{"id":15052,"date":"2022-04-19T11:32:48","date_gmt":"2022-04-19T09:32:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15052"},"modified":"2022-04-24T13:30:46","modified_gmt":"2022-04-24T11:30:46","slug":"barcelona-teil-3-matchday-mes-que-un-somni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15052","title":{"rendered":"Barcelona: Teil III &#8211; Matchday (M\u00e9s que un somni)"},"content":{"rendered":"<p>Und dann war er gekommen, der Tag auf den alle Eintrachtler seit Wochen fixiert waren, der Tag, an dem die Eintracht Geschichte schreiben w\u00fcrde. Das 1:1 im Hinspiel gegen den gro\u00dfen FC Barcelona barg in sich das Versprechen auf eine magische Nacht im Camp Nou.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Unser Kontingent belief sich auf 5.000 Tickets. Eigentlich eine ordentliche Zahl. Und sie entsprach exakt den Vorgaben, dass f\u00fcnf Prozent der Stadionkapazit\u00e4t an G\u00e4stefans gehen sollten. Mehr Karten jedoch hatte Barcelona nicht raus ger\u00fcckt, obgleich im durchaus spannenden Achtelfinale gegen Galatasaray nur um die 60.000 Zuschauer das letztlich glanzlose 0:0 sehen wollten. Erst im R\u00fcckspiel in Istanbul konnten sich die Blaugrana knapp mit 2:1 durchsetzen. Es war wenig verwunderlich, dass das Interesse der Eintrachtfans gigantisch sein w\u00fcrde. 12.000 Zuschauer in Bordeaux im November 2013 setzten ein Zeichen und die 15.000 im Mail\u00e4nder Giuseppe Meazza Stadion im Mai 2019 noch einen drauf. Der Verein, der sich selbst M\u00e9s que un club, mehr als ein Club, sieht, h\u00e4tte gewarnt sein m\u00fcssen. Auch sportlich war das 1:1 im Hinspiel kein Ruhmesblatt, nur mit viel Gl\u00fcck rettete Barcelona das Remis gegen am End zehn Frankfurter, nachdem Tuta Gelb-Rot gesehen hatte. Die Eintracht h\u00e4tte mit 2:0, gar 3:0 in F\u00fchrung liegen k\u00f6nnen, verga\u00df aber bei allem Einsatz das Toreschie\u00dfen. Vom schlechten Frankfurter Rasen war die Rede \u2013 auf dem die hochspezialisierten K\u00fcnstler des FC Barcelona ihre St\u00e4rken nicht ausspielen konnten, ganz anders w\u00fcrde die Sache im R\u00fcckspiel aussehen. Vielleicht hatte Stephan Reich Recht, der nach dem Hinspiel erkl\u00e4rte, dass das 1:1 vielleicht sogar besser als ein Eintracht-Sieg sei. So k\u00f6nnten sich die Katalanen in tr\u00fcgerischer Sicherheit wiegen und der Tiger war nicht gereizt. Ich begann mich, mit diesem Gedanken anzufreunden.<\/p>\n<p><a name=\"tw-target-text1\"><\/a>Und es kam, was kommen musste. Tausende Eintrachtfans versuchten sich \u00fcber alle Kan\u00e4le Karten f\u00fcr das Spiel zu sichern, kontaktierten alle und jeden, die \u00fcber spanische Kreditkarten verf\u00fcgten, verschleierten ihre Internet-Identit\u00e4t und mit jeder Woche sickerten neue Zahlen durch. War zun\u00e4chst von 10.000 Eintrachtlern die Rede, so geisterte eine Woche sp\u00e4ter schon die Zahl 20.000 durch die Gazetten und kurz vor Abreise hie\u00df es, dass sich 30.000 Eintrachtfans auf den Weg nach Barcelona machen w\u00fcrden. Die Ticketpreise stiegen mit jedem Tag, der mit \u00fcber eine Milliarde Euro verschuldete Club witterte