{"id":4909,"date":"2012-01-11T10:46:18","date_gmt":"2012-01-11T09:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4909"},"modified":"2013-01-16T12:12:03","modified_gmt":"2013-01-16T11:12:03","slug":"abgeschabte-schonheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4909","title":{"rendered":"Abgeschabte Sch\u00f6nheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem wir die Nacht in einem sonst unbelegten Appartementhaus in Lourinha verbracht und uns den Arsch abgefroren hatten, da es auch um diese Jahreszeit in Portugal recht k\u00fchl wird, setzten wir uns nach dem Fr\u00fchst\u00fcck in die Autos und rollten an den Atlantik. Von Zuhause drangen die Nachrichten durch: Gekas verkauft, Bell verletzt, Tzavellas freigestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein erster Zwischenstopp brachte uns an den Strand von Peniche, dessen auff\u00e4lligstes Merkmal eine Ansammlung von toten Meeresv\u00f6gel war; in k\u00fcrzester Entfernung z\u00e4hlte ich deren f\u00fcnf. Weiter gings dann nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/S%C3%A3o_Martinho_do_Porto\" target=\"_blank\">Sao Martinho do Porto<\/a>, ein kleiner Ort an einer Bucht. Durch einen schmalen Zugang zwischen den Felsen str\u00f6mt der Atlantik in die Lagune, Bootchen d\u00fcmpelten in der glitzernden Sonne und wir lie\u00dfen uns selbige bei einem Galao auf die Nase scheinen. Sp\u00e4ter wanderte ich an der Lagune entlang, vorbei an Restaurants und Bootsreparaturen, hockte mich auf die Steine, tr\u00e4umte aufs Wasser und h\u00f6rte dazu Musik. Die Wellen schlugen leicht an die Felsen &#8211; ein Tag am Meer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><iframe src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/HUr0CwKgusg\" frameborder=\"0\" width=\"400\" height=\"301\"><\/iframe><br \/>\nGuter Dinge trafen wir uns sp\u00e4ter und tuckerten weiter nach Leiria, immerhin stand um 18:15 die Ligapartie zwischen<a href=\"http:\/\/www.kicker.de\/news\/fussball\/intligen\/portugal\/liga-sagres\/2011-12\/14\/1149901\/torschuetzen_uniao-leiria_lissabon-benfica.html\" target=\"_blank\"> Uniao Leiria und Benfica Lissabon<\/a> auf dem Plan. Bei einem Sieg h\u00e4tte Benfica die F\u00fchrung vor Porto \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. M\u00fchelos fanden wir das Stadion in Leiria, wunderten uns aber, dass zwei Stunden vor Spielbeginn noch keinerlei Anzeichen eines Spiels zu sehen waren. Erinnerungen an <a href=\"http:\/\/beverungen.blogspot.com\/2011\/01\/heimspiel-in-athen.html\" target=\"_blank\">Athen <\/a>wurden wach &#8211; im letzten Jahr wurde das Spiel zwischen Panionios Athen und Skoda Xanthi ohne unserem Wissen um einen Tag verschoben, was zur Folge hatte, dass einige von uns den Kick nicht sehen konnten. Schnell stellte sich heraus, dass Uniao Leiria seine Heimspiele einige Kilometer entfernt in Marinha Grande austr\u00e4gt, da das st\u00e4dtische Stadion, schick umgebaut zur Euro 2004, f\u00fcr den Verein zu teuer ist. Das ist in etwa so, als w\u00fcrden die Kickers in Sprendlingen spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir durften einen Blick ins Innere des bunten <a title=\"Est\u00e1dio Dr. Magalh\u00e3es Pessoa\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Est%C3%A1dio_Dr._Magalh%C3%A3es_Pessoa\">Est\u00e1dio Dr. Magalh\u00e3es Pessoa <\/a>werfen, wo linker Hand anstelle einer Kurve eine bunte Wand das Bild beherrschte. \u00dcber das Stadion hinaus fiel der Blick auf eine Burg, die majest\u00e4tisch \u00fcber der Stadt thronte. Wir aber machten uns z\u00fcgig auf und erreichten Marinha