{"id":15037,"date":"2022-04-19T11:19:00","date_gmt":"2022-04-19T09:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15037"},"modified":"2022-04-23T10:07:42","modified_gmt":"2022-04-23T08:07:42","slug":"barcelona-teil-ii-regen-und-freunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15037","title":{"rendered":"Barcelona: Teil II &#8211; Regen und Freunde"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die folgenden Tage verk\u00fcndete die Wettervorhersage zunehmende Feuchtigkeit &#8211; und sie sollte Recht behalten. Doch trotz der vielen Kilometer, die wir gestern durch Barcelona marschiert sind, sch\u00e4lten wir uns aus den Betten und standen schon fr\u00fch wieder auf der Stra\u00dfe, die sich zu jeder Tages- und Nachtzeit anders pr\u00e4sentierte. Der Himmel dr\u00fcckte grau am zweiten Tag.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jetzt waren viele Shops geschlossen, die schweren Rolll\u00e4den mit Graffiti verziert, doch trotz der fr\u00fchen Uhrzeit waren wir nicht alleine unterwegs, so richtig schien die Stadt nie zu schlafen. Wir fr\u00fchst\u00fcckten gem\u00fctlich und trieben dann runter ans Meer. W\u00e4hrend unten am Hafen einige Yachten im Wasser schaukelten und die Bars und Restaurants eher hochpreisig wirkten, zeigte sich das angrenzende Barceloneta eher d\u00fcster. In geraden Linien zogen die sich Stra\u00dfen symmetrisch durchs Viertel, dahinter ergossen sich die Stadtstr\u00e4nde gen Norden. Eine frische Brise wehte uns um die Ohren und wir wussten nicht, ob die nieselnde Feuchtigkeit vom Meer oder vom Regen kam. Die Palmen neigten sich kopfsch\u00fcttelnd im Wind und das Mittelmeer tobte f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse m\u00e4chtig. Wir spazierten die Promenade entlang, am Strand jedoch lag niemand. Immerhin pr\u00e4parierte ihn ein mit Sand beladener LKW, um f\u00fcr den kommenden Sommer angemessen ger\u00fcstet zu sein.<\/p>\n<p>Kurz vor dem Olympischen Hafen f\u00fchrte uns der Weg weg vom Meer \u00fcber den Platz der Olympischen Volunteers am Zoo vorbei in den Parc de la Ciutadella, der uns ein wenig an Mailand erinnerte. Hier wie dort nahmen wir einen Espresso mit Milch, der hier Cortado hei\u00dft, blickten auf den See, die Font\u00e4nen und den Wasserfall, der von einem Drachen bewacht wurde. Auch hier hatte Gaudi seine Finger mit im Spiel. Vorbei am Castell dels Tres Dragons spazierten wir zum hiesigen Arc de Triomf. Dort fielen uns die grasgr\u00fcnen Papageien ins Auge, teilweise sogar beringt und ein Verk\u00e4ufer bunter Luftballons, die heute nicht ganz so begehrt waren. So trieben wir des Tags bis hin zu unserem Viertel, vorbei an der m\u00e4chtigen Kathedrale, vorbei am malerischen Placeta del Pi, durch die kleinen dunklen Gassen des Gotischen Viertels und auch noch die Altstadt hoch und runter. Keine Stra\u00dfe, kein Weg glich dem anderen und doch \u00e4hnelten sich die Gassen auf den ersten Blick. Pl\u00e4tze, Tapasbars, kleine Model\u00e4den, Stra\u00dfenkunst und Kitsch, Kirchen, Denkm\u00e4ler, Menschen und irgendwas mit Gaudi \u2013 es braucht Zeit, die Nuancen zu erkennen und zu differenzieren. H\u00e4ufiger verlierst du die Orientierung \u2013 und findest sie aber bald wieder, da du an irgend etwas Erinnernswertes vorbei gelaufen bist. Bei mir waren es oft Graffiti. Sp\u00e4testens an den Ramblas wussten wir wieder, wo wir sind. Alle naslang sausten Roller oder Skateboards in unangemessener Geschwindigkeit an uns vorbei und immer wenn wir einen Abfalleimer ben\u00f6tigten, stand einer in der N\u00e4he.