Geldluft, Ticket f\u00fcr Ticket ging an den Mann resp. die Frau, Tickets, welche sich die Barcelonafans mit Leichtigkeit selbst h\u00e4tten organisieren k\u00f6nnen. Denn es waren Dauerkarten, die in den \u00f6ffentlichen Verkauf gingen. Und die Adler reisten auf allen denkbaren Wegen an, ob jemand nach Barcelona gelaufen ist, wei\u00df ich nicht. Aber sie flogen direkt, machten Zwischenstopps in Amsterdam, Br\u00fcssel, Dublin, Mallorca, Luxemburg, Z\u00fcrich, quetschten sich in geliehene Autos, unterbrachen ihren Urlaub \u2013 von einer Invasion zu sprechen verbietet sich, aber aus allen Himmelsrichtungen flogen die Adler nach Barcelona \u2013 und als M\u00e9s que un club ahnte, was geschah, war es zu sp\u00e4t. Dass auf vielen Tickets noch das Champions-League-Logo prangte, zeugte zwar vom Selbstverst\u00e4ndnis des Clubs, aber auch von Respektlosigkeit und es verdichteten sich die Zeichen, dass Hochmut vor dem Fall kommt. Als ich am Spieltag erwachte, war ich von einem Sieg der Eintracht \u00fcberzeugt. Was dann aber am sp\u00e4ten Abend im Camp Nou wirklich geschehen sollte, davon hatte ich jedoch keine Vorstellung. Es war <span lang=\"ca-ES\">M\u00e9s que un somni \u2013 <\/span><span lang=\"ca-ES\">Mehr als ein Traum. M\u00e9s que un somni de blanc.<\/span><\/p>\n<p>Da ich am Vorabend brav geblieben bin, kamen wir rechtzeitig aus den Federn, fr\u00fchst\u00fcckten und brachen dann zu Fu\u00df auf in Richtung Park G\u00fcell \u2013 ohne jedoch zwingend hinein zu wollen. Heike und Zambrine begleiteten uns, die Sonne lachte, der Regen hatte sich verzogen. Wir trafen uns am Opernhaus an der Haltestelle Lyceu, wanderten \u00fcber den Pla\u00e7a de Catalunya in Richtung des Parks, begegneten hie und nach noch einem Eintrachtler, deren Gro\u00dfteil sich an den Ramblas auf das Spiel einstimmten, spazierten durch Exaimple, vorbei an Hugo Boss und Tiffanys und sammelten unterwegs noch Frank ein, der sich vom Flughafen direkt ins ins angrenzende Viertel Garcia aufgemacht hatte. Hier oben war es nicht so trubelig wie rund um die Ramblas, unaufgeregt lebte hier der Tag. Die letzten Meter f\u00fchrten steil bergauf, Heike z\u00e4hlte 155 Stufen, ich nahm die Rolltreppe. #Seniorenrabatt. Oben angekommen blickte wir auf die Kathedrale in Tibidabo, die jetzt in gar nicht so weiter Ferne lag und wanderten einmal ums weite Rund. Menschenmassen standen Schlange, um sich den Einlass in den Park zu sichern. Wir hingegen warfen eine kurzen Blick nach oben und einen weiteren nach unten, wo sich die H\u00e4userd\u00e4cher Barcelona bis hin zum Meer erstreckten. Vorbei an wilden Graffiti schoben wir uns wieder die Wege nach unten und fanden an einem sch\u00f6nen Platz unweit der Stra\u00dfe Carrer de les Tres Senyores! einen freien Tisch. Zeit f\u00fcr die letzte gro\u00dfen Pause vor dem Ausw\u00e4rtssieg. Die Sonne strahlte auf uns herab, als h\u00e4tte sie eine Ahnung ob dessen, was noch kommen sollte.