{"id":4541,"date":"2011-10-02T10:02:10","date_gmt":"2011-10-02T08:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4541"},"modified":"2011-10-02T10:03:34","modified_gmt":"2011-10-02T08:03:34","slug":"eintracht-schatze-im-museum-eine-sonderausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4541","title":{"rendered":"Eintracht Sch\u00e4tze im Museum &#8211; Eine Sonderausstellung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was haben ein Bass, ein Kettcar und eine Zigarrenkiste gemeinsam? Zugegeben, auf den ersten Blick nicht viel und doch eine ganze Menge. Um diese Frage jedoch ganz genau zu beantworten begeben wir uns ins Museum der Frankfurter Eintracht und schauen uns um. <!--more-->Und siehe da: Zur Dauerausstellung die mehr oder minder seit Ende 2007 zu sehen ist, gesellten sich jede Menge neue Exponate, die bei n\u00e4herem Hinh\u00f6ren eine tolle Geschichte erz\u00e4hlen. Das Museum hatte n\u00e4mlich Fans und dazu auch ehemalige Eintrachtler aufgerufen, besondere Erinnerungsst\u00fccke auszugraben um diese f\u00fcr die Dauer einer Sonderausstellung dem heimischen Wohnzimmer zu entrei\u00dfen und der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen. Und da die Eintrachtfans jede Menge schicke Sachen gesammelt haben, sind etliche gro\u00dfartige Exponate in den Vitrinen des Museums gelandet und k\u00f6nnen von nun ab hier bestaunt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausstellungser\u00f6ffnung war an einem regnerischen Donnerstag im August; gekommen waren nicht nur die Besitzer der Sch\u00e4tze sondern Interessierte und auch Helden von einst, wie Meistertorh\u00fcter Egon Loy oder der WM-Teilnehmer von 1966, Friedel Lutz. Auch Kurt E. Schmidt, der Grandseigneur der Eintracht schaute ebenso vorbei, wie der Enkel des Vereinsgr\u00fcnders Albert Pohlenk, Horst, der etwas ganz Besonderes mitgebracht hatte; eine silberne Zigarrenkiste seines Gro\u00dfvaters, die nahezu 100 Jahre auf dem Buckel hat, fast so viel, wie unsere Eintracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurt E. Schmidt muss seinen geliebten Pfefferminztee vor\u00fcbergehend aus anderen Tassen trinken, wie gewohnt. Gut gelaunt erz\u00e4hlte er, dass er seit Jahren an jedem Tag drei Tassen Tee trinkt \u2013 nat\u00fcrlich aus Tassen mit dem Eintracht-Adler \u2013 die nun in einer Vitrine ausgestellt werden. Kurt ist mittlerweile \u00fcber achtzig Jahre alt, man kann sagen, dass die Pfefferminze und der Adler nun wahrlich nicht schaden, ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Siebziger Jahren kamen die Kutten in Mode, jene \u00e4rmellosen Jeansjacken, bestickt und ben\u00e4ht mit allerlei Aufn\u00e4hern; Kordeln und Spr\u00fcchen wie: Wir hassen den FC Bayern oder Together Forever \u2013 Eintracht und der MSV. Das Eintracht Museum aber pr\u00e4sentiert etwas ganz spezielles \u2013 n\u00e4mlich eine bestickte Jeanshose von Renate Krause \u2013 mit Schlag nat\u00fcrlich, wie es sich f\u00fcr die Siebziger geh\u00f6rt. Namen wie R\u00fcdiger Wenzel, Helmut M\u00fcller oder Ronny Borchers wurden aufgestickt und man sieht f\u00f6rmlich, wie die Bilder aus der guten alten Zeit vorbeiziehen, wie man ja auch das Meer rauschen h\u00f6rt, so man sich eine Muschel ans Ohr h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Spieler haben sich nicht lumpen lassen; an der Wand entdecken wir brav eingerahmt J\u00fcrgen Grabowskis allerersten Vertrag bei der Eintracht aus dem Jahr 1965, wir bewundern die Fu\u00dfballschuhe von Matthias Hagner, mit denen er 1995 dem FC Bayern zwei Tore ins Netz gezaubert hatte und wir finden den Ausgehsakko von Uwe Bindewald, gepaart mit dem offiziellen Ausgehschlips, der so bunt und geschmacklos daher kommt, dass man es kaum glauben kann, dass so etwas au\u00dferhalb der Faschingszeit getragen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Band Tankard hat den Bass zur Verf\u00fcgung gestellt, mit dem sie uns 2006 beim Pokalfinale in Berlin ordentlich eingeheizt haben, wir entdecken Frank Wagners Steinbrocken aus dem alten Waldstadion (weitere Steine dienen nun als Fundament f\u00fcr dessen Gartenh\u00fctte) und Thor Philippas Eintracht-Pin-Sammlung \u2013 \u00fcber 300 der kleinen Anstecker warten s\u00e4uberlich aufgereiht auf neugierige Besucher. Wer genau hinsieht entdeckt sogar einen, der das Wappen eines Nachbarvereins aufweist. Richtig, jener Verein besiegte auf dem Weg zum DFB-Pokalsieg 1970 unsere Eintracht \u2013 und das Museum scheut sich nicht, diesen Pin zu pr\u00e4sentieren. Ja, man muss auch dorthin gehen wo es weh tut. Nach Offenbach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00dfartig in