{"id":16766,"date":"2024-11-07T09:41:01","date_gmt":"2024-11-07T08:41:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=16766"},"modified":"2024-11-07T11:43:40","modified_gmt":"2024-11-07T10:43:40","slug":"unterwegs-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=16766","title":{"rendered":"Unterwegs &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><em>And also the Trees<\/em> hatten vor Monaten ein Konzert f\u00fcr den 30.10.2024 in Hamburg angek\u00fcndigt, genauer gesagt in Harburg, <a href=\"https:\/\/www.mariasballroom.de\/programm\/2761-and-also-the-trees-present-brothers-of-the-trees?date=2024-10-30-21-00\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marias Ballroom<\/a>. Und wenn wir schon einmal Richtung Norden fahren, habe ich mir f\u00fcr den Tag darauf ein Ticket f\u00fcr das Miniatur Wunderland in der Speicherstadt gebucht. Da die Band zudem am 2.11. im Berliner Privatclub konzertiert, kamen noch zwei weitere Tickets dazu. Die Bahnreisen mit der Deutschen Bahn und dem Flixtrain waren ausgesprochen g\u00fcnstig, und da wir in der N\u00e4he von Hamburg bei Silke und Ingo unterkommen konnten und in Berlin bei Susi, stand die Planung bereits im Fr\u00fchjahr fest. Wir hatten lange genug Zeit f\u00fcr die Vorfreude.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Fr\u00fch am Morgen rollen wir mit dem ICE Richtung Hamburg. Wei\u00df der Geier, was mich geritten hatte, zwei Pl\u00e4tze ohne Tisch gegen die Fahrtrichtung zu buchen, um nun statt aus dem Fenster auf eine Mittelstrebe zu schauen. Immerhin ist der Zug nicht ausgebucht, sodass wir sp\u00e4ter auf vern\u00fcnftigen Pl\u00e4tzen sitzen und durch Deutschland rauschen. Nebul\u00f6se Erinnerungen an drei Stopps in Kassel, G\u00f6ttingen und Hannover, auf den Ohren <em>And also the Trees<\/em> \u2013 inklusive Noise Cancelling. Wir rollen p\u00fcnktlich im Hamburger Hauptbahnhof ein, verpassen die S-Bahn um Haaresbreite, nehmen die n\u00e4chste und fahren bis Eidelstedt. Dort steigen wir um nach Burgwedel. Eigentlich m\u00fcssten wir ja bis Hasloh fahren, aber der dortige Bahnhof ist derzeit geschlossen. Ingo wartet schon mit dem Volvo. Abends wartet dann das Konzert in Harburg auf uns \u2013 diesmal sind nur die \u201eBrothers of the Trees\u201c angek\u00fcndigt, die beiden Br\u00fcder Justin und Simon, die K\u00f6pfe der Band. Auf dem Weg dorthin schl\u00e4gt eine dezimierte Eintracht M\u00f6nchengladbach mit 2:1. Am Harburger Bahnhof verlassen wir die Bahn und wandern zur Location. Mit 150 Besuchern ist Marias Ballroom ausverkauft &#8211; Justin und Simon beginnen und es wird zun\u00e4chst gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, T\u00f6ne erklingen, Simon schweigt. Doch langsam drehen sich die T\u00f6ne in Songs und peu \u00e0 peu sto\u00dfen doch noch nach einer Weile die anderen Bandmitglieder hinzu. Es wird ein mitrei\u00dfender Abend, der mit Ingo und einem Drive-In-Abstecher zu einer Burgerbraterei endet. Dann gleiten wir mit dem Volvo durch die Baustellen der Halloween- Nacht.