{"id":5473,"date":"2012-05-14T13:03:53","date_gmt":"2012-05-14T11:03:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5473"},"modified":"2012-05-14T13:12:21","modified_gmt":"2012-05-14T11:12:21","slug":"greif-greif-greif-uber-fusball-2000-und-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5473","title":{"rendered":"Greif. Greif. Greif. \u00dcber Fu\u00dfball 2000 und mehr."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Alles ist immer im Fluss; ein ewiglicher Prozess ohne Anfang und ohne Ende, das gro\u00dfe Werden ohne Ziel. Willk\u00fcrlich greifen wir uns Punkte hervor, markieren Einschnitte, Ausschnitte und versuchen das Gewordene zu erkl\u00e4ren.<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/wordpress\/img\/trans.gif\" alt=\"\" name=\"Grafik1\" width=\"1\" height=\"1\" align=\"BOTTOM\" border=\"0\" \/><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fu\u00dfball 2000, ein Begriff wom\u00f6glich gepr\u00e4gt vom Karlsruher Michael Harforth, der soeben in Frankfurt mit seinem KSC 1:0 gewonnen hat und dennoch best\u00e4tigt, dass die Eintracht Fu\u00dfball von einem anderen Stern spielt. Fu\u00dfball 2000.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Gast im Museum waren Manfred Binz, Ralf Falkenmayer, Dietmar Roth, Lothar Sippel und Ralf Weber &#8211; zusammen absolvierten sie weit \u00fcber eintausend Spiele f\u00fcr die Frankfurter Eintracht und alle standen an jenem 16. Mai 1992 auf dem Platz, als die Eintracht in Rostock die Meisterschaft verspielte. Damals, als Tausende von Fans voller Hoffnung an die Ostsee gefahren sind, damals, als Tausende den Paulsplatz s\u00e4umten und alle nur einen einzigen Traum hatten: Deutscher Meister 1992 &#8211; Eintracht Frankfurt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo beginnt die Geschichte? Vielleicht mit dem Klassenerhalt durch die Relegationsspiele gegen den 1.FC Saarbr\u00fccken. Nach einem 2:0 Hinspielsieg erzitterte sich die Eintracht an der Saar ein 1:2 und blieb dadurch erstklassig. Die Mannschaft um Trainer J\u00f6rg Berger hatte sich im letzten Moment gerettet und wurde im Sommer mit Spielern wie Uwe Bein, Ralf Falkenmayer und Lothar Sippel verst\u00e4rkt. Roth, Binz &#8211; aber auch Uli Stein geh\u00f6rten schon zu den Pokalsieger von 1988. Zwei Jahre sp\u00e4ter sollte die Eintracht auf dem dritten Platz landen und mit J\u00f6rn Andersen wurde erstmals ein Eintrachtler Torsch\u00fctzenk\u00f6nig in der Bundesliga. Im Sommer 1990 wechselte nicht nur Yeboah an den Main sondern ein &#8222;verlorener Sohn&#8220; kehrte zur\u00fcck, Andy M\u00f6ller. Und mit ihm wurde Klaus Gerster als Manager installiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einem desastr\u00f6sen 0:6 gegen den HSV endete die erste \u00c4ra J\u00f6rg Berger, v\u00f6llig \u00fcberraschend wurde Dragoslav Stepanovic als neuer Eintracht Trainer vorgestellt; ein Mann der zwar schon in der Weltauswahl Fu\u00dfball gespielt hatte, der aber als Trainer noch keine allzu gro\u00dfen Erfolge vorzuweisen hatte. Die Stationen hie\u00dfen Progress Frankfurt, FSV Frankfurt, Rot Wei\u00df Frankfurt und Eintracht Trier. Nun also Bundesliga.