{"id":4792,"date":"2011-11-24T13:38:40","date_gmt":"2011-11-24T12:38:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4792"},"modified":"2018-03-29T10:00:56","modified_gmt":"2018-03-29T08:00:56","slug":"london-calling-part-i-look-right","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4792","title":{"rendered":"London Calling &#8211; Part I &#8211; Look Right!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Alles begann mit einem Currywursttest in meinem Blog und der Anfrage Arnes, ob wir nicht Lust h\u00e4tten, einen solchen in London zu machen; er w\u00fcsste dort eine Bude und bei der Gelegenheit k\u00f6nnten wir doch gleich mitkommen zum Auftritt von Carter USM, die sich zwar seit Jahren aufgel\u00f6st h\u00e4tten, hier und da jedoch noch vereinzelt auftreten w\u00fcrden.<!--more--> Da das ganze verlockend klang und es manchmal einen guten Grund geben muss, von hier wegzukommen sagten wir zu und buchten einen Flug von Hahn nach Stansted und ein Hotel in London gleich dazu. Das Hotel cancelte ich unmittelbar darauf wieder, da die Online-Bewertungen nicht ganz unseren Erwartungen entsprachen (Wer braucht schon Schimmel und Gestank) und buchte gegen\u00fcber ein anderes \u2013 und sollte es nicht bereuen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;Donnerstagnacht sollte es also losgehen, zun\u00e4chst mit dem silbernen Golf nach Hahn, dann nach London \u2013 doch zuvor wartete noch im Museum die Vorstellung des neuen Buches von Uli Matheja, betitelt <a href=\"http:\/\/www.werkstatt-verlag.de\/?q=node\/330\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unsere Eintracht<\/a><em>, <\/em>wobei ich ein wenig moderieren sollte. P\u00fcnktlich am Montagabend f\u00fchlte sich der Golf unwohl, lief unrund und kr\u00e4nkelte. Von daher ging&#8217;s am Dienstag in die Werkstatt und die Diagnose erfolgte am Mittwoch; bis dahin sa\u00df ich auf gl\u00fchenden Kohlen. Mittags kam die Entwarnung, der Golf schw\u00e4chelte an den Z\u00fcndkerzen, am Luftmengenmesser und an einer Z\u00fcndspule; Abholtermin sp\u00e4testens Donnerstagvormittag, und so kam es dann auch. Leise rollten die 75 PS zur\u00fcck ins Nordend &#8211; und als Matze anrief ob ich f\u00fcr Steffen einspringen k\u00f6nnte nur wenig sp\u00e4ter ins Eintracht Frankfurt Museum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel war noch nicht los, hie und da verkaufte ich ein Eintrittsk\u00e4rtlein und wies einem Verirrten den Weg zum Fanshop, w\u00e4hrend ich nebenbei die Technik f\u00fcr den Abend installierte. Gegen f\u00fcnf Uhr kam Pia, gegen sechs die ersten G\u00e4ste und alsbald f\u00fcllten sich die R\u00e4ume mit Eintrachtlern jeglicher Couleur, um das Erscheinen des Buches geb\u00fchrend zu w\u00fcrdigen &#8211; darunter auch die Europapokalfinalisten Lindner, Lutz und Stein; auch Dr. Peter Kunter schneite vorbei und p\u00fcnktlich um halb acht er\u00f6ffnete Matze Thoma die Veranstaltung. Warme Worte gab&#8217;s obendrauf von Eintracht Pr\u00e4sident Peter Fischer und schon erz\u00e4hlte Uli Matheja \u00fcber das Buch und dessen Entstehung und \u00fcber die Notwendigkeit, am Strand Korrektur zu lesen w\u00e4hrend andere entspannen. Zwei Jahre lang st\u00f6berte Matheja in Archiven und korrespondierte mit Gott und der Welt, um aus den <a href=\"http:\/\/www.werkstatt-verlag.de\/?q=node\/78\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlappekicker und Himmelsst\u00fcrmer<\/a> Auflagen das neue Werk zu entwickeln. Er entzifferte handschriftliche Spielberichte aus den Anfangstagen der Viktoria, stellte fest, dass zu