{"id":5217,"date":"2012-03-28T14:21:28","date_gmt":"2012-03-28T12:21:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5217"},"modified":"2012-03-29T00:10:34","modified_gmt":"2012-03-28T22:10:34","slug":"ick-war-fruher-ooch-ma-bei-die-hoolijans-wa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5217","title":{"rendered":"Ick war fr\u00fcher ooch ma bei die Hoolijans."},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Hustend marschiere ich mit einer Plastikt\u00fcte in der Hand Richtung Bornheim Mitte. Seit Tagen h\u00e4nge ich mehr oder weniger in den Seilen und jetzt bin ich auch noch alleine unterwegs, Pia bleibt in Frankfurt, die Arbeit, die Kids &#8211; manchmal muss man Priorit\u00e4ten setzen.<!--more--> Und somit bleibt auch der silberne Golf in der Stadt, die demn\u00e4chst seit \u00fcber 17 Jahren nicht mehr von einem CDU-B\u00fcrgermeister gef\u00fchrt wird. Frankfurt am Rhein wird es nicht geben.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Hustend ratter ich in der U4 sitzend Richtung Hauptbahnhof, Gewimmel und Gewusel und erst jetzt f\u00e4llt mir auf, dass die Bahn ja f\u00e4hrt. Hab mir trotz der Streiks der vergangenen Tag keinen Kopf gemacht &#8211; und Gl\u00fcck gehabt, in f\u00fcnfzehn Minuten bin ich am Bahnhof, wander durch die lichtdurchflutete Station Richtung S\u00fcdseite und treffe ein paar bekannte Gesichter. Viel ist noch nicht los, nur wenig sp\u00e4ter kommt er auch schon, der Bus, der uns nach Berlin bringen wird; Bembelbar und Geiselgangster &#8211; einige der Helden sitzen schon im Bus, kommend aus Sachsenhausen, eingelagert einige F\u00e4sser Apfelwein f\u00fcr das Fest am heutigen Abend. Bembelbar in Berlin. Dies verspricht lustig zu werden, zum Fu\u00dfball d\u00fcrfen wir ja nicht. Um dennoch nicht aufzufallen, sind wir inkognito unterwegs. Ab und zu spitzt ein Eintracht-Adler hervor, aber die meisten haben sich dran gehalten &#8211; auch wenn unser Akzent leicht verr\u00e4terisch daher kommt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In Bad Homburg machen wir kurz Station, Getr\u00e4nke wollen organisiert werden, auch Gabi wird noch eingeladen und dann rollt er los, der Bus nach Berlin, gef\u00fcllt mit \u00fcber drei\u00dfig Eintrachtfans, jeglichen Alters, Geschlechtes und jeglicher Herkunft. Gestrandete, Aufgestandene, Gezeichnete, Hoffnungsvolle, Brave &#8211; eine pralle Mischung Leben macht sich auf nach Berlin &#8211; obgleich der DFB verf\u00fcgt hat, dass bei dem Fu\u00dfballspiel zwischen Union und der Eintracht keine G\u00e4stefans zugelassen sind und die Frankfurter Eintracht offiziell davon abriet, zu fahren. Heut&#8216; sind wir inkognito. Buffo ist dabei, Adi nat\u00fcrlich, Sabine, Holger, Charly, Ruth, Jens und viele andere, die sich nicht aussperren lassen, die bei Wind und Wetter dabei sind.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bei strahlendem Sonnenschein geht&#8217;s auf die Autobahn, Kilometer um Kilometer wird abgespult, wir kommen gut voran, wenn da nur nicht die Pausen w\u00e4ren, die n\u00f6tig sind &#8211; unser Bus ist ein Linienbus und hat keine Toilette &#8211; wie immer. Daf\u00fcr kann geraucht werden &#8211; eine Option, die weidlich genutzt wird. Eine Gruppe Feldj\u00e4ger macht irgendwo Pause und wird von Buffo als &#8222;n Haufen Bullen, die uns beobachten&#8220; identifiziert. Leichte Nervosit\u00e4t macht sich breit, die in gelassenen Heiterkeit umschl\u00e4gt &#8211; die Feldj\u00e4ger k\u00fcmmern sich um alles m\u00f6gliche, nur nicht um uns. Mittlerweile war auch durchgedrungen, dass sich die Abfahrtszeit f\u00fcr die R\u00fcckfahrt um eine Stunde nach vorne verschoben hat. Ich rufe einen Kollegen an, der nur die R\u00fcckfahrt gebucht hat und teile ihm den Umstand mit. <em>H\u00e4h, wieso morgen? Morgen ist doch erst das Spiel &#8230;<\/em> war die Antwort. Oh, war sp\u00e4t gestern, schreib dir auf nen Zettel: Heute Abend: Fu\u00dfball.