{"id":14788,"date":"2021-10-02T12:26:23","date_gmt":"2021-10-02T10:26:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14788"},"modified":"2021-10-02T15:41:25","modified_gmt":"2021-10-02T13:41:25","slug":"antwerpen-sehen-und-siegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14788","title":{"rendered":"Antwerpen sehen und siegen"},"content":{"rendered":"<p>Nachts um halb drei rollen wir todm\u00fcde wieder in Frankfurt ein. Hinter uns liegen runde 800 Kilometer Strecke, Berge voll belgischer Pommes, ein Blick aus luftiger H\u00f6he und ein Ausw\u00e4rtssieg, \u00fcberhaupt der erste Sieg der laufenden Saison. In Belgien, genauer gesagt in Antwerpen. Europacup in diesem Jahr. Aber der Reihe nach.<!--more--><\/p>\n<p>Wir hatten schon kurz nach der Auslosung einen 9-Sitzer reserviert, f\u00fcr alle F\u00e4lle. Damals wusste noch niemand, wie die Situation auch ob Corona aussehen wird, ob G\u00e4stefans beim Spiel Royal Antwerpen gegen Eintracht Frankfurt \u00fcberhaupt zugelassen werden und wenn ja, wie sich die belgischen Beh\u00f6rden anstellen. Als es dann feststand, dass die Eintracht \u00fcber ein kleines Kontingent verf\u00fcgen kann, haben wir erstmal abgewartet. Ein paar Tage vor dem Spiel erreichte mich mich eine Anfrage, ob ich eine Karte haben m\u00f6chte &#8211; Vielfahrer Michael und Susann konnten nicht. Und wenn dir ein Ticket auf dem Silbertablett serviert wird, w\u00e4re es t\u00f6richt, dies abzulehnen. Die beiden waren auch so lieb und erledigten alle Formalit\u00e4ten f\u00fcr mich, denn die Nummer &#8222;Hier hast du ne Karte und los geht&#8217;s&#8220; funktioniert heutzutage nicht mehr. Du brauchst Impfnachweise, Persokopien, Vollmachten, Adresshinterlegung, dies das &#8211; also jede Menge Orgakram &#8211; und du wei\u00dft nicht, ob vor Ort dennoch alles klappt. Im End hat, alles geklappt, das kann ich verraten &#8211; und daf\u00fcr bin den beiden sehr dankbar.<br \/>\nIn den folgenden Tagen habe ich mich noch ein bisschen umgeh\u00f6rt, noch ein paar Leute und Tickets eingesammelt (was eigentlich ein Ding der Unm\u00f6glichkeit ist, da aber die aktive Szene nicht f\u00e4hrt, doch noch irgendwie ging (Danke) und so mussten wir unseren Bus nicht stornieren, sondern konnten ihn f\u00fcr Donnerstag den 30. September morgens um 8 Uhr bestellen. Die Faninfos kamen erst einen Tag vorher, die Auseinandersetzung mit den belgischen Beh\u00f6rden hatte sich naturgem\u00e4\u00df mehr als schwierig gestaltet &#8211; aber es hat sich gelohnt. Entgegen den kursierenden Ank\u00fcndigungen, entweder im Konvoi von der niederl\u00e4ndischen Grenze eskortiert zu werden oder aber vom Parkplatz Q8 kurz vor Antwerpen, hatte es die Eintracht erreicht, dass wir zumindest nach Antwerpen rein d\u00fcrfen und somit wenigstens ein bisschen was von der von der Stadt sehen k\u00f6nnen. Das waren doch mal sch\u00f6ne Aussichten. Leider nicht f\u00fcr Kathrin, die sich noch am Mittwoch schweren Herzens krank meldete und todtraurig den Tag verd\u00e4mmerte.