{"id":15759,"date":"2022-11-30T19:33:48","date_gmt":"2022-11-30T18:33:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15759"},"modified":"2022-11-30T20:27:09","modified_gmt":"2022-11-30T19:27:09","slug":"london-2022-feat-jim-bob-und-placebo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15759","title":{"rendered":"London 2022 feat. Jim Bob und Placebo"},"content":{"rendered":"<p>Jim Bob ist eines der beiden Masterminds der einstigen Indie-Band Carter USM, deren letztes Konzert ever wir mit Andi und Arne im November 2014 in der Brixton Academy gesehen hatten, es war gro\u00dfartig. Und da er mit seiner eigenen Band im November in der Islington Assembly Hall auftreten sollte, buchten wir schon im M\u00e4rz Tickets Flug und Unterkunft zu v\u00f6llig annehmbaren Preisen und hatten Gl\u00fcck, dass wir sogar noch zwei Tickets f\u00fcr Placebo am folgenden Abend in Brixton schie\u00dfen konnten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am Abreisetag sind wir beide gesund und munter, das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich in diesen Tagen. Also ziehen wir in den anbrechenden Morgen des 25. November mit Rucksack und Rollk\u00f6fferchen los in Richtung Bornheim Mitte, springen in die U-Bahn, die uns zur Konsti bringt und nehmen von dort die p\u00fcnktlich anrollende S-Bahn zum Airport. Dort rauchen wir eine Cigarette, ehe uns die riesigen Hallen verschlucken.<\/p>\n<p>Nach einem gleicherma\u00dfen kurzen wie unspektakul\u00e4ren Flug landen wir am London City Airport und nehmen die DLR Richtung Canning Town um von dort mit der Tube quietschend zur Baker Street zu rasseln. Da es auch ob des einst\u00fcndigen Zeitunterschiedes noch recht fr\u00fch ist, marschieren wir durch den Regents Park gem\u00e4chlich in Richtung Maida Vale &#8211; dort liegt nahe der Underground Station unsere Unterkunft. Eigentlich h\u00e4tten wir erst ab 15 Uhr einchecken k\u00f6nnen, doch dankenswerter Weise hatte sich unser Gastgeber bereit erkl\u00e4rt, unser Gep\u00e4ck vor Ort aufzubewahren &#8211; f\u00fcr schlappe 10 Pfund, \u00fcberweisbar sofort. Vorbei am Cricket-Stadion f\u00fchrt unser Weg Richtung Abbey Road, das erste Mal in meinem Leben fotografiere ich den weltber\u00fchmten Zebrastreifen und finde mich ein bisschen peinlich dabei. Aber wir sind trotz der fr\u00fchen Stunde nicht alleine.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter stehen wir vor der Unterkunft in der Randolph Avenue &#8211; und m\u00fcssen ein paar Minuten warten, bis ge\u00f6ffnet wird. Pia besorgt derweil Kaffee am Eck, w\u00e4hrend ich unsere Klamotten in den schmalen Flur der Wohnung schleppe und mich unmittelbar darauf mit dem Schl\u00fcssel in der Hand auf der Stra\u00dfe wieder finde. Friedliche Wohngegend, die Tube Station an der Ecke, ein paar L\u00e4den dazu. Unser Vermieter hatte mir schon in den Wochen zuvor etliche Nachrichten \u00fcber die Buchungsplatform geschickt, vorwiegend Verhaltens- und Hausregeln betreffend , ich sollte ihm auch ein bisschen was \u00fcber mich erz\u00e4hlen. Gepaart mit den 10 Pfund f\u00fcr die Gep\u00e4ckaufbewarung erschien mir das alles ziemlich spooky, vor allem da ich schon etliche Male \u00fcber Airbnb gebucht hatte &#8211; und bislang alles zwar unterschiedlich aber locker war. Egal ob London, Helsinki, Athen, Mailand&nbsp; oder Salzburg. Naja, wir werden sehen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst treiben wir runter zum Kanal und an dort d\u00fcmpelnden Hausbooten vorbei Richtung Little Venice. Blauer Himmel wacht \u00fcber uns, m\u00e4chtige, in die H\u00f6he schie\u00dfende Bauten k\u00fcndigen Paddington an. London ist an vielen Ecken seltsam verbaut &#8211; Menschen hasten vor\u00fcber, einen Kaffeebecher in der Hand, wir