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Laune im Team stieg schlagartig, obgleich es eine Zeit brauchte, bis der geb\u00fcrtige Serbe mit seinem Dialekt die Spieler erreichte. Greif, greif, greif, rief er w\u00e4hrend des Trainings &#8211; und niemand wusste, was gemeint war &#8211; bis dann doch ein Lichtlein aufging. Permanentes Angreifen war gemeint. Und als Stepanovic vor einem Ausw\u00e4rtsspiel in Bremen deren Trainer Rehhagel als Mied bezeichnete, war guter Rat teuer &#8211; bis Dietmar Roth irgendwann die Erkenntnis \u00fcberfiel: Mied. Myth. Mythos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Saison 1991\/1992. Der Kern der Mannschaft bestand aus Stein &#8211; Bindewald &#8211; Roth &#8211; Binz &#8211; Weber &#8211; Falkenmayer &#8211; Bein &#8211; M\u00f6ller &#8211; Yeboah. Im Sturm stritten sich Kruse, Schmitt Sippel und der noch im September zur\u00fcck gekehrte J\u00f6rn Andersen um einen freien Platz, im Mittelfeld hingegen Gr\u00fcndel, Studer, Klein und der im Winter 1991 aus Mainz gekommene Frank M\u00f6ller.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fu\u00dfballerisch konnte keine andere Mannschaft der Eintracht in jenen Tagen das Wasser reichen, selbst bei Niederlagen attestierten die Gegner hochklassigen Fu\u00dfball &#8211; es waren au\u00dfersportliche Spannungen, die am Ende wohl ausschlaggebend waren, dass der ersehnte Titel letztlich nicht an den Main gewandert ist. Eine Truppe voller Typen und eigenwilliger Charaktere stand auf dem Platz, allen voran Uli Stein, der an guten Tagen ein Spiel ganz alleine entscheiden konnte, ein fu\u00dfballbesessener, der abends bei einem Wodka-Lemon die Jungs in den Arm nahm, um am folgenden Tag den gleichen Spieler mit der Wucht einer Dampframme zusammenzufalten und auch bei einem Trainingsspiel dazwischen ging, dass auch ein Uwe Bein wochenlang das Gespr\u00e4ch verweigerte. Ralf Falkenmayer, das technisch hoch veranlagte Laufwunder, konstatierte im Nachhinein, dass es vielleicht besser gewesen w\u00e4re, ab und an mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Doch Falke hielt sich zur\u00fcck.<em> Ich wollte doch nur Fu\u00dfball spielen. <\/em>Und Manni Binz stellte fest, dass Uli Stein bei der heutigen Medienpr\u00e4senz ob seiner Wortwahl w\u00e4hrend des Spiels heutzutage wohl nicht all zulange auf dem Platz stehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lothar Sippel, zu Beginn der Saison gesetzt und als Torsch\u00fctze durchaus erfolgreich, wurde von Stepi auf die Bank gesetzt, als er seinen Vertrag w\u00e4hrend der laufenden Saison noch nicht verl\u00e4ngert hatte. Unfreiwillig eroberte sich Sippel fortan den Ruf als effektivster Joker der Liga.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der sonst so besonnene Dietmar Roth geriet vor einem Spiel mit dem Trainer aneinander und wurde nun in die N\u00e4he der &#8222;Rebellen&#8220; um Gr\u00fcndel, Studer und Kruse ger\u00fcckt, mit denen Stepi phasenweise \u00fcberhaupt nicht mehr gesprochen hat; Uli Stein rangelte mit Andy M\u00f6ller, derweil sich Uwe Bein gegen Ende der Saison ebenso wie Uwe Bindewald mit Verletzungen herum plagte. Ralf Weber hingegen plagte sich mit den Schiedsrichtern &#8211; der nicht gegebene Elfer in Rostock war das dritte nicht gepfiffene elfmeterreife Foul an ihm im Laufe der Saison und selbst im vorletzten Spiel gegen Werder Bremen, als Uwe Bein kurz vor Ende umgesenst wurde, blieb ein Pfiff aus. Obgleich wir mit einem Mythos aufr\u00e4umen mussten: Lange hielt sich n\u00e4mlich das Ger\u00fccht, dass die Eintracht in der Saison 91\/92 keinen Elfmeter bekommen habe &#8211; doch zwei Mal versenkte Bein die Kugel aus elf Metern im Netz; beim 6:1 gegen die Stuttgarter Kickers wie beim Sieg \u00fcber Dynamo Dresden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Fakt, dass Andy M\u00f6ller im Falle einer Meisterschaft das f\u00fcnffache an Siegpr\u00e4mie bekommen h\u00e4tte, wie der Rest der Mannschaft, stellte Binz fest, dass dies unerheblich gewesen sei, immerhin h\u00e4tte M\u00f6ller eh das