{"id":4927,"date":"2012-01-13T11:41:30","date_gmt":"2012-01-13T10:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4927"},"modified":"2012-01-13T12:04:32","modified_gmt":"2012-01-13T11:04:32","slug":"kicker-kampfer-legenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4927","title":{"rendered":"Kicker &#8211; K\u00e4mpfer &#8211; Legenden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kicker K\u00e4mpfer Legenden &#8211; Juden im deutschen Fu\u00dfball<\/strong>, so lautet der Titel einer Wanderausstellung, die gestern Abend im Museum der Frankfurter Eintracht er\u00f6ffnet wurde. <!--more-->Seit 2006 ist die Ausstellung, erarbeitet vom\u00a0<a href=\"http:\/\/www.cjudaicum.de\/de\/content\/kicker-k%C3%A4mpfer-und-legenden-0\" target=\"_blank\">Centrum Judaicum der Stiftung Neuen Synagoge Berlin<\/a> unterwegs und hat nun auch Frankfurt erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte des deutschen Fu\u00dfballs ist ohne Juden undenkbar. So gr\u00fcndete <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walther_Bensemann\" target=\"_blank\">Walther Bensemann<\/a> 1889 den ersten S\u00fcddeutschen Fu\u00dfballverein, den <em>International Football Club in Karlsruhe, <\/em>nachdem er einen Fu\u00dfball aus der Schweiz hat kommen lassen und schon nach wenigen Minuten beim Kick in der Schule ein Fenster zu Bruch ging. Zwei Jahre sp\u00e4ter hob er den Karlsruher FV aus der Taufe, der 1910 erstmals Deutscher Meister wurde. 1898 organisierte er, der nach seinen Schuljahren durch Deutschland zog, das erste inoffizielle L\u00e4nderspiel Deutschlands gegen eine franz\u00f6sische Auswahl; ein Jahr sp\u00e4ter war er ma\u00dfgeblich an der Gr\u00fcndung der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frankfurter_Kickers\" target=\"_blank\">Frankfurter Kickers <\/a>beteiligt, einem der beiden Vorg\u00e4ngervereine der Frankfurter Eintracht. Die Gr\u00fcndung des DFB w\u00e4re ohne Bensemann undenkbar und auch das Fu\u00dfballmagazin <a href=\"http:\/\/www.kicker.de\/\" target=\"_blank\">der Kicker<\/a> entstand unter seiner Regie. Den Spielbericht zum Meisterschaftsfinale zwischen der Eintracht und Bayern M\u00fcnchen 1932 beendete er mit der Ank\u00fcndigung, dass er zum 1.Juli 1933 sein Amt als Chefredakteur aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden niederlegen wird. Schon im M\u00e4rz 1933 erschien seine letzte Glosse, wenige Tage sp\u00e4ter reiste der von den Nationalsozialisten unerw\u00fcnschte Bensemann in die Schweiz aus. Am 9.April 1933 unterzeichneten mehrere Vereine in vorauseilendem Gehorsam eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walther_Bensemann#cite_note-17\" target=\"_blank\">Erkl\u00e4rung<\/a>, in der sie versicherten, die Ma\u00dfnahmen der Nazis, insbesondere die Entfernung der Juden aus dem Sportbetrieb, mitzutragen. Mitunterzeichner waren der Karlsruher FV und die Frankfurter Eintracht, die es ohne Bensemann in dieser Form nicht gegeben h\u00e4tte. Im November 1934 verstarb Bensemann im Schweizer Exil und wurde zun\u00e4chst aus den Annalen des Kicker getilgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein erg\u00e4nzendes Augenmerk richtet die Ausstellung im Museum auf die Frankfurter Eintracht, die 1932 erstmals S\u00fcddeutscher Meister wurde (2:0 gegen Bayern M\u00fcnchen) und sechs Wochen sp\u00e4ter im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft erneut auf den FC Bayern M\u00fcnchen traf, dessen Pr\u00e4sident Kurt Landauer wie viele Anh\u00e4nger und M\u00e4zene der Eintracht gleichfalls Jude war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eintracht verlor das Finale mit 0:2, nicht zuletzt deshalb, weil Kellerhoff nicht dabei sein konnte. Dass es das Team \u00fcberhaupt soweit geschafft hatte, war nicht zuletzt dem Engagement des j\u00fcdischen B\u00fcrgertums zu verdanken. Nicht nur dass Schatzmeister Hugo Reiss j\u00fcdischen Glaubens war, die Mannschaft selbst war zu gro\u00dfen Teilen angestellt bei der bekannten Schuhfabrik J.&amp;C.A. Schneider, deren Leitung der j\u00fcdischen Gebr\u00fcder Adler und deren Cousin Walther Neumann oblag. Da die Kicker der Eintracht beim &#8222;Schlappeschneider&#8220; schafften, etablierte sich im Volksmund schnell der Begriff der <strong>Schlappekicker.