{"id":5210,"date":"2012-03-24T12:02:01","date_gmt":"2012-03-24T11:02:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5210"},"modified":"2025-09-17T16:41:29","modified_gmt":"2025-09-17T14:41:29","slug":"vom-fremdgehen-in-bornheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5210","title":{"rendered":"Vom Fremdgehen in Bornheim."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab&#8217;s schon wieder getan. Und ja, es hat mir Spa\u00df gemacht. So ne Beziehung braucht ab und an ein bisschen Abwechslung, mal was Neues erleben, auf andere Gedanken kommen, sich als ein anderer f\u00fchlen &#8211; das ist doch was Sch\u00f6nes.<!--more--> Befreit von den Ritualen sich auf etwas Ungewisses einlassen und dennoch zuhause sein. Also, ich war beim FSV. Pia war dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwie passte alles, es fing an im Eintracht Museum. Ein Taxifahrer hielt an und fragte, wo denn hier das Spiel sei. Leicht ungl\u00e4ubig murmelten wir etwas von Bornheimer Hang. Und wo ist das? \u00c4h, hallo &#8211; sie sind Taxifahrer und wissen nicht wo Bornheim ist? Er so: Wisper, doch, murmel &#8230; Ich so: Volksbank Stadion, Eissporthalle. Er wieder so: Ah, jetzt ja. Und schwupps war er drau\u00dfen und verdiente sich mit seiner Fahrt ein Einfamilienhaus. In Offenbach zugegeben. Wohnen in Frankfurt ist teuer, Gentrifizierung hei\u00dft das Zauberwort, Nordend, Ostend ihr kennt die Geschichten, den Strukturwandel, das Fr\u00e4sen der Nerd-Brillentr\u00e4ger durchs alternative Leben mit dem einzigen Ziel: Mehr Wert. Frankfurt am Main klingt besser als Frankfurt am Rhein, aber das ist eine andere Geschichte und geh\u00f6rt eigentlich gar nicht hier hin. Sport.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sch\u00f6ne an Spielen am Bornheimer Hang ist zum Beispiel, dass du kurz vor Spielbeginn mit dem Auto angerauscht kommst und trotz bevorstehender Dippemess die berechtigte Hoffnung auf einen kostenlosen Parkplatz in unmittelbarer N\u00e4he zum Stadion besteht &#8211; und so kam es dann auch. Der silberne Golf, er parkte brav am Ostpark in der gleichnamigen Stra\u00dfe und nach wenigen Metern landeten wir auf dem Richard-Hermann-Platz, der Vorplatz zum Stadion. Lautstark h\u00f6rten wir schon die Aachener Kurve, die Bornheimer traditionsgem\u00e4\u00df etwas leiser &#8211; daf\u00fcr hing \u00fcber \u00fcber dem Rand der Stehpl\u00e4tze ein Banner mit dem Text nach Au\u00dfen: <strong>Am So: Nein zu Rhein<\/strong>. Selbst der Eingeweihte musste kurz \u00fcbelegen, aber klar, Am So. Am Sonntag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch bevor wir uns am Kassenh\u00e4uschen anstellten, kam ein freundlicher Herr auf uns zu und bot uns Karten an; Sitzpl\u00e4tze. Eigentlich wollten wir uns ja stellen, von wegen Tradition und so aber als die Antwort auf die Frage des Preises <em>Nichts<\/em> lautete, griffen wir zu. Dankesch\u00f6n hie\u00df es und alsbald enterten wir die schicke Begegnungszone und marschierten ohne Kontrolle auf die Gegentrib\u00fcne. Hinter uns die Autobahn, vor uns der Blick \u00fcber den Rasen durch die nicht mehr vorhandene Haupttrib\u00fcne auf den Bornheimer Hang, auf den Nussberg, dort wo ich als kleiner Bub auf dem R\u00fccken meines Vaters spazieren getragen wurde. Damals, als es die Gr\u00fcnen noch nicht gab, keinen Tigerpalast und unter den Talaren noch der Muff von tausend Jahren steckte. Und im Prinzip jene Revolte begann, die heute mit dem versuchten Wahlaufruf der &#8211; ach lassen wir das, es f\u00fchrt zu weit und vom Thema weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter der Heimkurve ragte das Riesenrad der Dippemess in die Luft, der imagin\u00e4re Geruch von Zuckerwatte, der Gedanke an eine G\u00fcrtelschnalle mit L\u00f6wenkopf, der Gedanke an eine Zeit, in der es das Gr\u00f6\u00dfte war, Gro\u00dfmutter im Garten beim M\u00fchle-Spiel zu schlagen. Der Garten, nur ein paar Schritte hinter Richtung Charles-Hallgarten-Schule, die zu meiner Zeit noch Friedrich Ebert Schule hie\u00df, versprach gl\u00fcckselige Kindheit, in der H\u00fctte stapelte Gro\u00dfvater Fu\u00dfballhefte mit Postern von R\u00f6chling V\u00f6lklingen oder der Spvgg Bayreuth. 