{"id":5020,"date":"2012-02-21T11:24:46","date_gmt":"2012-02-21T10:24:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5020"},"modified":"2012-02-21T11:27:43","modified_gmt":"2012-02-21T10:27:43","slug":"der-tag-als-ansgar-im-museum-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=5020","title":{"rendered":"Der Tag, als Ansgar im Museum war"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Proppevoll wars im Museum der Frankfurter Eintracht, als Ansgar Brinkmann sich und die mit <a href=\"http:\/\/www.bastian-henrichs.de\/\" target=\"_blank\">Bastian Henrichs<\/a> gemeinsam produzierte Biografie <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Ansgar-Brinkmann-Brasilianer-Bastian-Henrichs\/dp\/3768832643\" target=\"_blank\">Der wei\u00dfe Brasilianer<\/a> vorstellte.<!--more--> <em>Der wei\u00dfe Brasilianer<\/em> &#8211; ein Begriff, den Trainer Rolf Schafstall einst gepr\u00e4gt hat, als er den jungen Brinkmann in Osnabr\u00fcck trainierte und der Ansgar Brinkmann bis heute kennzeichnet; technisch filigran, zuweilen flatterhaft und dem Ball stets in gro\u00dfer Zuneigung begegnend &#8211; so irrlichterte der Blondschopf zwischen 1987 und 2007 durch die Ligen und wechselte in dieser Zeit 14 Mal den Verein; f\u00fcr den VfL Osnabr\u00fcck, den FC G\u00fctersloh und Preu\u00dfen M\u00fcnster spielte er gleich mehrmals. Und er trainierte unter insgesamt 38 verschiedenen \u00dcbungsleitern, darunter Benno M\u00f6hlmann, der ihm nicht wirklich \u00fcbelnahm, dass er schon mal noch kurz vor dem Spiel Pommes in sich hinein schaufelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehrfach hatten sich Ansgar Brinkmann und Bastian Henrichs, seines Zeichens freier Journalist, getroffen, wobei die Gespr\u00e4che auf Band aufgenommen wurden und die Grundlage f\u00fcr das Buch bildeten, welches im April vergangenen Jahres im Deliuis Klasing Verlag erschienen ist. Henrichs, der schon in jungen Jahren Fan des wei\u00dfen Brasilianers war, formte eine Biographie, die nicht nur die fu\u00dfballerischen Stationen Brinkmanns beleuchtet, sondern gleichwohl auch den Menschen, dessen Hang zu Autos und Musik auch im Gespr\u00e4ch deutlich wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgewachsen als j\u00fcngstes von sieben Geschwistern in Bakum, einem kleinem Ort zwischen Osnabr\u00fcck und Bremen, lernte der kleine Ansgar schon fr\u00fch, sich zu behaupten &#8211; sowohl auf dem Fu\u00dfballplatz als auch auf der Stra\u00dfe. Und nat\u00fcrlich f\u00e4rbte der Einfluss der \u00e4lteren Br\u00fcder auf ihn ab; so setzte sich Ansgar schon in jungen Jahren hinter das Steuer des v\u00e4terlichen Wagens &#8211; und verkaufte auch \u00fcberm\u00fctig die zum Broterwerb bestimmten Schuhe des Vaters (Beruf: Schuhverk\u00e4ufer) vor einer Diskothek f\u00fcr kleines Geld aus dem Kofferraum. Das brachte ihm neben ein paar Mark auch einen Satz hei\u00dfe Ohren ein. Fu\u00dfballerisch war er jedoch stets einer der besten; so wurden bald gr\u00f6\u00dfere Vereine auf ihn aufmerksam. Scheiterte ein Wechsel zu Werder Bremen zun\u00e4chst am Alter, so verlie\u00df er seine Heimat erstmals mit 16 Jahren, um f\u00fcr die A-Jugend des damaligen Erstligisten Bayer Uerdingen zu spielen &#8211; und dies h\u00f6chst