{"id":4414,"date":"2011-08-22T12:12:55","date_gmt":"2011-08-22T10:12:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4414"},"modified":"2011-08-31T09:37:30","modified_gmt":"2011-08-31T07:37:30","slug":"heimspiel-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=4414","title":{"rendered":"Heimspiel in Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gott sei Dank, die Luft bleibt im Schlauch. So muss ich am Sonntagmorgen gegen halb acht nur den Mantel aufziehen und das Rad montieren, bevor ich todm\u00fcde von Oberrad aus Richtung Main rolle. Unten am Ufer geht es noch recht beschaulich zu, einzig die Jogger flitzen sich gesund. Frisch ist&#8217;s, doch die Wettervorhersage verspricht br\u00fctende Hitze und 34\u00b0 &#8211; und so sollte es ja auch kommen. Jedoch weit sp\u00e4ter als erwartet. <!--more-->Fr\u00fcher schaute man aus dem Fenster, pr\u00fcfte die Luft und wusste, wie das Wetter wird. Heutzutage guckt man zwei Tage vorher ins Internet, \u00e4rgert sich zwei Tage \u00fcber das kommende Wetter und wundert sich dann, dass es ganz anders kommt &#8211; aber gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor mir die Skyline der Stadt, linker Hand harren stumm die Baumst\u00fcmpfe der zwecks geplanter EZB-Br\u00fccke gef\u00e4llten B\u00e4ume, rechter Hand ragen die Kr\u00e4ne der Baustelle der ehemaligen Gro\u00dfmarkthalle, die derzeit zur neuen Europ\u00e4ischen Zentralbank umgebaut wird, in den Frankfurter Morgenhimmel. Das geht hier, ein denkmalgesch\u00fctztes Monument auseinander zu schneiden, um gl\u00e4serne Pal\u00e4ste zu platzieren. Was jedoch nicht geht, ist wie seit Jahrzehnten im Rahmen der Bornheimer Kerb bei Musik auf der Stra\u00dfe zu feiern. Aber dies ist ein anderes Thema.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Uferweg liegen die Reste des vergangenen Tages verstreut auf dem Boden; Wodkaflasche, Becher, Pizzaschachteln, T\u00fcten von Burgerketten und &#8211; Scherben. Die bringen ja bekanntlich dem einen Gl\u00fcck und dem anderen einen Platten. Die Enten und G\u00e4nse k\u00fcmmert dies scheinbar wenig, sie sind trotzdem immer hier und hoffen, dass was f\u00fcr sie abf\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Holbeinsteg kommend pickt ein Mitarbeiter den M\u00fcll auf, ich registriere dies wohlwollend und rolle \u00fcber den Steg ins Bahnhofsviertel, wo Pia schon an der M\u00fcnchner Stra\u00dfe auf mich wartet. Wir verschlie\u00dfen die R\u00e4der und marschieren zur S\u00fcdseite des Bahnhofs, zum ausgemachten Treffpunkt &#8211; und wir sind nicht die ersten. Aus dem Augenwinkel erkennen wir schusch, der soeben im Hauptbahnhof verschwindet, Mark, Ariane, Andi und etliche unserer Mitfahrer haben sich schon eingefunden und warten auf den Bus der Geiselgangster, der uns heute nach Frankfurt ans Stadion bringen soll. Es ist mittlerweile 9:00 Uhr, das Spiel beginnt um 13:30 &#8211; die Zeit wird knapp. Hier und da wird gefr\u00fchst\u00fcckt (Binding Export) die Stimmung ist ausgelassen, der Bus kommt, die Fahrt beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_0_placeholderWir sausen \u00fcber die Autobahn, stimmungsvolle Ges\u00e4nge erschallen w\u00e4hrend wir bei Unterliederbach den Highway wieder verlassen. Der Bus schl\u00e4ngelt sich durch ein Wohngebiet und sammelt vor dem \u00f6rtlichen Polizeirevier wie geplant einige Mitreisende ein &#8211; anschlie\u00dfend geht&#8217;s zur\u00fcck auf die A66 bis zur Rastst\u00e4tte Weilbach; auch das Binding Export muss wieder raus. Unterdessen zieht sich der Himmel zu und die Regentropfen auf der Windschutz legen beredt Zeugnis ab ob der Genauigkeit der Wettervorhersage; 34\u00b0 und trocken. Wir fahren weiter, und erreichen bald einen Ort traurigster Finsternis; brennende M\u00fclltonnen, Berge von Unrat auf den Wegen und ein unertr\u00e4glicher Gestank von Schwefel liegt in der Luft, das Atmen f\u00e4llt mit jedem Moment schwerer. Wir rollen eine Anh\u00f6he hinauf, Bilder grausamster Natur nisten sich in deinem Kopf ein, unvorstellbare Szenen spielen sich auf den Wegen ab, wir m\u00fcssen anhalten, finden einen Parkplatz, dahinter ein kleiner Park. Es