{"id":16557,"date":"2024-06-26T07:53:58","date_gmt":"2024-06-26T05:53:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=16557"},"modified":"2025-01-27T11:56:10","modified_gmt":"2025-01-27T10:56:10","slug":"eintracht-museum-spurensuche-eintracht-frankfurt-nuernberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=16557","title":{"rendered":"Spurensuche &#8211; Eintracht Frankfurt in N\u00fcrnberg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Eintracht auf Spurensuche rund um die Shoa<\/strong><\/p>\n<p>2019 rief das Eintracht Museum gemeinsam mit der Fanbetreuung das Projekt \u201eSpurensuche\u201c ins Leben, welches sich seither intensiv mit der Eintracht in der NS-Zeit und dar\u00fcber hinaus besch\u00e4ftigt. Begleitet wurde das Projekt bis zu dessen Tod im Februar 2023 von Helmut \u201eSonny\u201c Sonneberg, der als Kind Zeuge der brennenden Synagoge am B\u00f6rneplatz wurde und sp\u00e4ter in einem der letzten Frankfurter Transporte der Deportation ins Ghetto nach Theresienstadt anheim fiel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der vergangenen Jahre berichtete er als Zeitzeuge ebenso ausf\u00fchrlich wie anr\u00fchrend \u00fcber sein Leben, welches ihn nach seiner R\u00fcckkehr aus dem Ghetto zur Frankfurter Eintracht gef\u00fchrt hatte. Entsprechend f\u00fchrte die erste Fahrt des Spurensuche-Projektes im Herbst 2019 nach Theresienstadt. In den folgenden Jahren standen zudem Besuche der Konzentrationslager in Buchenwald bei Weimar und Dachau nahe M\u00fcnchen auf dem Programm. Die nunmehr vierte Reihe der Spurensuche behandelt die ersten Jahre der Nachkriegszeit \u2013 die Abschlussreise sollte uns diesmal nach N\u00fcrnberg bringen, dem Ort der m\u00e4chtig inszenierten Reichsparteitage der NSDAP, aber auch der Schauplatz der N\u00fcrnberger Prozesse.<\/p>\n<p>Vorausgegangen waren wie stets im Rahmen des Projektes etliche Vorbereitungsveranstaltungen. So referierte Felix B\u00f6rner \u00fcber die Eintracht in der Nachkriegszeit, Tobias Freim\u00fcller berichtete \u00fcber den Neuanfang j\u00fcdischen Lebens in Frankfurt nach der Shoah und Matthias Thoma stellte seine Biographie \u00fcber Sonny vor, deren Ver\u00f6ffentlichung dieser leider nicht mehr miterleben durfte. Wir besuchten die Westend-Synagoge sowie das ehemalige Lager f\u00fcr Displaced Persons in Zeilsheim. Und wenige Tage vor Beginn der Reise f\u00fchrte uns Stefan Minden das Drama der deutschen Nachkriegsjustiz vor Augen. So fand sich selbst im Jahr 1957 kaum jemand in f\u00fchrender Position des Bundesjustizministeriums, der als unbelastet galt. Die meisten Mitarbeiter waren Mitglied in der NSDAP und\/oder der SA und etliche von ihnen schon vor 1945 im Reichsjustizministerium t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Am Morgen des 25. M\u00e4rz 2024 bildeten rund 35 Eintrachtfans die diesj\u00e4hrige Reisegruppe, die sich auf den Weg nach N\u00fcrnberg machte. Auf dem Plan stand eine gef\u00fchrte Tour durch das Memorium N\u00fcrnberger Prozesse und am folgenden Tag ein dreist\u00fcndiger Rundgang \u00fcber das einstige Reichsparteitagsgel\u00e4nde nahe des N\u00fcrnberger Stadions.