erfolgreich: Gemeinsam mit Oliver Bierhoff und Marcel Witeczek wurde er 1987 tats\u00e4chlich Deutscher Meister &#8211; durch einen 2:1 Sieg \u00fcber &#8230; Eintracht Frankfurt, in deren Reihen der junge Uwe Bindewald spielte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend seiner Zeit in Krefeld blieb Brinkmann au\u00dferhalb des Platzes weitestgehend sich selbst \u00fcberlassen; der Verein k\u00fcmmerte sich nicht wirklich um die Nachwuchsspieler, Geld gab es auch keines, selbst die Sportklamotten mussten von den Spielern gewaschen werden. Immerhin besuchte Ansgars Mutter ihn regelm\u00e4\u00dfig, beobachtete die Spiele und versorgte den Bub mit Lebensmitteln. Und wenn das Taschengeld aufgebraucht war, freute sich Brinkmann in seiner spartanischen Bude \u00fcber die Einmachgl\u00e4ser und den damit verbundenen Hauch der Heimat, in die es ihn nach seiner Jugendzeit zur\u00fcck zog. Trotz lukrativer Angebote unterschrieb er seinen ersten Profivertrag beim VfL Osnabr\u00fcck f\u00fcr den er anschlie\u00dfend bis zum Winter 90\/91 knapp 100 Spiele in der zweiten Liga absolvierte. Ganz ohne Reibereien ging es dort nicht ab, vor allem Pele Wollitz beklagte die Spielweise Brinkmanns. Anschlie\u00dfend ging es erstmals zu Preu\u00dfen M\u00fcnster. Legend\u00e4r wurde der Satz auf dem Anrufbeantworter:\u00a0 &#8222;Bin bis um f\u00fcnf Uhr in meiner Stammkneipe zu erreichen&#8220;. Eigentlich als Spa\u00df f\u00fcr Freunde gedacht, gelangte die BILD davon in Kenntnis und ver\u00f6ffentlichte ihn prompt. Laut eigener Aussage k\u00f6nnten sowohl Anrufbeantworter als auch das Band noch existieren &#8211; ein Fall f\u00fcr das Eintracht-Museum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sommer 93 wechselte Brinkmann trotz dessen N\u00e4he zur heimatlichen Region zu Mainz 05, etablierter Zweitligist und Heimat von J\u00fcrgen Klopp, der schon damals \u00fcber den Tellerrand hinaus schaute und zudem die Mannschaft auch als Spieler motivieren konnte. Spektakul\u00e4r die K\u00fcndigung von Brinkmann in Mainz, kurz nachdem er seinen Vertrag verl\u00e4ngert hatte. Mit zerrissenen Jeans und Stirnband enterte er das Pr\u00e4sidiumszimmer, in dem schon damals die Herren Strutz und Heidel sa\u00dfen und verk\u00fcndete lautstark seinen Abgang. <em>Mich seht ihr hier nicht wieder<\/em>. Und er sollte Recht behalten. Als er zum Trainingsauftakt nicht erschien, riefen die Mainzer bei ihm an und fragten, wo er denn stecke. <em>In London, beim Bruce Springsteen-Konzert <\/em>so die wahrheitsgetreue Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tiefpunkt seiner Karriere war die Zeit beim BV Cloppenburg, die sich seinerzeit \u00fcber Albert Sprehe, Inhaber eines Feinkostunternehmens, finanzierten. Da Brinkmann in G\u00fctersloh zu teuer war, ein Proficlub ihn nicht finanzieren wollte, wechselte er als Gallionsfigur nach Cloppenburg. Auf der Weihnachtsfeier sollte der damalige Kapit\u00e4n eine Rede halten, was Ansgar auf seine Weise auch tadellos hinbekam. <em>Bei uns ist es egal, ob der Trainer oder der Busfahrer auf der Bank sitzt<\/em> sprach er eine einfache Wahrheit aus und wurde sofort in die zweite Mannschaft versetzt, die in der Kreisklasse kickte. Und selbst dort landete er sogar zun\u00e4chst