<\/strong> Dazu schreibt die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/sport\/eintracht-frankfurt\/unternehmensgeschichte-als-die-eintracht-kicker-noch-schlappen-schneiderten-1538648.html\" target=\"_blank\">FAZ<\/a>: <em>Der wohl bekannteste Riederw\u00e4lder, der sein Geld bei Jcas verdiente, war Nationalspieler Rudolf \u201eRudi\u201c Gramlich. Es ist eine traurige Geschichte, dass der einstige Ledereink\u00e4ufer in der Nazi-Zeit in die Waffen-SS eintrat und mit Billigung des Gauleiters die Eintracht-F\u00fchrung \u00fcbernahm, w\u00e4hrend der Betrieb seines ehemaligen Arbeitgebers \u201earisiert\u201c wurde. 1938 mussten Walter Neumann und die Br\u00fcder Adler emigrieren. Auf Druck der Nazis unterzeichneten sie einen Verkaufsvertrag; vom Wert des Unternehmens blieb ihnen weniger als drei Prozent. Nach dem Krieg erhielten die Adlers die Firma zur\u00fcck<\/em>&#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz nebenbei, Rudi Gramlich ist heute Ehrenpr\u00e4sident der Frankfurter Eintracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der wohlhabende Schatzmeister Hugo Reiss musste zun\u00e4chst die Eintracht, sp\u00e4ter dann auch Deutschland verlassen. Lebte er zuerst noch in Italien, so emigrierte Reiss zwei Jahre sp\u00e4ter mittellos nach Chile und suchte h\u00e4nderingend eine Anstellung. Der Eintracht aber blieb er zeitlebens verbunden.<a href=\"http:\/\/www.eintracht.de\/eintracht\/rueckblick\/historie\/\" target=\"_blank\"><em> Seine Eltern Max und Jette blieben in der Heimat. Die beiden werden am 19. Oktober 1941 bei der ersten gro\u00dfen Deportation aus Frankfurt nach Lodz verschleppt. Jette Reiss verstirbt am 5. Juli 1942 im Ghetto Lodz, Max Reiss gilt seit der Deportation als verschollen<\/em><\/a>. Zum Gedenken an beide <a href=\"http:\/\/www.eintracht.de\/meine_eintracht\/forum\/1\/11183063\/?page=1#f12623327\" target=\"_blank\">verlegte das Eintracht Frankfurt Museum im Juni 2011 Stolpersteine,<\/a> es waren nicht die ersten; bereits 2008 wurde an den j\u00fcdischen Turner <a href=\"http:\/\/www.eintracht.de\/meine_eintracht\/forum\/1\/11143804\/\" target=\"_blank\">Emil Stelzer und Gattin Elsa erinnert<\/a>, 2010 an den Fu\u00dfballer <a href=\"http:\/\/beverungen.blogspot.com\/2010\/05\/ihr-eintrachtler-lasst-euch-nicht_13.html\" target=\"_blank\">Hans Rosenbaum und dessen Eltern.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte dokumentierte Jude bei der Eintracht w\u00e4hrend der NS-Zeit aber war <em>Jule Lehmann<\/em>, der ab 1929 bei der Eintracht spielte. 1937 wurde er vom Verein ausgeschlossen und aller Wahrscheinlichkeit in den Vierziger Jahren in einem Konzentrationslager ermordet. Die Mutter verstarb auf dem Weg ins KZ.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausstellung <em>Kicker K\u00e4mpfer Legenden &#8211; Juden im deutschen Fu\u00dfball<\/em> besch\u00e4ftigt sich auch exemplarisch mit den j\u00fcdischen Nationalspielern Julius Hirsch und Gottfried Fuchs, die beide f\u00fcr den Karlsruher FV auf Torejagd gingen. Besondere Popularit\u00e4t erspielte sich Fuchs bei den Olympischen Spielen 1912, als es ihm gelang, beim 16:0 gegen Russland in einem einzigen Spiel 10 Treffer zu erzielen, ein Rekord f\u00fcr die Ewigkeit. Fuchs und Hirsch wurden beide 1910 mit dem Karlsruher FV Deutscher Meister.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einem Vereinsausschluss kommt Hirsch 1933 zuvor, indem er aus seinem geliebten Karlsruher FV selbst austritt. Dem schrittweisen wirtschaftlichen Abstieg, dem Verlust seiner Anstellungen folgt ein Suizidversuch sowie die freiwillige Trennung von Frau und Kind, um diese vor dem Naziterror zu sch\u00fctzen. <a href=\"http:\/\/beverungen.blogspot.com\/2010\/05\/ihr-eintrachtler-lasst-euch-nicht.html\" target=\"_blank\">Im M\u00e4rz 1943 wurde Julius Hirsch nach Auschwitz deportiert und ermordet<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottfried Fuchs gelang es, nach Kanada zu emigrieren und dort unter dem Namen Godfrey Fochs langsam Fu\u00df zu fassen. Nach Deutschland kehrte er nur aus beruflichen Gr\u00fcnden zur\u00fcck, Ehrungen seines Vereins, dem Karlsruher FV lehnte er ab: <em>Weil sie den Julius Hirsch ermordet haben.