<\/p>\n<p><strong>Der N\u00fcrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher<\/strong><\/p>\n<p>Unmittelbar nach Ankunft und einem Altstadtbesuch ging es weiter zum Justizpalast, der durch den ersten Nachkriegsprozess gegen die NS-Hauptkriegsverbrecher internationale Ber\u00fchmtheit erlangte. Der Justizpalast blieb w\u00e4hrend des Krieges weitestgehend unversehrt und bot die passende Infrastruktur f\u00fcr einen Prozess dieses Ausma\u00dfes. Dass N\u00fcrnberg der Ort der Verabschiedung der Rassengesetze war und zudem die Nazis ihre Reichsparteitage mit Lichtdom und Massenaufm\u00e4rschen vor Ort abhielten, spielte f\u00fcr die Entscheidung nur eine untergeordnete Rolle. Der Prozess im Schwurgerichtssaal 600 begann am 20. November 1945 und dauerte bis zum 1. Oktober 1946. 12 der urspr\u00fcnglich 24 Angeklagten wurden zum Tod durch den Strang verurteilt, sieben zu Gef\u00e4ngnisstrafen, drei feierten einen Freispruch und ein Verfahren musste eingestellt werden. Einer der Angeklagten, Robert Ley, der Organisator der Reichsparteitage, hatte sich vor Prozessbeginn in seiner Zelle erh\u00e4ngt. Martin Bormann wurde in Abwesenheit zum Tod verurteilt, er galt als verschollen. Jahrzehnte sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass er schon zum Zeitpunkt des Prozesses nicht mehr gelebt hatte. Am 16. Oktober 1946 wurden die verbliebenen zehn Delinquenten, darunter der Gr\u00fcnder und Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes Der St\u00fcrmer Julius Streicher, Au\u00dfenminister Joachim von Ribbentrop und der Leiter des Reichssicherheitshauptamtes, Ernst Kaltenbrunner, geh\u00e4ngt. Einzig Reichsmarschall Hermann G\u00f6ring entzog sich dem Strick durch Suizid und setzte seinem Leben wenige Stunden vor dem Hinrichtungstermin ein Ende \u2013 mittels einer Zyankalikapsel, die auf bis heute ungekl\u00e4rten Pfaden seine Zelle erreichte. Der letzte einsitzende Gefangene, Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess, starb im Alter von 93 Jahren 1987 in seiner Zelle durch Suizid. Alle Angeklagten hatten zuvor auf \u201eNicht schuldig im Sinne der Anklage\u201c pl\u00e4diert. Au\u00dfer Kaltenbrunner und Speer hatten die zum Tode Verurteilten Gnadengesuche eingereicht, die jedoch kein Geh\u00f6r fanden.<\/p>\n<p>Der N\u00fcrnberger Prozess war der einzige, der von den vier Alliierten gemeinsam durchgef\u00fchrt wurde. Zu verschieden waren die Interessen Englands, Frankreichs, der UdSSR und der Vereinigten Staaten, als dass die Siegerm\u00e4chte auf Dauer an einem Strang ziehen konnten. Beklagten England, Frankreich und die USA jeweils ca. 500.000 Todesopfer durch den Krieg, so beweinte die Sowjetunion \u00fcber 25 Millionen Menschen und eine Schneise der Verw\u00fcstung im eigenen Land. Kein Wunder, dass die sowjetischen Richter f\u00fcr jeden der Angeklagten die Todesstrafe gefordert hatten. Entscheidend f\u00fcr das Strafma\u00df allerdings war eine Drei-Stimmen-Mehrheit der vier Richter. Dem Prozessbeginn ging eine Debatte voraus, die sich um die Art und Weise der Verurteilung drehte, denkbar waren angesichts der Gr\u00e4ueltaten und Schwere der Verbrechen auch Schauprozesse oder die Hinrichtung der f\u00fchrenden NS-K\u00f6pfe ohne Urteil. Doch setzte sich letztlich nach z\u00e4hen Verhandlungen die Idee des Gerichtsverfahrens und der Bestrafung durch den Internationalen Gerichtshof durch. Die angeklagten T\u00e4ter konnten sich anders als ihre Opfer einem Prozess mit Anh\u00f6rung und Verteidigung stellen. Angeklagt aber war ein jeder in bis zu vier Punkten:<\/p>\n<p>1. Verschw\u00f6rung zum Angriffskrieg.<\/p>\n<p>2. Verbrechen gegen den Frieden.<\/p>\n<p>3. Kriegsverbrechen.