fotografieren einen Paddington B\u00e4r vor dem Bahnhof, einen anderen im Bahnhof und verlassen den belebten und unwirtlichen Platz Richtung Notting Hill, schlendern die bunte Portobello Road nach unten, futtern Lamm-Samosa und treffen weder Hugh Grant noch Julia Roberts. Auch kaufen wir keine alten B\u00fccher auf dem langgezogenen Markt. Auf dem Weg&nbsp; nach Shepherds Bush kommen wir am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grenfell_Tower\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grenfell-Tower<\/a> vorbei, wo im Juni 2017 bei einem verheerenden Gro\u00dfbrand 72 Menschen elendig verbrannten. Eine Gedenkst\u00e4tte erinnert an die Menschen, die in dem Sozialwohnungsobjekt trotz vorheriger Warnungen ihr Leben lassen mussten.<\/p>\n<p>Weiter hinten, in Shepherds Bush, ist es nicht ganz so heimelig wie in Notting Hill, vorwiegend Migranten beleben die Uxbridge-Road, in der wir wie schon so oft bei Shabab vorz\u00fcgliche Lambchops verputzen und uns anschlie\u00dfend mit dem Bus in die anbrechend Dunkelheit Richtung Maida Vale aufmachen &#8211; und unser Zimmer in Augenschein nehmen. Es ist klein, sehr klein und schmucklos &#8211; aber sauber. Das Bett nimmt die gr\u00f6\u00dfte Fl\u00e4che des Raumes ein, linker Hand ein winziges Tischchen auf dem eine Nachttischlampe steht und eine Kleiderstange in der anderen Ecke, das wars. Vom schmalen Flur gehen noch zwei weitere R\u00e4ume sowie ein Bad und eine K\u00fcche ab. Ein junger Mann ist anwesend und erkl\u00e4rt kurz, welcher Schrank in der K\u00fcche f\u00fcr uns benutzbar sei &#8211; dann verschwindet er wieder in einem der R\u00e4ume und wir legen uns f\u00fcr einen Moment hin.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter nehmen wir die Bakerloo Line Richtung Oxford Circus. Und w\u00e4hrend du in Frankfurter Bahnen alle Absonderlichkeiten menschlicher Verhaltensweisen beobachten kannst (angefangen vom Massengedr\u00e4ngel und Manspreading \u00fcber Taschen auf den Sitzen bis hin zu lautem Geschnatter und F\u00fc\u00dfen auf den Pl\u00e4tzen) sitzen oder stehen die Menschen in London mehr oder weniger ruhig auf ihren Pl\u00e4tzen und starren vor sich hin,&nbsp; bis sie an ihr Ziel angekommen sind und recht achtsam aussteigen. Oben am Oxford Circus ist die H\u00f6lle los.<\/p>\n<p>Tausende schieben sich durch die &#8222;weihnachtlich&#8220; beleuchtete Oxford Street, die wir nur mit M\u00fche \u00fcberqueren k\u00f6nnen. Ob durch einen Bahnausfall bedingt, ob durch Black Friday, es ist kaum ein Durchkommen. Aus grell beleuchteten Fahrrad-Rikschas br\u00fcllt dir aus den Boxen Weihnachtsmusik in betr\u00e4chtlicher Lautst\u00e4rke entgegen (LET IT SNOW!) &#8211; die roten Busse k\u00e4mpfen sich ihren Weg durch die Radler, die Fu\u00dfg\u00e4nger stehen Schlange, selbst vor North Face. Paare und Passanten schleppen T\u00fcten in Massen durch die Gassen, als g\u00e4be es kein Morgen &#8211; oh du besinnliche Weihnachtszeit. Auf der gro\u00dfen Leinwand am Piccadilly Circus wirbt Daniel Craig in Dauerschleife, war es ein Parfum oder ein Getr\u00e4nk, ich habe es vergessen, doch im Vergleich zur Oxford Street geht es hier heute fast beschaulich zu. Pia springt kurz ins Lillywhite, anschlie\u00dfend treiben wir durch die Old and New Bond Street, wo es auf Feierabend zu geht. Hier findest du etliche der ganz gro\u00dfen Namen, Alexander McQueen, Stella McCartney, Chanel, Louis Vuitton, Cartier &#8211; der ganze \u00fcbeteuerte Identit\u00e4tsunfug der Generation Range Rover. Als h\u00e4tte jemand Massen an Botox in ein ganzes Stadtviertel gespritzt. H\u00e4sslich, \u00fcberladen &#8211; die Insignien eines meist schlechten Geschmacks und \u00fcberf\u00fcllter Geldbeutel, die hier kaum noch jemand besitzt, da in London mit Kreditkarte bezahlt wird. Derzeit ist alles in eine grelle weihnachtliche So\u00dfe getaucht, ankurbend die Gesch\u00e4fte, schief spielend auf der Gem\u00fctstastatur &#8211; LET IT SNOW schreit es dir entgegen und t\u00f6tet auch noch den letzten sentimentalen Keim. Hie und da ein wenig Understatement, dann wird es richtig teuer.