<\/p>\n<p>Gute 24 Stunden vor Anpfiff, hatte ich alle Unterlagen eingesammelt. Fr\u00fch am n\u00e4chsten Morgen marschierten Pia und ich dann runter nach Bornheim Mitte, sammelten Mitfahrerin 1 noch auf dem Fu\u00dfweg ein und nahmen die erste U4, die kam, um diese an der H\u00f6henstra\u00dfe wieder zu verlassen, da Mitfahrerinnen 2 und 3 in der n\u00e4chsten sa\u00dfen. Und so rollten wir m\u00fcde an den Bahnhof, schlappten zur Stra\u00dfenbahn und rasselten an die Galluswarte. Ein paar Meter weiter unten standen Auto und die beiden Jungs schon parat, soweit hat dann alles f\u00fcrs Erste geklappt. W\u00e4hrend der U-Bahn-Fahrt war mir allerdings aufgefallen, dass meine Lesebrille nicht mehr in meiner Tasche steckte, Freunde man wird ja auch nicht j\u00fcnger. Ohne Lesebrille bin ich zwar nicht blind wie ein Maulwurf, aber eine Lesebrille ist halt zum Lesen da und ohne geht&#8217;s nicht. Immerhin war im Bahnhof ein Rossmann, da aber die Schlange an der Kasse elendslang war, spazierte ich mit leeren H\u00e4nden zur Stra\u00dfenbahn. Jetzt, beim Autoverleih, entdeckte ich wieder ein Rossmann. Und gerade als ich mitten auf der Mainzer Landstra\u00dfe stand, fasste ich in meine Jackentasche &#8211; und was fand ich? Meine Lesebrille. Dabei hatte ich echt mehrfach alles abgesucht. Ein Wunder.<\/p>\n<p>So ging es nur noch kurz zum Getr\u00e4nkemarkt, ein Kasten Bier und ein Kasten Wasser wanderten in den Mercedes Vito und dann rollten wir bei bestem Wetter auf den Highway. Antwerpen, zieh dich warm an, wir kommen. Eigentlich ist es ja nicht so mein Ding, f\u00fcr ein paar Minuten Fu\u00dfball hunderte von Kilometern abzurei\u00dfen, die ein oder andere \u00dcbernachtung w\u00fcrde den Aufenthalt, fast egal wo, deutlich entspannen, aber diesmal ging es nicht anders. Zumal ich am n\u00e4chsten Morgen p\u00fcnktlich um 10 im Museum sein sollte. Die Arbeit dr\u00e4ute am Horizont. So rollten wir gepflegt \u00fcber die Autobahn, hielten f\u00fcr ein paar Minuten an einer Rastst\u00e4tte zwischen Limburg und K\u00f6ln, hauten uns ein paar Ingwershots (Alkoholfrei!) und Brezeln samt Baba Ganoush hinter die Kiemen und sausten alsbald weiter. Rund um K\u00f6ln staute es sich ein bisschen (Cologne, Cologne &#8230; Dom) aber nicht lange und so enterten wir die Niederlande, die wir nach ein paar Wimpernschl\u00e4gen wieder verlie\u00dfen. Es folgte ein kurzer Tankstopp in Belgien und eine weitere Pause auf dem Parkplatz Q8 bei Ranst, der eigentlich vorgesehene Treffpunkt. Pia besorgte sich ein belgisches Bier, dann ging&#8217;s weiter. Musik pluggerte leise vor sich hin, einzig bei Daliah Lavis &#8222;Willst du mit mir gehen&#8220; ging die Truppe ein bisschen aus sich heraus, w\u00e4hrend wir ansonsten hoch seri\u00f6s auf unseren Pl\u00e4tzen sa\u00dfen.<\/p>\n<p>Gut in der Zeit erreichten wir Antwerpen, die ersten Frittenbuden riefen nach uns, die wir aber zun\u00e4chst ignorierten &#8211; immerhin warteten noch unsere Tickets im hiesigen Lindner Hotel. Wir knoteten uns durch die Stadt, die auf den ersten Blick etwas abgeschabt daher kam, und fanden auch punktgenau die Zufahrt zum Hotel. W\u00e4hrend ich raussprang, um die Vouchers gegen die Tickets zu tauschen, machte sich die Gang auf, um sich einen ersten \u00dcberblick zu verschaffen. Schon im Hotel hockten die ersten Eintrachtler in der Lobby bei einem Sch\u00f6ppchen, weiter hinten teilten Dennis und Kolleg:innen die Tickets aus. Da niemand vor mir war, ging das Prozedere auch schnell \u00fcber die B\u00fchne und so spazierte ich mit unseren Tickets wieder ins Freie. Da unser Bus noch nicht allzuweit gekommen war, sammelte mich die Truppe nach ein paar Minuten wieder ein. W\u00e4hrend ich wartete, sah ich an der Stra\u00dfenecke ganz viele orthodoxe Juden, ein f\u00fcr einen Frankfurter ungew\u00f6hnliches Bild.