Kriegszeiten auch mal Zuschauer oder Spieler der gegnerischen Reservemannschaft einspringen mussten, um elf Spieler aufbieten zu k\u00f6nnen und bemerkte, dass in fr\u00fchen Jahren der Fu\u00dfball ebenso eine Randnotitz wert war, wie ein Fahrraddiebstahl. Und dass er immer noch auf der Suche nach dem Torsch\u00fctzen sei, der beim ersten Heimspiel nach dem Zweiten Weltkrieg f\u00fcr die Eintracht beim 1:4 gegen N\u00fcrnberg getroffen hatte. Unter den Zuh\u00f6rern war auch die Familie des vor einem Jahr viel zu jung verstorbenen Christoph Safran, dessen preisgekr\u00f6nte Arbeit mit Sch\u00fclern zu der j\u00fcdischen Schuhabrik Schneider, die im Volksmund Schlappeschneider genannt wurde und urs\u00e4chlich verantwortlich f\u00fcr den Begriff <em>Schlappekicker<\/em> ist \u2013 immerhin arbeiteten ein Gro\u00dfteil der Eintrachtmannschaft zu Beginn der Drei\u00dfiger Jahre in der Fabrik. Am Ende erz\u00e4hlte \u00d6ri noch, wie er Anfang der Achtziger J\u00fcrgen Klopp dazu gebracht hatte, die Eintracht C-Jugend zu trainieren und alsbald war die Veranstaltung zu Ende; B\u00fccher wurden unter&#8217;s Volk gebracht, ein Schoppen getrunken und sp\u00e4ter die Technik wieder abgebaut. Als wir frisch getankt wieder im Nordend einliefen war es kurz nach Mitternacht; in drei Stunden w\u00fcrde die Nacht zu Ende sein &#8211; noch ehe sie angefangen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend sich Pia langsam reisefertig machte, packte ich meine Siebensachen zusammen und legte mich ein knappes St\u00fcndchen aufs Ohr. Kaum war ich eingeschlafen, ging&#8217;s schon los. Wir verstauten in der k\u00fchlen Dunkelheit unsere Habseligkeiten im Kofferraum des Golfs und schnurrten um viertel nach drei auf den Alleenring und von dort auf die Autobahn, vorbei an Ikea, vorbei an Wiesbaden, hielten uns auf der Theodor Heuss Br\u00fccke in Mainz brav an die Geschwindigkeit und folgten der Autobahn \u00fcber Ingelheim und Gau Algesheim ins Hunsr\u00fcck. The Sound sangen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-1hrznPdsjk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Counting the days<\/a>, ab und an \u00fcberholten wir einen LKW bis es bei der Ausfahrt Rheinb\u00f6llen auf die Schnellstra\u00dfe und von dort zum gut ausgeschilderten Flughafen ging. Dort parkten wir den Golf einige Schritte vom Terminal entfernt und wanderten zu den bunten Buchstaben Flughafen Frankfurt Hahn, was auch immer Hahn mit Frankfurt zu tun hat. Der Flughafen erwachte zum Tag, die Brezelbude wurde einger\u00e4umt und allenthalben schimmerte die M\u00fcdigkeit der Nacht durch die Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Flieger startete ab Terminal B, so mussten wir noch ein paar Meter laufen, bis wir an der Gep\u00e4ckaufgabe unseren Koffer auf die Reise schickten. Einige Flugzeuge standen auf der Rollbahn und so langsam f\u00fcllte sich der kleine Airport mit Reisenden. Wir marschierten durch die Passkontrolle, wurden wie auch unsere Stiefel kritisch be\u00e4ugt, warfen einen Blick in den Duty-Fee-Shop und hockten uns dann in den Wartesaal am Gate, der sich gleichsam langsam f\u00fcllte. Mitarbeiter mit leuchtend gelben Westen begannen ihren Arbeitstag, ein gealteter Trinker auf Kr\u00fccken g\u00f6nnte sich einen Flachmann und m\u00fcde Reisende hingen in den Sitzen oder standen schon fr\u00fch in der Schlange der Wartenden, die in Bewegung kam, als das Priority Boarding aufgerufen wurde. Bis auf den Trinker auf Kr\u00fccken und eine Frau im Rollstuhl, die beide wieder zur\u00fcckgeschickt wurden, weil Priority eben