<\/p>\n<p>Wir wandern zur\u00fcck zum Regents Park, der nun zu sp\u00e4ter Stunde verschlossen bleibt, nicht, dass irgendetwas noch unbeobachtet bleibt in dieser komplett \u00fcberwachten Stadt &#8211; und von dort wieder nach Maida Vale. Durch die Fenster eines Pubs sehen wir die letzten Minuten des WM-Spiels England vs USA. Kane vergibt eine gute Chance, die G\u00e4ste raufen sich die Haare. 40.000 Schritte und einen Tee sp\u00e4ter l\u00f6schen wir die Lichter zur Nacht. Die Sinne schwirren. Gut, dass wir an Adapter gedacht hatten, die Akkus tanken wie wir auch neue Energie.<\/p>\n<p><strong>Samstag<\/strong><\/p>\n<p>Heute Abend wartet Jim Bob auf uns, jetzt f\u00fchrt uns der Weg nach einem kurzen Fr\u00fchst\u00fcck gem\u00e4chlich am Regents Canal entlang&nbsp; Richtung Islington. Wir machen einen kurzen Abstecher \u00fcber Primrose Hill und blicken \u00fcber London. Je \u00f6fter du hier bist, desto \u00fcberschaubarer wird die Stadt und gleichzeitig umso gr\u00f6\u00dfer, ein eigenartiges Paradoxon. Vielleicht liegt es daran, dass du erkennst, wo du schon \u00fcberall gewesen bist &#8211; und vor allem, wo noch nicht. Das betrifft vor allem die Mikrokosmen. Ein Mikrokosmos, den es besser zu meiden gilt, ist Camden Lock &#8211; dieser Tourismusmarkt f\u00fcr den kleinen Geldbeutel, der allerdings wie nahezu \u00fcberall in London nicht allzu klein sein darf. Wir drehen eine Runde durch Camden und spazieren dann weiter am Kanal entlang, bis wir zum <a href=\"https:\/\/www.kingscross.co.uk\/gasholder-park\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gasholder Park<\/a> nahe King&#8217;s Cross kommen, ein hochmoderner Komplex modernisierter ehemaliger Gasometer. Nat\u00fcrlich finden wir hier hochpreisige Wohnanlagen und Shopping Center &#8211; und eine Toilette. Wir g\u00f6nnen uns an einem kleinen Stand ein paar Samosas, und fotografieren ein paar hundert Meter weiter im Bahnhof King&#8217;s Cross das Gleis 9 \u00be &#8211; schlie\u00dflich sind wir ja Touristen und d\u00fcrfen das auch. Nur in die Warteschlange reihen wir uns nicht ein.<\/p>\n<p>Eines der unaufgeregten Viertel in London ist Islington, mit seinem kleinen Stra\u00dfenmarkt, den Underground Stationen&nbsp; Angel im S\u00fcden und Highbury Islington im Norden und den Konzert-Locations O2 Islington Academy, Islington Assembly Hall und The Garage, wobei letzterer wohl schon in Highbury liegt. In der Assembly Hall wird heute Jim Bob spielen, die Absperrgitter stehen schon bereit, als wir die Upper Street hoch laufen. Kleine L\u00e4den liegen wie an einer Perlenschnur aufgereiht nebeneinander, wir trinken einen Tee und drehen eine Runde bis nach Highbury. Vor ein paar Jahren sah ich hier nicht nur die Eintracht gegen Arsenal sondern auch die Young Gods in der Garage, weiter unten lockt uns eine Pizzeria. Anschlie\u00dfend suchen wir einen Pub &#8211; ein Unterfangen, welches sich als gar nicht so einfach herausstellt. Der legend\u00e4re Hope &amp; Anchor ist genau so voll wie Fox on the Green oder The Old&nbsp; Queens Head Pub. Aber um die Ecke werden wir im The Kings f\u00fcndig. Gem\u00fctlich ist es hier, wir trinken ein Pint Camden Lager und sehen zu, wie Frankreich gegen D\u00e4nemark kickt. Als wir gehen, ist der Laden schon ziemlich gut gef\u00fcllt, ich w\u00e4re gar nicht b\u00f6se drum, noch l\u00e4nger hier zu verweilen, aber wir m\u00fcssen die Tickets noch abholen. Das geht schneller als gedacht, kaum sind wir vor Ort, sind wir auch schon drin &#8211; und noch ist es ziemlich leer. Wir hocken uns auf die kalte Heizung im Unterrang und sehen, wie sich der Laden lagsam f\u00fcllt. Derweil hockt Jim Bob in seiner Garderobe und retweetet einen Tweet von mir.