<\/p>\n<p>Unten in der Stadt trennten wir uns f\u00fcr\u2018s Erste, die einen verschwanden in Raval, wir in unserer Carrer d\u2018Avinyo, nur um uns in einer guten Stunde wieder zu treffen. Jetzt liefen die Ramblas \u00fcber vor Eintrachtfans, alle in wei\u00df, wie das Motto zu dieser Fahrt lautete. Ich bin ja eigentlich kein Freund solcher Mottofahrten \u2013 und hatte mich seinerzeit dem \u201eAlle in orange\u201c in Bordeaux verweigert, auch weil unsere Farben schlicht Rot-Schwarz-Wei\u00df sind. Aber da Wei\u00df nun mal zu unserer Eintracht geh\u00f6rt und zudem die Tatsache, dass Real Madrid, der Erzfeind der Katalanen, in Wei\u00df spielt und ergo das Motto eine dezente kleine Provokation unseres Gegners ist, entschied ich mich dann doch f\u00fcr mein wei\u00dfes Hemd. Eigentlich steht mir Barcelona auch aus politischer Sicht n\u00e4her als Real, <a href=\"https:\/\/11freunde.de\/artikel\/in-aller-feindschaft\/516393\">dem einstigen Verein des Faschisten Francos,<\/a> doch heute ging es ausschlie\u00dflich um die Eintracht. In den Taschen das N\u00f6tigste, meinen weitgereisten rot-schwarzen Schal um den Hals ging es los. Eintracht Frankfurt international!<\/p>\n<p>Wir wanderten zun\u00e4chst mitten ins Geschehen, Oli, Steffen und Barbara zogen mit Apfelweinkanister durch die Ramblas, \u00fcberall ein Gude hier und Gude da. Hier traf ich Martin Fenin, der mit seiner Frau unterwegs war (und nachts von entt\u00e4uschten aber assigen Blaugrana verpr\u00fcgelt wurde), dort Helga, die mir stolz ihren neu erworbenen Frauenschal Barcelonas zeigte, bis wir uns an der Station Lyceu schon fr\u00fch ins Camp Nou aufmachten und den Fanmarsch links liegen lie\u00dfen. Alex war dabei, Alexej, Heike, Kathrin, Zambrine und nat\u00fcrlich Pia, mit der ich schon so viel erlebt hatte und hoffentlich noch viel erleben werde. Wir rauschten mit der Metro bis hoch zur Station Palau Reial an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Avinguda_Diagonal\">Avinguda Diagonal <\/a>\u2013 und nun lag das m\u00e4chtige Camp Nou nur einen Steinwurf von uns entfernt. Der Spieltag erwachte zum Leben, Barca-F\u00e4hnchen wehten an Souvenirst\u00e4nden im Wind, die Rambla del Barca f\u00fchrte in ein Labyrinth bunter Marketingkultur, die wir ignorierten, spazierten ums Stadion und trafen auf eine Stra\u00dfe voller Bars, in denen sich die Fanlager bei Cerveza und Fritten, Boccadillos und gebratenen Garnelen auf das Spiel einstimmten. Wir besorgten uns Getr\u00e4nke und Lebensmittel, hockten uns auf einen Platz weiter unten, hie und da ein gro\u00dfes Hallo, bis wir uns wieder zum Stadion hochschoben. Und weiter gab ich zum Ausdruck, dass die Eintracht heute gewinnt. Wir sollten uns da keine Sorgen machen. Ich war \u00fcberzeugt. Und wie sagte Niko Kovac vor dem Pokalfinale 2018? Du musst dran glauben, denn wenn du nicht daran glaubst, dann wirst du es auch nicht schaffen. Und ich glaubte daran. Aus den Tiefen meines Herzens wusste ich, dass Eintracht Frankfurt heute Geschichte schreiben w\u00fcrde. Ein letztes Dosenbier auf den Stufen vor dem Eingang zum Block 19, dann mahnte Pia zum Aufbruch. Die Erfahrung aus Porto zeigte, dass es mehr als sinnig ist, noch vor der Ankunft der Masse im Stadion zu sein \u2013 manch selbsternannter Weltverein f\u00fchrt sich in vielen Belangen derart dilettantisch auf, dass \u00fcberall mit allem zu rechen ist. Und so marschierten wir zusammen zu unserem Eingang. Ausw\u00e4rtssieg.