Geld kostet und nicht abh\u00e4ngig von Gebrechen ist, hatte niemand die bevorzugte Behandlung gebucht und somit \u00e4nderte sich vorerst nichts. Wenig sp\u00e4ter durfte dann auch Otto Normalverbraucher das Flugzeug besteigen, wir aber blieben sitzen, bis wir als vorletzte \u00fcber den Flughafen zum Flieger spazierten. Kurz nach dem Betreten wussten wir auch, weshalb sich die meisten die F\u00fc\u00dfe in den Bauch gestanden hatten, reservierte Pl\u00e4tze sind ein Luxusgut, das bei Ryanair nicht zum Standard geh\u00f6rt \u2013 und obgleich wir die letzten waren, fanden sich noch zwei Pl\u00e4tze nebeneinander. Da die Gep\u00e4ckablagen jedoch besetzt waren, quetschten wir unsere kleinen Rucks\u00e4cke zwischen die Beine und p\u00fcnktlich wie die Maurer hob die 737 ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unentwegt quatschte eine Stimme \u00fcber die Lautsprecher zu uns, wurden Hefte oder Preislisten gereicht und wieder eingesammelt, w\u00e4hrend mein Kopf auf die Ablage fiel und ich \u00fcber das Gemurmel einnickte \u2013 um nur ein paar Minuten sp\u00e4ter etwas holprig in Stansted zu landen. Mit einem B\u00e4hnchen ratterten wir zur Gep\u00e4ckausgabe, wo Pias Trolly mit dem Eintracht-Aufkleber schon seine Runden drehte und gemeinsam \u00fcberstanden wir die Einreiseformalit\u00e4ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Zeit in London eine Stunde zur\u00fcck ist, hielten wir um 07:15 unsere Tickets f\u00fcr die Busfahrt in die City in unseren H\u00e4nden, f\u00fcr 15 Pfund sollte uns Terravision zur Victoria Station und am Montag wieder zum Airport bringen; allein: m\u00f6ge die \u00dcbung gelingen. Aus der geplanten Abfahrtszeit um 7:30 wurde zwar 8:00, und der Bus, der mit Liverpool beschildert war fuhr mitnichten nach Liverpool, sondern nach London in die Liverpool Street \u2013 aber auch dort wollten wir nicht hin. So tranken wir einen Kaffee, vergegenw\u00e4rtigten uns, dass wir nun tats\u00e4chlich in London waren und erinnerten uns daran, dass der Einheimische den Linksverkehr bevorzugt. <strong>Look right<\/strong> hie\u00df also das Gebot der Stunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P\u00fcnktlich um acht setzte sich der Bus in Bewegung und wir rollten \u00fcber die Autobahn in Richtung City. Auf den Feldern vor der Stadt schwebte der Morgennebel, aus den Lautsprechern sangen <a href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x8ti9_snow-patrol-chasing-cars_music\">Snow Patrol von Chasing cars<\/a>, w\u00e4hrend wir durch das Fenster erste Eindr\u00fccke aufsaugten. Der Millenium Dome gr\u00fc\u00dfte von Ferne, sp\u00e4ter rollten wir an der Themse entlang, erkannten die London Tower Bridge, London Eye, Downing Street und den Big Ben, bis wir nur wenig sp\u00e4ter an der Victoria Coach Station unser erstes Ziel erreicht hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da unser Hotel nur ein paar Hundert Meter von der Busstation entfernt lag, orientierten wir uns kurz an einem Stadtplan und marschierten den St Georges Drive hinunter bis zum Warwick Way, derweil uns schon nach wenigen Schritten die ersten Britinnen aus dem Bilderbuch begegneten \u2013 mit H\u00fcten gro\u00df wie Wagenr\u00e4der. An jeder Kreuzung gemahnten wir uns: <em>Look right<\/em> und nach wenigen Minuten standen wir vor unserem Hotel. Wir klingelten und eine weibliche Stimme rief: <em>Receptscheeeen<\/em> und nach unserer Vorstellung: <em>Cam iiiiiin<\/em>. Der T\u00fcr\u00f6ffner summte und wir stiefelten eine schmale Treppe zur Rezeption hinab. Die weibliche Stimme