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel machten wir uns auf den Weg in das den gegen\u00fcberliegende Viertel der Ramblas, auf denen reges Treiben herrschte, hie und da spitzte ein Eintrachtadler aus dem Gew\u00fchl hervor. W\u00e4hrend n\u00f6rdlich der Ramblas, die bei Tag gesehen ein Panoptikum der wuselnden Skurrilit\u00e4t ist, \u00fcberteuert, \u00fcberlaufen und \u00fcberbewerten, gleichwohl reich an zu Beobachteten (wie der Real Madrid-Fanshop. Man stelle sich vor, mitten auf der Zeil st\u00fcnde ein Fanshop vom 1. FC Kaiserslautern \u2026). Mittig die pittoreske Markthalle Bouqeria und die Oper Lyceu, wirkt das angrenzende Viertel Raval ostendiger, weitaus \u00e4rmer, gepr\u00e4gt von Migranten und deren L\u00e4den, die sich oft am Notwendigen orientieren. Zwischendrin f\u00e4llt dir jedoch auch immer wieder ein schickes Hotel oder eine mond\u00e4ne Bar auf \u2013 und es scheint verwunderlich, dass die Gentrifizierung hier noch nicht vollends Einzug gehalten hat. Auch in Raval gibt es eine Rambla, die Rambla del Raval, doch der Trubel ist \u00fcberschaubar, die Wege sind nicht \u00fcberzuckert.<\/p>\n<p>Mit einem Dosenbier setzten wir uns auf eine Bank \u2013 und nur wenig sp\u00e4ter erreichte uns die Nachricht, dass die ersten Mitglieder unserer losen Reisegruppe eingetroffen waren und bei einem Bierchen in der N\u00e4he sa\u00dfen. Wir machten uns auf den Weg und trafen Alex, Kathrin und Olli mit Freunden in einer Gastst\u00e4tte nahe des Bouqeria Marktes. Die gleicherma\u00dfen mehrsprachige wie umtriebige Bedienung hatte ihnen einige Tapas auf den Tisch gestellt, Getr\u00e4nke dazu, w\u00e4hrend eine andere Mitarbeiterin eifrig die Vorbeiziehenden ansprach, ob sie nicht Platz nehmen wollten. Uns war der Platz nicht ganz geheuer, gleichwohl ein munteres Geplauder uns die trefflich die Zeit vertrieb. Wenig \u00fcberraschend trieb uns die Rechnung die Tr\u00e4nen in die Augen, doch immerhin gab es eine Flasche quietschgelben Schnaps aufs Haus, die ich brav ignorierte und einen Gutschein f\u00fcr die Markttoilette dazu, den ich alsbald einl\u00f6sen wollte. Da vor \u00d6rtchen niemand zur Stelle war und die Zeit dr\u00e4ngte, h\u00fcpfte ich mit meinem Bon \u00fcber die Absperrung. Die Folge war ein kleines Tohuwabohu, welches aber durch meinen Bon souver\u00e4n gekl\u00e4rt werden konnte. Ging halt nicht anders. Sp\u00e4ter am Abend nahmen wir noch einen Absacker in der Bahia Bar. Nach einem weiten Rundgang riefen die F\u00fc\u00dfe: Bett. Und so kam es auch.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen, schon war es Mittwoch, regnete es und die Temperaturen f\u00fchlten sich auch nicht gerade mediterran an. Immerhin trudelten unsere Tickets via Mail ein, so dass uns eine gro\u00dfe Last vom Herzen fiel. Unser Tagesportier zeigte sich willig, diese sp\u00e4ter auch auszudrucken, von daher spazierten wir guter Dinge samt Regenschirm zum Fr\u00fchst\u00fcckscaf\u00e9 am Ende unserer Stra\u00dfe. Alsbald brachen wir auf, um die Gegend rund um die Sagrada Familia zu erkunden. Einige Jahre zuvor war ich sogar drinnen gewesen \u2013 bei Sonnenschein. Damals hatte uns ein strahlendes Licht einen unvergessenen Aufenthalt beschert, trotz der s\u00fcndhaft teuren Eintrittspreise. Jetzt war es grau und nass und die Papageien am Arc de Triomf lie\u00dfen sich auch nicht blicken. So spazierten wir durch den Regen, fotografierten Stra\u00dfenkunst, wanderten durch eine \u00fcberdachte Ausgrabungsst\u00e4tte, futterten brauchbare Lomos und schlechte Crouqetas, entdeckten in einem Fanshop den Eintracht \u2013 Barcelona Spieltagsschal und konnten es kaum glauben. Die Eintracht wird morgen im Camp Nou zu einem Pflichtspiel auflaufen, und wir sind dabei. Schlie\u00dflich landeten wir dann doch an der weltber\u00fchmten Kirche La Sagrada Familia, die seit 1888 gebaut wird und bis heute nicht fertig ist, obwohl gar keine Berliner am Bau beteiligt sind \u2013 soweit ich wei\u00df. Aber beeindruckend ist das Geb\u00e4ude in der Tat, auch wenn beim Blick nach oben Regentropfen in die Augen fielen.