Grande nach wenigen Kilometern. Der kleinen Karavane folgend erreichten wir bald das dortige Stadion und konnten umsonst genau davor parken. Es schien, als seien nur Fans von Benfica unterwegs, kaum jemand gab sich als Anh\u00e4nger der Heimmannschaft zu erkennen &#8211; eine frappante \u00c4hnlichkeit zu einem Heimspiel in Bornheim sagen wir gegen den 1. FC Kaiserslautern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einem Nebenplatz kickten zwei Frauenmannschaften derweil wir uns um Karten k\u00fcmmerten. Da sich\u00a0 im Norden eine gr\u00f6\u00dfere Menschenmenge tummelte, marschierten wir Richtung S\u00fcden, wobei die Mannschaftsbusse inmitten der langsam untergehenden Sonne das Stadion erreichten. Die Stimmung war friedlich, Flutlichtmasten ragten in den blauen Himmel und \u00fcberall dominierte das Rot von Benfica. Wir waren schon kurz davor, uns bei einem Schwarzh\u00e4ndler mit Tickets einzudecken, als wir realisierten, dass es noch gen\u00fcgend Karten an der Abendkasse gab &#8211; das St\u00fcck zu zwanzig Euro und so hielten wir binnem kurzem 10 Tickets in der Hand. Nat\u00fcrlich mussten wir zur\u00fcck in den Norden, was allerdings kein gr\u00f6\u00dferes Problem darstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einen tranken ein Sch\u00f6ppchen, anderen futterten Bifanas und beizeiten enterten wir das Stadion und suchten unsere Pl\u00e4tze, die jedoch nicht numeriert waren. Die Gegentrib\u00fcne, unsere Heimat, war schon fast komplett mit Benficafans gef\u00fcllt, ebenso die Kurven, nur in und um der sp\u00e4rlich besetzten Haupttrib\u00fcne tummelten sich die wenigen Einheimischen. Das Stadion war im Grunde ein besserer Sportplatz, die Gegengerade durch einen Maschendrahtzaun von Laufbahn und Spielfeld getrennt und gesch\u00e4tzte 15.000 Zuschauer d\u00fcrften hier insgesamt Platz finden &#8211; die aber nicht alle hier waren. Wir hatten Gl\u00fcck und fanden noch zehn Pl\u00e4tze in einer H\u00f6he, in der wir auf der Stahlrohrtrib\u00fcne \u00fcber den Zaun schauen konnten. W\u00e4hrend sich die beiden Mannschaften auf dem Platz warm machten, schepperten aus den Lautsprecher die <a href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x1751a_flock-of-seagulls-i-ran-so-far-away_music\" target=\"_blank\">Flock of Seagulls mit I ran<\/a> und sogar die Smiths &#8211; <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=d0TZZZcC9l4\" target=\"_blank\">What difference does it make<\/a>; ein gro\u00dfartiger Song. Das Bier war alkoholfrei, die Stimmung entspannt, w\u00e4hrend die Sonne wortlos einem vollen Mond Platz machte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Los ging&#8217;s, es dauerte jedoch ein Weilchen bis ich merkte, dass nicht Benfica sondern Leiria in roten Hosen spielte. Erst als die schwarzgoldenen eine Chance versemmelten und die komplette Trib\u00fcne aufst\u00f6hnte war ich im Bilde. Schnell wurde klar, dass die Heimmannschaft hier wenig zu bestellen hatte. Leiria k\u00e4mpfte zwar, hatte aber gegen die spielerisch beschlageneren Hauptsst\u00e4dter im Grunde\u00a0 keine Chance. Mit 0:1 waren sie zur Pause noch gut bedient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der zweiten Halbzeit bot sich das n\u00e4mliche Bild, Leiria brachte bis auf eine einzige Chance gar nichts mehr zu Stande w\u00e4hrend Benfica v\u00f6llig zu Recht noch drei blitzsaubere Tore erzielte. Ein paar mal schwappte ein LaOla durchs Rund, ein paar Fackelchen wurden von den g\u00fcnstigeren Pl\u00e4tzen gez\u00fcndet &#8211; ansonsten erlebten wir einen relaxten Kick mit einem verdienten