<\/p>\n<p>4. Verbrechen gegen die Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Die Angeklagten mussten sich \u201enur\u201c f\u00fcr Verbrechen zwischen 1939 und 1945 verantworten. Und auch nur f\u00fcr Verbrechen au\u00dferhalb Deutschlands. F\u00fcr Verbrechen vor 1939 und innerhalb Deutschlands war der internationale Milit\u00e4rgerichtshof nicht zust\u00e4ndig. Auch der Holocaust wurde erstaunlicher Weise nicht verhandelt, die Singularit\u00e4t des Verbrechens an den Juden zeigte sich auch dadurch, dass V\u00f6lkermord erst durch die Shoah 1948 zur eigenen Anklagekategorie des V\u00f6lkerrechts wurde.<\/p>\n<p>In zwei Gruppen wurde wir durch das Memorium gef\u00fchrt, sa\u00dfen im eigens f\u00fcr den Prozess umgebauten Schwurgerichtssaal 600, der unmittelbar nach der R\u00fcckgabe an die Deutsche Justiz ab 1960 wieder zur\u00fcckgebaut wurde, so dass sich heute kaum Inventar von damals findet. Erst seit 2020 wird der Saal nicht mehr f\u00fcr aktuelle Prozesse genutzt und kann dauerhaft besichtigt werden, ebenso wie die Dauerausstellung im Stockwerk dar\u00fcber, die beredt Kenntnis der damaligen Zeit vermittelt. Erstmals dienten Filmaufnahmen als Beweismittel, ein Novum war auch die Simultan\u00fcbersetzung in vier Sprachen. Rund 400 Journalisten konnten den Prozess vor Ort verfolgen, darunter Willy Brandt, Erich K\u00e4stner, John Steinbeck, Ernest Hemingway oder Ilja Ehrenburg. Der Prozess geriet zum ersten Massenmedienspektakel, die glei\u00dfenden Neonr\u00f6hren spendeten entsprechendes Licht f\u00fcr die Fernsehkameras, so dass die Angeklagten w\u00e4hrend der Verhandlung Sonnenbrillen tragen durften.<\/p>\n<p>Im Anschluss an den ersten gro\u00dfen Prozess fanden noch zw\u00f6lf Nachfolgeprozesse gegen hochrangige Industrielle, aber auch \u00c4rzte und Juristen in N\u00fcrnberg statt \u2013 allerdings nur vor amerikanischen Tribunalen. Der kalte Krieg hatte bereits begonnen. Und w\u00e4re es nach einem Gro\u00dfteil der deutschen Bev\u00f6lkerung aber auch der Politik gegangen, so w\u00e4re die NS-Zeit recht schnell zu den Akten gelegt worden. Als Hauptschuldiger wurde Hitler ausgemacht, der Rest hatte entweder Befehle ausgef\u00fchrt oder aber von nichts gewusst. Eine L\u00fcge, wie wir heute wissen. Und so ist es Leuten wie Fritz Bauer zu verdanken, dass unter das unfassbarste Verbrechen der Menschheitsgeschichte kein vorzeitiger Schlussstrich gezogen wurde.<\/p>\n<p><strong>Das Reichsparteitagsgel\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon im Memorium teilten wir uns am folgenden Morgen nach Ankunft an der Kongresshalle in zwei Gruppen auf und wie schon tags zuvor nahmen sich Vertreter:innen des Vereins \u201eGeschichte f\u00fcr alle e. V.\u201c uns an und f\u00fchrten sachkundig \u00fcber das weitl\u00e4ufige Gel\u00e4nde, in dessen unmittelbarer N\u00e4he im heutigen Max Morlock Stadion der 1.FC N\u00fcrnberg seine Heimspiele austr\u00e4gt \u2013 und die Eintracht 1932 das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen die M\u00fcnchner Bayern verlor. Viele von uns werden schon in der \u201eGro\u00dfen Stra\u00dfe\u201c am angrenzenden Messegel\u00e4nde geparkt haben.<\/p>\n<p>Noch vor der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 inszenierte die NSDAP mehrere Parteitage, die jedoch mit denen ab 1933 nicht mehr vergleichbar waren. 