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">W\u00e4hrend sich der Fr\u00fchling aus dem Winter sch\u00e4lt, verlassen wir Hessen, rollen nach Th\u00fcringen, halten in Eisenach, wo Adi live den 11Freunden ein Telefoninterview gibt und halten kurz hinter Eisenach, um ein paar Nachz\u00fcgler aufzugabeln. Schusch st\u00f6\u00dft zu uns, ein weiterer, der in schwierigen Zeiten dabei ist. Hinten haben die Jungs ne kleine mobile Disco aufgebaut; eine Silberkugel dreht sich im Lichte und zum siebten Mal ert\u00f6nt Walk of Life von den Dire Straits, wir \u00fcberlegen uns Foltermethoden. Mittlerweile h\u00e4ngt am Fenster eine Fahne von Union Berlin, es wird nichts dem Zufall \u00fcberlassen. Leicht subversiv ist die ganze Tour schon, immerhin wissen wir nicht, wie die Staatsmacht reagiert. M\u00fcssen wir ab Potsdam wieder zur\u00fcck in die Heimat? Berlinverbot f\u00fcr alle?<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Bus zieht sich durch die Steppe Sachsen-Anhalts. Auf dem Rastplatz K\u00f6ckern-Ost kommt es f\u00fcr einige Teilnehmer einer Klassenfahrt zu einem traumatischen Zwischenfall. Neugierig beobachteten die Kids wie unser munteres Tr\u00fcppchen aus dem Bus f\u00e4llt, allen voran Adi. Nat\u00fcrlich zieht sein t\u00e4towierter Bauch die Blicke auf sich &#8211; und dann kommt, was kommen musste: <em>Adelmann, Adelmann, schenk uns einen Ausw\u00e4rtssieg<\/em> ert\u00f6nt es im Chor und peu a peu fallen alle H\u00fcllen. Und als die letzte H\u00fclle f\u00e4llt, kreischen die Klassenfahrt-M\u00e4dchen wie seinerzeit die erste Reihe eines Bay City Rollers Konzertes Mitte der Siebziger.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Weiter gehts durch Brandenburg, vorbei an Potsdam und dann passieren wir den Berliner B\u00e4ren, die alte Avus Trib\u00fcne und sind tats\u00e4chlich in Berlin. M\u00fchsam schieben wir uns durch den Berufsverkehr, dann \u00fcber die Stadtautobahn durch Kreuzberg und Neuk\u00f6lln, sp\u00e4ter Treptow, rechter Hand irgendwann die Kleingartenkolonie Stolz von Rixdorf und rollen endlich gegen 18:00 am Hotel an der Warschauer Stra\u00dfe ein, wo viele der Gruppe n\u00e4chtigen werden. Nach einem kurzen Stopp geht&#8217;s noch ein paar Meter weiter zur Gl\u00fchlampe, dem Ort der heutigen Bembelbar. Wir purzeln aus dem Bus, sagen Hallo und g\u00f6nnen uns ein Astra. Zivilpolizei besucht uns auff\u00e4llig unauff\u00e4llig , wir aber sind brav und singen keine schmutzigen Lieder.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wenig sp\u00e4ter kommen auch schon Andi, Arne und Holger aus Kreuzberg anmarschiert, schusch und ich schlie\u00dfen uns an und schlagen uns durch zum <del>Ostbahnhof<\/del> Ostkreuz. Jede Menge Unioner sind unterwegs, dazwischen ein Haufen Unidentifizierbare &#8211; zumindest solange sie schweigen. Wir quetschen uns in die S-Bahn, fahren ein paar Stationen und steigen mit allen anderen in K\u00f6penick aus. Irgendwo dampfen Bratw\u00fcrste, wird Bier verkauft, w\u00e4hrend wir gem\u00e4chlich zur Alten F\u00f6rsterei schlendern. Ein Wahnsinnspaziergang wird es nicht werden, wir m\u00fcssen ja nicht zu den weiter entfernten G\u00e4stebl\u00f6cken, nein wir stehen sp\u00e4ter brav im Sektor 3 und werden sehen, was passiert. Flutlichtmasten ragen in den blauen Nachthimmel.