Aussehen und Pr\u00e4sentation ist auch ein selbstgebautes Kettcar, dessen Kr\u00f6nung der Sitz ist, eine Sitzschale, abgeschraubt von den besseren Pl\u00e4tzen des ehemaligen Waldstadions und nun die einzigartige Unterlage des Kettcars. Der Enkel des Erbauers saust, wenn das Gef\u00e4hrt nicht gerade ein Museumsexponat ist, wohlgelaunt durch die Stra\u00dfen und freut sich einen Ast \u00fcber das einzige Haupttrib\u00fcnenkettcar der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal sind es die leisen Geschichten, die an unser Ohr dringen, die ein Leben erz\u00e4hlen, das l\u00e4ngst vergangen ist und doch f\u00fcr Momente wieder aufblitzt, weil uns etwas in die H\u00e4nde f\u00e4llt, das magische Geschichten zu erz\u00e4hlen hat. Eine dieser Geschichten ist die Reise eines Ehepaares mit der Tochter aus Kiel anl\u00e4sslich eines Eintracht-Spiels gegen Gladbach, das 1973 im hiesigen Stadion \u00fcber den Rasen ging. Das Programm und das Foto, leicht vergilbt, zeigt die Reisenden stolz vor dem Stadion. Heute ist die Tochter l\u00e4ngst erwachsen, die Eltern schon lange tot und doch bleiben sie durch die Erinnerung lebendiger als es mancher Erdbewohner noch zu Lebzeiten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein unscheinbares Foto aus den fr\u00fchen Neunziger Jahren, ein Torwart und ein kleiner Junge dahinter mit einem Stift in der Hand \u2013 dies ist der Stoff, aus dem gro\u00dfe Geschichten gewebt werden. Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte das Eintracht Museum die Torh\u00fcter-Legende Uli Stein begr\u00fc\u00dfen. Zu diesem Zweck wurden alte Fotos ausgegraben, die f\u00fcr kleines Geld verkauft wurden. Einer der G\u00e4ste, Frank Assmann, besah sich die Fotos und runzelte bei einem davon die Stirn. Irgendetwas was anders. Und dann ratterte das Zahnr\u00e4dchen im Hirn eine Runde weiter \u2013 und die Erkenntnis blitzte auf. Frank erkannte sich selbst auf dem zwanzig Jahre alten Foto \u2013 als kleiner Junge wartete er mit einem Stift in der Hand am Kabinengang, w\u00e4hrend Uli Stein sich aufs Spielfeld begeben will. Ehrensache, dass auch die Begegnung zwanzig Jahre sp\u00e4ter fotografiert und f\u00fcr die Ewigkeit festgehalten wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei unserem Rundgang entdecken wir gro\u00dfe Fahnen von Ulf aus der Rh\u00f6n oder Axel Gonther, die seit Jahrzehnten im Stadion h\u00e4ngen. Die Fahnen nat\u00fcrlich, nicht die Besitzer. Wir entdecken den punktgenauen Nachbau der Arena aus Holz \u2013 angefertigt von Max Galys, einem Achtkl\u00e4ssler, der l\u00e4ssig mit Kopfh\u00f6rer um den Hals der Ausstellung beiwohnt. Wir finden den Ball, der doch eben erst in den letzten Spielminuten beim 2:1 Sieg ins Netz des FC Bayern gesegelt ist und wir entdecken ein Aufsatzheft des Journalisten Rainer Jourdan, der als kleiner Bub pr\u00e4zise beschrieben hat, wie es sich anf\u00fchlt, wenn die Eintracht im Europapokal der Landesmeister im Halbfinale die gro\u00dfen Glasgow Rangers mit 6:1 besiegt \u2013 wie damals, 1960. Zwanzig Jahre sp\u00e4ter endete die Karriere des vielleicht gr\u00f6\u00dften Eintrachtlers, J\u00fcrgen Grabowski, nach einem r\u00fcden Foul des Jungprofis Lothar Matth\u00e4us. Und das Eintrachtmuseum w\u00e4re nicht das Eintrachtmuseum, h\u00e4tte es nicht auch dazu ein tolles Exponat aufgetrieben. Begann die Karriere des gro\u00dfartigen Grabi mit der Unterschrift 1965 unter den ersten Vertrag, so endete sie in einem schwarz-rot gestreiften Minoltatrikot mit der Nummer 10. Und exakt dieses Trikot aus dem letztem Spiel wurde dem Museum \u00fcberreicht \u2013 auf dass der Kreis sich schlie\u00dfen m\u00f6ge. So dachten wir zun\u00e4chst \u2013 denn bei genauerer Betrachtung zeigte es sich dann doch, dass das sch\u00f6ne Trikot zwar von Grabi getragen wurde, jedoch nicht bei dessen letztem Spiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es lohnt sich dennoch, mal wieder im Museum vorbei zu schneien, denn neben den erw\u00e4hnten Exponaten gibt es noch eine ganze Menge anderer Dinge zu bestaunen, die Geschichten aus einer Zeit erz\u00e4hlen, die wir die gute alte nennen &#8211; so wie die Gegenwart die gute alte Zeit von morgen sein wird. Auch wenn man es kaum f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Beitrag erschien zuerst in der <a href=\"http:\/\/fan-geht-vor.de\/\" target=\"_blank\">Fan geht vor<\/a> &#8211; Ausgabe 199<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was haben ein Bass, ein Kettcar und eine Zigarrenkiste gemeinsam? Zugegeben, auf den ersten Blick nicht viel und doch eine ganze Menge. 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