{"id":4890,"date":"2012-01-10T22:01:05","date_gmt":"2012-01-10T21:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4890"},"modified":"2012-01-10T22:59:29","modified_gmt":"2012-01-10T21:59:29","slug":"i-know-not-what-tomorrow-will-bring-%e2%80%a6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4890","title":{"rendered":"I know not what tomorrow will bring \u2026"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fchl wars als ich am Morgen des 5. Januars Richtung U-Bahnstation Bornheim Mitte marschierte. \u00dcber meiner Schulter baumelte ein alter gr\u00fcner Rucksack, gef\u00fcllt mit ein paar Habseligkeiten, die man f\u00fcr ein paar Tage in einem fremden Land braucht.<!--more--> Um 6:20 sollte er gehen, der Flieger nach Lissabon &#8211; und ich war gut in der Zeit. Noch in der S-Bahn traf ich Andy, wir waren die letzten der zehn Mitreisenden, die p\u00fcnktlich um 5:00 am Frankfurter Flughafen eingetrudelt waren. Es war die Crew, die Monat f\u00fcr Monat die Fanzeitung <a href=\"http:\/\/www.fan-geht-vor.de\/\" target=\"_blank\">Fan geht vor<\/a> f\u00fcr die Fans der Eintracht produziert und sich nun auf eine f\u00fcnft\u00e4gige Winterreise nach Portugal aufmachte. Erster Halt: Lissabon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der portugiesische Ligaspielplan sah vor, dass Sporting am Samstag gegen den FC Porto antreten w\u00fcrde, w\u00e4hrend Benfica Tags drauf bei Uniao Leiria zu spielen hatte; genug Zeit also, um durchs Land zu treiben und sich vom blauen Himmel bescheinen zu lassen. Wir fuhren mit der ber\u00fchmten Linie 28 durch Lissabon, tranken Galao und a\u00dfen dazu Pasteis de Belem und spazierten sp\u00e4ter an der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fernando_Pessoa\" target=\"_blank\">Fernando Pessoa<\/a> Statue vorbei, dessen <em>Buch der Unruhe<\/em> die Z\u00e4higkeit des freudlosen Daseins reflektiert; Raucher, Trinker, der Pessoa war, blieb er sein Leben lang in der literarischen Welt nahezu unbekannt, arbeitete unauff\u00e4llig darbend als Handelskorrespondent, um <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hqnxKVjmUgE\" target=\"_blank\">47-j\u00e4hrig ruhmlos zu sterben<\/a>. Heute ist er einer der Nationaldichter Portugals, da kann er sich nun aber auch nichts mehr von kaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abends ging&#8217;s zum Essen nach Bairro Alto, so eine Art erh\u00f6htes Alt-Sachsenhausen; manchmal leuchten Graffitis an den W\u00e4nden abgeschabter H\u00e4user, zwischen Fadolokalen und modernen Bars locken dich Animateure in die Restaurants und verscheuchen somit die Winterkunden. Zwischen 1980 und heute ist die Einwohnerzahl Lissabons um 300.000 geschrumpft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste Tag brachte uns in den Nordosten des Landes, vorbei an Oliven-, Orangen- und Zitronenb\u00e4umchen; \u00fcber Tomar gings nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monsanto_%28Idanha-a-Nova%29\">Monsanto <\/a>zum Sonnenuntergang in den Steinen und weiter nach Covilha, der Silberbarsch f\u00fcr sechs Euro f\u00fcnfzig, der hervorragende Landwein f\u00fcr 2,50 die Flasche, branco oder tinto, wie beliebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Serra de Estrela, dessen Skilifte derzeit mangels Schnee still stehen, rollten wir dann weiter durchs sonnige Land, st\u00e4rkten uns bei Tosta Mista und Cerveja um des nachmittags in Porto einzurollen, wo der Douro in den Atlantik flie\u00dft und gegen\u00fcber in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vila_Nova_de_Gaia\" target=\"_blank\">Vila Nova de Gaia<\/a> der Portwein in den Kellern von Calem, Kopke oder Noval reift. Die teuerste Flasche, die ich in einem der vielen kleinen L\u00e4den entdecken konnte, kostete 1300 Euro. Wir begn\u00fcgten uns in der Dunkelheit in der kleinen Taverne von Manel