ist schlimm. Nebenan wird allem Anschein nach ein Stadion gebaut, einige m\u00fcssen brechen. Ich entdecke einen Aufkleber im Gras, erleichtere mich spontan. Wenig sp\u00e4ter kommt ein Mitreisender und tr\u00e4gt freudestrahlend jenen Aufkleber in seinen H\u00e4nden, die ich kurz darauf mit Bier reinige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00f6rtliche Gang f\u00e4hrt blauwei\u00dfe Autos mit putzigen Lichtern auf dem Dach, die blau blinken &#8211; wir wollen uns auf nichts einlassen, fliehen nahezu panisch aus diesem unwirtlichen Gel\u00e4nde; erst Kilometer weiter unten wird die Sicht wieder besser, dennoch muss der Bus im gro\u00dfen Kreisel mehrere Runden drehen, zu verwirrt die Sinne, zu grausam das Erlebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit jedem gefahrenen Meter bessert sich die Lage und als linksseitig der Frankfurter Stadtteil Oberrad zu sehen ist, da erscheint die Luft urpl\u00f6tzlich unglaublich mild, als h\u00e4tte eine unsichtbare Hand den Schleier des Grauens mirnichtsdirnichts abgezogen, nur der Himmel will nicht ganz aufrei\u00dfen, als traue er dem Braten noch nicht so ganz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fahren; fahren bis wir hinten an der Gutleutstra\u00dfe links Richtung Main auf einen Parkplatz abbiegen. Ein paar Meter zu Fu\u00df und schon liegt er vor uns, der Orange Beach, eine unbek\u00fcmmerte Bastion der Entspanntheit &#8211; einzig der str\u00f6mende Regen st\u00f6rt das Idyll, als wolle er all den Schmutz des letzten Ortes final abwaschen. Uns k\u00fcmmert&#8217;s wenig, wir futtern W\u00fcrstchen, trinken Bier und quatschen uns in Stimmung &#8211; denn all zu lange ist es nicht, mehr, bis im nahen Stadtwald das 173. Derby gegen den FSV Frankfurt angepfiffen wird. Und je n\u00e4her wir dem Stadion kommen, desto klarer wird der Himmel, auch der Regen hat genug gearbeitet und wir stehen nun auf der Kennedyallee im Stau. Es wird tats\u00e4chlich knapp, und so verlassen wir den Bus zu Fu\u00df Richtung Haupteingang, statt wie geplant am Parkplatz Gleisdreieck einzurollen. Danke ihr Geiselgangster, es war ein gro\u00dfartige Ausw\u00e4rtshinfahrt. Und: Rosa Polos sind schei\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Haupteingang selbst t\u00fcrmen sich Menschemassen, Eintrachtler, Bornheimer, doch der Einlass geht fix. Sanftes Abtasten und schon sind wir im Stadion, in dem die Eintracht heute zu Gast ist und sich dennoch nicht fremd vorkommt. Die Sonne scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir endlich unsere Pl\u00e4tze auf der Gegentrib\u00fcne erreichen, l\u00e4uft das Spiel bereits seit sieben Minuten, noch ist kein Tor gefallen. Das Stadion ist nicht ganz ausverkauft, die besseren Pl\u00e4tze sind nur halbbesetzt. Dennoch kann der FSV Frankfurt die gr\u00f6\u00dfte Kulisse seiner Geschichte begr\u00fc\u00dfen, die offizielle Zuschauerzahl wird sp\u00e4ter bekannt gegeben: 50.250 Fans wollen das Spiel vor Ort erleben; die Eintrachtler in ihrer angestammten Kurve, die FSVler im gut gef\u00fcllten G\u00e4steblock.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der FSV traditionell in schwarzblauen Trikots auf dem Platz steht, tragen die Eintrachtler ihre nagelneuen wei\u00dfen Ausw\u00e4rtstrikots, die mit der aufgedruckten Zielscheibe. Der \u00e4sthetische Punkt geht klar nach Bornheim, auf den R\u00e4ngen wie auf dem Rasen aber \u00fcbernimmt die Eintracht das Kommando und schon in der 13. Minute in F\u00fchrung. Auf dem Videow\u00fcrfel blinkt gro\u00df das Wort <strong>Tor <\/strong>auf, erzielt hat es der schnell reagierende Sebastian Rode. Der FSV vergibt seine Chancen leichtfertig, die Eintracht dominiert und als Gekas von Klandt gefoult wird, pfeift Schiedsrichter Drees Elfmeter. Gekas schnappt sich den Ball und entgegen der Binsenweisheit, dass der gefoulte Spieler nicht selbst schie\u00dfen soll, legt er sich die Kugel zurecht und schiebt ihn gl\u00fccklich an Klandt vorbei zum 2:0 ins Netz. Noch vor der Pause erh\u00f6ht der quirlige K\u00f6hler, der den gesperrten Meier auf der zentralen Position im Mittelfeld ersetzt, auf 3:0. Halbzeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause pl\u00e4tschert die Partie unaufgeregt vor sich hin; die Eintracht l\u00e4sst es ruhig angehen, der FSV ist nicht in der Lage, gut gemeinte Absichten in die Tat umzusetzen. Als K\u00f6hler umringt von drei Bornheimern die Kugel am Strafraum vert\u00e4ndelt, gellen Pfiffe durchs weite Rund &#8211; der Mensch braucht halt ein Ventil und ist nicht immer geschmackssicher. Sp\u00e4ter \u00fcbersieht Gekas traditionell zwei weitaus besser postierte Mitspieler und verliert den Ball, was mich in Rage versetzt. Ehrlich, wenn Gekas auf dem Platz steht, spielst du \u00fcblicher Weise mit 10 Mann und hoffst, dass der elfte wenigstens hie und da trifft &#8211; ein Unterfangen, welches im Jahr 2011 nicht wirklich von Erfolg gekr\u00f6nt war. So ist es auch wenig verwunderlich, dass der in der 88. Minute f\u00fcr Gekas eingewechselte Hoffer nur eine Minute sp\u00e4ter sich auf rechtsau\u00dfen sch\u00f6n durchsetzt und K\u00f6hler in der Mitte bedient, der den Ball nur noch einschieben muss &#8211; 4:0. Spielende. Ausw\u00e4rtssieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das h\u00e4tten die wenigsten erwartet, dass das 173 Derby eine recht einseitige Angelegenheit wird; die meisten dachten, dass es wohl eine ganz enge Kiste werden w\u00fcrde; so aber klettert die Eintracht in der Tabelle auf Rang zwei, w\u00e4hrend der FSV beginnt, sich unten einzurichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einem kurzen Besuch im Museum wandern Pia und ich noch einmal ans Gleisdreieck und begr\u00fc\u00dften jede Menge bekannte Gesichter. Tom hatte sich verletzt und war leicht angeschlagen, doch die Zeit heilt alle Wunden und mit einem 4:0 im R\u00fccken geht es vielleicht sogar noch ein bisschen schneller.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Ursula und Pedro marschieren wir sp\u00e4ter zur S-Bahn, fahren zum Bahnhof und treffen am Ende der M\u00fcnchner Stra\u00dfe auf Dominik und Ren\u00e9, die im Auto auf den ADAC warten. Ich blicke noch kurz unter die Motorhaube, kann aber nichts entdecken und als ich noch schaue, kommt der gelbe Engel um die Ecke. Somit k\u00f6nnen wir die beiden Ungl\u00fccksraben in guten H\u00e4nden wissend alleine lassen, holen unsere R\u00e4der und radeln nach Sachsenhausen. Dort g\u00f6nnen wir uns eine Pizza und lassen den Abend in der Alten Liebe oder besser davor ausklingen. Hei\u00df ist es noch geworden, 34\u00b0 und trocken dazu. Die Jungs der Bembelbar schauen mit einer Barhocker-Polonaise kurz drau\u00dfen vorbei, die Dunkelheit legt sich langsam \u00fcber die Stadt, und bei Musik und Tanz wird drinnen gefeiert, bis man die T\u00e4nzer auswringen kann. Als ich gegen zehn im Nordend eintrudele l\u00e4uft auch an mir das Wasser nur so herunter, doch es war ein toller Tag, der hinter uns liegt \u2013 und das mit einem tollen Ergebnis: Ausw\u00e4rtssieg! Der Favorit hat das Derby dann doch noch gewonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ngg_shortcode_1_placeholder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Skizze der Fahrt stammt von <a href=\"http:\/\/wirsinddasindwir.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">SNF<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott sei Dank, die Luft bleibt im Schlauch. So muss ich am Sonntagmorgen gegen halb acht nur den Mantel aufziehen und das Rad montieren, bevor ich todm\u00fcde von Oberrad aus Richtung Main rolle. Unten am Ufer geht es noch recht beschaulich zu, einzig die Jogger flitzen sich gesund. Frisch ist&#8217;s, doch die Wettervorhersage verspricht br\u00fctende [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4415,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[1823,172,187,846],"class_list":["post-4414","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-eintracht-frankfurt","tag-eintracht-frankfurt","tag-fsv-frankfurt","tag-geiselgangster","tag-orange-beach","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4414"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4420,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4414\/revisions\/4420"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}