<\/p>\n<p>Da Alex und Kathrin in der N\u00e4he waren, organisierten wir uns zusammen und wanderten gemeinsam auf der Suche nach einem Caf\u00e9 durch die Gassen. Doch w\u00e4hrend sonst alle naslang ein Laden zur Einkehr lockte, war es auf unserem Weg wie verhext. Immerhin, irgend etwas geht immer und so sa\u00dfen wir nach einigen Irrwegen endlich im Trockenen. Ariane, Niko und Zambrine waren mittlerweile ebenfalls gelandet, nur Heike steckte in Br\u00fcssel fest. Ihr Flug war \u00fcberbucht und der n\u00e4chste ging erst acht Stunden sp\u00e4ter. Zum Trost bekam sie einen Gutschein. \u00dcber 16 Euro. Da ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen. Niko hatte in der Zwischenzeit ein ansprechendes Restaurant f\u00fcr uns reserviert, so dass zumindest der Abend Trockenheit und Geselligkeit versprach. Wir aber setzten unseren Weg fort, h\u00fcpften von Ampel zu Ampel bis sich unsere Wege vorerst an der Kathedrale La Seu in der Altstadt von Barcelona trennten. W\u00e4hrend sich Alex und Kathrin auf die Spuren Gaudis begaben, kauften Pia und ich bunte Strickh\u00fcte, um wenigstens ein bisschen Farbe ins Spiel zu bringen. Es wurde ein voller Erfolg, zumal auch die Verk\u00e4uferin einen fr\u00f6hlichen Eindruck machte. Wir hatten jetzt endlich Tickets f\u00fcr das Spiel, bunte H\u00fcte und die Aussicht auf einen sch\u00f6nen Abend. Dass wir nach ein paar Metern noch unter gro\u00dfem Hallo auf die Museumsgang trafen, lie\u00df die Augen leuchten. Beschwingt wandelten wir noch ein paar Gassen hoch und runter, bis wir uns nach einem P\u00e4uschen in der Unterkunft auf den Weg nach Raval machten.<\/p>\n<p>Mittlerweile waren die Ramblas schon fest in Frankfurter Hand, Fanges\u00e4nge schallten her\u00fcber, wir aber trafen uns an den kleinen Ramblas in Raval. Ein paar Drogendealer an der Ecke machten eher unangenehm auf sich aufmerksam, wir lie\u00dfen uns davon nicht gro\u00df beeindruckten und schwatzten, bis das Abendessen rief und wir um die Ecke im O&#8217;Toxo Tres Hermanos unsere Pl\u00e4tze einnahmen. Im Laden war m\u00e4chtig Betrieb, der Service hatte alle H\u00e4nde voll \u2013 und verlor dabei weder die \u00dcbersicht, noch das Lachen. So hockten wir alle beisammen, die sonst auch in Frankfurt beisammen sind, Thomas kam noch dazu und nicht nur er, und schon standen Paellas, Tomatenbrote oder Tintenfische auf dem Tisch und die Canas wie die Weinflaschen kreisten. Sogar Heike hatte es jetzt endlich geschafft und Br\u00fcssel hinter sich gelassen. Mit den Worten: \u201eSo froh wie heute, war ich noch nie, euch zu sehen\u201c fiel sie auf ihren Sitz. Sp\u00e4ter tranken wir Bier in der London Bar, derweil ich jedem, ob er\/sie es h\u00f6ren wollte oder nicht in voller \u00dcberzeugung erkl\u00e4rte, dass wir morgen Abend gewinnen werden. Sogar mysteri\u00f6se Schatzkisten wurden ge\u00f6ffnet, die Gl\u00e4ser von unten beleuchtet \u2013 ein sch\u00f6ner Abend neigte sich dem Ende entgegen und da ich den morgigen Tag nicht mit Kopfschmerzen beginnen wollte, brach ich erstaunlich fr\u00fch meine Zelte ab.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholder<a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15008\">Barcelona Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15052\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil Matchday<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=15083\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Barcelona Teil IV<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die folgenden Tage verk\u00fcndete die Wettervorhersage zunehmende Feuchtigkeit &#8211; und sie sollte Recht behalten. 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