<\/p>\n<p>Goggle spuckte aus, dass es an der Schelde (dem dortigen Main) frei Parkpl\u00e4tze zu geben schien, dorthin f\u00fchrte der erste Weg. Leider war der erste Parkplatz belegt, wir holperten \u00fcber regenwassergef\u00fcllte Schlagl\u00f6cher und mussten aufpassen, dass wir uns selbst nicht hinten reinfahren, es war ganz sch\u00f6n eng &#8211; aber auf dem zweiten Parkplatz hatten wir Gl\u00fcck, parkten den Vito an der Schelde und futterten K\u00f6fte, Quinoa-B\u00e4llchen, G\u00fcrkchen und tranken dazu leichtes Wasser, vielleicht ein Bier. Und dann ging&#8217;s zu Fu\u00df in die City. Ein paar Meter entfernt drehte ein Riesenrad seine Runden. Dort sollte in guten zwei Stunden der Treffpunkt sein. Der Plan sah vor, dass alle G\u00e4stefans von dort um 17 Uhr nach Impf- und Ticketcheck mit Shuttlebussen direkt vor den G\u00e4steeingang gekarrt werden.<\/p>\n<p>Wir trotten in die Altstadt, nat\u00fcrlich trafen wir an jeder Ecke einen Eintrachtler oder eine Eintrachtlerin, bestaunten das Rathaus, die einger\u00fcstete Kathedrale, alles ging recht gem\u00e4chlich zu, der erste Eindruck war ein angenehmer, auch wenn du nach langer Fahrt etwas m\u00fcde bist und der Blick f\u00fcr&#8217;s Detail sich nicht ganz so schnell einstellt. Hier babbelst du mit jemandem, hier guckst du nach den anderen, und dort musst du auf die Stra\u00dfenbahn aufpassen. Ein Eindruck jagt den n\u00e4chsten und so machten wir an einer Frittenbude ein kleines P\u00e4uschen. Bei Pommes, Bitterballen und So\u00dfe hockten wir drau\u00dfen, w\u00e4hrend die Damen noch einen Zwischenstopp in einem Pralinenladen einlegten und selig kauend zu uns stie\u00dfen. Die Buben von Fu\u00dfball 2000 defilierten an uns vorbei, kurzer Schnack. Und kaum waren wir angekommen, mussten wir langsam schon wieder los, jetzt ging es zum Treffpunkt an der Schelde. Da standen sie, die Eintrachtfans, zwei schwarze Fanbusse parkten am Parkplatz, auch Christian, Stefan und Jens waren schon vor Ort. Noch am Samstag gegen K\u00f6ln hockten wir zusammen beim Dauth-Schneider beim \u00c4ppelwoi. Jetzt also Antwerpen. Ein sch\u00f6ner Wind pfiff uns um die Ohren, M\u00f6wen segelten \u00fcber unsere K\u00f6pfe hinweg und wir fotografierten uns selbst, wie es sich f\u00fcr eine Reisegruppe geh\u00f6rt, derweil das Riesenrad nebenan gem\u00e4chlich seine Runden drehte. Mittlerweile dreht auch schon ein Video seine eigenen Runden, Eintrachtfans hatten am Nachmittag vorgeblich eine belgische Fankneipe angegriffen, mit Polizeieinsatz und allem drum und dran &#8211; das macht die Sache f\u00fcr alle nat\u00fcrlich nicht entspannter. Nichtsdestotrotz entschied sich der Gro\u00dfteil unserer Reisegruppe, eine Runde mit dem Riesenrad zu drehen &#8211; die 10 Minuten sollten noch locker drin sein. F\u00fcr acht Euro genossen wir in luftiger H\u00f6he den Blick \u00fcber Antwerpen, und drehten Runde um Runde. Immer wenn wir unten ankamen, rauften sich die Untengebliebenen die Haare und wurden leicht nerv\u00f6s, ob wir auch rechtzeitig bei den Bussen sein w\u00fcrden. Aus den Gondeln entdeckten wir Familie Minden und winkten ihnen fr\u00f6hlich zu. Ihr wisst ja, Familie Minden treffen wir immer. Ob Tel Aviv, Lissabon oder Guimaraes, v\u00f6llig egal. Und wenn wir uns nicht sahen, hat es die Eintracht wie in Basel vergeigt. Aber da durfte ja auch niemand hin.