<\/p>\n<p>Wir hatten Karten im Fanblock ergattert, ganz oben in unserer Kurve und ich war gespannt auf die Plexiglasscheiben, welche die Sicht aufs Spielfeld beeintr\u00e4chtigen sollen. Nach ein paar Minuten des Wartens \u00f6ffneten sich die Pforten, wir schoben uns and\u00e4chtig in Richtung Kontrolle, die \u00fcberschaubar und nicht zu beanstanden war \u2013 sogar der Code auf den Tickets war g\u00fcltig, wir hatten es geschafft. Steil ging es Meter um Meter auf grauem Boden nach oben, 100er Bl\u00f6cke, 200er, 300er, 400er, bis wir die finale Ebene erreichten und ins unseren Block eintraten. Schnell wanderten wir in die allerletzte Reihe und blickten ins weite Rund und dar\u00fcber hinaus. Ausgebleichte rote Sitze und ein gro\u00dfe Scheinwerfer-Reihe fielen ins Auge, linker Hand bildeten gelbe Sitze den Schriftzug \u201eFC Barcelona\u201c gegen\u00fcber formten sie \u201eRakuten\u201c und hinter der Anzeigetafel streckten sich H\u00e4user in die H\u00f6he und wiederum dahinter die gr\u00fcnen H\u00fcgel, von denen wir ein paar Tage zuvor \u00fcber die Stadt geblickt hatten. Rechts von uns zogen sich die ovalen Trib\u00fcnen in die H\u00f6he und Tausende Eintrachtler schoben sich die Blockstufen hinauf und konnten ihr Gl\u00fcck kaum fassen. Es war unwirklich, die Eintracht und wir in Barcelona. Im Camp Nou. Die Plexiglasscheibe st\u00f6rte uns nicht wirklich, der Blick war weit und klar und der Rasen lag winzig klein unter uns, im Ansto\u00dfkreis das UEFA-Logo. In gut zwei Stunden sollte der Anpfiff erfolgen, Frank kam zu uns und mein Neffe Timm, der, als er noch klein war, bittere Niederlagen gegen Cottbus und co erlebte und jetzt neben mir und Pia stand und vor Freude strahlte. Susi gesellte sich zu uns in die H\u00f6he, neben ihr Andrej oben spazierte Basti vorbei, der so zu k\u00e4mpfen hatte, Cino entdeckte mich und viele weitere kurze Begegnungen ergaben sich, deren Aufz\u00e4hlung den Rahmen sprengen w\u00fcrde. Hinter uns standen zwei junge Ordner:innen, einer davon Fan des FC Valencia, sie lie\u00dfen uns kurz hinter die Absperrung klettern, um die Szenerie am Eingang zu fotografieren \u2013 sp\u00e4ter waren die beiden verschwunden \u2013 und wir organisierten uns selbst. Noch waren nur wenige Anh\u00e4nger von Barcelona im weiten Rund und langsam hob ein erster Support an, der sich bis Mitternacht ziehen sollte. Oh Eintracht Frankfurt, schalalalala, Oh Eintracht Frankfurt &#8230;. \u00dcberall im Stadion verteilten sich nun die wei\u00dfen Punkte \u2013 und es waren viele. Sehr viele. Oh Eintracht Frankfurt, schalalalala \u2026<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich ging die Sonne unter, mit jeder Minute \u00e4nderte sich das Farbenspiel des Himmels, \u00fcber uns ein Wolkenspiel bis hin zur dunklen Nacht, das Flutlicht glei\u00dfte nun in die Finsternis, ter Stegen wurde beim Warmmachen ausgepfiffen, Kevin Trapp hingegen frenetisch gefeiert. Andere Spieler Barcelonas lie\u00dfen sich im Gegensatz zur Eintracht lange nicht blicken. Die Anzeigetafel verk\u00fcndete in Gedenken an die Ukraine: Peace. Doch f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Stunden sollten wir alles vergessen \u2013 wir versanken im Hier und Jetzt, in der Extase des Momentes, wir sangen und br\u00fcllten und strahlten, die Welt bestand aus uns, aus Eintracht Frankfurt und alles verschmolz zu einer gigantischen Wucht in Wei\u00df.