<\/p>\n<p>Die erste Band, die Berries, beginnen p\u00fcnktlich um acht &#8211; und machen einen netten L\u00e4rm, so vergeht die Zeit auf angenehme Weise und ich bin nicht mehr ganz so groggy wie vorhin im Pub. Nach einer kurzen Umbaupause kommt Jim Bob mit seiner Band auf die B\u00fchne &#8211; und spielt etliche der alten Carter USM Klassiker. Das bringt Leben in die Bude, denn sind wir ehrlich: die meisten hier wollen die alten Kracher h\u00f6ren &#8211; nicht gerade erhebend f\u00fcr den K\u00fcnstler, der aber eine kunterbunte Mischung bringt. Mittlerweile ist die Halle gut gef\u00fcllt, die Menschen trinken Bier und tragen T-Shirts mit der Aufschrift <em>30something,<\/em> betitelt nach einem Album von Carter, die Anfang der 90er h\u00e4ufiger zu sehen waren und es heutztage auch mit <em>40something<\/em> oder sogar <em>50something<\/em> gibt. Der vorletzte Song, The only living boy in New Cross, bringt noch einmal alle zum Mitsingen und nach <em>Angelstrike<\/em> ist nach ca 100 Minuten Feierabend. Das Licht geht an, wir haben durchgehalten und es war ein unterhaltsamer Abend &#8211; was will man mehr.<\/p>\n<p><em>The gypsies, the travelers and the thieves<\/em><br \/>\n<em>The good, the bad, the average and unique<\/em><br \/>\n<em>The grebos the crusties and you and I<\/em><br \/>\n<em>Hello, good evening, welcome<\/em><br \/>\n<em>And goodbye<\/em><\/p>\n<p>Wir wandern hoch zur Underground, die auch prompt kommt, springen im Oxford Circus in die Bakerloo Line und sind keine halbe Stunde sp\u00e4ter in Maida Vale &#8211; so schnell kann es gehen. Mal sehen, ob es morgen Abend von Brixton \u00e4hlich flott geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><iframe style=\"border-radius: 12px;\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/playlist\/09NNXHLjqxGZNKJtuhcWTd?utm_source=generator\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" width=\"100%\" height=\"380\" frameborder=\"0\"><\/iframe>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sonntag<\/strong><\/p>\n<p>Es regnet. Wir laufen \u00fcber Litttle Venice durch m\u00e4chtige Autobr\u00fccken nach Paddington und von dort Richtung Hyde Park und lassen das dortige Winterwonderland links liegen. Nach einem kurzen Abstecher zum Buckingham Palast, erstmals ohne die Queen, wandern wir zum House of Parliament und sehen erstmals nach etlichen Jahren den Glockenturm von Big Ben ohne Ger\u00fcst wieder &#8211; der klassische London-Blick schlechthin. \u00dcber die Westminster Bridge schlendern wir Richtung Waterloo, doch so richtiges Leben will uns nicht befallen, die letzten Tage, die Eindr\u00fccke und gelaufenen Kilometer fordern ihren Tribut und wir wissen nicht so recht, wohin, zumal es immer noch regnet. So nehmen wir den Bus in Richtung Brixton und haben Gl\u00fcck, dass wir oben direkt am Fenster sitzen k\u00f6nnen. Regentropfen klatschen an die Scheibe, die langsam beschl\u00e4gt und wir rollen die Brixton Road nach oben, fahren am Jamms vorbei, wo wir vor Jahren bis in die Puppen gefeiert hatten und steigen am bunten Bahnhof in Brixton aus. Hier, in der Brixton Academy, spielt (wie gestern auch schon) <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Placebo_(Band)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Placebo<\/a>, vielleicht das Highlight unserer Reise. Vor der Location sitzen schon die ersten Leute auf den Stufen, wir aber ziehen weiter, vorbei an M\u00e4rkten, Br\u00fccken, Graffitis &#8211; durch den Stadtteil, der wohl wie kein Zweiter durch Migration gepr\u00e4gt ist, Welten entfernt von Mayfair oder Notting Hill. Regennass gl\u00e4nzt die Stra\u00dfe, ein roter Bus reiht sich an den n\u00e4chsten, linker Hand die besungene Electric Avenue. Menschen ziehen in Winterklamotten an dir vorbei andere tragen T-Shirts, sitzen an den St\u00e4nden einer Markthalle, in der Fisch angeboten wird. Wir landen um die Ecke bei einem netten und freundlichen Libanesen und machen uns dann auf die Suche nach einem Caf\u00e9, die mangels Gelegenheit in der Suche nach einem Pub endet. Doch auch hier m\u00fcssen wir zun\u00e4chst passen, der einzige, der uns auf unsere Irrwegen begegnet ist bis auf einen Tisch besetzt &#8211; und dieser ist reserviert. Unverrichteter Dinge ziehen wir wieder von dannen, bis wir dann im Dogstar f\u00fcndig werden. Ein gro\u00dfer Raum, ein langer Tresen und an der Wand warten gem\u00fctliche Sessel auf uns &#8211; bzw eine gepolsterte Sitzbank, die an einem Ende nicht vern\u00fcnftig verschraubt ist, woraufhin ich jedes Mal wie auf einer Miniwippe nach oben h\u00fcpfe, so sich jemand setzt. Auf der gro\u00dfen Leinwand kickt vor nur wenig Interessierten Kroatien gegen Kanada, und wir trinken ein Bier. Sp\u00e4ter wird Deutschland noch gegen Spanien spielen und da wir keine gro\u00dfe Lust versp\u00fcren, irgendwo drau\u00dfen rumzustehen, entschlie\u00dfen wir uns, die erste Halbzeit hier zu gucken. Das sehen noch mehr Leute so, der Pub f\u00fcllt sich, die einen wedeln mit Spanien-F\u00e4hnchen, andere tragen Placebo Shirts und ich h\u00fcpfe ab und zu in die H\u00f6he, so sich jemand setzt. Dann ist Halbzeit und Placebo ruft.<\/p>\n<p>Jetzt ist die Ank\u00fcndigung des Konzertes an der Halle beleuchtet. Und die Menschenschlange f\u00fchrt einmal um die Brixton Academy herum, aber dies sieht erschreckender aus als es letztlich ist, nach wenigen Minuten sind wir in der Halle, die Vorband, Deadletter, legt sich schon m\u00e4chtig ins Zeug und ich \u00fcberlege, ob es nicht besser gewesen w\u00e4re, sich Karten f\u00fcr den Balkon zu sichern &#8211; mein R\u00fccken schmerzt und mindestens zwei, eher drei stehende Stunden warten noch auf uns. Aber vergossene Milch. Die Halle ist&nbsp; schon ordentlich gef\u00fcllt, wir stellen uns in die hintere Ecke und lauschen Deadletter, die ihre Sache wirklich gut machen. Placebo hingegen hat ganz in meinem Sinne angek\u00fcndigt, dass die Handys in der Tasche bleiben sollen, um die Atmosph\u00e4re des Konzertes nicht zu st\u00f6ren, ich bin gespannt, ob es funktioniert. Punkt 21:00 Uhr verlischt das Licht in der Halle, und Placebo entern die B\u00fchne, mit dabei vier Gastmusiker im Hintergrund. Wer es nicht wei\u00df: Placebo das sind Brian Molko und Stefan Olsdal, die mittlerweile auf acht Studioalben zur\u00fcck blicken k\u00f6nnen. Der Sound ist gut und nicht zu laut und durch die Schr\u00e4ge des Hallenbodens ist die Sicht eigentlich ganz gut. Nat\u00fcrlich z\u00fccken ein paar Schwererziehbare ihre Handys, aber es sind nur wenige, der Rest l\u00e4sst sich auf die Musik ein. Und die ist klasse, auch wenn sie etliche ihrer Klassiker oder meiner Favoriten wie Every you and every me, Jesus Son, Loud like love, Special K, The never-ending why oder Nancy Boy gar nicht spielen. Aber mit Try better next time, Song to say good bye, Infra Red, The Bitter End oder Slave to the wage sind schon ein paar Knaller dabei &#8211; und f\u00fcr Pia sogar Shout, eine Cover Version von Tears for Fears. Pia erkennt den Song nach zwei T\u00f6nen. Der Abend endet mit Running up that hill &#8211; und schon spuckt uns die Brixton Academy wieder aus. Auf meinem Handy blinken drei Nachrichten von unserem Gastgeber auf. Er will wissen, wann wir die Wohnung verlassen &#8211; nachdem er uns mehrfach darauf hingewiesen hat, dass Check-Out um 10 sei.