begr\u00fc\u00dfte uns, w\u00e4hrend sie umher wuselte und erkl\u00e4rte uns freundlich den Ablauf der Dinge. Da wir erst um 14:00 Uhr einchecken konnten, war es kein Problem, unser Gep\u00e4ck (ohne Wertsachen und Passport) im Fr\u00fchst\u00fccksraum zu lassen, der ordentlich und gem\u00fctlich wirkte. Nach einer kurzen Plauderei mit der freundlichen Asiatin, verlie\u00dfen wir das Hotel und st\u00fcrzten uns bewaffnet mit Stadtplan, Reisef\u00fchrer und einem ganzen S\u00e4cklein voller Neugierde in den sonnigen Tag. Nach mittlerweile 26 Stunden ohne Schlaf (Pia) resp ohne nennenswerten (Beve) wartete nun London auf uns. <em>Look right.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Weg f\u00fchrte \u00fcber einen kleinen Markt zur Themse Richtung Vauxhall Bridge. Wir hatten uns entschieden, f\u00fcr&#8217;s erste am Fluss zu bleiben und zu sehen, wohin der Weg uns f\u00fchrt; da ich das erste Mal in London war und auch Pias letzte Reise hierher schon Staub angesetzt hat, sollten unsere Wege durchaus an den bekannten touristischen Attraktionen vorbei f\u00fchren, die laut Plan mehr oder minder an der Themse ihre Heimat hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sonne glitzerte im Wasser; Schiffe und Boote jeglicher Couleur schipperten auf dem Fluss, dessen Bedeutung f\u00fcr die Stadt in den letzten Jahren schwer abgenommen hat. Die roten, modernen Doppeldeckerbusse sausten die Stra\u00dfe entlang, dazu Unmengen der schwarzen Taxis, die mittlerweile gleichfalls recht modern daherkamen. Unentwegt quengelte ein Sirene der Polizei; die ersten Jogger sausten am Ufer entlang, bis sich nach wenigen Metern der Victoria-Tower des House of Parliaments m\u00e4chtig in den Himmel schob. Grimmige W\u00e4chter mit Maschinenpistolen wachten stumm, w\u00e4hrend Touristen eifrig fotografierten. In der Ferne drehte das London Eye seine Runden, w\u00e4hrend am Fu\u00df der Westminster Bridge der ber\u00fchmte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Big_Ben\">Big Ben<\/a> thronte. Goldgl\u00e4nzend ragte der Turm in den blauen Himmel, nur wenige Schritte dahinter liegt die Westminster Abbey, die wir uns jedoch f\u00fcr den R\u00fcckweg aufhoben. Pippa lief uns allerdings nicht \u00fcber den Weg. Daf\u00fcr aber Jogger, fotografierende Touristen und Menschen, die auf ihr Handy starrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir schlenderten an der Themse entlang, verzierten eine Telefonzelle klammheimlich mit einem Eintrachtaufkleber und schlugen uns vor der Blackfriars Bridge in die von Bankern mit ma\u00dfgeschneiderten Anz\u00fcgen belebte Gegend hinter der Uferstra\u00dfe. Auch hier schien das Handy angewachsen, ein jeder telefonierte, an den Ecken aber residierten historische Pubs, bev\u00f6lkert mit urbaner Klientel \u2013 davon jedoch waren die Kinder noch weit entfernt, die in gro\u00dfen Gruppen in Schuluniform bei St. Paul umher schwirrten. \u00dcber alles wachten Kameras, es schien, als bliebe kein Schritt unbemerkt. Weiter unten am Ufer f\u00fchrt die Milleniums Bridge mittenmang auf das Modern Tate Museum. Mit einem Kaffee in der Hand spazierten wir an einem Pub mit dem sch\u00f6nen Namen <a href=\"http:\/\/www.citypubs.co.uk\/pubs\/thehungdrawnandquartered.