<\/p>\n<p>Anpfiff, keine vier Minuten sp\u00e4ter wurde Lindstr\u00f6m gelegt, kurze Irritation und dann die Gewissheit: Elfmeter f\u00fcr Eintracht Frankfurt. Ungl\u00e4ubiges Staunen. Kostic legte sich den Ball zurecht \u2013 und lief auf die R\u00e4nge der Barca-Fans zu, deren wenige Fahnen, meist in den katalanischen Farben, in der Kurve wehten. Dann lief er an, unser Mann mit der 10, und pfefferte die Kugel ins rechte Eck, pfefferte sie ins Herz Barcelonas. Die Eintracht f\u00fchrte, wir fielen ungl\u00e4ubig \u00fcbereinander und sangen und tobten und br\u00fcllten, zwei, drei Fackeln flammten auf, ein Moment, geformt aus einem Traum. W\u00e4hrend der folgenden 90 Minuten wurde Barca bei fast jedem Ballkontakt ausgepfiffen, w\u00e4hrend jeder noch so kleine Ballgewinn bejubelt wurde, wie sonst nur ein Tor. Weiter, immer weiter. Barcelona zog sein Spiel \u00fcber Au\u00dfen auf, doch die besseren Chancen konnte die Eintracht f\u00fcr sich verbuchen. Rode warf sich wie Hinteregger in jeden Ball, Tour\u00e9, der f\u00fcr den gesperrten Tuta ins Spiel gekommen war, k\u00e4mpfte mit gro\u00dfem Herzen, die Minuten verrannen schneller als gedacht. Und dann kam Raffael Borr\u00e9, ein Schlenker \u2013 und Millisekunden sp\u00e4ter zischte der Ball aus 20 Metern unter die Latte und die Eintracht f\u00fchrte mit 2:0, ein Traumtor, die Kurve und der wei\u00dfe Rest explodierte. 35 Minuten gespielt und wir f\u00fchlten uns wie in einer von Dali gezeichneten Illusion und murmelten unentwegt, das gibts doch nicht, das gibt\u2018s doch nicht, als beinahe noch das 3:0 gefallen w\u00e4re, Knauff schob knapp vorbei. Halbzeit. Erinnerungen an das Pokalfinale lebten auf, doch allen war klar, dass hier noch nichts gewonnen ist. 45 Minuten noch einmal alles geben.<\/p>\n<p>Und wir gaben alles. Oben auf den R\u00e4ngen, unten auf dem Rasen. Mittlerweile hatte der harte Kern der Blaugrana seine Pl\u00e4tze verlassen, es wehten keine Fahnen mehr hinter dem Tor, in dem nun Kevin Trapp stand. Sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass es ein Protest gegen die Clubf\u00fchrung ob der massenhaft im Stadion anwesenden Eintrachtfans war. Diese mussten die Luft anhalten, Aubameyang hatte die Chance zum Anschlusstreffer, Dembel\u00e9 wirbelte und Trapp musste gegen Aubameyang alles geben, doch die Eintracht konnte sich immer wieder befreien, setzte Nadelstriche. Die Barca-Fans hingegen versammelten sich wieder hinter dem Tor. Anschlie\u00dfend war das Spiel unterbrochen, niemand wusste zun\u00e4chst was los war, erst hie\u00df es Videobeweis und eventuell Elfer f\u00fcr Barcelona &#8211; bis durchsickerte: Technische Probleme beim Schiedsrichtergespann. ESS