<\/p>\n<p>Als die Fahrt zu Ende ging, kletterten wir wie Astronauten aus der Gondel, und wanderten \u00fcber den Platz vor zu den Bussen. Der Check-in ging h\u00f6chst unkompliziert von statten &#8211; und nat\u00fcrlich hockten wir noch eine halbe Stunde im Bus, bis sich die Karawane in Bewegung setzte und in massiver Polizeibegleitung \u00fcber die Ausl\u00e4ufer der Schelde rollte. Hafengebiet Antwerpen &#8211; das ist nicht gerade lieblich. Unterwegs wurden wir entweder bep\u00f6belt oder fotografiert, zuweilen beides und landeten nach einer halben Stunde beim hiesigen Impfzentrum, ein \u00f6der Platz inmitten von nowhere, ein paar Kilometer vom Stadion entfernt. Weshalb, wusste zun\u00e4chst niemand, die Zeit dehnte sich, bis sich die ersten, aber beileibe nicht alle, Busse in Bewegung setzten. F\u00fcr die meisten allerdings war es eine willkommene Pinkelpause, vor allem f\u00fcr den m\u00e4nnlichen Teil der Eintrachtschar. Im End war die kurze Verz\u00f6gerung gar nicht mal so doof, entzerrte sich so doch der Einlass am G\u00e4steeingang &#8211; und so war es wahrscheinlich auch gedacht. Endlich setzte sich auch unser Bus wieder in Bewegung, vorbei an unwirtlichen Industriestra\u00dfen und Wohnh\u00e4usern und an einem Altersheim mittendrin. Und dann tauchte es auf, das Bosuilstadion, was auf deutsch: Waldkauzstadion hei\u00dft, ein ungemein putziger Name &#8211; auch wenn weit und breit kein Waldkauz zu sehen war. Daf\u00fcr waren die anderen Businsassen, die vorher angekommen waren, schon im Stadion drin. Entsprechend schnell ging auch der Einlass. Ein belgischer Ordner scannte den Impfnachweis, Frankfurter Ordner tasteten uns ab. Das ist clever, &#8211; wenn die Security aus deiner Heimatstadt kommt, entspannt es die Situation deutlich, Ordner und Fans kennen sich zuweilen nach all den Jahren und somit dauerte es auch nicht lange, bis wir das Drehkreuz mit dem Ticketscan passiert hatte. Nur nebenan wunderte sich jemand, hatte es doch ein bei ihm ein bisschen gedauert, bis das Licht auf gr\u00fcn sprang. Und da der Vordermann ein bisschen zu z\u00f6gerlich war, nutzte dieser die jetztige Gelegenheit, um das Drehkreuz zu passieren. Nat\u00fcrlich sprang beim Hintermann das Licht wieder auf rot, da die Karte ja nun schon genutzt wurde. Aber es wird schon gut ausgegangen sein, die Fanbetreuung war ja in der N\u00e4he. Wir schl\u00fcpften also hinein und wanderten nach einer kurzen Pause f\u00fcr die Damen die Treppen zu unserem Block hinauf. Das ist f\u00fcr mich jedesmal ein Highlight, aus dem Aufgang heraus den gr\u00fcnen Rasen und die anderen Trib\u00fcnen zu erkennen. Im Block war noch gut Platz, wir liefen &#8211; wie so oft &#8211; ziemlich weit nach oben, der erste Platz, den wir uns aussuchten war zu nah am Zaun, so dass du die linke Ecke nicht sehen konntest, ein paar Meter weiter ging es allerdings. Wir hatten es geschafft. Eintracht Frankfurt international.<\/p>\n<p>Das Stadion ist recht klein, 16.000 Leute passen rein &#8211; obgleich in Antwerpen 500.000 Menschen leben. Die Gegentrib\u00fcne, wohl der letzte Rest des alten Stadions, war komplett leer und viel kleiner als die modernen anderen drei Trib\u00fcnen. Gegen\u00fcber von uns die Heimkurve, rechter Hand die Haupttrib\u00fcne. Flutlicht strahlte \u00fcber Scheinwerfer am Trib\u00fcnendach &#8211; aber auch ein Mast beleuchtete den Rasen, auf dem jetzt die Eintracht bejubelt wurde. &#8222;Ausw\u00e4rtssieg, Ausw\u00e4rtssieg!