{"id":17333,"date":"2025-10-16T15:43:23","date_gmt":"2025-10-16T13:43:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=17333"},"modified":"2025-10-17T10:43:54","modified_gmt":"2025-10-17T08:43:54","slug":"suzanne-vega-im-capitol-in-offenbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=17333","title":{"rendered":"Suzanne Vega im Capitol in Offenbach"},"content":{"rendered":"<p data-start=\"220\" data-end=\"726\">Als die Meldung durchsickerte, dass Suzanne Vega f\u00fcnf Konzerte in Deutschland spielen w\u00fcrde \u2013 darunter eines im Offenbacher Capitol \u2013, war ich hellauf begeistert. Als ich jedoch die Eintrittspreise sah, dann weniger. \u00dcber 70 Euro sollte eine Karte kosten \u2013 und ich lehnte dankend ab. Als ich dies auf Bluesky kundtat, sprang <a href=\"https:\/\/maintracht.blog\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thorsten<\/a> in die Bresche und bot mir an, ein Ticket zu einem erm\u00e4\u00dfigten Preis zu besorgen. Daf\u00fcr war ich au\u00dferordentlich dankbar \u2013 und kurz darauf hielt ich mein Ticket in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p data-start=\"220\" data-end=\"726\"><!--more--><\/p>\n<p data-start=\"728\" data-end=\"948\">Noch nie zuvor hatte ich Suzanne Vega live gesehen. Die wenigen Male, die sie in Frankfurt oder Umgebung gastierte, gingen entweder an mir vorbei, oder ich hatte keine Kohle \u2013 oder war schlicht nicht da. Jetzt passte es.<\/p>\n<p data-start=\"950\" data-end=\"1052\">Schon ihre erste LP fand den Weg in meine Plattenkiste, damals sicherlich wegen <em data-start=\"1030\" data-end=\"1051\">Marlene on the Wall<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><iframe title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/NFw5DptU318?si=BRSQZ9DEvzyDfZiW\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p data-start=\"1054\" data-end=\"2173\">Dass es sich bei <em data-start=\"1594\" data-end=\"1615\">Marlene on the Wall<\/em> um ein Poster von Marlene Dietrich handelte, erfuhr ich Jahre sp\u00e4ter. In meinem Ohr blieben vor allem die Zeilen: <em data-start=\"1734\" data-end=\"1853\">But the only soldier now is me, I&#8217;m fighting things I cannot see, I think it&#8217;s called my destiny, That I am changing. <\/em>Damit konnte mein diffuses Ich etwas anfangen \u2013 auch wenn ich den Text erst viel sp\u00e4ter in seinen urspr\u00fcnglichen Sinnzusammenhang einordnen konnte. So war das h\u00e4ufig: Ich pickte mir heraus, was ich h\u00f6ren wollte, und passte es meiner Welt an \u2013 einer Welt, der es an Selbstachtung mangelte, aber nicht an gro\u00dfen Worten. Es war die Zeit kurz bevor ich an die Uni kam. Bis dahin war mein Musikgeschmack ein kunterbunter Haufen unterschiedlichster Stile \u2013 das ist er heute immer noch, allerdings ein wenig ausdifferenzierter. Die Jahre des Heavy Metal lagen damals einige Monde zur\u00fcck, und das, was man sp\u00e4ter \u201eIndie\u201c nennen sollte, lag noch vor mir. \u00dcber allem thronte schon damals Bruce Springsteen. Drei Platten stehen vielleicht f\u00fcr diese \u00dcbergangszeit: Public Images <em data-start=\"1503\" data-end=\"1510\">Album<\/em>, The Cures <em data-start=\"1522\" data-end=\"1544\">The Head on the Door<\/em> und eben Suzanne Vegas Deb\u00fct.<\/p>\n<p data-start=\"2175\" data-end=\"2750\">Die zweite Platte, <em data-start=\"2194\" data-end=\"2213\">Solitude Standing<\/em>, h\u00f6rten dann alle. Klar, mit <em data-start=\"2243\" data-end=\"2256\">Tom\u2019s Diner<\/em> und <em data-start=\"2261\" data-end=\"2267\">Luka<\/em> waren ja zwei gro\u00dfe Hits auf einem Album vereint. Suzanne Vega vermittelte eine Welt voller leiser Beobachtungen; ihre bet\u00f6rende Stimme mit hohem Wiedererkennungswert schlich sich in die Geh\u00f6rg\u00e4nge wie ein Quantum Trost in die postpubert\u00e4re Welt \u2013 und wurde wenig sp\u00e4ter von The Smiths, The Pogues und The Jesus and Mary Chain in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. Lange Jahre lief <em data-start=\"2643\" data-end=\"2649\">Luka<\/em> nur in der Version der Lemonheads \u2013 die eigene Verletzlichkeit umh\u00fcllt von einer Illusion der H\u00e4rte.<\/p>\n<p data-start=\"2752\" data-end=\"3111\">Auch wenn ich Suzanne Vegas Alben damals dann nicht mehr kaufte, begleiteten mich ihre Songs \u00fcber all die Jahre. Und als es mit den illegalen Downloads losging, besorgte ich mir peu \u00e0 peu alle ihre Platten. Sie wurden nie langweilig, doch ein Knaller wie <em data-start=\"3003\" data-end=\"3015\">Marlene&#8230;<\/em> war f\u00fcr mich nie wieder dabei \u2013 was wiederum meine eigene Oberfl\u00e4chlichkeit beim H\u00f6ren beweist.