mit einem Ruby von Burmester, wobei der Quinta de Noval als Digestif nach den Sardinen durchaus runder schmeckte. Alles eine Frage des Preises. Von\u00a0 Porto aus gesehen ist das Ufer von Vila Nova de Gaia mit den Tavernen und der Leuchtreklame der gro\u00dfen Portweinkellereien ein reizender Anblick, zumal sich \u00fcber der Br\u00fccke Dom Luis I ein h\u00fcbsch beleuchtetes Geb\u00e4ude befindet. Vielleicht wisst ihr ja, was es ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Porto ist die heimliche Hauptstadt Portugals, fliesenverkleidete Kirchen, Kathedralen und enge Gassen pr\u00e4gen das Stadtbild ebenso wie die unz\u00e4hligen Bars und Restaurants. W\u00e4sche flattert aus dem Fenster, Graffitis verzieren die W\u00e4nde und neben der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ponte_Dom_Lu%C3%ADs_I\" target=\"_blank\">Ponte-Dom-Lu\u00eds-I <\/a>ist das vielleicht auff\u00e4lligste Geb\u00e4ude der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Torre_dos_Cl%C3%A9rigos\" target=\"_blank\">Torre dos Cl\u00e9rigos<\/a>; wer die 225 Stufen nach oben marschiert erh\u00e4lt als Lohn einen pr\u00e4chtigen Rundumblick bis hin zum Atlantik. Zwischendurch ein paar <a href=\"http:\/\/umcantinhonacozinha.blogspot.com\/2007\/03\/rissis-de-camaro.html\" target=\"_blank\">Rissois de Camarao<\/a>, ansonsten steht Fisch auf der Speisekarte und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Francesinha\" target=\"_blank\">Francesinha<\/a>, das Nationalgericht Portos; Toast, Schinken, gegrilltes Rindfleisch, mit K\u00e4se \u00fcberzogen und in einer Biersauce serviert sollte man es probiert haben, um zu wissen, wie sich Porto anschmeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem \u00fcberdachten Markt warteten noch lebende\u00a0 H\u00fchner, Enten und Kanninchen auf neue Besitzer, w\u00e4hrend Octopusse und Sardinen ihr Leben ausgehaucht hatten und noch am Abend auf die Grills der Restaurants wanderten. Nicht jeder kann sich alles leisten; selbsternannte Parkplatzw\u00e4chter weisen die Autofahrer in freie Parkpl\u00e4tze ein und fordern zu Recht eine M\u00fcnze, und Raucher werden gerne mal um eine Zigarette angeschnorrt, der Portwein f\u00fcr n Tausender geht an andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir aber brachen nach einem Morgen in Porto auf, um \u00fcber einen Meeresausflug nach Figueira da Foz und sehns\u00fcchtigen Blicken auf den Atlantik zur\u00fcck nach Lissabon zu fahren. Punkt 20:15 sollte es losgehen; Sporting vs FC Porto im zur EM 2004 erbauten Stadion Est\u00e1dio Jos\u00e9 Alvalade &#8211; der Erste gegen den Dritten der portugiesischen Liga. Spitzenspiel, dumm nur, dass wir noch keine Karten hatten. Im Radio wechselte sich <em>Offspring<\/em> mit <em>Pulp<\/em> ab, derweil hie und da ein portugiesischer Rocksong durchschl\u00fcpfte; wir im Raucherauto waren guter Dinge. Wir \u00fcberholten die Portobusse, die gleichfalls guter Dinge waren, zumindest solange, bis sie vor den Toren Lissabons von der Polizei angehalten wurden, die auch hier keinen Spa\u00df versteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Stadion mit den gelben B\u00f6gen ging&#8217;s geradeweg in ein Parkhaus; 4 Euro der Spa\u00df, hier ist die gro\u00dfe Welt zuhause. Noch lagen \u00fcber zwei Stunden bis zum Anpfiff und es gab tats\u00e4chlich noch Karten am Eingang &#8211; f\u00fcr 47 Euro das St\u00fcck. Ich schluckte w\u00e4hrend die anderen den Beutel z\u00fcckten, und entschied, mir kein Ticket zu kaufen. Eine andere M\u00f6glichkeit wird sich finden lassen und wenn nicht, dann geht&#8217;s auf eine Cerveja in eine Bar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst aber st\u00e4rkten wir uns mit Bifanas mit Piri-Piri und st\u00fcrzten uns dann ins Get\u00fcmmel. W\u00e4hrende der Rest sich im Fanshop umsah, trieb ich mich am Ticketverkauf rum und siehe da, f\u00fcr 30 Euro konnte ich bei einem Schwarzh\u00e4ndler ein Ticket ergattern, ein Gef\u00fchl wie beim Dopekauf fr\u00fcher an der Konsti. 