nur auf der Auswechselbank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der von Charly K\u00f6rbel trainierte FSV Zwickau interessierte sich f\u00fcr den blonden Dribbler und beinahe war der Wechsel vollzogen, h\u00e4tte da nicht auf dem Weg Brinkmanns Telefon geklingelt. Am Apparat war vermutlich Ute Hering, Sekret\u00e4rin des Pr\u00e4sidiums der Frankfurter Eintracht, die Interesse an Ansgar Brinkmann zeigte und ihn nach Frankfurt beordern wollte. Glaubte Brinkmann zun\u00e4chst an den Scherz eines Freundes, so \u00fcberzeugte ihn erst der zweite Anruf, nun durch Eintracht-Pr\u00e4sident Rolf Heller pers\u00f6nlich. Schnurstracks sauste Ansgar nach Frankfurt, unterschrieb den Vertrag und erkl\u00e4rte der erstaunten Journalistenschar, die den Kicker aus der Kreisklasse nat\u00fcrlich fragten, was er denn in Frankfurt wolle.<em> Ich bin hier um die Mannschaft zu st\u00e4rken<\/em> erkl\u00e4rte er selbstbewusst &#8211; und sollte Recht behalten. Im Jahr Eins mit Brinkmann stieg Eintracht Frankfurt auf und hielt im zweiten Jahr durch das legend\u00e4re 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern am letzten Spieltag die Klasse. Zustande gekommen ist der Kontakt \u00fcber Horst Ehrmantraut, den damaligen Trainer der Eintracht, der zuvor den SV Meppen trainierte und Brinkmann \u00fcber die regionale N\u00e4he zu Osnabr\u00fcck, G\u00fctersloh und M\u00fcnster von daher kannte. Als Ehrmantraut entlassen wurde (trotz eines Sieges \u00fcber Bayern M\u00fcnchen und einer Platzierung oberhalb der Abstiegsr\u00e4nge) \u00fcbernahm Reinhold Fanz das Zepter, ein ausgewiesener Fu\u00dfballfachmann, der es jedoch nicht verstand, die Mannschaft zu motivieren. Endlose Monologe \u00fcber Taktik und Spielsystem bewirkten eher das Gegenteil und es bedurfte schon eines J\u00f6rg Berger, der die Eintracht in den letzten spielen der Saison 98\/99 in die Spur brachte. Mit Berger zusammen war Brinkman \u00fcbrigens nach dem Klassenerhalt ins ZDF Sport-Studio eingeladen, wo auch die Meistermannschaft des FC Bayern um Franz Beckenbauer zu Gast war. Als Beckenbauer Brinkmann ansprach, war dessen erste Reaktion:<em> Boah, der kennt mich.<\/em> Beckenbauer war Kapit\u00e4n der Weltmeistermannschaft von 1974 &#8211; neben Muhammad Ali die gro\u00dfen Vorbilder des kleinen Ansgar Brinkmann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brinkmann, der sich voll des Lobes sowohl \u00fcber Ehrmantraut aber auch \u00fcber das willensstarke Eintracht-Team jener Jahre \u00e4u\u00dferte w\u00e4re nach dem Klassenerhalt gerne in Frankfurt geblieben. Die Eintracht aber verkaufte ihn aus finanziellen Gr\u00fcnden nach Berlin, zu Tennis Borussia &#8211; eine Transaktion, die beiden wenig Gl\u00fcck brachte. W\u00e4hrend Eintracht Frankfurt erheblich in die Mannschaft investierte (Salou, Guie-Mien, Heldt, Kracht) und dennoch zwei Jahre sp\u00e4ter abstieg, landete die von der G\u00f6ttinger Gruppe finanzierte Mannschaft aus Berlin auf einem entt\u00e4uschenden 13.ten Platz in Liga Zwei. Mit dem Zusammenbruch der G\u00f6ttinger Gruppe fehlte der Sponsor und TeBe fiel auseinander. \u00dcber ein erneutes Engagement in Osnabr\u00fcck landete Brinkmann in Bielefeld. Verpflichtet noch von Heribert Bruchhagen (welcher