f\u00fcnffache verdient und Roth erg\u00e4nzte, dass ein Jeder selbst f\u00fcr seinen Vertrag verantwortlich gewesen sei und somit keinen Grund zur Klage gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Mannschaft in etlichen Spielen brillierte, so zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass es auch einige Spiele gab, in denen gegen klar unterlegene Mannschaften trotz \u00fcberlegenem Spiel kein Sieg heraus sprang. Dem Pokalaus gegen den KSC (0:1) folgte das aus im Uefa-Cup gegen Gent (o:o; o:1) und auch gegen abstiegsbedrohte Teams wie in Bochum, bei Borussia M\u00f6nchengladbach oder gegen Wattenscheid konnte die Eintracht nicht gewinnen. Dennoch war klar, dass bei einem Sieg bei Hansa Rostock der Titel erstmals seit 1959 an die Frankfurter Eintracht gehen w\u00fcrde. Jenes Rostock, dass in dieser Saison jedoch Bayern M\u00fcnchen gleich zwei Mal besiegen konnte und auch zuhause Stuttgart und Dortmund geschlagen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unisono best\u00e4tigten die Spieler, dass die Mannschaft vor dem Spiel hochkonzentriert war. Lutz Meinl, Physio zur damaligen Zeit, best\u00e4tigte dies, gab aber gleicherma\u00dfen zu Protokoll, dass die Funktion\u00e4re schon vor dem Spiel Meister waren. Entsprechend pr\u00e4sentierten sie sich am Abend im Hotel. T-Shirts und Postkarten waren gedruckt und schon vor Anpfiff pr\u00e4sent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal gibt es Spiele, in denen gelingt alles. Es entwickelt sich zu einem Selbstl\u00e4ufer und am Ende steht ein glanzvoller Erfolg. Und manchmal gibt es Spiele, da l\u00e4uft nichts und die Spieler geraten ins Denken. Und w\u00e4hrend gegen die Gedanken angek\u00e4mpft wird, verrinnt die Zeit und es l\u00e4uft nicht viel zusammen. So erkl\u00e4rte Dietmar Roth den Ablauf der Partie in Rostock. Als Beispiel sei eine Chance von M\u00f6ller genannt, die in 99 von 100 F\u00e4llen zu einem Tor f\u00fchrt &#8211; in Rostock versprang der Ball und die Chance war dahin. Allgemein wurden vor allem Ralf Weber und Ralf Falkenmayer genannt, die den unb\u00e4ndigen Willen zeigten, das Spiel gewinnen zu wollen. An M\u00f6ller lief die Partie vorbei, Uwe Bein fand nicht die gewohnten Anspielstationen und bei den Chancen war Rostocks Torh\u00fcter Hoffmann auf dem Posten. Sippels Treffer wurde wegen vermeintlichen Handspieles nicht anerkannt, Schmitts Schuss knallte an den Pfosten &#8211; wenn es nicht l\u00e4uft, dann l\u00e4uft es nicht. Immerhin, bei f\u00fcr Hansa g\u00fcnstigem Verlauf des letzten Spieltages, h\u00e4tte sich Rostock in der Liga halten k\u00f6nnen. Am Ende stiegen sie trotz des Sieges ab, da Wattenscheid gegen Gladbach gleichfalls gewann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kamen wir auf die omin\u00f6se 76. Minute zu sprechen, als Weber alleine auf das Tor zog und nur durch ein Foul des jetzigen DFB-U17-Trainers Stefan B\u00f6ger gebremst werden konnte. Alle wussten: Das war ein glasklarer Elfmeter. Nur einer nicht &#8211; ausgerechnet der Schiedsrichter Alfons Berg aus Konz. So blieb die Pfeife stumm und Ralf Weber konnte schon w\u00e4hrend des Spiels von Manni Binz nur mit M\u00fche daran gehindert werden, dem Mann in schwarz an den Kragen zu gehen. Nach Spielende klammerte sich Busfahrer Helmut Grievan an Weber und bewahrte ihn mit aller Kraft vor dem vorzeitigen Karriereende &#8211; und so ging nur eine Kamera zu Bruch und nicht Alfons Berg. Dass dieser sich im Nachhinein entschuldigte zeugte zwar von Gr\u00f6\u00dfe, brachte aber auch keinen Titel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Mannschaft dann