{"id":15083,"date":"2022-04-21T12:07:05","date_gmt":"2022-04-21T10:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15083"},"modified":"2022-04-23T10:07:12","modified_gmt":"2022-04-23T08:07:12","slug":"barcelona-teil-iv-meer-und-echo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15083","title":{"rendered":"Barcelona: Teil IV &#8211; Meer und Echo"},"content":{"rendered":"<p>Dass ich am Morgen nach dem Spiel nicht taufrisch war, liegt auf der Hand, ich brachte zun\u00e4chst kein Wort raus. Und das Erlebte war wirklich wahr. Pia konnte es best\u00e4tigen: FC Barcelona vs Eintracht Frankfurt 2:3. Ausw\u00e4rtssieg. Halbfinale. London.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der gestrige Abend war sicherlich einer der krassesten, den ich je mit der Eintracht erlebt habe. Ich denke, das d\u00fcrfte allen so gegangen sein, die das Spiel vor Ort verfolgt und zelebriert hatten. Es ist ja eigentlich absurd, ein paar Buben in kurzen Hosen, ein Ball \u2013 und Tausende drehen durch. Aber im Irrsinn der Welt, in einem Alltag, der uns oftmals verzweifeln l\u00e4sst, gibt immerhin dieses Schlupfloch Fu\u00dfball oder besser: Eintracht Frankfurt.<\/p>\n<p>Gegen 11 Uhr kehrten wir zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe, fr\u00fchst\u00fcckten und machten uns dann auf den Weg nach Castelldefels, gute 20 Kilometer von Barcelona entfernt, aber l\u00e4ssig mit der Metro erreichbar. Karfreitag 2022, Menschen trieben durch Raum und Zeit, Touristen, H\u00e4ndler und nat\u00fcrlich Massen von Eintrachtfans in ihrer Gl\u00fcckseligkeit. Die Sonne strahlte mit uns, auf dem Kopf den bunten Hut von neulich, sausten wir vom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Barcelona-Catalunya\">Pla\u00e7a de Catalunya<\/a> zum Bahnhof Sants. Von dort sollte es in wenigen Minuten nach Castelldefels gehen, doch die Bahn hatte Versp\u00e4tung und so nahmen wir den sp\u00e4teren Zug und rollten stehend an die K\u00fcste. Mittlerweile trudelten die ersten Reaktionen auf den gestrigen Abend ein \u2013 und es schien, dass wir den gro\u00dfen FC Barcelona in allen Belangen bis ins Mark ersch\u00fcttert hatten: die Masse an Eintrachtlern im Camp Nou, die grandiose Unterst\u00fctzung, der Sieg, wirkte tiefgreifend nach. Pr\u00e4sident Joan Laporta geriet in Erkl\u00e4rungsnot, die Blaugrana waren au\u00dfer sich. Das Echo verheerend. Dabei war die Sache ganz einfach. Barca lebt auch von den Touristen im Stadion, schon immer waren Karten im freien Verkauf erh\u00e4ltlich. Nur <a href=\"https:\/\/www.hessenschau.de\/sport\/fussball\/eintracht-frankfurt\/nach-fan-party-im-camp-nou-eintracht-frankfurt-stuerzt-den-fc-barcelona-in-tiefe-identitaetskrise,barca-sinnkrise-100.html\">diesmal kamen keine Touristen. Diesmal kamen echte Fans<\/a>. Und sie hatten ihre Karten weder gestohlen noch ergaunert. Sie hatten sich die Tickets schlicht und ergreifend gekauft.