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">W\u00e4hrend sich die Jungs schon auf den Weg ins Innere des Stadtions machen, kaufe ich ein Stadionheft und warte\u00a0 auf Thomas, der mich mittlerweile ein paar Mal angerufen hat &#8211; das Gespr\u00e4ch konnte ich jedoch nicht annehmen, weil mein mobiles Telefon muckt. Immerhin, jetzt steht er neben mir.\u00a0 Wir stellen uns ordnungsgem\u00e4\u00df an, kommen jedoch keinen Schritt vorw\u00e4rts. Gerade begr\u00fc\u00dft der Stadionsprecher die Eintrachtfans, die offiziell gar nicht da sind. Nach ein paar Minuten wird es uns zu bl\u00f6de, wir suchen einen alternativen Eingang, finden ihn auch und sind ruckzuck auf der Gegengeraden. Kurz darauf ruft es aus der Menge: <em>Axel<\/em> &#8211; und da stehen sie auch schon, die anderen vier. Thomas und ich schlagen uns die Stufen hoch und werden mit lautstarken Axel-Rufen empfangen, die umstehenden Berliner machen sich einen Jux und freuen sich &#8211; und obgleich wir Fremde sind, gibt es gleich ein gro\u00dfes Hallo. Wie fremd wir sind, stellt sich unmittelbar darauf heraus; Idrissou bringt die Eintracht mit 1:0 in F\u00fchrung und rundum ruft es: Eintracht, Eintracht. <em>&#8222;Ach, ihr kommt aus Frankfurt<\/em>&#8220; kommt die erstaunte Antwort der Unioner um uns herum. Grinsendes Gel\u00e4chter. Irgendwo im Block h\u00e4ngt ein Spruchband: <em>Wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar<\/em>. Und wir sind viele.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Es ist friedlich, wir schwatzen kurz, blicken uns erstmals um. Ich war nun zum dritten Mal hier im Stadion, damals, beim legend\u00e4ren Nebelspiel vor 10 Jahren, dann beim sommerlichen Pokalviereins und nun in subversivem Auftrag. Mittlerweile hatten die Fans von Union die Alte F\u00f6rsterei ja auf Vordermann gebracht &#8211; aber die alte Anzeigentafel, die von Hand bedient wird, ist geblieben. Aber es gibt auch eine neue, die h\u00e4ngt \u00fcber uns und ist somit nicht sichtbar. Aber ein 0:1 prangt darauf. Soviel ist sicher.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Pl\u00f6tzlich klettern ein paar Frankfurter \u00fcber den Zaun in den leeren G\u00e4steblock, ein Gitter springt auf, Polizei r\u00fcckt an. Es ist der Moment, wo alles h\u00e4tte kippen k\u00f6nnen. Aber schnell wird reagiert, die Polizei zieht sich zur\u00fcck und der Block wird offiziell aufgemacht. <em>Die Mauer muss weg<\/em> schallt es durchs weite Rund aus Tausenden Berliner Kehlen und wir verabschieden uns von unseren neu gewonnenen Berliner Freunden und ziehen um. In der Heimkurve wird unter tosendem Applaus ein gro\u00dfes Banner entrollt: <strong>Fick dich DFB<\/strong> steht darauf zu lesen, ein weiteres zeigt: <em>Wenn Argumente fehlen, kommt meist ein Verbot<\/em> <em>heraus<\/em>.