GEE EEE t\u00f6nte es zeitversetzt. Nach f\u00fcnfmin\u00fctiger Unterbrechung ging es weiter, die Nachspielzeit schien endlos zu werden. Kostic aber war am wachesten von allen und kosticte aus dem Nichts den Ball ins Netz und der Treffer z\u00e4hlte. Die Anzeigetafel verk\u00fcndete das 0:3. F\u00fcr Eintracht Frankfurt. In Barcelona. Und wieder explodierte alles in Wei\u00df und es wurde laut und lauter und dann schallte es aus 30.000 Kehlen in Barcelona: Einer geht noch, einer geht noch rein. Und wir hatten Chancen auf das 4:0. \u201eSo ein Tag, so wundersch\u00f6n wie heute\u201c erklang es im weiten Rund. \u201eJawoll\u201c br\u00fcllten wir und \u201eWeiter\u201c und genossen jede Sekunde. Immer w\u00fctender wurden die Angriffe Barcelonas und immer war irgendwo ein Hinti, ein Tour\u00e9 ein Rode, ein Kamada, ein Jakic. Kurzzeitig setzte der Support aus, erst schoben sich Fragezeichen ins Hirn, dann sahen wir Sanit\u00e4ter im Block, jemand hatte sich verletzt, doch alsbald schien alles gut zu sein und wir br\u00fcllten weiter. Es folgte der kleine Schock. Tor f\u00fcr Barca. Doch es sollte nicht z\u00e4hlen. Erleichterung, denn wir wussten ob der langen Nachspielzeit und wir wussten auch, dass vor dem finalen Abpfiff noch nichts gewonnen war. Und in der Tat: Neun lange Minuten sollten nachgespielt werden \u2013 und schon in der ersten Minute der Nachspielzeit fiel doch das erste Gegentor. Nur noch 1:3. Jetzt mengte sich in die traumhafte Freude die Bef\u00fcrchtung, das Spiel doch noch aus der Hand zu geben, Barcelona witterte Morgenluft, rann an, vergab, die Sekunden versickerten in endloser Langsamkeit, die Anh\u00e4nger Barcas verlie\u00dfen in Scharen das Stadion, wir hielten die Luft an und br\u00fcllten dennoch: \u201eEintracht\u201c! 95 Minuten gespielt, 96. 97. \u201ePFEIF DAS DING AB\u201c. Und der Schiri pfiff. Allerdings nicht ab, sondern Elfmeter f\u00fcr Barcelona. Und zeigte N\u2018Dicka zum zweiten Mal Gelb und damit Rot. Trapp wird ihn halten, den Elfer. Oder? Und er h\u00e4lt. Doch nicht. 2:3. Die Eintracht zu zehnt. Ansto\u00dfgebete zum Himmel. Doch unmittelbar nach dem Ansto\u00df pfiff Schiedsrichter Soares Dias das Spiel nach 102 Minuten ab. 102 Minuten f\u00fcr die Ewigkeit. 102 Minuten, die niemand, der hier dabei war, jemals vergessen wird. So wie Timm. Und Pia. Wir fielen uns in die Arme. Eintracht Frankfurt hatte im Camp Nou gegen den FC Barcelona mit 3:2 gewonnen. Und steht im Halbfinale. Die Reise geht weiter. Zu West Ham nach London. Es war unfassbar. Und es war eine Dem\u00fctigung f\u00fcr Mes que un club. Eine Dem\u00fctigung, deren Tragweite erst in den n\u00e4chsten 48 Stunde bewusst wurde. Und wir machten die Nacht zum Tag, den Tag zum Traum. Die Stadionsprecherin verk\u00fcndete, dass wir noch im Stadion bleiben sollten, aber niemand in Wei\u00df dachte daran, dass Camp Nou zu verlassen. Wir feierten die Mannschaft, wir feierten uns, aus allen Ecken str\u00f6mten tausende wei\u00dfe Punkte in die Kurve, \u201eSchwarz-Wei\u00df wie Schnee\u201c hallte es durchs weite Rund, die Eintracht lief ihre Runde, kam in die