1923 in M\u00fcnchen und 1926 in Weimar sowie 1927 und 1929 in N\u00fcrnberg. Erst ab 1933 lieferten die Reichsparteitage jene Propagandabilder der organisierten Masse, die Leni Riefenstahls Propagandafilm \u00fcber den Parteitag von 1934 mit dem Titel \u201eTriumph des Willens\u201c auch noch \u00e4sthetisch \u00fcberh\u00f6hte. Diese Parteitage, der letzte ging 1938 \u00fcber die B\u00fchne, waren mitnichten Orte der Debattenkultur. Sie dienten ab 1934 jeweils im September der Propaganda, dem F\u00fchrerkult und der v\u00f6lkischen \u00dcberh\u00f6hung.<\/p>\n<p>Organisator der Parteitage war Robert Ley, auch \u201eReichstrunkenbold\u201c genannt, der sich 1946 seiner Verurteilung durch Suizid entzog. Verantwortlicher Architekt war Albert Speer, der sp\u00e4ter als R\u00fcstungsminister tief in den Holocaust verstrickt war und dem es dennoch gelang, im N\u00fcrnberger Prozess seine wahre Beteiligung an den NS-Verbrechen zu verschleiern \u2013 woraufhin er der Todesstrafe entging und zu 20 Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt wurde. Ihm oblag die Gestaltung des 16,5 km\u00b2 gro\u00dfen Gel\u00e4ndes und der Geb\u00e4ude mit Ausnahme der Kongresshalle, die von den N\u00fcrnberger Architekten Ludwig Ruff und dessen Sohn Franz konzipiert wurde.<\/p>\n<p>Die Planung sah neben der monumentalen Kongresshalle nach Art des Kolosseum in Rom ein Stadion f\u00fcr 400.000 Menschen vor, dazu das Zeppelinfeld samt Zeppelintrib\u00fcne, die Bebauung des Luitpoldhains mit der Luitpoldarena, das M\u00e4rzfeld, (eine 1000 Meter breite und 600 Meter lange Aufmarschfl\u00e4che umrahmt von Zuschauertrib\u00fcnen und Wehrt\u00fcrmen) am Ende der Gro\u00dfen Stra\u00dfe, eine zwei Kilometer lange und 60 Meter breite Paradestra\u00dfe. Hinter dem M\u00e4rzfeld sollte ein Bahnhof entstehen. Fertiggestellt wurden die Zeppelintrib\u00fcne und die Luitpoldarena. Im September 1939 \u00fcberfiel Nazi-Deutschland Polen und der 2. Weltkrieg begann. Und auf dem M\u00e4rzfeld resp. dem Bahnhof entstand nach Kriegsende der Stadtteil Langwasser.<\/p>\n<p>Die Ruine der Kongresshalle, die eigentlich doppelt so hoch werden sollte, zeugt selbst in der jetzigen Form von einem Gr\u00f6\u00dfenwahn der Nationalsozialisten, der alle Baustile des Monumentalen absorbierte, um ein in dieser Gr\u00f6\u00dfe noch nie dagewesenes neoklassizistisches Gesamtbild zu erzeugen. Als Vorbilder dienten die m\u00e4chtigen Bauwerke einstiger gro\u00dfer Weltreiche wie das der R\u00f6mer oder der Griechen. Die Kongresshalle ist ein bis heute auf halber H\u00f6he unvollendeter Bau ohne Dach \u2013 und symbolisiert damit auch den Untergang des 1000-j\u00e4hrigen Reiches nach desastr\u00f6sen zw\u00f6lf Jahren. Vom gigantischen Plan des Deutschen Stadions blieb alleine der Grundstein, au\u00dfer einigen h\u00f6lzernen Fassaden wurde nichts zustande gebracht.<\/p>\n<p>Die Massenaufl\u00e4ufe w\u00e4hrend der Parteitage in der Luitpoldarena, die gottgleiche Inszenierung Hitlers als Heilsbringer und Messias, die reliquienhafte Verehrung der Blutfahne, die angeblich schon 1923 beim gescheiterten Hitlerputsch in M\u00fcnchen mitgef\u00fchrt wurde, die choreographierte Wucht des ab 1936 aus hunderten (Flag)scheinwerfern in die Nacht geworfenen Lichtdoms (Kathedrale aus Eis) auf dem Zeppelinfeld, standen in ihrer Inszenierung im krassen Gegensatz zur allt\u00e4glichen Realit\u00e4t. In den Lagern hinter dem M\u00e4rzfeld stank es nach F\u00e4kalien, da die wenigen Toiletten bei Weitem nicht ausreichten und die SS achtete vor den Bordellen in der Stadt darauf, dass diese nicht in Uniform besucht wurden. Zu sehr hatten die Parteisoldaten sich