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen hatte ich in aller Herrgottsfr\u00fche einen Slot f\u00fcr das Miniatur Wunderland gebucht. Silke bringt mich dankenswerter Weise nach Garstedt zur Bahn, einmal muss ich&nbsp; umsteigen, und schon bin ich am Baumwall. Von dort sind es nur ein paar hundert Meter zu Fu\u00df bis zur Stra\u00dfe mit dem entz\u00fcckenden Namen Kehrwieder, und genau hier befindet sich der Eingang ins Miniatur Wunderland \u2013 in einem der alten Lagerh\u00e4user der Speicherstadt. Noch ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig los, der Einlass klappt ohne Verz\u00f6gerung, und ich g\u00f6nne mir zun\u00e4chst einen Caf\u00e9 samt Croissant im Bistro. Dann beginne ich meinen Rundgang \u2013 und ich kann es vorwegnehmen: Erst sieben Stunden sp\u00e4ter stehe ich wieder auf der Stra\u00dfe, und das auch nur, weil auf mich noch ein weiteres Abenteuer wartet.<\/p>\n<p>Das Wunderland ist wahrlich ein Erlebnis. Die Miniaturwelten beschr\u00e4nken sich beileibe nicht nur auf die Eisenbahnen und die fahrenden Z\u00fcge \u2013 man begibt sich in eine Miniaturwelt und verliert sich in den Fraktalen eines Kaleidoskops. Es sind die Mikrokosmen im Mikrokosmos, die einen zuweilen staunend, zuweilen grinsend verweilen lassen. Nordamerika, Skandinavien, Hamburg, Mitteldeutschland, Knuffingen mit seinem Flughafen, die Schweiz, \u00d6sterreich, Venedig, Italien, Monaco \u2013 unterschiedlichste, in unz\u00e4hligen Stunden modellierte Wunderwelten im Ma\u00dfstab 1:87 warten auf deine Blicke. Alle Viertelstunde wird es Nacht, Tausende LEDs illuminieren die Szenerie, und es gibt unfassbar viele Details zu entdecken. Das Ganze ist zudem interaktiv. Ein Knopfdruck, und du musst schauen, was sich bewegt. Im Volksparkstadion gewinnt der HSV permanent gegen St. Pauli 4:3, Otto hat eine eigene B\u00fchne, irgendwo in einem Sonnenblumenfeld vergn\u00fcgt sich ein P\u00e4rchen, anderweitig liegt eine nackte Sch\u00e4ferin im Gras, eine Kuh steht auf dem Flughafenparkplatz, es wird demonstriert, Autos rasen um die Wette, kein Rennen gleicht dem anderen. Schiffe gleiten durch Echtwasser, Winterschnee in Schweden, Antifa in Rom, verliebt in die Details von Venedig, die rostigen Z\u00fcge, die durch Rio gleiten. Rio und Patagonien sind in einem anderen Geb\u00e4ude zu besichtigen. Um diese zu verbinden, wurde vor ein paar Jahren eine Br\u00fccke zwischen den beiden H\u00e4usern \u00fcber den Fleet gebaut, \u00fcber die nun die Bahn f\u00e4hrt \u2013 und die Besucher von Haus zu Haus gelangen. Irre.<\/p>\n<p>Der Ideenreichtum und die abertausend Details sind \u00fcberw\u00e4ltigend, handwerklich unfassbar vielschichtig umgesetzt und programmiert. Dabei haben auch rechte Freaks und Narren ihren Schabernack getrieben \u2013 und gleichzeitig eine menschen- und umweltfreundliche Grundhaltung offenbart. Das Miniatur Wunderland ist wahrlich eines der sch\u00f6nsten Projekte, die ich je erlebt habe. Toll. Und es wird mich wiedersehen.