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Hung, Drawn and Quartered<\/a> vorbei \u2013 unzweifelhaft n\u00e4herten wir uns dem London Tower und der bekannten London Tower Bridge, ein weiteres beliebtes Fotoobjekt, nicht nur bei uns. Besuchergruppen marschierten durch den London Tower und h\u00f6rten sich die gruselige Geschichte des ehemaligen Gef\u00e4ngnisses an, in dem neben Sir Walter Raleigh auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jane_Grey\">Lady Jane Grey<\/a> oder Rudolf He\u00df eingesessen hatte \u2013 der im Gegensatz zur jungen K\u00f6nigin den Turm jedoch \u00fcberlebt und sich erst sp\u00e4ter vom Acker gemacht hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir schauten uns kurz im Shop um und marschierten \u00fcber die London Tower Bridge der Sonne entgegen. Als Kind hatte ich mal ein Spiel namens Electra, es ging darum, verschiedene Dinge elektrisch mit einer Antwort zu verkn\u00fcpfen und ein Gl\u00fchbirnchen zum leuchten zu bringen; Auf dem Papierbogen der Sehensw\u00fcrdigkeiten fanden sich neben der Rialto Br\u00fccke, der Chinesischen Mauer auch die London Tower Bridge; 40 Jahre sp\u00e4ter erinnerte ich mich daran, wie ich im staubigen Wohnzimmer meines Gro\u00dfvaters in M\u00f6mlingen herausgefunden hatte, dass egal welcher Bogen auf dem Spiel lag, die Verkn\u00fcpfungen stets die gleichen waren \u2013 am Ende konnte ich das Spiel auch ohne Bogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am s\u00fcdlichen Ufer der Themse wanderten wir wieder zur\u00fcck, vorbei am Modern Tate und entdeckten den wunderbaren Borough Market. Pfiffige H\u00e4ndler boten Lebensmittel jeglicher Artfeil, auf den Grills dampften Lammspie\u00dfe, frische Gnocchis wurden zur Probe gereicht; Wurst, K\u00e4se, Fish n Chips, Obst und alles was das Herz begehrt lag appetitlich zubereitet und lie\u00df einem das Wasser im Munde zusammen laufen. Da sag mal einer, in England gibt es nichts&nbsp; gescheites zu essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derart gest\u00e4rkt erreichten wir den Weihnachtsmarkt, der verd\u00e4chtig an den heimischen erinnert, in den bekannten Holzh\u00fcttchen wurde Gl\u00fchwein, und Krimskrams feilgeboten, die Kinder sausten mit einem Karussell im Kreis und lernten f\u00fcr ein Leben, kurz dahinter ragte das London Eye in die beginnende Nacht. Noch immer harrte eine Menschenschlange auf die M\u00f6glichkeit einer drei\u00dfigmin\u00fctigen Fahrt mit Blick \u00fcber das abendliche London. In der N\u00e4he hat ein Gruselmuseum seine Heimat; Kindern liefen schreiend heraus, gefolgt von einem blut\u00fcberstr\u00f6mten Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittlerweile schmerzten meine F\u00fc\u00dfe gewaltig und mit jedem Schritt schien der Weg qualvoller. Bl\u00f6derweise hatte ich nur meine uralten Red Wings dabei, die all die Jahre klaglos ihren Dienst verrichtet hatten \u2013 doch allein der Gedanke, am kommenden Tag die gleichen Schuhe tragen zu m\u00fcssen, schmerzte gewaltig. W\u00e4hrend Pia trotz nunmehr 36 Stunden ohne Schlaf noch recht munter wirkte, zumindest was die F\u00fc\u00dfe anging, verlie\u00dfen mich die Kr\u00e4fte. \u00dcber die Westminster Bridge schleppten wir uns zur Westminster Abbey, wof\u00fcr ich angesichts meiner F\u00fc\u00dfe nur einen eher m\u00fcden Blick \u00fcbrig hatte; selbst wenn Pippa hier vorbei marschiert w\u00e4re, h\u00e4tte ich nur einen einzigen Gedanken gehabt: Schuhe aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Stunden hatte sich nun die Dunkelheit \u00fcber die Stadt gelegt, die Augen flimmerten und nur m\u00fchsam erkannten wir im Schein der Stra\u00dfenlaternen die winzige Schrift des Stadtplans; immer wieder hielten wir an, vergewisserten uns unseres Weges und landeten endlich wieder im Warwick Way. Ein kurzer Ausflug in einen Supermarkt folgte, ein Feierabendbier wanderte in unsere Tasche ebenso eine Flasche Wasser, bezahlt an einer Selbstbedienungskasse und nach wenigen Metern klingelten wir am Hotel. <em>Receptscheeeeen. Cam iiiiiiin.