{"id":14355,"date":"2020-06-17T12:46:53","date_gmt":"2020-06-17T10:46:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14355"},"modified":"2020-06-17T19:06:50","modified_gmt":"2020-06-17T17:06:50","slug":"im-taunus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14355","title":{"rendered":"Im Taunus"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber die Miquelallee raus aus Frankfurt, die Scheibenwischer schieben das Wasser beiseite. Dienstag im Regen. Eine gute Zeit, in den Taunus zu fahren. Sobald es in die H\u00f6he geht, muss sich der Dacia m\u00e4chtig anstrengen, lumpige 75 PS zwingen in fast in die Knie &#8211; er wankt, aber er f\u00e4llt nicht. Meistens darfst du eh nur 60 fahren, das schaffen wir, auch wenn hintendran manch eine\/r ungeduldig wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Fr\u00fcher hie\u00df &#8222;Taunus&#8220; ja meist: Gro\u00dfer Feldberg. Am kleinen Kiosk gab es f\u00fcr einen schmalen Taler einen Becher hei\u00dfe Boullion, 2016 sollte dieses wunderbare Relikt aus vergangenen Zeiten schlie\u00dfen, durfte nach Druck aber doch noch etwas l\u00e4nger betrieben werden. Heute d\u00fcrfte er endg\u00fcltig dicht sein, der Kiosk, wahrscheinlich folgt irgendwas mit &#8222;Event-Gastronomie&#8220;, ich wei\u00df es nicht, ich war nicht oben. Als ich den Dacia gegen\u00fcber dem Gasthaus &#8222;Zum Roten Kreuz&#8220; parke, nieselt es noch immer. Mein erstes Ziel sind die Reste einer alten Glasbl\u00e4serei in der Emsbachschlucht. Gro\u00dfe Pl\u00e4ne jedoch habe ich nicht, wenn es sch\u00fctten sollte, w\u00e4re ein kurzer Weg zum Auto vorteilhaft. Bepackt mit einer d\u00fcnnen Regenjacke und einer Wasserflasche sowie einer Wanderkarte marschiere ich los.<\/p>\n<p>Und ich h\u00e4tte es mir denken k\u00f6nnen: Wenn du oben parkst und nicht auf den Gro\u00dfen Feldberg willst, dann geht es bergab, was nichts anderes hei\u00dft, dass es am Ende bergauf gehen wird. Und zwar heftig. Der Schotterweg f\u00e4llt wirklich rasant ab, schon nach wenigen Metern auf dem Schinderhannessteig verk\u00fcndet ein Schild, dass es nur einige hundert Meter bis zur alten Glasbl\u00e4serh\u00fctte sind &#8211; und tats\u00e4chlich weist bald ein metallener Glasbl\u00e4ser am Wegesrand auf die Abzweigung Richtung Emsbachschlucht, es sind nur ein paar Schritte bis zu den steinernen \u00dcberresten der alten \u00d6fen mitten im Wald. Glasbl\u00e4ser hielt es seinerzeit nie ewig an einem Ort. Neben Wasser waren Buchen wesentlich f\u00fcr ihre schwei\u00dftreibende Arbeit, waren die umliegenden B\u00e4ume gef\u00e4llt und verbrannt, zogen sie weiter an einen n\u00e4chsten Ort.<\/p>\n<p>Auch ich ziehe weiter, denke an diejenigen, die hier einst geschuftet haben. Das ist das Sch\u00f6ne am Wandern, die Gedanken drehen frei, inspiriert durch Geschichten und Ger\u00fcche, durch Blicke und Baumwald. Vorbei an der Gottschalk-Fichte laufe ich Richtung Oberems, zwei Frauen kommen mir entgegen, gr\u00fc\u00dfen brav, derweil ich zur\u00fcck gr\u00fc\u00dfe und bis zum Ort runter auf niemanden mehr treffe. Die Regenjacke reicht aus, obgleich es durchweg tr\u00f6pfelt. Ich passiere den&nbsp; Sportplatz in Oberems. Am Wegesrand m\u00e4ht ein Unimog mit Seitenm\u00e4her den Hang, sein tackern verfolgt mich in der Stille.<\/p>\n<p>Ein paar Metern hinter den ersten H\u00e4usern zweigt ein Weg rechter Hand in den Wald ab &#8211; und so marschiere ich auf der anderen Seite des Naturschutzgebietes rund um den Emsbach nach oben. Bin ich bislang nur bergab gewandert, so verkehrt sich dies nun ins Gegenteil, es geht schnurstracks in die H\u00f6he. Hoffentlich f\u00fchrt mich der Weg auch zur\u00fcck und knickt nicht irgendwo in eine v\u00f6llig andere Richtung ab. Grob hatte ich mir, bevor es losging, einen \u00dcberblick verschafft, aber man wei\u00df ja nie. Ob des Regens habe ich auch keine Lust, die Karte raus zu holen. Auf der Wiese nebenan grasen gelangweilt zwei K\u00fche, w\u00e4hrend ich mich nach oben schiebe und doch auf dem richtigen Weg bin. An einer zerfallenen H\u00fctte raste ich kurz und bald lande ich wieder bei den Glasbl\u00e4sern. Der letzte Kilometer zur Stra\u00dfe hin ist anstrengend, ich hatte es geahnt, f\u00fcr gro\u00dfe Steigungen bin ich nicht gebaut, da geht es mir wie dem Dacia.<\/p>\n<p>Hier ein P\u00e4uschen, da ein P\u00e4uschen und letztlich lande ich doch wieder am Parkplatz. Da ich noch keinen allzu gro\u00dfen Hunger habe, gleichwohl aber in der Gastst\u00e4tte einkehren m\u00f6chte, drehe ich noch ein Runde um das Feldbergkastell und lande an der Weilquelle. Die alten R\u00f6mer, clever wie sie waren, hatten ihr Kastell nicht an der alten Stra\u00dfe erbaut, nein, sie nutzten die N\u00e4he der Quelle &#8211; und konnten somit auch ein Bad betreiben &#8211; sogar mit warmen Wasser. Ob das die Glasbl\u00e4ser gewusst haben?<\/p>\n<p>Durch das Kastell marschierend lande ich auf der anderen Seite an den Reifenberger Wiesen mit Blick ins Tal und auf die Burg Reifenberg. Drei Mountainbiker sausen an mir vorbei, auch ein Postauto, dann lande ich wieder am Gasthaus. Drinnen bin ich der einzige Gast, drau\u00dfen tr\u00f6pfelt es noch immer. Gem\u00fctlich ist&#8217;s in der Stube, das Schnitzel wohlverdient und in meinem Kopf tummeln sich Bilder von immer durstigen Glasbl\u00e4sern und badenden R\u00f6mern. Alsdann rollt der Dacia bergab Richtung K\u00f6nigstein, das kann er wie ein Gro\u00dfer, aufpassen auf die Blitzer, B8, A66, Frankfurt &#8211; immerhin ohne gro\u00dfen Verkehr und schon hat mich das hektische Gro\u00dfstadttreiben wieder. Aber ich bin halbwegs trocken geblieben und wei\u00df nun, wo oben im Wald die Glasbl\u00e4ser ihrer Arbeit nachgingen, das ist doch was.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Miquelallee raus aus Frankfurt, die Scheibenwischer schieben das Wasser beiseite. Dienstag im Regen. Eine gute Zeit, in den Taunus zu fahren. 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