<\/p>\n<p>Keine Stunde sp\u00e4ter schippern wir auf Frau Hedis Tanzschiff \u00fcber die Elbe. Langsam dreht sich der Tag in die Nacht, der DJ legt Musik der 80er auf, der Plattenspieler gummigelagert, der Wellengang macht dem Vinyl nichts aus &#8211; und nach ein paar Anlaufschwierigkeiten tanzen alle auf der Barkasse zu Shannon, <em>Voyage, Voyage<\/em> oder Cyndi Lauper:<\/p>\n<p><em>She bop, he bop, we bop<br \/>\nI bop, you bop, they bop<br \/>\nBe bop, be bop, a lu bop<br \/>\n<\/em><em>\u2026<\/em><\/p>\n<p>Eben hielt der Zug doch noch in Hamburg, und nun geht unsere Reise am folgenden Morgen schon weiter. Obwohl \u2013 so schnell schie\u00dfen die Preu\u00dfen auch nicht. Der Flixtrain von Berlin nach Hamburg hat zwei Stunden Versp\u00e4tung. Das wird in der App gar nicht angezeigt und erst drei\u00dfig Minuten vor der geplanten Abfahrt vor Ort bekanntgegeben. Also drehen wir noch eine Runde an der Binnenalster und durch St. Georg, bis der versp\u00e4tete Zug aus Leipzig einrollt und die Passagiere ausspuckt, die sich mit den wartenden Reisenden vermengen. Durch beherztes Eingreifen des Personals werden gr\u00f6bere Entgleisungen im Keim erstickt. Ohne nennenswerte Zwischenf\u00e4lle und mit k\u00fcrzeren Stopps in Uelzen und Stendal landen wir schlie\u00dflich im Berliner Hauptbahnhof und nehmen die Regionalbahn nach Gesundbrunnen, da der f\u00fcr unser Ziel n\u00e4here Bahnhof an der Bornholmer Stra\u00dfe ebenfalls nicht angefahren wird. Gesundbrunnen hat jedoch den Vorteil der Curry Baude, sodass wir nur Minuten nach unserer Ankunft den ersten Fleischspie\u00df verputzen. Dann wandern wir mit unseren Rollk\u00f6fferchen vom Wedding \u00fcber die Behmbr\u00fccke zum Prenzlauer Berg und werden von Susi und Karla herzlich empfangen. Sp\u00e4ter sto\u00dfen noch Andi und Thomas zu uns, und wir verbringen einen angenehmen Abend in einer Bar in der Oderberger Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Samstagmorgen treiben wir durch Berlin, genauer durch den Mauerpark und Prenzlauer Berg. Kaum ein Viertel hat sich derartig gewandelt. Als ich das erste Mal hier aufschlug, wehte die DDR durch alle Ritzen; heute hei\u00dfen die Eissorten im Bullerb\u00fc f\u00fcr Besserverdienende anbiedernd &#8222;Wei\u00dfe Schoki,&#8220; und das Parken kostet so viel wie fr\u00fcher die Miete f\u00fcr eine 3-Raum-Wohnung. Kreuzberg ist nicht viel besser: Auch hier sind die Mieten explodiert, freie Fl\u00e4chen sind in ganz Berlin zubetoniert, und der Stra\u00dfenkampf hat sich in die Beziehungen zwischen Radlern, E-Scooter-Nutzern und Fu\u00dfg\u00e4ngern verlagert. Vom Auto ganz zu schweigen \u2013 kurz, mir gef\u00e4llt Berlin von Jahr zu Jahr weniger und Hamburg immer besser. Die Schlange bei Curry 36 am Mehringdamm ist endlos; Pia und Andi machen sich mit der Bahn auf Richtung Gl\u00fchlampe, ich laufe, treibe \u00fcber die Bergmannstra\u00dfe, versinke in Erinnerungen und wandere \u00fcber die Admiralbr\u00fccke, um mir sp\u00e4ter in der Skalitzer Stra\u00dfe den heutigen Veranstaltungsort anzuschauen, doch er ist noch geschlossen. Mittlerweile f\u00fchrt die Eintracht gegen Bochum mit 4:0 \u2013 und ich lande p\u00fcnktlich zur zweiten Halbzeit in der Kneipe, welche die Eintracht-Spiele in voller L\u00e4nge zeigt, in der Gl\u00fchlampe. Die Stimmung ist ausgelassen \u2013 am Ende hei\u00dft es 7:2 \u2013 ein \u00fcberragender Nachmittag im Stadion, ausnahmsweise ohne uns.