<\/em> 1972 starb Fuchs in Montreal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausstellung besch\u00e4ftigt sich auch mit <em>Kurt Landauer<\/em>, dem langj\u00e4hrigen Bayernpr\u00e4sidenten, dessen Schicksal zun\u00e4chst von der Ultra-Gruppierung <a href=\"http:\/\/www.schickeria-muenchen.org\/?id=214\" target=\"_blank\">Schickeria <\/a>beleuchtet wurde, ehe der Verein agierte; sie erinnert an <em>Eugene Jen\u00f6 Konrad<\/em>, den Trainer des ruhmreichen Clubs oder an <em>Richard Little Dombi<\/em>, der Bayern M\u00fcnchen 1932 zum ersten Titel trainierte. Sie thematisiert den j\u00fcdischen Fu\u00dfball der traurigen Zeit nach 1933 ebenso wie in den Nachkriegsjahren und reflektiert die Gegenwart, in der es z.Bsp. immer wieder zu den gruseligen Fanges\u00e4ngen der U-Bahn nach Ausschwitz kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Ausstellungser\u00f6ffnung im Museum erschienen nicht nur hochrangige j\u00fcdische Funktion\u00e4re (Harry Schnabel &#8211; J\u00fcdische Gemeinde, Mayer Schankower &#8211; Verwalter j\u00fcdische Friedh\u00f6fe, Simone Hoffmann &#8211; Loge B`nai Brit, Robert Faktor &amp; Alon Meyer &#8211; Makkabbi Frankfurt, Herr Liepach, Herr Backhaus &#8211; J\u00fcdisches Museum), sondern auch viele Eintrachtfans, Vertreter des Fanprojekts und der Anne Frank-Schule und sogar die ehemaligen Spieler Grabowski, Lindner, Reichel und Solz, die es sich nicht nehmen lie\u00dfen, die Eintracht w\u00fcrdig zu vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sonderausstellung <em>Kicker K\u00e4mpfer Legenden &#8211; Juden im deutschen Fu\u00dfball<\/em> ist im Eintracht Frankfurt Museum zu den \u00fcblichen \u00d6ffnungszeiten <strong>Di-So 10-18:00 Uhr<\/strong> zu besuchen, der <strong>Eintritt zum Museum betr\u00e4gt 5,- erm\u00e4\u00dfigt 3,50 Euro<\/strong>. Besonders empfehlenswert ist das Begleitheft, so ihr denn noch eins ergattern k\u00f6nnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Aufarbeitung der NS-Zeit gab es im Rahmen des Eintracht-Museums schon mehrere Veranstaltungen; hier dazu ein paar Links aus der alten Welt von Beve:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/beverungen.blogspot.com\/2010\/05\/ihr-eintrachtler-lasst-euch-nicht.html\" target=\"_blank\">Ihr Eintrachtler, lasst euch nicht zerbrechen &#8211; Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/beverungen.blogspot.com\/2010\/05\/ihr-eintrachtler-lasst-euch-nicht_12.html\" target=\"_blank\">Ihr Eintrachtler, lasst euch nicht zerbrechen &#8211; Teil 2<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/beverungen.blogspot.com\/2010\/05\/ihr-eintrachtler-lasst-euch-nicht_13.html\" target=\"_blank\">Ihr Eintrachtler, lasst euch nicht zerbrechen &#8211; Teil 3<\/a><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Fotos:<\/p>\n<p>Beve<\/p>\n<p>Steffen Ewald<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kicker K\u00e4mpfer Legenden &#8211; Juden im deutschen Fu\u00dfball, so lautet der Titel einer Wanderausstellung, die gestern Abend im Museum der Frankfurter Eintracht er\u00f6ffnet wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4938,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[9,10,12],"tags":[109,198,241,1011,752,269,1010,293],"class_list":["post-4927","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-eintracht-frankfurt","category-photographie","category-wortwelt","tag-eintracht-frankfurt-museum","tag-gottfried-fuchs","tag-hugo-reiss","tag-juden-im-deutschen-fusball","tag-jule-lehmann","tag-julius-hirsch","tag-kicker-kampfer-legenden","tag-kurt-landauer","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4927"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4927\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4937,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4927\/revisions\/4937"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4938"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}