&#8220; Musik ballerte \u00fcber uns hinweg, dann liefen die Mannschaften ein. Die Kurve von Antwerpen illuminierte die Szenerie mit Pyrotechnik und Rauch, Fu\u00dfballatmosp\u00e4hre, Anpfiff.<\/p>\n<p>Die Eintracht begann auch recht vielversprechend, Antwerpen setzte auf Konter. Es wogte hin und her, alleine, Tore wollten nicht fallen. Wir supporteten wie die Gro\u00dfen, doch es half zun\u00e4chst nicht viel, torlos ging es zur Halbzeit in die Kabine. Spieler von Antwerpen blieben zuvor etwas l\u00e4nger auf dem Rasen liegen als n\u00f6tig, aber auch dies f\u00fchrte nicht wirklich weiter. In der Halbzeit selbst wummste lauter Techno \u00fcber die Boxen, wir f\u00fchlten uns kurzzeitig in ein Rave Mitte der Neunziger versetzt, w\u00e4hrend unten der Rasen bew\u00e4ssert wurde. Dann ging es weiter und es begann mit einem Paukenschlag. Im wahrsten Sinne des Wortes, funkte doch direkt neben Kevin Trapp, der jetzt vor der Heimkurve agieren musste, ein B\u00f6ller auf und explodierte in unmittelbarer N\u00e4he unseres Keepers. Dieser ging zu Boden, kurzem Entsetzen folgte wilde P\u00f6belei von unserer Seite, als Kevin wieder stand und das Spiel fortgesetzt wurde. Ab jetzt wurde es hitzig, wir wurden von der angrenzenden Haupttrib\u00fcne ordentlich beschimpft, hielten die Mittelfinger tapfer in die H\u00f6he, w\u00e4hrend es auf dem gr\u00fcnen Rasen eher vogelwild und wenig vielversprechend zuging. Lammers konnte vorne keinen Ball festmachen, Borr\u00e9 m\u00fchte sich vergeblich, Hasebe war bis zu seiner Auswechslung der Fels in der Brandung und so zerrann die Zeit eher z\u00e4h. Unterdessen waren Lindstr\u00f6m und Paciencia ins Spiel gekommen, doch noch immer versandeten unsere Angriffe im Nirgendwo, w\u00e4hrend Antwerpen die Chancen gleichfalls versemmelte. Und als wir schon dachten, besser mal wieder ein Unentschieden als zu verlieren, fuchste sich Lindstr\u00f6m in der offiziell letzten Minute in den Strafraum, dribbelte sich in die Beine des Gegners und wurde gelegt. Elfmeter f\u00fcr die Eintracht. In der letzten Minute. Wahnsinn. Paciencia schnappte sich den Ball, w\u00e4hrend der Antwerpener Torwart ihn zutextete. Dies juckte unseren Portugiesen herzlich wenig. Er legte sich die Kugel auf den Punkt und drosch diesen zur F\u00fchrung der Eintracht ins Netz. Wir fielen \u00fcbereinander her, w\u00e4hrend sich auf der anderen Seite Trapp wieder einigen Wurfgeschossen ausgesetzt sah. Die Haupttrib\u00fcne wurde ausgelacht, die Herren dort schienen gereizt &#8211; doch es sollte nach Abpfiff noch weitaus ungem\u00fctlicher werden. Die letzten Minuten der Nachspielzeit \u00fcberstand die glorreiche SGE schadlos. Ausw\u00e4rtssieg! Wie gefordert, so geliefert, auch wenn es ein hartes St\u00fcck Arbeit war. W\u00e4hrend wir die Eintracht noch feierten, setzte sich der vermummte Anhang Antwerpens aus der Heimkurve in Bewegung und landete schlie\u00dflich w\u00fctend gestikulierend an der Ecke zur Haupttrib\u00fcne nahe unserem Block. Ein paar Ordner und ein, zwei Polizisten versuchten die Hasskappen in Schach zu halten. Deren Gesten nach zu urteilen, wollten sich sich mit uns nicht auf ein Sch\u00f6ppchen verabreden, sondern uns verhauen. Und w\u00e4hrend auf unserem Buskonvoi noch gef\u00fchlt Tausende von Cops in der N\u00e4he waren, so k\u00e4mpften die zwei in der Ecke nun einen verzweifelten Kampf. Es dauerte viel zu lange, bis sich ein paar Behelmte auf den Weg machten und dem w\u00fcsten Treiben Einhalt geboten.