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Jetzt ist der Block gut gef\u00fcllt, fast alle Frankfurter stehen nun beieinander, die Eintracht wird angefeuert, und minutenlang dem DFB skandiert, was man von ihm h\u00e4lt: <em>Schei\u00df DFB<\/em> hei\u00dft es &#8211; im Wechselgesang mit den Fans von Union Berlin im Flutlicht der Alten F\u00f6rsterei, es ist beeindruckend. Es ist laut. Es ist eine Demonstration gegen Willk\u00fcr und Kollektivstrafen, es ist eine Demonstration f\u00fcr ein friedliches Fu\u00dfballfest ohne Firlefanz. W\u00e4ren wir dem Rat der Eintracht gefolgt, s\u00e4\u00dfen wir nun in einer Frankfurter Kaschemme, kein Berliner h\u00e4tte ein Bier an uns verkauft, kein Gespr\u00e4ch h\u00e4tte statt gefunden, und kein Zeichen w\u00e4re gesetzt worden, dass sich Fu\u00dfballfans im Kollektiv nicht als Verbrecher behandeln lassen, weil einige wenige irgendwas verbockt haben &#8211; und fast alle ratlos sind, was denn nun wirklich zu tun sei.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Fu\u00dfballerisch hat die Eintracht, bei der Anderson schon seit den Anfangsminuten mit einem Kopfverband kickt und nach einer halben Stunde gegen Butscher ausgewechselt wird, recht wenig zu melden; Union macht das Spiel &#8211; aber bringt das Tor von Nikolov nicht ernsthaft in Gefahr. Halbzeit. Fu\u00dfballmafia DFB.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nun begr\u00fc\u00dft der Stadionsprecher die Eintrachtfans erneut, gro\u00dfer Jubel brandet auf, wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar. Als er durchgibt, dass die zweite Mannschaft von Union gegen den BFC Dynamo gewonnen hat, prasselt erneut der Beifall von allen Seiten, wie \u00fcberhaupt dauernd geklatscht wird. Die Eintrachtler freuen sich ob der sensationellen Gastfreundschaft, die Unioner freuen sich, dass G\u00e4ste da sind, wir freuen uns, dass die Eintracht f\u00fchrt und dass wir da sind und\u00a0 das Flutlicht strahlt sowieso, das ist sein Job.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der zweiten Halbzeit wird das gro\u00dfe <strong>Fick dich DFB<\/strong>-Banner auf seiten der Unioner erneut entrollt, der Wechselgesang kommt vor laufenden Fernsehkameras erneut zu Ehren; SMS trudeln ein mit den Hinweisen, dass die Rufe zu h\u00f6ren sind, dass Banner zu sehen ist und dass die Reporter freundlich \u00fcber das Geschehen berichten. Von Frankfurter Seite kommt kein einziger Schm\u00e4hgesang in Richtung Union, umgekehrt sowieso nicht und als Union trotz \u00dcberlegenheit keinen Treffer erzielt, fliegt Hoffer nach einer Schwegler-Flanke in den Strafraum und wuchtet die Kugel zum 0:2 ins Netz. L\u00e4uft.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">High Five allenthalben, Fu\u00dfballmafia DFB dazu, links unten auf dem Zaun Dino im alten H\u00f6chst-Trikot, rechts unten Martin ohne Megaphon aber mit der Kraft des Willens, tausend Eintrachtler, 17.000 Unioner dazu, es ist ein Fanfest, wie es so noch nie zelebriert wurde. Klar, f\u00fcr uns kommt noch dazu, dass Meier zwei weitere Tore erzielt, die Eintracht sich am End souver\u00e4n durchsetzt und Platz zwei zementieren kann. So schallt kurz ein <em>Schei\u00df Fortuna D\u00fcsseldorf<\/em> durchs Rund, jene Fortuna, deren Fans seit Monaten im dortigen Forum bittere Tr\u00e4nen \u00fcber die gemeine Eintracht vergie\u00dfen. Irgendwann schaffen wir es dann auch<em> Im Herzen von Europa<\/em> komplett durchzusingen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Schlusspfiff, die Spieler marschieren unten am Zaun entlang und als wenig sp\u00e4ter die gro\u00dfen TV-Interviews gegeben werden, kam der Wechselgesang um dem DFB zu huldigen erneut zu Ehren. Zur Kr\u00f6nung verabschiedet sich die Eintracht-Kurve mit einem lautstarken <strong>Eisern Union, Eisern Union<\/strong>. Zurecht nat\u00fcrlich, denn vom Stadionsprecher angefangen bis hin zur Ticketsolidarit\u00e4t und der massiven Unterst\u00fctzung auf den R\u00e4ngen w\u00e4re solch ein Fu\u00dfballfest niemals zu Stande gekommen. Dank und Respekt auch nochmal an dieser Stelle an Union Berlin. Gro\u00dfartig.