Brinkmann schon aus seiner Zeit beim HSV kannte und in der gleichen Gegend beheimatet ist), der kurz darauf zur DFL wechselte, stieg Brinkmann mit der Arminia auf und spielte erneut in der ersten Liga. Seine letzte gro\u00dfe Station war Dynamo Dresden, dort konnte er den kaum noch f\u00fcr m\u00f6glich gehaltenen Klassenerhalt realisieren. Zum Ausklang seiner Karriere schn\u00fcrte er die Fu\u00dfballstiefel noch einmal f\u00fcr Preu\u00dfen M\u00fcnster, bis er 2007 den Profifu\u00dfball endg\u00fcltig an den Nagel h\u00e4ngte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu seinem Abschiedsspiel in Bielefeld kamen Fans und Spieler aus allen Vereinen f\u00fcr die er gespielt hatte zusammen und feierten sowohl auf dem Platz als auch danach ein rauschendes Fest. Als ein paar Frankfurter Fans von den Sicherheitskr\u00e4ften nicht zu den anschlie\u00dfenden Feierlichkeiten eingelassen wurden, nahm sich Brinkmann h\u00f6chstslbest der Sache an und somit konnten auch die Ausgesperrten mitfeiern &#8211; nicht selbstverst\u00e4ndlich, wobei Brinkmann die Normalit\u00e4t des Vorganges betonte. F\u00fcr Ansgar Brinkmann scheinen Dinge normal, die f\u00fcr andere keineswegs selbstverst\u00e4ndlich sind; vielleicht erkl\u00e4rt dies die au\u00dferordentliche Beliebtheit des &#8222;letzten Stra\u00dfenfu\u00dfballers&#8220; bei Fans aller Vereine f\u00fcr die er gekickt hat. Und er hat viel gespielt, \u00fcber 500 Eins\u00e4tze in den ersten vier Ligen, dazu drei in der Kreisklasse bei der zweiten Mannschaft des BV Cloppenburg. Und obgleich er kein L\u00e4nderspiel vorzuweisen hat, ist Ansgar Brinkmann noch heute gern gesehener Gast bei Charity-Spielen, wo er mit seinen Helden von einst in der gleichen Mannschaft steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter tosendem Applaus endete ein \u00fcberaus interessanter Abend im Eintracht Museum, wo Ansgar Brinkmann noch Hunderte Schw\u00e4tzchen halten durfte und sich die Finger f\u00fcr Autogramme wund schrieb. Nat\u00fcrlich in seiner Biographie, in der noch viel mehr bunte Geschichten aus seinem bewegtem Fu\u00dfballerleben niedergeschrieben sind. Was nicht darin steht ist die die simple Tatsache, dass Brinkmann niemals gegen Eintracht Frankfurt verloren hat. Nicht mit Bayer Uerdingen, nicht mit G\u00fctersloh, mit Bielefeld und auch nicht mit Dresden. Das ist ein Ding.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fotos: Steffen Ewald<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Proppevoll wars im Museum der Frankfurter Eintracht, als Ansgar Brinkmann sich und die mit Bastian Henrichs gemeinsam produzierte Biografie Der wei\u00dfe Brasilianer vorstellte.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5033,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[1036,1037,1038,109],"class_list":["post-5020","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-eintracht-frankfurt","tag-ansgar-brinkmann","tag-bastian-henrichs","tag-der-weise-brasilianer","tag-eintracht-frankfurt-museum","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5020"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5032,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5020\/revisions\/5032"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}