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt im Shuttle machte mir keine Sorgen, auch der Platz vor den Treppen war safe. Allein, ich hoffte, dass die Autos auf den Parkpl\u00e4tzen am Fluss auch sp\u00e4ter noch mit Windschutzscheibe vorzufinden waren, hielt aber vorsorglich meinen Mund, um unter uns keine Panik zu verbreiten. Lange dauerte es nicht, bis wir den Block verlassen konnten und es dauerte auch nicht lange, bis sich der Konvoi in Bewegung setzte. Diesmal ging es mit viel Blaulicht durch die Antwerpener Nacht \u00fcber die Autobahn zur\u00fcck, am Riesenrad wurden wir ausgespuckt, versteckten unsere Schals und spazierten unbehelligt zur\u00fcck zum Parkplatz. Dort stand unser Bus noch unversehrt, jedoch erfuhren wir, dass es einige Eintrachtfans auf der Haupttrib\u00fcne schellentechnisch erwischt hatte. Alle hofften, dass alle gut heimkommen, sicher war im Moment gar nichts &#8211; au\u00dfer uns, die wir kauend an der Schelde standen.<\/p>\n<p>Dann verteilten wir uns auf unsere Pl\u00e4tze, unsere Nachtfahrerin rollte hochsouver\u00e4n zun\u00e4chst dem Parkplatz davon, dann durch die Stadt, um anschlie\u00dfend die beleuchtete belgische Autobahn zu entern. Kilometer um Kilometer rollten wir recht schweigsam Richtung Niederlande, dann durch Deutschland. Jede\/r hing seinen Gedanken nach, versuchte, ein bisschen zu pennen und zuweilen leuchteten die Handys. So, wie es aussah, hatten es alle ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten geschafft, entweder die Autos oder die Hotelzimmer zu erreichen. Einem kurzen Halt auf einer bundesdeutschen Rastst\u00e4tte folgte die Einreise nach Frankfurt. Die Stadt schlief, nur wir waren wach, halb drei in der tiefen Nacht. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter lagen wir in der Koje. Todm\u00fcde, aber geschafft. Peu a peu trudelten die Nachrichten ein, dass es auch der Rest der wackeren Truppe bis nach Hause gepackte hatte. In sechs Stunden sollte mein Wecker klingeln.<\/p>\n<p>Punkt 10 war ich dann wirklich im Museum der Frankfurter Eintracht. Todm\u00fcde. Aber ich war da. Ausw\u00e4rtssieg!<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachts um halb drei rollen wir todm\u00fcde wieder in Frankfurt ein. Hinter uns liegen runde 800 Kilometer Strecke, Berge voll belgischer Pommes, ein Blick aus luftiger H\u00f6he und ein Ausw\u00e4rtssieg, \u00fcberhaupt der erste Sieg der laufenden Saison. In Belgien, genauer gesagt in Antwerpen. Europacup in diesem Jahr. Aber der Reihe nach.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14805,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,9,10,12],"tags":[1823,2397,1329,2398,571],"class_list":["post-14788","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-eintracht-frankfurt","category-photographie","category-wortwelt","tag-eintracht-frankfurt","tag-europa-league","tag-europacup","tag-royal-antwerpen","tag-uefa-cup","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14788","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14788"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14788\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14812,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14788\/revisions\/14812"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}