Sieger. H\u00f6hepunkt war vielleicht das Hinterlassen eines Aufklebers der Eintracht auf einem Sitz. Einzig der Geruch von verbranntem Holz lag in der Luft, es werden die D\u00e4mpfe der wenigen Heiz\u00f6fen in der Stadt gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Dunkelheit rollten wir weiter und fanden einige Kilometer entfernt in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nazar%C3%A9_%28Portugal%29\" target=\"_blank\">Nazar\u00e9 <\/a>an der Strandpromenade ein Restaurant, welches eine reichhaltige Speisekarte offerierte und uns somit unser letztes Abendmahl in Portugal. Das Meer rauschte in die Nacht, oben in Sitio blinkten die Lichter und uns wurde <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Caldeirada\" target=\"_blank\">Caldeirada <\/a>oder Reis mit Meeresfr\u00fcchten serviert bis auch der Letzte satt und zufrieden seinen Bica trank. Anschlie\u00dfend ging&#8217;s zur finalen \u00dcbernachtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00df war die \u00dcberraschung, als wir unsere Unterkunft sahen und noch gr\u00f6\u00dfer, dass aus den f\u00fcnf Doppelzimmern ob der Doppelbetten dann doch 10 Einzelzimmer wurden &#8211; mit Betten gro\u00df wie die Feundlichkeit der meisten Portugiesen. Als ich mein Fenster \u00f6ffnete, rauschte der Atlantik nur wenige Schritte entfernt, es war ein Traum. Ich lie\u00df das Fenster die ganze Nacht trotz rechter K\u00e4lte offen und blickte auf das Wasser, die Sterne und die Felsen und blieb bis in die Puppen wach und sah aus dem Fenster. Drei Stunden sp\u00e4ter klingelte der Wecker (Ihr wisst: Enjoy the silence), der Mond versank im Atlantik, w\u00e4hrend die Sonne von Osten herauf marschierte. Ich marschierte mutterseelenallein an den Sandstrand, dachte an Pia, die brav zu Hause geblieben war und nahm langsam Abschied vom Meer und von Portugal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Fr\u00fchst\u00fcck mit Meerblick war fein, die Anlage sah von innen mond\u00e4n und von au\u00dfen ganz so wie ich mich selbst manchmal f\u00fchle aus: leicht abgeschabt; nicht umsonst ist der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fado\" target=\"_blank\">Fado<\/a>, der portugiesische Nationalsound gepr\u00e4gt von Melancholie und Sehnsucht, der <em>Saudade<\/em> inmitten der Sch\u00f6nheit und Freude.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><iframe src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/1YriVM8sC7M\" frameborder=\"0\" width=\"400\" height=\"301\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein letzter Ausflug brachte uns an den westlichsten Punkt des europ\u00e4ischen Festlandes, zum Cabo da Roca. Unten toste der Atlantik, oben die Fotoapparate, ein letzter Eintrachtaufkleber wurde unters Volk gebracht, ein letzter Blick aufs Wasser und noch ehe wir uns versahen, sa\u00dfen wir im Flieger von TAP Portugal und sp\u00e4ter in der Bahn Richtung Borneim-Mitte. Am G\u00fcnthersburgpark stand jemand suchend mit Karte und Handy, ein durchaus vertrauter Anblick in der Dunkelheit. Ich wies ihm den rechten Weg und klingelte nur wenig sp\u00e4ter bei Pia, die mir \u00f6ffnete &#8211; das war sch\u00f6n. Hey, hier bin ich wieder und: obrigado Portugal, ich komme wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir die Nacht in einem sonst unbelegten Appartementhaus in Lourinha verbracht und uns den Arsch abgefroren hatten, da es auch um diese Jahreszeit in Portugal recht k\u00fchl wird, setzten wir uns nach dem Fr\u00fchst\u00fcck in die Autos und rollten an den Atlantik. 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