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die freundliche Asiatin erkl\u00e4rte uns wortreich das Hotel und die Wege, derweil wir bezahlten und uns aufs Zimmer schleppten.Der&nbsp; Room 218 sollte nun f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage unser zuhause und uns doch nur in der Dunkelheit sehen. Das Zimmer war zwar klein, aber sauber und aufger\u00e4umt, auch ein Blick auf Toilette und ins Bad stimmte froh und so warf ich meine Schuhe auf den Boden und winselte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir teilten uns ein Heineken, ruhten ein wenig aus und entschieden dann noch einmal hinaus zu gehen, wer wei\u00df schon, wann wir wieder einmal in London sein werden. Unsere Idee war, zur Victoria Station zu laufen um dann mit der Bahn zum Piccadilly Circus zu fahren. Dazu hatten wir die Oystercard einer Kollegin von Pia in der Tasche, eine Karte, die das Bahnfahren erschwinglich gestaltet. Diese wird mit einem Geldbetrag aufgeladen, \u00fcber Leseger\u00e4te wird die jeweilige Fahrt an den Bahnh\u00f6fen abgebucht &#8211; manchmal jedoch schl\u00fcpft jemand unbemerkt noch mit durch die Absperrung und hofft, noch etwas g\u00fcnstiger davon zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wir am Morgen an der Victoria Coach Station f\u00fcr Busse gelandet sind, checkten wir zun\u00e4chst unsere Abfahrstation f\u00fcr die R\u00fcckreise und wanderten dann erstmals in den gro\u00dfen Bahnhof. Die schwarzen Taxis warteten vor dem Hintereingang auf Kundschaft, wir aber irrten durch die riesigen Hallen, die tats\u00e4chlich um einiges gr\u00f6\u00dfer sind als die Konstablerwache. Rush hour in London, Gewimmel und Gewusel, klackernde Trollies, Leuchtreklame der Gesch\u00e4fte und kleine Wegweiser zur Underground. Menschenschlangen warteten vor den Ladestationen der Oystercard, Menschenmassen marschierten durch die Eing\u00e4nge der Tube \u2013 und uns wurde schon vom Zuschauen schier schwindlig. Immerhin mussten wir ja noch das Procedere einer Bahnfahrt kl\u00e4ren, doch bei all dem Trubel und unserer M\u00fcdigkeit suchten wir ein ruhigeres Eckchen. Und prompt fanden wir ein Leseger\u00e4t, vor dem niemand wartete, checkten unsere Karten und entschieden dann, \u00fcber den Buckingham Palace Richtung Piccadilly Circus zu laufen. So holten wir uns ein Roadbier und schlenderten prostend aber langsam die Buckingham Palace Road entlang. Wagemutig, wie sich sp\u00e4ter heraus stellte. In einer Unterf\u00fchrung schliefen zwei Obdachlose auf Pappkartons, wenige Meter dahinter residiert die k\u00f6nigliche Familie in allem erdenklichen Luxus. Seltsame Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Buckingham Palace, der nachtbeleuchtet in die Dunkelheit prangte, war es recht ruhig. Ein paar Jugendliche machten Faxen am Denkmal vor den Parks und wir wanderten weiter Richtung Piccadilly Circus; vielleicht nicht auf dem k\u00fcrzesten Weg und vielleicht auch nicht schnell, aber wir kamen vorw\u00e4rts. Am Stra\u00dfenrand der breiten Stra\u00dfe The Mall hingen t\u00fcrkische und britische Flaggen im Nachtdunkel, Wohnmobile mit Arbeitspl\u00e4tzen parkten am Stra\u00dfenrand und ein Wohnwagen mit Cateringangebot versorgte die Schaffenden, wer wei\u00df, vielleicht wird derzeit ein Film gedreht, vielleicht ist es aber auch Alltag in der Monarchie, man will schlie\u00dflich informiert sein, was die Queen und ihre Z\u00f6glinge gerade so treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einigem Hin und her fanden wir dann tats\u00e4chlich den Piccadilly Circus; grellbunte Neonreklame beleuchtete den belebten Platz, Jugendliche hockten am Shaftesbury Memorial Fountain, Busse und Taxis sausten umher und der Platz wirkte nicht wirklich einladend \u2013 bis ich ein Schuhgesch\u00e4ft entdeckte, das noch offen hatte. Schnurstracks marschierten wir hinein, und da die Preise moderat erschienen, schauten wir uns um. Kurz darauf probierte ich ein paar Pumaturnschuhe an, die zwar optisch \u00fcberzeugten, aber zu gro\u00df waren. Nach zwei weiteren Versuchen hatte ich die richtige Gr\u00f6\u00dfe erwischt und sp\u00fcrte, wie sich meine F\u00fc\u00dfe freuten und so gar nicht glauben konnten, wie ihnen geschah. Ich wanderte zur Kasse, packte die Stiefel in eine T\u00fcte und behielt die neuen Schuhe an den F\u00fc\u00dfen. Dass ich elfengleich geschwebt w\u00e4re, w\u00fcrde ich nicht behaupten, aber im Gegensatz zu vorher sah mein Gang nach dem eines Menschen aus. Die ersten Pumaschuhe meines Lebens, das bislang von adidas gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wir nunmehr knapp 40 Stunden auf den Beinen und hungrig waren, erkl\u00e4rten wir das Sightseeing f\u00fcr heute beendet, spazierten in die Underground und fuhren erstmals U-bahn in der gro\u00dfen Stadt. Wie die Profis zogen wir die Oystercard \u00fcber die Leseger\u00e4te, und checkten die Linien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00df nach Restaurant und Vornehm stand uns der Sinn nicht mehr, bei einer bekannten Burgerkette erstanden wir Whopper samt Cola, hockten uns auf eine Bank im Bahnhof und lagen wenig sp\u00e4ter im quietschendem Hotelbett, nachdem wir zuvor mit verschwommenen Augen vergeblich versuchten, den Stadtplan zu lesen. Ich brauche keine Brille, ich brauche eine Lupe. Flugs den Wecker gestellt und noch im Weckerstellen fielen mir die \u00c4uglein zu. Meine F\u00fc\u00dfe bedankten sich noch ganz leise f\u00fcr die neuen Schuhe; die alten aber, das war beschlossene Sache, w\u00fcrden in London bleiben. Ein Abschied nach sechzehn Jahren k\u00fcndigte sich an \u2013 und er wird eingedenk des letzten Tages ein w\u00fcrdiger sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles begann mit einem Currywursttest in meinem Blog und der Anfrage Arnes, ob wir nicht Lust h\u00e4tten, einen solchen in London zu machen; er w\u00fcsste dort eine Bude und bei der Gelegenheit k\u00f6nnten wir doch gleich mitkommen zum Auftritt von Carter USM, die sich zwar seit Jahren aufgel\u00f6st h\u00e4tten, hier und da jedoch noch vereinzelt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4797,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,2175,10,12],"tags":[969,950,949,951,947,960,970,971,972,834,945,948],"class_list":["post-4792","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-london","category-photographie","category-wortwelt","tag-big-ben","tag-carter-usm","tag-enrico","tag-flughafen-hahn","tag-london","tag-london-eye","tag-london-tower","tag-london-tower-bridge","tag-pippa","tag-uli-matheja","tag-unsere-eintracht","tag-victoria-station","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4792","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4792"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4792\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12906,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4792\/revisions\/12906"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4792"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}