{"id":3983,"date":"2011-05-09T14:16:44","date_gmt":"2011-05-09T12:16:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=3983"},"modified":"2011-05-09T14:19:19","modified_gmt":"2011-05-09T12:19:19","slug":"tatort-des-grauens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=3983","title":{"rendered":"Tatort des Grauens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nein, damit meine ich nicht die Commerzbank-Arena, die von Traditionalisten noch immer Waldstadion genannt wird &#8211; obwohl sie au\u00dfer dem Ort nichts mehr damit zu schaffen hat. Nicht die Optik und auch nicht den Geist. Im Waldstadion hat die Eintracht\u00a0 1999 mit 5:1 gegen den 1.FC Kaiserslautern gewonnen, in der Commerzbank-Arena gegen den 1.FC K\u00f6ln mit 0:2 verloren. Ich bin \u00fcbrigens selbst einer derer, die bis dato aus Trotz Waldstadion gesagt haben, aber darum geht es gar nicht. Es geht tats\u00e4chlich um den Tatort. Sonntag. 20:15 Uhr. ARD.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die langj\u00e4hrigen Kommissare des Frankfurter Tatorts S\u00e4nger und Dellwo in den Ruhestand verabschiedet wurden, erlebten wir nun eine Premiere. Nina Kunzendorf und Joachim Kr\u00f3l hielten Einzug in Frankfurt und der erste Tatort mit diesem Paar wird nachhaltig in Erinnerung bleiben. Vor allem die Br\u00fcste der von Nina Kunzendorf gespielten Ermittlerin Conny Mey. Nachdem Andrea Sawitzki als Charlotte S\u00e4nger eher gr\u00fcblerisch und geschmackvoll ausgestattet inszeniert wurde, entschieden sich die Macher f\u00fcr die Figur der Conny Mey f\u00fcr das genaue Gegenteil. H\u00fcbsche angeprollte Tussi mit k\u00fcnstlichen Fingern\u00e4geln und sprachlichen Feinheiten, Schnuckiiii. Joachim Kr\u00f3l gibt den Miesepeter Frank Steier &#8211; das ist allemal interessanter als J\u00f6rg Sch\u00fcttaufs Interpretation des eher farblosen Led Zeppelin h\u00f6renden Fritz Dellwo &#8211; Frankfurter Gesichter sind sie jedoch allesamt nicht. Warten wir die Entwicklung des Ermittler-P\u00e4\u00e4rchens also ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte des Tatorts &#8222;Eine bessere Welt&#8220; ist schnell erz\u00e4hlt. Der Sohn des Taxifahrers Sven D\u00f6hring (Justus von Dohn\u00e1nyi) liegt seit l\u00e4ngerem im Sterben, er wurde von einem Auto angefahren. Die \u00c4rzte pl\u00e4dieren daf\u00fcr, die lebenserhaltenen Ma\u00dfnahmen abzustellen, D\u00f6hring ist davon wenig begeistert. Er versucht -wie schon vor einiger Zeit- die Kommissare davon zu \u00fcberzeugen, dass die vermeintliche Zeugin des Unfalls die eigentliche Verursacherin gewesen und zudem ein sexuelles Verh\u00e4ltnis mit dem damaligen Ermittler eingegangen sei. Da die Ermittlungen seinerzeit jedoch keinerlei Anhaltspunkte f\u00fcr diese Verd\u00e4chtigungen gegeben hatten, wurde die Akte geschlossen. Nun scheint D\u00f6hring auf Rache aus. Den beiden Kommissaren ist die Sache nicht ganz geheuer und sie nehmen verdeckt und aneinander reibend die Ermittlungen zu Lasten eines anderen Falles auf.\u00a0 Und es zahlt sich aus: Tats\u00e4chlich hat sich die Geschichte einst anders zugetragen, als es in den Akten vermerkt ist. Als der Sohn tats\u00e4chlich stirbt, spitzt sich die Situation zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und damit sind wir bei den Punkten, die aus dem Frankfurter Tatort &#8222;Eine bessere Welt&#8220; einen der schlechtesten Tatorts aller Zeiten machen. Es sind nicht die Akteure; es ist die \u00c4sthetik, die Inszenierung und das Drehbuch. M\u00f6gen mich die Fachleute aufkl\u00e4ren, das Bild sieht aus, als sei es mit einer billigen HD Videokamera gedreht worden.