gehen lassen. \u201eEin Nationalsozialist trinkt nicht\u201c lautete ein Wahlspruch \u2013 der getrost ignoriert wurde, das Bier im Lager war billiger als in der Stadt und die Geburtenzahlen schossen neun Monate nach den Parteitagen in N\u00fcrnberg in die H\u00f6he. Kein Wunder, dass privates Fotografieren w\u00e4hrend der Parteitage streng verboten war. Kein Funken Wirklichkeit sollte die Inszenierungen tr\u00fcben. Acht Tage lang inszenierten sich die Nationalsozialisten in falscher Gr\u00f6\u00dfe, 400.000 \u2013 500.000 Menschen der neuen, gro\u00dfen Volksgemeinschaft berauschten sich an Masse, Propaganda, Fassade, Drill und huldigten dem F\u00fchrer. Und sie lauschten 1935 der Verk\u00fcndung der N\u00fcrnberger Rassengesetze, die ein wesentlicher Baustein der Ausgrenzung und sp\u00e4teren Vernichtung derer waren, die die Nazis nicht zur Volksgemeinschaft z\u00e4hlten. Wie Juden oder Sinti und Roma.<\/p>\n<p>Zum Rahmenprogramm der Reichsparteitage geh\u00f6rten Sportveranstaltungen, an denen auch Vertreter, vorwiegend Leichtathleten, der Eintracht teilnahmen. Aber auch die Fu\u00dfballer statteten im M\u00e4rz 1939 vor einem Freundschaftsspiel gegen den Club dem Gel\u00e4nde einen Besuch ab. Die einstigen Juddebuben lobpreisten in den Stadionheften regelrecht Bauten und Politik des Nationalsozialismus. Dass der \u00dcberfall auf Polen daf\u00fcr sorgte, dass der 1938er Parteitag auch der letzte seiner Art blieb und der f\u00fcr 1939 geplante \u201eParteitag des Friedens\u201c wegen des Einmarschs in Polen ins Feuer fiel, ahnten sie wohl ebenso wenig wie die fast vollst\u00e4ndige Zerst\u00f6rung N\u00fcrnbergs nach Kriegsende.<\/p>\n<p>Heute zeigt sich das Gel\u00e4nde am Dutzendteich eher friedlich. Im See schwimmen rosa leuchtende Bootsflamingos, auf dem Volksfestplatz wartet ein Riesenrad auf Kundschaft und vor dem Mittelteil der Zeppelintrib\u00fcne mit der einstigen F\u00fchrerkanzel, dem neben der Kongresshalle einzig verbliebenem Bauwerk der Nazis, drehen Jogger ihre Runden. Der Rest der m\u00e4chtigen Trib\u00fcne, die an den griechischen Pergamonaltar erinnerte, wurde 1967 gesprengt. Einerseits wegen Bauf\u00e4lligkeit, andererseits wurde so auch ein Teil der unangenehmen Vergangenheit entsorgt. Eine der markanten Feuerschalen steht heute im Goldenen Saal, eine \u00fcber 300 m\u00b2 gro\u00dfen Halle innerhalb der Trib\u00fcne. Die andere wurde buntbemalt bis 2008 als Kinderplanschbecken im Schwimmbad genutzt. Als Bob Dylan 1978 auf dem Zeppelinfeld konzertierte, wurde dessen B\u00fchne so konzipiert, dass die 80.000 Zuschauer die F\u00fchrerkanzel hinter sich wussten und anders als in den 30er Jahren Hitler w\u00e4hrend des Konzerts symbolisch den R\u00fccken zukehrten.<\/p>\n<p>Zeitgeschichtlich Interessierte k\u00f6nnen heutzutage das gesamte Areal rund um den Dutzendteich durchwandern und sich auf einem historischem Rundgang anhand von 12 Tafeln \u00fcber die gro\u00dfmannss\u00fcchtigen Pl\u00e4ne der Nazis und deren (krachend gescheiterte) Umsetzung informieren. Es ist kalt geworden, fr\u00f6stelnd suchen wir eine Wirtschaft auf, um uns zu w\u00e4rmen &#8211; und wenig sp\u00e4ter auf der Autobahn bei W\u00fcrzburg einen schweren Unfall zu beobachten, Blaulicht kreist in den grauen Tag, aber unser Busfahrer bringt uns sicher nach Frankfurt. M\u00fcde und voller Gedanken verstreut sich die Gruppe in alle Winde. Bis zur n\u00e4chsten Spurensuche. Die ja nicht nur die Vergangenheit erhellt, sondern auch die Gegenwart beleuchtet. Nie wieder ist jetzt!