<\/p>\n<p>Schnellen Schrittes eilen wir zur Underground und quetschen uns in die Tube die uns zum Oxford Circus bringt und von dort wieder nach Maida Vale. Dort angekommen, g\u00f6nnen wir uns noch eine Dose Cola und fallen todm\u00fcde in die Falle. Und ich schreibe Diego, dass wir um 10 drau\u00dfen sind.<\/p>\n<p><strong>Montag<\/strong><\/p>\n<p>Unser Flieger soll laut Plan London um 18:30 verlassen &#8211; so haben wir noch ein bisschen Zeit, uns nach dem Auschecken p\u00fcnktlich um 10 in der Stadt herumzutreiben. Wir fr\u00fchst\u00fccken eine Kleinigkeit und fahren dann mit unserem Gep\u00e4ck (die Stunde in der Unterkunft h\u00e4tte uns 10 Pfund gekostet) in Richtung Charing Cross, spazieren hoch zum Trafalgar Square um \u00fcber Covent Garden noch einmal an die Themse zu wandern. Ein letzter Blick auf Big Ben, dann geht es Richtung Tower Bridge. Doch da die Blackfriars Bridge wegen einer Baustelle weitr\u00e4umig gesperrt ist und wir keine Lust haben, ewige Umwege zu latschen, nehmen wir bei St. Pauls kurzerhand den Bus Richtung Liverpool Street, um von dort noch einen Abstecher zur Brick Lane zu unternehmen. Dort ist heute verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig los, wir treiben runter und wieder hoch, nehmen noch ein paar Streetart-Bilder mit und brechen nach einem Intermezzo bei Rough Trade und in einem Caf\u00e9 auf zur Liverpool Street Station. Von dort rattern wir bis Holborn, ehe es endg\u00fcltig zum Heathrow Airport geht.<\/p>\n<p>Wir sind gut in der Zeit, auch am richtigen Flughafen und so durchqueren wir die Sicherheitskontrolle und warten relaxed bis unser Boarding aufgerufen wird. Unsere Pl\u00e4tze sind am hinteren Ende des Fliegersund wir haben Gl\u00fcck, dass in der Dreierreihe einer frei bleibt, so finden wir genug Platz f\u00fcr alles und schweben alsbald durch die L\u00fcfte Richtung Frankfurt. Rot beleuchtet das Waldstadion.<\/p>\n<p>Als wir zuhause ankommen, hat mich unser Gastgeber schon bewertet. &#8222;Few communication&#8220; schreibt er &#8211; und mir pers\u00f6nlich: Ich solle doch bitte ein T-Shirt in der Wohnung anziehen, ein Gast h\u00e4tte sich beschwert. Ach da, waren G\u00e4ste? Vielleicht meint er seinen Kumpel, der mir einmal im Bademantel entgegen kam, als ich Teewasser aufsetzte.&nbsp; Sagt man nicht, die Briten seien exzentrisch? Who cares?<\/p>\n<div id=\"metaslider-id-15648\" style=\"width: 100%;\" class=\"ml-slider-3-108-0 metaslider metaslider-flex metaslider-15648 ml-slider has-dots-nav ms-theme-default\" role=\"region\" aria-label=\"London 2022\" data-height=\"525\" data-width=\"700\">\n    <div id=\"metaslider_container_15648\">\n        <div id=\"metaslider_15648\" class=\"flexslider\">\n            <ul class='slides'>\n                <li style=\"display: block; width: 100%;\" class=\"slide-15777 ms-image \" aria-roledescription=\"slide\" data-date=\"2022-11-30 18:50:18\" data-filename=\"01-700x525.jpg\" data-slide-type=\"image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/01-700x525.jpg\" height=\"525\" width=\"700\" alt=\"\" class=\"slider-15648 slide-15777 msDefaultImage\" title=\"01\" \/><\/li>\n                <li style=\"display: none; width: 100%;\" class=\"slide-15778 ms-image \" aria-roledescription=\"slide\" data-date=\"2022-11-30 18:50:18\" data-filename=\"02-700x525.jpg\" data-slide-type=\"image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/02-700x525.jpg\" height=\"525\" width=\"700\" alt=\"\" class=\"slider-15648 slide-15778 msDefaultImage\" title=\"02\" \/><\/li>\n                <li style=\"display: none; 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