tun. Dazu geh\u00f6rt aber auch seitens der Fans, den Kontakt zu den Medien zu suchen und eigene Inhalte zu vermitteln, den Schreibenden, Fotografierenden und Bildermachenden Argumente in die Hand zu liefern. Dies meint nicht, bspw. einen geworfenen B\u00f6ller zu verharmlosen &#8211; die Gefahr einer Verletzung besteht konkret; Torh\u00fcter Georg Koch musste seine Karriere deshalb beenden. Dies meint viel eher den Versuch all das Geschehene intelligent ins Verh\u00e4ltnis zu setzen. Nicht jeder Platzsturm ist Randale, nicht jede Fackel nackte Gewalt. Dies wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass selbst Werbepartner des DFB den Einsatz von Pyrotechnik in der Werbung als Stimmungsmittel verkaufen, wie <a href=\"http:\/\/blog.uebersteiger.de\/2012\/05\/09\/wenn-aus-rauch-nicht-randale-sondern-vorfreude-wird\/\" target=\"_blank\">Bitburger <\/a>in einem in Stadien gezeigten Werbespot. Der, wenn mich nicht alles t\u00e4uscht sogar direkt nach dem Halbzeitpfiff in Aachen, als kurz vorher eine Fackel auf&#8217;s Feld flog, gezeigt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt muss mit Zerst\u00f6rung, mit Gewalt und Nichtbegreifbaren leben, da f\u00fchrt selbst bei bestem Willen kein Weg daran vorbei. Einzig Toleranz, Kommunikation und Reflektion k\u00f6nnen dazu beitragen, die Ausw\u00fcchse im Rahmen zu halten. Je enger der G\u00fcrtel der Freiheit gezogen wird, umso st\u00e4rker sucht sich der Druck ein Ventil &#8211; es muss nicht beim Fu\u00dfball platzen. \u00dcber Fu\u00dfball aber besteht die M\u00f6glichkeit des Diskurses am Thema. Die Zuspitzung der Spirale der Gewalt aber fordert unweigerlich Opfer auf allen Seiten. Wenn nicht beim Fu\u00dfball, dann woanders &#8211; und wenn die Medien dies nicht beleuchten, so gibt es sie dennoch. Zu einer optionalen besseren Welt geh\u00f6rt aber auch, dass jede\/r einzelne in jedem Moment seines Daseins sein eigenes Verhalten in Bezug auf Doppelmoral, Heuchelei und dem Bezug mieser kleiner Vorteile \u00fcberpr\u00fcft &#8211; und im End anders lebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheint, als spitze sich eine Situation zu, die medial gemein als Randale definiert wird und vermeintlich kaum einen anderen Begriff zul\u00e4sst. 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