Kurve und alles war au\u00dfer Rand und Band. Aus 30.000 Kehlen erklang \u201eIm Herzen von Europa\u201c, die Minuten sausten nur so vorbei. Kurz, wir drehten durch, voller Gl\u00fcckseligkeit, friedlich, gef\u00fcllt mit ausgelassener Fassungslosigkeit. Kostic kam alleine in die Kurve, pr\u00e4sentierte sein Trikot mit der 10 wie einst Messi, der nun in Paris kickt und warf es in die Menge. Hinteregger kam raus und am End noch der gefeierte Oliver Glasner und divte auf dem gr\u00fcnen Rasen des Gl\u00fccks. Mittlerweile wurden wir mehrfach aufgefordert zu gehen, doch wir blieben, bis uns die Energie ausging.<\/p>\n<p>Ein letzter Blick ins Stadion, in die Nacht der Unfassbarkeit, dann schoben wir uns nach unten. Timm verabschiedete sich. Onkel und Neffe hatten Gro\u00dfes erlebt und wir wussten, dass uns dieses Erlebnis bis in alle Ewigkeit verbinden wird. Eine seltsame Ruhe setzte ein, \u00e4hnlich wie nach dem Pokalsieg. Wir ahnten, dass wir Zeit brauchen w\u00fcrden, dass Erlebte zu verarbeiten. Dass wir eben nicht getr\u00e4umt, sondern gelebt hatten, ausgesetzt den Emotionen des Moments, der f\u00fcr immer gefrorenen Zeit des Augenblicks. Beim Abgang traf ich Andi und J\u00fcrgen, unsere beiden U-19 Trainer. \u201eSeht ihr, ich hab\u2018s euch doch gesagt\u201c. Sie grinsten \u2013 und mussten schon morgen um 16 Uhr das Training unserer U-19 leiten. Auch wenn das Leben weiter geht. Dieser Abend hat sich tief in unsere Herzen gegraben.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sa\u00dfen wir in der vollgepfropften U-Bahn, die uns an die Ramblas brachte, aufgew\u00fchlt, gl\u00fccklich und voller Ungl\u00e4ubigkeit. In der London Bar tranken wir ein paar Bier, unsere Museumskollegen kamen einee\/r nach dem andern vorbei und f\u00fcr alle war es eine Night to remember. So flossen wir durch die Nacht, bis die Bar um drei ihre Pforten schloss und wir weiter auf die Ramblas zogen. Ich brachte Pia noch kurz nach Hause, traf sp\u00e4ter auf dem Platz ein und es wurde ein einziger Taumel aus Ges\u00e4ngen und Menschen und Bier und Gl\u00fcck. Und hier traf ich auch endlich Familie Minden, wie immer, wenn ich in Europa unterwegs bin. Damit hatte sich der Abend gerundet, wir quatschten und sangen, bis uns die Polizei gegen f\u00fcnf massiv vom Platz trieb \u2013 und ich die letzten paar Meter ins Hotel dackelte, den rot-schwarze Schal um den Hals gewickelt und in meiner Gl\u00fcckseligkeit ein bisschen zu unvorsichtig im \u00dcberschwang. Am n\u00e4chsten Morgen brachte ich kein Wort raus. Ich war heiser. Aber gl\u00fccklich.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil I<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15037\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil II<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15083\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil IV<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und dann war er gekommen, der Tag auf den alle Eintrachtler seit Wochen fixiert waren, der Tag, an dem die Eintracht Geschichte schreiben w\u00fcrde. 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