<\/p>\n<p data-start=\"3113\" data-end=\"3342\">Das letzte Album, <em data-start=\"3140\" data-end=\"3160\">Flying with Angels<\/em>, catchte mich hingegen au\u00dferordentlich \u2013 vor allem <em data-start=\"3212\" data-end=\"3229\">Speakers Corner<\/em>, <em data-start=\"3231\" data-end=\"3244\">Chambermaid<\/em> und <em data-start=\"3249\" data-end=\"3257\">Galway<\/em> laufen bei mir in heavy rotation. Und alle drei Songs spielte sie in Offenbach live.<\/p>\n<p data-start=\"3344\" data-end=\"3724\">Was ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, war die Tatsache, dass das <a href=\"https:\/\/www.offenbach.de\/stadtwerke\/microsite\/capitol\/das-capitol\/historie\/historie.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Capitol<\/a> einst die Synagoge von Offenbach war. Mir war die Location erstmals Anfang oder Mitte der 1990er-Jahre untergekommen, als der Freund einer Freundin damals bei dem Musical <em data-start=\"3595\" data-end=\"3602\">Tommy<\/em> arbeitete. Sp\u00e4ter war ich hin und wieder bei Konzerten vor Ort \u2013 letztmals bei Michael Schenker. Jetzt also Suzanne Vega.<\/p>\n<p data-start=\"3726\" data-end=\"4153\">Und sie begann p\u00fcnktlich. Mein Platz war relativ weit hinten; leider waren die Lichter im Saal au\u00dferhalb der Mitte recht hell \u2013 das Versinken in der Musik f\u00e4llt nicht leichter, wenn das sch\u00fcttere Haar deines Vordermanns in all seinen Details deutlich zu erkennen ist. Als h\u00e4tte jemand vergessen, das Licht auszumachen. Auch Fotografieren machte wenig Sinn. Ein dokumentarisches Bild. Das war\u2019s.<\/p>\n<p data-start=\"4155\" data-end=\"5171\"><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-scaled.jpeg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-17334 alignleft\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-scaled.jpeg 1920w, https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-225x300.jpeg 225w, https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-700x933.jpeg 700w, https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_20251015_214204-01-676x901.jpeg 676w\" sizes=\"(max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/a>Aber der Auftritt ist klasse. Begleitet von Gerry Leonard an der Gitarre, steigt sie gleich mit <em data-start=\"4251\" data-end=\"4272\">Marlene on the Wall<\/em> ein \u2013 passend dazu der schwarze Zylinder auf dem Haupt. Die ersten sechs Songs stammen alle aus ihrer fr\u00fchen Dekade, einzig der Versuch einer Brecht\u2019schen Version von <em data-start=\"4440\" data-end=\"4455\">Mackie Messer<\/em> auf Deutsch unterbricht den Ausflug in die vertraute Vergangenheit.<br data-start=\"4523\" data-end=\"4526\">Mit Stephanie Winters steigt sp\u00e4ter auch eine Cellistin ein. Je l\u00e4nger das Konzert dauert, desto intensiver erz\u00e4hlt Suzanne Vega kleine Geschichten zu den Songs \u2013 etwa von einem von ihr&nbsp; gestohlenen Kuss bei Bob Dylan vor <em data-start=\"4724\" data-end=\"4737\">Chambermaid&nbsp;<\/em>\u2013 einem Song, der aus der Sicht des Zimmerm\u00e4dchens von Bob Dylan erz\u00e4hlt. Oder davon, weshalb sowohl ihre Mutter als auch sp\u00e4ter die Tochter sie entsetzt fragten, ob sie denn immer nur Schwarz tragen m\u00fcsse. I never wear white.&nbsp;<br data-start=\"4870\" data-end=\"4873\">Charmant auch die Geschichte, dass der Tod der alten Hauskatze bei den Vegas zelebriert wurde, indem der Kadaver in eine Kiste gelegt und brennend den Fluss hinabgeschickt wurde \u2013 woraufhin Suzanne ihrer Mutter klarmachte, dass sie im Falle eines fr\u00fcheren Ablebens einen Grabstein bevorzugen w\u00fcrde. Tombstone.<\/p>\n<p data-start=\"5173\" data-end=\"5599\">Die beiden letzten Songs des regul\u00e4ren Konzertes waren dann Luka und mit sparsamer Instrumentisierung Toms Diner. In der Zugabe spielt sie unter anderem noch Lou Reeds <em data-start=\"5227\" data-end=\"5250\">Walk on the Wild Side<\/em> und beendet das Konzert nach \u00fcber 100 Minuten mit <em data-start=\"5301\" data-end=\"5309\">Galway<\/em> vom neuen Album. Die drei Musiker.innen lassen sich noch kurz und v\u00f6llig zu Recht feiern \u2013 dann geht das Licht endg\u00fcltig wieder an. Bei uns hinten hat sich nur wenig ver\u00e4ndert. F\u00fcr die Band geht es weiter nach K\u00f6ln, f\u00fcr mich heim nach Frankfurt \u2013 nach einem wunderbaren Abend mit Suzanne Vega aus New York.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Meldung durchsickerte, dass Suzanne Vega f\u00fcnf Konzerte in Deutschland spielen w\u00fcrde \u2013 darunter eines im Offenbacher Capitol \u2013, war ich hellauf begeistert. Als ich jedoch die Eintrittspreise sah, dann weniger. \u00dcber 70 Euro sollte eine Karte kosten \u2013 und ich lehnte dankend ab. 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