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Gro\u00dfartig sind auch die vielen kleinen Gespr\u00e4che auf dem Heimweg mit abwandernden Unionern: Sch\u00f6n, dass ihr hier wart &#8211; so h\u00f6rt man es nicht nur einmal. Andi und Arne machten sich auf Richtung S-Bahn w\u00e4hrend Charly, Holger, schusch und ich mit Thomas zu dessen Auto wandern. Dazu m\u00fcssen wir die Alte F\u00f6rsterei einmal umrunden, was nach einem Zwischenstopp an einer Tankstelle auch bestens klappt. Alsbald gleiten wir mit einem alten 300 PS-Schlitten durch die Berliner Nacht Richtung Friedrichshain, Richtung Gl\u00fchlampe, Richtung Bembelbar. Juchuuu, wir sind euphorisiert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der Bembelbar geht es nat\u00fcrlich hoch her, ich aber bleibe drau\u00dfen, da es mir inmitten der Feierbiester doch etwas zu eng ist. Aus allen Ecken kommen sie, die Frankfurter Gesichter, hier Alex, da RedZone, hier die Sossenheimer, da Gerd, den ich ewig nicht mehr gesehen habe, da ist Carola, dort Lukas und mittendrin ein \u00fcber beide Backen strahlender \u00d6ri &#8211; und alle haben ein Grinsen im Gesicht und sind sich einig, dass sie etwas Besonderes erlebt haben an diesem M\u00e4rz-Abend in der Alten F\u00f6rsterei. Bis tief in die Nacht wird gefeiert, gebabbelt, gepichelt und gesungen. Ab und an stehen ein paar Wannen der Polizei in der N\u00e4he und beobachten leicht provokant das Spektakel, aber es wird die ganze Nacht ruhig bleiben.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Irgendwann nehmen wir ein Taxi, sausen flott nach Kreuzberg, g\u00f6nnen uns noch einen Fleischspie\u00df bei Curry 36 und fallen anschlie\u00dfend bei Andi in den Schlaf des Gerechten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Nacht ist eher kurz, Lola will in die Schule, Lina in die Kita und als die jungen Damen des Hauses um die Ecke gebracht sind, machen wir uns auf zum Fr\u00fchst\u00fcck im Molinari. Und da kommt die SMS, dass Pia jetzt auch noch krank ist und richtig flach liegt. Och Menno, gute Besserung, bald bist du wieder mit dabei. Ganz sicher.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Jetzt kommt auch Susi dazu, erstmals mit Klein-Karla, denn Susi ist im letzten Jahr Mama geworden und ich sehe den Nachwuchs\u00a0 zum ersten Mal. Gut aufgelegt ist sie die Kleine, die Zeit vergeht wie im Flug. Schusch und ich verabschieden und von Andi, Arne und Holger; fahren mit Susi und Thomas zur\u00fcck zur Gl\u00fchlampe. Dort verabschieden wir uns von meinen Berliner Freunden und alsbald rumpelt der Bus zur\u00fcck auf die Autobahn. Im Bus befinden sich jetzt nicht nur zwei K\u00e4sten Bier, gestiftet vom Wirt der Gl\u00fchlampe, sondern auch ein sensationelles Geschenk: Ein Wackel-Pittbull, der die R\u00fcckfahrt freundlich grinsend bei Busfahrer J\u00f6rg verbringt und stoisch vor sich hin wackelt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Windr\u00e4der zur Seite lassen friedlich ihre Fl\u00fcgel rotieren, wir hangeln uns von Rastplatz zu Rastplatz, vorbei an Jena-Lobeda, vorbei an Th\u00fcringen