{"id":3529,"date":"2011-03-17T13:00:47","date_gmt":"2011-03-17T12:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=3529"},"modified":"2011-03-17T13:24:08","modified_gmt":"2011-03-17T12:24:08","slug":"offener-brief-efc-schwarze-bembel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=3529","title":{"rendered":"Offener Brief EFC Schwarze Bembel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrter Herr Bruchhagen,<br \/>\nsehr geehrter Herr Skibbe,<br \/>\nliebe Spieler von Eintracht Frankfurt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als am Samstag Ralf den Ball im Strafraum fallen und sich von Raul \u00fcberrumpeln lie\u00df, lag blankes Entsetzen in der Luft. Als Tzavellas die Kugel aus 73 Metern ins Tor schob, da war er da, der ersehnte Moment; dann folgten die Minuten, die Hoffnung machten &#8211; und mit Charisteas Treffer lachte uns die Geschichte aus; was blieb war trauriger Sarkasmus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Kommentare der Akteure nach dem Spiel uns allen Ernstes erkl\u00e4ren wollten, wir h\u00e4tten ein ordentliches Spiel gesehen rieben wir uns die Augen. Die wollen uns verarschen lautete die h\u00e4ufigste Reaktion. H\u00e4tte F\u00e4hrmann nicht ein ums andere Mal waghalsig vor anst\u00fcrmenden Schalkern gerettet, wir h\u00e4tten gut und gerne mit 0:4 Toren verlieren k\u00f6nnen; kurz:\u00a0 Eintracht Frankfurt ist am Tiefpunkt angekommen. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir tun so, als sei nichts geschehen. Nichts ver\u00e4ndert sich und wenn dann Kleinigkeiten und wenn, dann widerwillig. Obgleich noch acht Spiele zu absolvieren sind, glaubt derzeit kaum noch jemand ernsthaft an den Klassenerhalt &#8211; trotz der Tatsache, dass Eintracht Frankfurt bislang noch nicht einmal auf einem Abstiegsplatz stand. Gef\u00fchlt befinden wir uns in einem freien Fall und wir starren auf uns, wie das Kaninchen auf die Schlange.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das muss ein Ende haben. Wir befinden wir uns tats\u00e4chlich seit geraumer Zeit in einer Art Schockstarre; die sich phasenweise in bitterb\u00f6sen Sarkasmus l\u00f6st. Dies mag f\u00fcr einen Moment notwendig sein, hilft auf Dauer aber nur dem Gegner. Altgediente Fans gehen nicht mehr ins Stadion, der Glaube an uns hat uns verlassen. Wie gel\u00e4hmt pr\u00e4sentiert sich Eintracht Frankfurt und taumelt scheinbar rat- und tatenlos dem Abstieg entgegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In neun R\u00fcckrundenspielen gelang ein einziges Tor und kein einziger Sieg, in den vergangenen 15 Partien nur zwei. Seit dem elften Spieltag hat die Eintracht ein Torverh\u00e4ltnis von 5:25, in elf Spielen gelang gar kein Treffer. Dazu das Pokalaus in Aachen. Dies sind die nackten Zahlen; Zahlen die \u00fcblicherweise einen Absteiger repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Trainer wirkt ratlos &#8211; und wei\u00df um diese Erscheinungsweise, der Vorstand vermittelt derzeit nicht, dass es einen unb\u00e4ndigen Willen gibt, die jetzige Situation zu ver\u00e4ndern und die Mannschaft scheint ein Tr\u00fcmmerhaufen &#8211; mit dem \u00e4rmsten Torh\u00fcter der Liga. Ralf F\u00e4hrmann wird sich am meisten \u00fcber seinen Bock gegen Schalke \u00e4rgern und er wird seinen Fehler wieder gutmachen, da muss ihm aber die Mannschaft helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt genug Spieler, die lange im Verein sind, die auch nach au\u00dfen hin Verantwortung \u00fcbernehmen und sich k\u00e4mpferisch der Situation stellen m\u00fcssen, wie es augenscheinlich nur Ioannis Amanatidis macht, der sich dem Ernst der Lage bewusst scheint. Doch auch hier gilt: Worte schie\u00dfen keine Tore.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Moment geht es nicht mehr um einzelne, es geht nicht darum, wer spielt oder wie viel verdient. Es geht um das Schicksal der Frankfurter Eintracht, gegr\u00fcndet 1899. Wir laufen derzeit nicht nur Gefahr abzusteigen; wir laufen auch Gefahr, zum ersten Mal seit 1962 gegen den FSV Frankfurt um Punkte zu spielen und seit 1984 gegen die Kickers &#8211; w\u00e4hrend Mainz wohl mindestens im Uefa-Cup spielen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht im Moment nicht mehr darum, wer Schuld hat; der Vorstand, der Trainer, die Presse, das Umfeld und es geht auch nicht mehr darum, wer Recht hat. Es geht \u00fcberhaupt nicht mehr um Einzelne, nur insofern, als dass jeder, dem die Eintracht am Herzen liegt ab nun alles daf\u00fcr tun muss, dass wir in der Liga bleiben. Selbst wenn wir gegen St. Pauli verlieren, ist die Eintracht nicht abgestiegen. Schluss