30 Euro sind zwar immer noch teuer genug aber ich hatte so noch Geld f\u00fcr sieben Flaschen Landwein in Covilha \u00fcbrig. Oder so. Jetzt musste ich nur noch ins Stadion kommen. Von wegen elektronischer Lesbarkeit und so. Aber ich nehm&#8217;s vorweg, es hat alles geklappt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Platz war ein paar Schritte neben einem Zaun der aber nicht allzu gro\u00df st\u00f6rte, die Sitze bunt wie das Leben in London und das Stadion ganz in Gr\u00fcn und Gelb gehalten. Auf jedem Sitz hing ein Plastikbogen f\u00fcr eine Choreo w\u00e4hrend der Stadionsprecher die Zuschauer mit <strong>Spooooorting<\/strong> zum Wechselgesang animierte. Cheerleader h\u00fcpften auf dem Platz herum, Fahnenschwenker betraten das Spielfeld und ein neben mir stehender Ordner tippte mir nach Beginn auf die Schulter: Hinsetzen. Auch bei Sporting hei\u00dft es: Willkommen im modernen Fu\u00dfball. Ich war f\u00fcr Porto.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Spiel wurde dann die Stadionchoreo pr\u00e4sentiert, rundum leuchtete alles in gr\u00fcn und wei\u00df nebst Banner, die ich nicht \u00fcbersetzen konnte, nur gegen\u00fcber im Eckchen schrieen sich die Ausw\u00e4rtsfans des FC Porto hei\u00dfer und schwenkten ihre Fahnen. P\u00fcnktlich zum Spielbeginn str\u00f6mte gr\u00fcn-wei\u00dfer Rauch aus D\u00fcsen, die vor den Kurven installiert waren und h\u00fcllte das ganze Stadion ganz offiziell in dichten Nebel, der noch beim Anpfiff \u00fcber dem Rasen lag. Sporting wie Celtic gr\u00fcn-wei\u00df, Porto in blau-wei\u00df und es ging gleich zur Sache, nach einer Minute gab&#8217;s die erste gelbe Karte. Das Spiel wog munter hin und her, blo\u00df Tore wollten keine fallen obgleich der Support ganz ordentlich war. Das Ganze erinnerte an ein lebhaftes Bundesligaspiel mit engagierten Fans, manch weiblicher Fan trug einen rosa Schal um den Hals, alkoholfreies Bier stand nicht auf der Speisekarte, aber immerhin durfte man bar bezahlen. Nach 90 Minuten ist es dann beim 0:0 geblieben &#8211; ein T\u00f6rchen h\u00e4tte ich schon gerne gesehen, alleine, um zu schauen, wie die R\u00e4nge reagieren, aber man kann nicht alles haben und so verlie\u00dfen wir Lissabon ein zweites Mal und landeten in unseren gebuchten Appartements au\u00dferhalb der Stadt nah am Wasser. Bei einem Schoppen sahen wir noch im TV, wie Real Madrid den FC Grenada mit 5:1 demontierte. Morgen sollte es dann nach Leiria weitergehen &#8211; doch <em>I know not what tomorrow will bring \u2026<\/em>. Wie es Fernando Pessoa in seinen finalen Worten einst nieder schrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fchl wars als ich am Morgen des 5. Januars Richtung U-Bahnstation Bornheim Mitte marschierte. \u00dcber meiner Schulter baumelte ein alter gr\u00fcner Rucksack, gef\u00fcllt mit ein paar Habseligkeiten, die man f\u00fcr ein paar Tage in einem fremden Land braucht.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4892,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[10,12],"tags":[996,131,993,990,995,992,997,998,991,994,999],"class_list":["post-4890","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-photographie","category-wortwelt","tag-covilha","tag-fan-geht-vor","tag-fc-porto","tag-fernando-pessoa","tag-francesinha","tag-lissabon","tag-monsanto","tag-porto","tag-portugal","tag-portwein","tag-vila-nova-de-gaia","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4890"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4890\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4901,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4890\/revisions\/4901"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}