<\/p>\n<p>Da unsere Kollegin Pauline samt Vater und Schwester sich ebenfalls auf den Weg nach Castelldefels aufmachte, lag ein Treffen nahe \u2013 doch zun\u00e4chst erreichten wir den Ort nach einer halben Stunde und wanderten durch die Sonne ans Meer, um uns an den Strand zu legen, zu chillen und den Gedanken nachzuh\u00e4ngen, Gedanken an den gestrigen Tag. Und die Nachrichten \u00fcberschlugen sich. Schon war klar, dass sich das Ticketprocedere beim FCB \u00e4ndern w\u00fcrde, nur noch personalisierte Karten sollen f\u00fcrderhin ausgegeben werden \u2013 schlecht f\u00fcr die Touristen, f\u00fcr den Souvenirverkauf und f\u00fcr den Fu\u00dfball, der ja nicht nur Gesch\u00e4ft ist, sondern Emotion und Leidenschaft. Das Spiel war ja&nbsp; nicht ausverkauft. H\u00e4tten sie uns wie damals in Mailand einfach mehr Tickets gegeben, h\u00e4tten wir alle beisammen gestanden und getrunken und die Barcelonesen h\u00e4tten ihre Bereiche besetzt und nicht die ganzen Eintrachtler unter sich ertragen d\u00fcrfen. Aber sie hatten uns in ihrer Arroganz untersch\u00e4tzt. In Mailand waren auch 15.000 von uns im San Siro. Und niemand hat trotzt der Niederlage Inters geweint.<\/p>\n<p>Wir lagen am Strand, ich schlummerte sanft dahin, die Wellen wogten milde. Ein Tag am Meer. Urlaub. Und reger Betrieb allenthalben. Kinder plantschen in den Wellen, Sonnenschirme wurden ausgepackt, Selfies geschossen \u2013 bis wir uns mit Pauline zusammen telefonierten. W\u00e4hrend wir am Ausgang 28 lagen, hatte sie ihr Lager bei Ausgang 09 aufgeschlagen. Nach einer entspannten Weile brachen wir auf, wanderten am Wasser entlang, leichte Wellen umsp\u00fclten die nackten F\u00fc\u00dfe, und wunderten uns, wie sie an den dann doch recht weit entfernten Platz gelangen konnte. Die Antwort war einleuchtend: Es gibt noch eine weitere Haltestelle vor Ort. Platja Castelldefels.<\/p>\n<p>Bald hatten wir den Ausgang 09 erreicht, Pauline winkte schon von weitem, sie kickte fr\u00f6hlich am Strand, eine T\u00e4tigkeit, die mir heute schwer gefallen w\u00e4re. Nach gro\u00dfem Hallo machten wir uns auf die Suche nach einer Strandbar, wurden f\u00fcndig und verbrachten einen sch\u00f6nen Nachmittag bei Burger, Stangeneis und Pommes. Dann brachte uns die Bahn wieder zur\u00fcck in die Stadt. Und wir konnten w\u00e4hrend der ganzen Fahrt sitzen, die Woche forderte langsam ihren Tribut.<\/p>\n<p>Abends wanderten wir durch Raval, Pia ergatterte in einem Vintagestore noch zwei bunte Sommerkleidchen \u2013 aber leider war das Restaurant, in dem wir am Mittwoch so trefflich bewirtet wurden, \u00fcberf\u00fcllt, so suchten wir ein anderes Pl\u00e4tzchen \u2013 bis wir Olli und Mitch mit Tangogenossen an den kleinen Ramblas trafen. Wieder ein gro\u00dfes Hallo, Anschlie\u00dfend Paellea und Canas, Alex und Kathrin stie\u00dfen noch zu uns, w\u00e4hrend der Rest unserer munteren Gruppe sich wieder auf dem Weg in die Heimat befand. Endlos wurde der Abend nicht, aber entspannt und so schlichen wir rechtschaffen m\u00fcde zur\u00fcck ins Hotel.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen quollen die Nachrichten \u00fcber, noch immer war der Auftritt der Eintracht samt ihres Anhangs das gro\u00dfe Thema. Die Gazetten brachten uns auf die Titelseite, Pr\u00e4sident Laporta geriet weiter unter Druck und wir konnten es nicht fassen, was wir hier angestellt hatten. Eben noch in N\u00fcrnberg dem Abstieg von der Schippe gesprungen, dann der Pokalsieg, die Auftritte in Rom, Charkiw, Mailand oder London \u2013 und jetzt den FC Barcelona dekonstruiert. Eintracht Frankfurt international!