<\/p>\n<div id=\"metaslider-id-16562\" style=\"width: 100%;\" class=\"ml-slider-3-110-0 metaslider metaslider-responsive metaslider-16562 ml-slider has-dots-nav ml-slider-lightbox-2-32-3 metaslider-gallery-2-32-3 ms-theme-default\" role=\"region\" aria-label=\"N\u00fcrnberg 2024\" data-height=\"500\" data-width=\"750\">\n    <div id=\"metaslider_container_16562\">\n        <ul id='metaslider_16562' class='rslides'>\n            <li aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-0'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/01-2-748x499.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16581 msDefaultImage\" title=\"01\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-1'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/02-2.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16582 msDefaultImage\" title=\"02\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-2'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/03-2.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16583 msDefaultImage\" title=\"03\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-3'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/04-2.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16584 msDefaultImage\" title=\"04\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-4'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/07-2-732x488.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16587 msDefaultImage\" title=\"07\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-5'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/06-2.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16586 msDefaultImage\" title=\"06\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-6'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/05-2-729x486.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16585 msDefaultImage\" title=\"05\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-7'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/09-2-748x499.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16576 msDefaultImage\" title=\"09\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-8'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/08-2.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16588 msDefaultImage\" title=\"08\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-9'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/10-2.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16577 msDefaultImage\" title=\"10\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-10'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/11-2.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16578 msDefaultImage\" title=\"11\" \/><\/li>\n            <li style='display: none;' aria-roledescription='slide' aria-labelledby='slide-11'><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/12-2-750x500.jpg\" height=\"500\" width=\"750\" alt=\"\" class=\"slider-16562 slide-16579 msDefaultImage\" title=\"12\" \/><\/li>\n        <\/ul>\n        \n    <\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eintracht auf Spurensuche rund um die Shoa 2019 rief das Eintracht Museum gemeinsam mit der Fanbetreuung das Projekt \u201eSpurensuche\u201c ins Leben, welches sich seither intensiv mit der Eintracht in der NS-Zeit und dar\u00fcber hinaus besch\u00e4ftigt. 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