und landen sp\u00e4t am Abend in Bad Homburg. Da war der hintere Teil des Busses schon lange zur Nachtdisco umfunktioniert, w\u00e4hrend wir vorne die Zeit verschwatzten und alsbald weiter nach Frankfurt fahren. Am Bahnhof verlasse ich den Bus, der noch weiter nach Sachsenhausen f\u00e4hrt. Gro\u00dfer Abschied und schon latsche ich mit Charly, der von seiner Freundin abgeholt wird, zur Stra\u00dfenbahn und alsbald rumpeln wir mit der 12 durch die Hauptstadt des Verbrechens. In der Rohrbachstra\u00dfe steigen wir aus, Charly und Tine machen noch einen Abstecher ins Backstage, w\u00e4hrend ich flinken Schrittes zu Pia eile, die m\u00fcde und krank den Tag im Bett verbracht hat. Ich erz\u00e4hle noch ein bisschen von der Tour, die wesentlichen Dinge waren ja schon via mobilem Telefon vermittelt, und irgendwann schlafe ich zufrieden ein.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Was bleibt? Zum einen die Tatsache, dass manch einer unvermittelt zum Verdi-Opfer wurde, da geplante Fl\u00fcge abgesagt wurden, zum anderen die Geschichte eines Fans, der zur zweiten Halbzeit nicht mehr zu den Sitzpl\u00e4tzen gelassen und von Ordnern aus dem Stadion gekloppt wurde. Als er sich in ein Taxi setzte, um zur Bembelbar zu fahren, waren die ersten Worte des verst\u00e4ndnisvollen Taxifahrers: <em>Ick war fr\u00fcher ooch ma bei die Hoolijans, wa<\/em>. Und was bleibt ist nat\u00fcrlich ein sensationelles Ausw\u00e4rtserlebnis, das weit mehr als Fu\u00dfball beinhaltete. Es war ein Statement, abgegeben von Fans der Frankfurter Eintracht, die entgegen des Rates der Eintracht-Offiziellen doch nach Berlin gezogen sind; ein Statement, abgegeben von Fans und dem Verein Union Berlin, die gemeinsam mit unserem Auftritt daf\u00fcr gesorgt haben, dass ein Umdenken beim DFB stattfinden muss (und auch laut Presse schon eingesetzt hat) und was bleibt ist die Tatsache, dass es Vertretern der Frankfurter Eintracht gut zu Gesicht st\u00fcnde, sich mal bei Union schlau zu machen, wie Fans in den Verein eingebunden werden k\u00f6nnen. Dazu k\u00f6nnte auch die Lekt\u00fcre des Stadionheftes hilfreich sein. Nicht nur, dass sich Union bei der Eintracht zu Vehs klaren Worten gegen die Methode Fortuna bedankt; das Statement des Nordwestkurvenrates wurde in Teilen dort abgedruckt und so manch anderer Hinweis findet sich zudem noch dazu, wie Fu\u00dfballvereine und Fans zusammen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Auch wenn Fu\u00dfballfans nicht immer sauber sind, auch wenn es immer wieder zu Vorf\u00e4llen kommt, die kein Mensch braucht, so ist die Eintrachtfanszene ein bunter Haufen, der sich trotz allen Seltsamkeiten nicht unterkriegen l\u00e4sst und auch mehr Anerkennung und vor allem Unterst\u00fctzung seitens der Vereinsf\u00fchrung verdient. Und keine Belehrungen oder wohlmeinende Ratschl\u00e4ge, die weit an der Sache vorbei gehen und eher den Unmut f\u00f6rdern als Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Letztlich liegt es aber auch an der Fanszene selbst, die Dinge anzupacken, denn wenn wir auch am Montag eine Schlacht gewonnen haben, die Auseinandersetzung mit den grauen Verwaltern des Fu\u00dfballs ist noch lange nicht vorbei.<\/p>\n<p>Und niemals vergessen: <strong>Eisern Union.<\/strong><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hustend marschiere ich mit einer Plastikt\u00fcte in der Hand Richtung Bornheim Mitte. 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