<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck schlenderten wir an den Hafen, besorgten uns etliche Tageszeitungen zum vorgestrigen Spiel, nahmen die Bahn Richtung Paral-Lel, und fuhren mit der Seilbahn noch einmal hoch zum Piscina Municipal de Montju\u00efc, dem Ort, dessen Atmosph\u00e4re und Ausblick uns am ersten Tag so fasziniert hat. Wir blickten gedankenverloren \u00fcber die Stadt, die wir nach sechs Tagen so viel besser einsch\u00e4tzen konnten, w\u00e4hren sich unten am Sprungturm Athlethen der Gymnastik hingaben. Anschlie\u00dfend spazierten wir hoch in die kleine Wirtschaft, futterten Bocadillos und betrachteten das Treiben. Von dort marschierten wir runter in das Viertel El Poble-sec. Bar an Bar reihte sich in den pittoresken Gassen, w\u00e4hrend weiter hinten rund um unser Hotel m\u00e4chtig Betrieb war. Ostersamstag in Barcelona. Pia besorgte sich noch ein paar Mitbringsel, dann trieben wir wieder Richtung Meer. Ein Mittelaltermarkt bot allerlei Tand, w\u00e4hrend eine junge Frau, geschminkt wie ein Pierrot, uns an einer Kreuzung zum Lachen brachte, da sie kurzerhand den Verkehr regelte und die Sache im Griff hatte, bis sie Poizisten sah und in der Menge verschwand. Sp\u00e4ter entdeckte wir sie erneut in der Menge und Pia dr\u00fcckte ihr ein paar M\u00fcnzen in die B\u00fcchse, eine kleine charmante Schauspieleinlage des Dankes war ihr gewiss. Alsbald schlummerten wir am Strand von Barceloneta bzw am <a href=\"https:\/\/de.foursquare.com\/v\/platja-del-somorrostro\/4d9710309079b1f7a0bf080a\">Platja del Somorrostro<\/a>, Deckenverk\u00e4ufer machten ihr Gesch\u00e4ft, die B\u00e4sse von den Strandbars wummerten einschl\u00e4fernd ins Geh\u00f6r.<\/p>\n<p>Ein letzter Weg im Sonnenlicht f\u00fchrte uns noch einmal in den Parc de la Ciutadella, der nun recht \u00fcberf\u00fcllt war, Kinderaugen leuchteten beim Seifenblasenmann, ein finaler Blick auf den Arc de Triomf, ein letzter Weg \u00fcber Pl\u00e4tze an Kathedralen vorbei durch das gotische Viertel. Eben noch war alles neu und unbekannt, jetzt kannten wir uns aus \u2013 und verliefen uns doch immer noch, nur um kurz darauf wieder auf dem richtigen Weg zu sein. In einem Bistro g\u00f6nnten wir uns noch eine Pause, das Tomatenbrot bestand aus Brot, einer Tomate, einer ungesch\u00e4lten Knoblauchzehe und einer Flasche Oliven\u00f6l \u2013 und es war das beste, das wir hier bekamen. Im Hotel packten wir unsere Habseligkeiten zusammen, dann ging es zum Abendessen wieder nach El Poble-sec, vorbei an der London Bar, in der wir so sch\u00f6n zusammen gesessen hatten. In der Carrer del Blai wurden wir nach einigem hin und her auch f\u00fcndig, futterten Tapas bei Bier und Wein, derweil ich ein einziges Mal leichtsinniger Weise mein Handy auf dem Tisch liegen lie\u00df und sofort von der freundlichen Bedienung auf meinen Lapsus hingewiesen wurde. So gut hatten wir auf all unsere Sachen aufgepasst \u2013 und doch kommt immer wieder ein unbedachter Moment, der dir auf Grund eines Diebstahls den Abend h\u00e4tte ruinieren k\u00f6nnen. Aber, soviel sei vorweg genommen, f\u00fcr uns ging am End alles glatt. Nach einem Absacker im Bahia, dort, wo wir des Nachts vor einer Woche unser erstes Bier getrunken hatten, nahmen wir auch unser letztes. F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter landeten wir im Hotel, packten unsere Siebensachen f\u00fcr die morgige fr\u00fche Abreise und legten uns ein letztes Mal in Katalonien zur Nacht.