<\/p>\n<p>Am Privatclub treffen wir Thomas und stellen uns ziemlich weit nach vorne; ich kann den Mikrofonst\u00e4nder beinahe ber\u00fchren. Binnen Kurzem f\u00fcllt sich der Saal, auch heute ist das Konzert ausverkauft. Diesmal steht die Band vollz\u00e4hlig auf der B\u00fchne: Justin verliert sich in seinem virtuosen Gitarrenspiel, Simon versinkt in den Worten, w\u00e4hrend der Drummer Paul m\u00e4chtig schwitzt. Das Konzert wird f\u00fcr die hiesigen Verh\u00e4ltnisse richtig rockig. Am Bass Grant Gordon, an der Klarinette Colin Ozanne. And Also the Trees spielen neben der neuen Platte<a href=\"https:\/\/andalsothetrees.bandcamp.com\/album\/mother-of-pearl-moon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> <em>Mother-of-Pearl Moon<\/em><\/a> auch einige \u00e4ltere Songs, darunter <em>Shaletown<\/em> und <em>Dialogue<\/em>, und der Saal ist begeistert. Mit dem <em>Slow Pulse Boy<\/em> endet das intensive <a href=\"https:\/\/www.setlist.fm\/setlist\/and-also-the-trees\/2024\/privatclub-berlin-germany-4b516b46.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Konzert<\/a> nach \u00fcber 90 Minuten. Susi holt uns ab, und wir trinken in einer Prenzlauer-Berg-Bar noch ein Bier, beziehungsweise eine Cola. Cash only.<\/p>\n<p>Da die geplante Regionalbahn Richtung Bahnhof eine ordentliche Versp\u00e4tung hat, bringt uns Susi zum Hauptbahnhof und erkl\u00e4rt uns die st\u00e4dtebaulichen Ma\u00dfnahmen auf dem Weg dorthin, die Ver\u00e4nderung von Hinterhofwerkst\u00e4tten zu exklusiven Wohnvierteln. Es ist \u00fcberall das Gleiche \u2013 und trifft nicht meinen Nerv. Die Bahn ist p\u00fcnktlich, Musik von Ist Ist oder Terminal Serious begleitet mich, w\u00e4hrend wir durch das sonnige Deutschland gleiten.<\/p>\n<p>Monatelang hatten wir uns auf die Reise und die einzelnen Veranstaltungen gefreut; die Tickets und Fahrkarten hingen an der Pinnwand. Jetzt liegen die Abenteuer hinter uns und neue vor uns \u2013 solange es geht. Heute spielt die Eintracht gegen Slavia Prag, morgen fliege ich nach Oslo, die gro\u00dfe Reise geht weiter und macht keine Pause. Auch wenn ich es mir manchmal w\u00fcnsche. Ruhe ist nicht \u2013 bis zum Schluss. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/WgrLPaP6SQM?feature=shared\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">And there were no bounds<\/a> &#8230;<\/p>\n<div id=\"metaslider-id-16778\" style=\"width: 100%;\" class=\"ml-slider-3-110-0 metaslider metaslider-flex metaslider-16778 ml-slider has-dots-nav ml-slider-lightbox-2-32-3 metaslider-gallery-2-32-3 ms-theme-default\" role=\"region\" aria-label=\"AATT 2024\" data-height=\"525\" data-width=\"700\">\n    <div id=\"metaslider_container_16778\">\n        <div id=\"metaslider_16778\" class=\"flexslider\">\n            <ul class='slides'>\n                <li style=\"display: block; width: 100%;\" class=\"slide-16790 ms-image \" aria-roledescription=\"slide\" data-date=\"2024-11-06 18:49:29\" data-filename=\"HH_06-500x375.jpg\" data-slide-type=\"image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/HH_06-500x375.jpg\" height=\"525\" width=\"700\" alt=\"\" class=\"slider-16778 slide-16790 msDefaultImage\" title=\"HH_06\" \/><\/li>\n                <li style=\"display: none; 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