\u00a0 Das kann man machen, keine Frage nur muss man sich der Wirkung bewusst sein. Wir sehen keine Tiefe, wir sehen schlichte Lindenstra\u00dfenoptik und dazu v\u00f6llig verquer ein bisschen selektive Farbkorrektur, deren inhaltlicher Bezug entweder von mir nicht begriffen wurde &#8211; oder aber schlicht nicht vorhanden war. Sicher, wenn in einer Szene das Gesamtbild eher farbreduziert vermittelt wird, dann sieht ein leuchtend orangener Hubschrauber edel aus. Auch ein roter Golf. Aber weshalb?\u00a0 Und weshalb innerhalb dieser Viodeo\u00e4sthetik? Wir sehen nahezu die gesamten 90 Minuten ein seltsames stilisiertes Videobild. Vor Jahren gab es mehrere Tatort-Folgen mit Winfried Glatzeder, damals musste gespart werden. Das sah im Ergebnis \u00e4hnlich aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Inszenierung fallen viele Fragen ein; so wird eine Szene gezeigt, in der das Opfer von einem markanten Wagen \u00fcberfahren wird. Aber es gibt keinen T\u00e4ter. Es interessiert auch niemanden, wer der T\u00e4ter ist &#8211; und es interessiert niemanden, dass es niemanden interessiert. Die Stra\u00dfen sind verschneit &#8211; aber auch hier kein Bezug zum Film, zu den Charakteren. Es ist halt Wetter in Frankfurt. Der Taxifahrer, der als optionaler T\u00e4ter f\u00fcr anderes in Frage kommt, spaziert v\u00f6llig unbehelligt &#8211; wie zuvor schon ein Bekannter einer Beteiligten &#8211; ins Polizeipr\u00e4sidium. Beide finden sofort im Wirrwarr der G\u00e4nge die richtige Etage, das richtige B\u00fcro. Es gibt zwei Verletzte &#8211; nur das Schicksal des einen aber wird gezeigt. Das Halstuch einer Katze wird inszeniert &#8211; wir entdecken es wieder &#8211; das Schicksal der Katze aber wird nicht gezeigt. Es gibt eine seltsame Vorgeschichte innerhalb der Familie des Taxifahrers; f\u00fcr eine Mutter, die nicht am Tisch sitzt wird mitgedeckt. Wir k\u00f6nnen vermuten, sie sei tot &#8211; aber es wird nichts erkl\u00e4rt oder erz\u00e4hlt. Dass die vermeintliche Zeugin wom\u00f6glich eine Teilschuld am Tod des Opfers tr\u00e4gt, scheint folgenlos zu bleiben.\u00a0 Dass der Freund der Zeugin\u00a0 ob der Verh\u00e4ltnisse heute so und morgen so reagiert, nun &#8211; so ist das Leben. Wie die Wandlungen aber motiviert sind, das erfahren wir nicht. Eine Unterhaltung zweier Kommissare kostet den einen den Job sowie die Ehe, das kann passieren. Denn nat\u00fcrlich lauscht die Gattin zuf\u00e4llig am Rande. Dass der Gefallene aber sp\u00e4ter tats\u00e4chlich am Krankenbett des anderen auftaucht; man kann es glauben &#8211; man muss es nicht. Die Arbeitsergebnisse eines anderen Falles werden von Meys Vorgesetztem angefordert. Da sich Mey an die Aufarbeitung des aktuellen Falles macht, gibt sie eine leere Arbeitsmappe ab. Auch dies hat keine Konsequenzen, ja es wird\u00a0 \u00fcberhaupt nicht weiter thematisiert. Es ist egal, wie so vieles egal ist. Au\u00dfer den Klamotten von Conny Mey. Oder den k\u00fcnstlichen Fingern\u00e4geln. Oder das Dekoltee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Inszenierung des Grauens, f\u00fcr mich nahezu ein Musterbeispiel wie man auf gar keinen Fall einen Film pr\u00e4sentieren darf. Vergleichbar also mit der Eintracht an diesem Wochenende. Frankfurt am Ende. H\u00e4ngen bleiben werden auf jeden Fall die Br\u00fcste der Conny Mey &#8211; obwohl sie im Film genau dies nicht machen. Immerhin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, damit meine ich nicht die Commerzbank-Arena, die von Traditionalisten noch immer Waldstadion genannt wird &#8211; obwohl sie au\u00dfer dem Ort nichts mehr damit zu schaffen hat. Nicht die Optik und auch nicht den Geist. 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