<\/p>\n<p>Fr\u00fch um F\u00fcnfe klingelte der Wecker, eine dreiviertel Stunde sp\u00e4ter zogen wir in den beginnenden Tag, wurden Zeuge eines Diebstahls auf offener Stra\u00dfe und sa\u00dfen zehn Minuten sp\u00e4ter im Aerobus A1, der uns zum Airport brachte. Der Mann am Sicherheitscheck erkannte uns am Adler auf der Brust und gab zu erkennen, dass er als Fan von Barcelona noch immer sauer ist, die Stewardessen hingegen freuten sich mit uns \u00fcber den Ausw\u00e4rtssieg und p\u00fcnktlich hoben wir ab, flogen \u00fcber Meer und Alpen \u2013 und ehe wir uns versahen, hatten wir wieder Frankfurter Boden unter den F\u00fc\u00dfen. Kurz trafen wir noch Nina, die wir im Flieger gar nicht gesehen hatten und machten uns dann auf zur S-Bahn, die auf die Minute genau anrollte.<\/p>\n<p>Wir laufen den sonnigen Weg von der S-Bahn Haltestelle Stadion hoch zur Wintersporthalle, es ist Ostersonntag, die Parkpl\u00e4tze sind wegen der Osterurlauber, die ihren Wagen hier ob des nahen Flughafens geparkt haben, nahezu alle belegt. Nicht jeder R\u00fcckkehrer wird sich freuen. An zwei s\u00fcndhaft teuren Mercedes fehlen die Scheinwerfer. Geklaut.<\/p>\n<p><a name=\"more-15008\"><\/a>Wir jedoch konnten unseren Dacia in der Tiefgarage im Stadion parken \u2013 aber die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand an unserer Kiste Teile demontiert, ist wirklich gering. Eher legt noch ein Mitleidiger etwas dazu. Da der Eingang am Gleisdreieck wider Erwarten geschlossen hat, kommt uns Pauline vom Eintracht-Museum mit einem m\u00e4chtigen Schl\u00fcsselbund entgegen. Vor zwei Tagen sa\u00dfen wir noch zusammen in einer Strandbar in Castelldefels, 20 Kilometer von Barcelona entfernt. Aufgebrochen sind Pia und ich eine Woche zuvor. Zum Ausw\u00e4rtsspiel der Eintracht im Camp Nou gegen den gro\u00dfen FC Barcelona. Was dann geschah, l\u00e4sst sich in Worten kaum schildern. Ich versuchte es dennoch \u2013 und dies war unsere Geschichte, erz\u00e4hlt mit heiserer Stimme.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil I<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15037\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil II<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15052\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil III &#8211; Matchday<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ich am Morgen nach dem Spiel nicht taufrisch war, liegt auf der Hand, ich brachte zun\u00e4chst kein Wort raus. 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London.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15097,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,9,10,12],"tags":[1228,1652,2432,1823,1329,1640,1359,413],"class_list":["post-15083","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-eintracht-frankfurt","category-photographie","category-wortwelt","tag-auswartssieg","tag-barcelona","tag-castelldedels","tag-eintracht-frankfurt","tag-europacup","tag-fc-barcelona","tag-meer","tag-pia","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15083"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15083\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15111,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15083\/revisions\/15111"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15097"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}