2. Liga S\u00fcd, lang ist&#8217;s her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut besetzt war sie nun, die Heimkurve, auch die Gegengrade beherbergte eine Menge Zuschauer und auch die Fans der Alemannia waren mit etlichen Bussen angereist. Zweite Liga im Jahr 2012 geht anders als damals, Mitte der Siebziger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch ist es schon skurril, wenn man bspw. ein Zweitliga-Spiel sagen wir D\u00fcsseldorf vs Eintracht sich anschaut, 50.000 Zuschauer in der Messehalle zu D\u00fcsseldorf irgendwo in Messeland, kein atmosph\u00e4rischer Unterschied zu einem Bundesligaspiel &#8211; und dann zum Vergleich das heutige Spiel am Hang mit der Baul\u00fccke der niedergerissenen Haupttrib\u00fcne, dem Riesenrad im Hintergrund, den 5.000 Fans und der v\u00f6llig entspannten Stimmung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aachen, mit Ex-Eintrachttrainer Funkel mittlerweile auf einem Relegationsplatz gelandet, begann mit gro\u00dfen Namen; Streit, Odonkor, Auer &#8211; jener Auer, der im Mai 2003 f\u00fcr Mainz im Spiel bei der Braunschweiger Eintracht vier Treffer erzielte, die dennoch nicht zum Aufstieg reichen sollten, wir erinnern uns gerne an Schurs Last Minute Treffer zum 6:3 gegen Reutlingen. Damals im Eintrachttrikot Albert Streit, der heute mit der Nummer 13 nicht sonderlich auffallen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Pl\u00e4tze befanden sich im Block H der Gegentrib\u00fcne, also nahe am G\u00e4stestehplatzbereich, wir sa\u00dfen inmitten von Aachenern und Bornheimern und es ging recht gesittet zu. Wundersamer Weise erklang der Support der G\u00e4stesteher seltsam unkoordiniert und richtig, eine \u00fcberschaubare Gruppe zog erkennbar ihr eigenes Ding durch, die ACU, Aachen Ultras 99. Ein Artikel aus der Jungle World bringt erhellendes \u00fcber die Hintergr\u00fcnde:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lange waren die \u00bbAachen Ultras \u201999\u00ab die einzige Ultra-Gruppierung in Aachen. Im Jahr 2006 gerieten die ACU in die Kritik, weil sich in der Gruppe und deren Umfeld Neonazis&nbsp;\u2013 darunter Wagner&nbsp;\u2013 und rechte Mitl\u00e4ufer bewegten. Nach kritischen Medienberichten Anfang 2007 begannen die ACU umzudenken. Man verwies Rechtsextreme aus den eigenen Reihen&#8230;Das f\u00fchrte zu Spannungen. Manchen ACU-Leuten ging das Engagement zu weit, zumal man sich als unpolitischen Fanclub sah. Mitte 2010 verlie\u00dfen dann zahlreiche Ultras die ACU und gr\u00fcndeten eine neue Gruppe, die \u00bbKarlsbande\u00ab beziehungsweise \u00bbKarlsbande Ultras\u00ab. Bei den KBU und deren Umfeld wurden Personen wieder aktiv, die die ACU wegen ihrer politischen Ansichten oder einer N\u00e4he zum Hooliganismus ausgeschlossen hatten. Die ACU engagierten sich auch weiterhin gesellschaftskritisch und politisch \u2013 vom KBU-Umfeld wurden sie deshalb als \u00bbZecken\u00ab oder \u00bbJuden\u00ab beschimpft.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Anh\u00e4nger des FSV, durchaus in der Mehrzahl hielten sich eher bedeckt, selten nur drangen die Schlachtrufe an unser Ohr, obgleich sie schon nach wenigen Minuten Grund zur Freude hatten, da Gledson das 1:0 erzielt hatte. Der Ausgleich durch Auer war zum einen nicht unverdient und zum anderen schon recht pfiffig, denn im Grunde war die Chance schon verspielt, aber Auer schob im Liegen den Ball doch noch ins Tor. Da haben sie dann gefeiert, die Aachener, letztmals an diesem sch\u00f6nen Fr\u00fchlingsabend in Bornheim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz nach Wiederanpfiff zur Halbzeit zwei ging der FSV durch einen flotten Vorsto\u00df erneut in F\u00fchrung und fortan spielten Funkels Mannen uninspiriert derweil sich Bornheim aufs Kontern verlegte, die Zeit pl\u00e4tscherte dahin, die Nacht legte sich \u00fcber das lustige Dorf und die Lampen am wirklichen Bornheimer Hang unterhalb der Kettler Allee leuchteten in die Finsternis wie kleine Lichtlein in den Alpen. Nachdem Aachen auch die letzte Chance versiebt hatte, war Schluss, der FSV hatte sich ein komfortables Polster auf den Relegationsplatz verschafft &#8211; was auch bitter n\u00f6tig ist, denn schwere Spiele im Kampf um den Klassenerhalt stehen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Aachener Fans w\u00fctend an den Ballfangnetzen r\u00fcttelten und skandierten &#8222;wir sind Aachener und ihr nicht&#8220; versuchte Albert Streit mit der ACU ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Obs was genutzt hat, wird die Zeit weisen. Die Bornheimer aber feierten wie die Gro\u00dfen, auch das Maskottchen Franky war gut gelaunt und so schlichen wir uns vom Bornheimer Hang und sind gespannt, was die Eintracht so bei Union Berlin fabriziert. Eintrachtfans sind nicht zugelassen und daran halten wir uns auch brav, denn wer will schon dem DFB in den R\u00fccken fallen, zumal die Eintracht ja auch gewarnt hat, nach Berlin zu fahren.&nbsp; Zuf\u00e4llig habe ich am Montag einen Termin in Berlin, vielleicht bringe ich ja eine Geschichte mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hab&#8217;s schon wieder getan. Und ja, es hat mir Spa\u00df gemacht. 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