im Bus Richtung Flughafen rollte, hielt der Wagen auf halber Strecke an. Stein und M\u00f6ller holten den Champagner hervor, und es begann die Frustbew\u00e4ltigung. Stein legte den Queen-Song <em>The show must go on<\/em> auf &#8211; und Ralf Weber sagt dazu heute:<em> Ich kann das Schei\u00dflied nicht mehr h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Feier im Sheraton-Hotel in Frankfurt fiel trist aus. Nur ein Bruchteil der geladenen G\u00e4ste war gekommen; der &#8222;Musterprofi&#8220; Manfred Binz betrank sich binnen kurzem mit einer Flasche Wodka, hockte dann erz\u00e4hlend auf dem Klo, um in der Nacht dann nicht wirklich zu schlafen und todm\u00fcde zeigte sich die Eintracht dann auf dem R\u00f6mer-Balkon. Und noch einmal brachen alle D\u00e4mme. Statt einer handvoll Fans war der R\u00f6merberg \u00fcbers\u00e4t mit Eintrachtlern, die eine fast tolle Saison zu w\u00fcrdigen wussten und die Mannschaft konnte kaum glauben, was sie dort erlebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Ende der hochemotionalen Saison wechselte Lothar Sippel nach Dortmund. Neulich, bei einem Benefizspiel, erkannte er im leitenden Schiedsrichter den Mann, der schon 1992 das Spiel gepfiffen hat. Und wieder versagte Herr Berg einen Elfmeter. Freunde werden die beiden wohl nicht mehr, \u00e4hnlich wie Ralf Weber, der den ausbleibenden Pfiff bis heute nicht verziehen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Binz, Falkenmayer, Roth und Weber z\u00e4hlten noch in der Saison 95\/96 zum Kader der Eintracht, die nach Saisonende erstmals in der Historie absteigen musste. Viele Spiele machten sie jedoch auf Grund von Verletzungen nicht; Weber kam sogar gar nicht zum Einsatz; Falke konnte nur 12 Spiele absolvieren. Traurig dann der Abschied von Ralf Falkenmayer und Manfred Binz. W\u00e4hrend Falke auf ein Angebot der Eintracht wartete, dass jedoch nie kam (er schlug sogar ein Angebot von Mainz 05 deshalb aus) und sich kurz vor Beginn dem damaligen Regionalligisten Eintracht Trier anschloss, wechselte Binz mehr oder weniger unfreiwillig nach Brescia, Italien. Statt eines Gespr\u00e4ches um einen angemessenen Zweitliga-Vertrag wurde ihm seitens der Eintracht mitgeteilt, dass er ja f\u00fcr 350.000 D-Mark nicht spielen w\u00fcrde &#8211; ein Antwort darauf wurde nicht abgewartet. Wer wei\u00df, wie sich die Eintracht entwickelt h\u00e4tte, w\u00e4ren beide Spieler auch in der ersten Zweit-Liga-Saison aufgelaufen, in der mit Bindewald und Roth immerhin noch zwei Spieler aus der Saison 91\/92 im Kader standen. Und ganz nebenbei sei erw\u00e4hnt, dass Oka Nikolov vor zwanzig Jahren als A-Jugendlicher erstmals bei einem Bundesligaspiel auf der Bank sa\u00df. Ersatztorh\u00fcter Thomas Ernst hatte sich vor dem Spiel gegen N\u00fcrnberg verletzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Berichte \u00fcber den Abend im Museum findet ihr in der <a href=\"http:\/\/www.fnp.de\/fnp\/sport\/special-eintracht\/die-eintracht-und-ihr-trauma_rmn01.c.9833092.de.html\" target=\"_blank\">Frankfurter Neuen Presse<\/a>, geschrieben von Horst Reber und auch Kerstin hat in ihrem Blog <a href=\"http:\/\/rotundschwarz-kd.blogspot.de\/2012\/05\/rostock-1992-das-ist-eine-mud-meer.html\" target=\"_blank\">rotundschwarz <\/a>den Gespr\u00e4chsverlauf und ihre Emotionen eindrucksvoll geschildert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fotos: Pia Geiger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles ist immer im Fluss; ein ewiglicher Prozess ohne Anfang und ohne Ende, das gro\u00dfe Werden ohne Ziel. 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