ist am 34.Spieltag gegen 17:20, dann wird abgerechnet. Solange bis dahin noch eine Chance besteht, m\u00fcssen wir diese nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oka Nikolov war dabei, als die Eintracht durch Fj\u00f6rtofts Treffer 1999 gegen den 1. FCK in der Liga blieb, eine Eintracht, die wenige Wochen zuvor unter dem Trainer Fanz genauso mausetot da lag, wie nun. Oka Nikolov war dabei, als Alex Schur in der Nachspielzeit die Eintracht gegen Reutlingen in die erste Liga schoss &#8211; obgleich nach dem zwischenzeitlichen 3:3 alles vorbei schien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oka, erz\u00e4hl den Jungs, wie das gewesen ist. Ladet Alex oder Jan-Aage ein, trefft euch im Museum, schaut euch die Szenen an, die Freude danach, seid hungrig, das auch erleben zu wollen. Wolfsburg, Schalke, Hamburg pr\u00e4sentieren sich desastr\u00f6s, Gladbach und auch St. Pauli liegen noch hinter uns &#8211; lasst diese Mannschaften ihr Ding machen und konzentriert euch nur auf die Eintracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marco Russ, nicht f\u00fcr sich selbst spielen, sondern f\u00fcr die Eintracht, f\u00fcr die Hunderttausende, die keinen Verein wechseln k\u00f6nnen bei einem Abstieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Halil, du bist doch ein feiner Fu\u00dfballer, zeig es und glaub an deine F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alex Meier; Mensch du bist ein Kerl, zeig dich. Nicht gro\u00dfm\u00e4ulig, sondern mit breiter Brust, rei\u00dft euch gegenseitig mit, lauft f\u00fcr den anderen und f\u00fcr uns, die wir uns aus dieser Schockstarre l\u00f6sen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trainer, jeder andere w\u00e4re an deiner Stelle geflogen, gib uns das vom Chef gegebene Vertrauen zur\u00fcck, zeige Flexibilit\u00e4t, rauft euch zusammen &#8211; f\u00fcr die Wochen, die noch bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pirmin, du f\u00fchrst die Eintracht als Kapit\u00e4n aufs Feld. Als Nachfolger von Alfred Pfaff oder J\u00fcrgen Grabowski, Ralf Weber oder Alex Schur. In der Winterpause wolltest du deinen Vertrag nicht vorzeitig verl\u00e4ngern &#8211; mangels Perspektive. Wie kannst du als Kapit\u00e4n auflaufen und auf dem Platz mit dieser Leistung voran gehen? Gib die Binde ab &#8211; oder zeige dich ihrer w\u00fcrdig. Der Kapit\u00e4n der Eintracht zeigt auf dem Platz, wo es lang geht. Dass du es kannst, hast du bewiesen. Erinnere dich daran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stehen vor einem fu\u00dfballerischen Desaster historischen Ausma\u00dfes. Und ihr seid die Protagonisten. Alles was ihr mit der Eintracht erreicht habt, z\u00e4hlt im Falle des Abstieges nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gilt auch f\u00fcr den Chef, Heribert Bruchhagen, der sich stets einer gro\u00dfen Gefolgschaft sicher sein konnte, auch wenn es nicht immer so wirkte. Die jetzige z\u00f6gerliche und wenig Hoffnung verspr\u00fchende Haltung l\u00e4sst viele sich abwenden, die den Chef bis vor kurzem noch massiv verteidigten. Dies zu merken, ist unserem Vorstandvorsitzenden durchaus zuzutrauen, der Kampf kann aber nicht lauten: einige wenige gegen den Rest. Auch andere haben Ahnung vom Fu\u00dfballgeschehen, sind lange genug dabei und wissen insbesondere, was es f\u00fcr Eintracht Frankfurt f\u00fcr eine Zeit ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht die Zeit f\u00fcr Schuldzuweisungen, \u00dcberheblichkeit und Trotz. Es ist die Zeit der Selbstreflektion mit dem einzigen Ziel: Drinbleiben. Eintracht Frankfurt gegen den Rest der Liga.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr das Trainerteam und vor allem f\u00fcr langj\u00e4hrige Spieler. Ihr habt uns das Elend eingebrockt, also seid M\u00e4nner und holt uns da raus. Im Falle des Abstieges seid ihr diejenigen, die die Eintracht in den Abgrund geritten haben. Das wird in der Geschichte f\u00fcr immer bestehen bleiben. K\u00e4mpft und rennt f\u00fcr euren Ruf, f\u00fcr eure Zukunft, motiviert euch gegenseitig und zeigt, dass ihr eine Mannschaft seid, auf die wir trotz der bislang katastrophalen R\u00fcckrunde stolz sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eintracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">EFC Schwarze Bembel im M\u00e4rz 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Bruchhagen, sehr geehrter Herr Skibbe, liebe Spieler von Eintracht Frankfurt. Als am Samstag Ralf den Ball im Strafraum fallen und sich von Raul \u00fcberrumpeln lie\u00df, lag blankes Entsetzen in der Luft. 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